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wissenschaftliches schreiben und textauswahl

was ist ein standardwerk? diese frage stellt sich allen menschen, die eine wissenschaftliche arbeit verfassen. denn die behauptung, dass ein buch oder ein text standard sei, ist leichter gesagt als geglaubt. ganz gleich, welches wissenschaftsgebiet und welches „fach“ man betrachtet, die aussagen, was standard in diesem forschungsbereich sei, gehen meist weit auseinander.

manchmal einigt sich ein forschungsverbund oder eine bestimmte wissenschaftliche schule auf ein grundlegendes werk, auf das sich alle weiteren schritte des forschens beziehen. somit kann man dieses buch oder diesen text für die jeweilige forschungsrichtung als standardwerk betrachten. und ich garantiere ihnen, es gibt mindestens einen vertreter, eine vertreterin dieser forschungsrichtung, die den „standard“ in frage stellen. das macht zwar zum einen überhaupt wissenschaft aus, also der diskurs über die grundlagen der eigenen annahmen und untersuchungen, es verunsichert aber gleichzeitig alle wissenschaftlich schreibenden, die überlegen, auf welches standardwerk sie sich in ihren betrachtungen beziehen sollten.

ein beispiel: sigmund freud hat großen einfluss auf die heutige psychologie gehabt. er wird oft erwähnt, zitiert und es wird sich auf ihn bezogen. noch häufiger stellen seine betrachtungen die grundlage für späteres psychotherapeutisches vorgehen und psychotherapeutische theorien dar. aber in der forschungsrichtung psychologie, an den hochschulen, wird freud kaum einbezogen. er wird mal kurz betrachtet, jedoch in vielen zusammenhängen als unwissenschaftlich abgetan. so werden die vorlesungen von freud sicherlich von den meisten lehrenden nicht als standard für ihre forschung in der psychologie betrachtet. bei den praktikern außerhalb der hochschulen sieht dies aber ganz anders aus.

doch wie soll man nun damit in einer wissenschaftlichen abschlussarbeit umgehen. einziger rat, den man geben kann, klären sie dies mit den wissenschaftlerInnen, die ihre arbeit betreuen. die vorstellung von „standardwerken“ ist eine zutiefst subjektive. das fiese daran ist, die verantwortlichen, darauf angesprochen, werden mit großer wahrscheinlichkeit immer sagen, dass ihre auswahl der standardwerke objektive kriterien folge und keinesfalls subjektiv sei. denn es handle sich schließlich um den standard aller. ohne diesen standard ist in ihren augen wissenschaftlliches arbeiten unvorstellbar. noch ein tipp: glauben sie es. verhalten sie sich strategisch und gehen sie erst einmal davon aus, wenn sie keine lust auf einen langen diskurs im rahmen einer abschlussarbeit haben.

noch einen schritt weiter: welche anderen texte und bücher sind für ihr wissenschaftliches schreiben relevant? auch hier ist die auswahl enorm, irgendwann müssen sie sich begrenzen. doch auf welcher grundlage? Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und selbstwert

für viele nagt das wissenschaftliche schreiben am selbstwertgefühl. die hochschulen tun wenig dagegen, die große verunsicherung, vor allen dingen beim verfassen von abschlussarbeiten, einzudämmen oder zu beseitigen. master-, diplom- und doktorarbeiten sind für hochschulangehörige meist die ersten momente, in denen sie selbstständig forschungsfragen entwickeln und forschungen durchführen. hausarbeiten, referate und die bachelor- oder vordiplomarbeiten sollen sicherlich eine vorbereitung auf den nächsten größeren schritt darstellen. doch meist fehlt es am ausführlichen feedback, das die weiterentwicklung der eigenen (schreib)kompetenzen ermöglicht.

hochschulen haben schon zu wenig personal, um die wissenschaftlichen schreibprozesse angemessen zu begleiten. selbstzweifel und versagensängste nehmen bei den schreibenden zu, je näher die abschlussarbeiten rücken. manche versuchen sich an anderen abschlussarbeiten zu orientieren, andere fragen im freundeskreis oder versuchen über literatur zum wissenschaftlichen schreiben, einen weg durch den schreibprozess zu finden. je voller die hochschulen, seminare und sprechstunden werden, desto schwieriger wird es für dozentInnen eine angemessene begleitung anzubieten.

dabei gibt es an einzelnen hochschulen erfolgsversprechende konzepte und einrichtungen, die eine schreibdidaktische begleitung des schreibprozesses ermöglichen. so werden schreibzentren mit „peer-tutoring“-konzepten aufgebaut, es gibt beratungsstellen und online-beratung. aber das sind bis heute immer noch die wenigsten hochschulen, die dies anbieten. auf der anderen seite wird beklagt, dass die zahl der studienabbrecherInnen zunimmt. völlig außer acht gelassen wird in den meisten diskussionen die psychologische komponente, dass sich viele studierende auf sich selbst zurückgeworfen fühlen.

wie stellt man denn eine forschungsthese auf? wie positioniert man sich zu der these und wie begründet man schlüssig seine eigene position? was sagen meine forschungsergebnisse letztendlich aus und wie trenne ich sie klar von meiner subjektiven position? wann komme ich ins deuten und ins kaffeesatzlesen und wann arbeite ich wissenschaftlich? wie finde ich die richtigen worte? ab welchem moment klingt ein text zu locker, wann erschöpft er sich Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und helfen

eine heisses eisen ist die hilfe und unterstützung beim verfassen wissenschaftlicher texte. es kommt immer auf die form der texte an, wie weit hilfe gehen darf. veröffentlichungen in wissenschaftlichen journalen oder auf homepages werden nicht selten von den forschenden gemeinsam erstellt. wer an einer untersuchung gemeinsam arbeitet, veröffentlicht die ergebnisse meist auch gemeinsem. anders sieht es mit akademischen abschlussarbeiten aus. diese müssen den passus enthalten, dass die forschungsleistung und das wissenschaftliche arbeiten allein vollbracht wurde. und die erklärung ist von allen verfasserInnen abzugeben.

doch natürlich kann man bekannte, verwandte oder auch professionelle fragen, wie bestimmt abschnitte in einer abschlussarbeit oder einem artikel klingen, ob der forschungsansatz nachzuvollziehen ist. man kann mit anderen menschen inhaltliche diskussionen führen, kann sich über die neuen erkenntnisse austauschen. wissenschaft gründet auch auf einem ausführliche diskurs. aber es geht nicht, dass man andere beauftragt, die eigene arbeit zu verfassen. es ist ein sehr aktuelles thema in der diskussion um plagiate bei forschungsarbeiten.

und doch gibt es unter der hand immer wieder angebote von ghostwritern, die das verfassen der haus- oder abschlussarbeiten gegen geld übernehmen. dabei handelt es sich um eine rechtlich problematische vorgehensweise. und, dies mag jetzt recht moralisch klingen, was bringt es einem das eigene forschungsergebnis von anderen verfassen zu lassen, wenn man dadurch versäumt, überhaupt einmal wissenschaftlich schriftlich gearbeitet zu haben. auch spätere tätigkeiten können einen immer wieder an den gleichen punkt bringen.

interessanter wäre es dann wahrscheinlich, die frage zu stellen, warum man etwas macht (oder eben machen lässt), zu dem man überhaupt keine lust hat. wieso daran festhalten und sich selber über das ohr hauen? Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und erfolg

beim wissenschaftlichen schreiben lässt sich der erfolg recht leicht messen: entweder wurde die aufgabe, der abschluss oder die untersuchung erfolgreich abgeschlossen und dementsprechend bewertet oder veröffentlicht. oder es hat alles nicht funktioniert und das geschrieben genügt nicht den erwartungen der anderen. das ist aber meist das minimum, das wissenschaftlerInnen, forschende und studierende erreichen wollen.

in der wissenschaft wird benotet. und wenn es nicht die schulischen noten von 1 bis 6 sind, dann sind es bewertungen wie „summa cum laude“. leider unterscheiden sich heute viele studiengänge nicht mehr groß von der schule (gut der name ist ja auch hoch“schule“ 😉 ). so ist das korsett eines studiums häufig eng geschnürt. entweder stehen von anfang an stundenpläne für die jeweiligen semester fest, es wird eine schnelle, effiziente lehre angeboten und schriftliche tests, klausuren oder hausarbeiten ähneln den prüfungen in der schulzeit.

es ist etwas verloren gegangen, das eigentlich einmal das wissenschaftliche arbeiten ausmachte: eigene gedanken formulieren, verbindungen herstellen, die bis dahin nicht gedacht wurden, sich aus einer auswahl die lehr- und lernangebote auswählen, die einen interessierten. erfolg entstand dadurch, dass man sich im eigenständigen denken und forschen bewährte. heute befindet man sich in der gleichen abhängigkeit von der tagesform der dozentInnen wie früher von den lehrerInnen. das notensystem ist schon immer ein subjektives gewesen, entscheidet aber von anfang an über den abschluss eines studiengangs.

dadurch bekommt das wissenschaftliche schreiben auch eine ganz andere funktion: es muss „funktionieren“. das bedeutet, es wird oft mehr wert auf die standards gelegt als auf das forschungsinteresse. die notengebung zwingt zu einer vergleichbarkeit wissenschaftlicher ergebnisse, die so nie gegeben sein wird. also wird ein ganz bestimmtes schreiben trainiert, das langweilig, Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und kommunikation

beim wissenschaftlichen schreiben gibt es zwei kommunikationsebenen: zum einen die kommunikation mit den betreuenden und bewertenden lehrenden und zum anderen die mit den leserInnen. beide ebenen können sehr unterschiedlich genutzt werden. es gibt auch beim wissenschaftlichen schreiben wenige verallgemeinerbare elemente. wahrscheinlich wird der aufschrei bei manchen leserInnen nun groß sein und der widerspruch erhoben: gerade das wissenschaftliche schreiben hat sehr klare kriterien, wie zu schreiben ist.

letztendlich sind dies meist formale kriterien und es sind vorstellungen, was unter wissenschaftlichem arbeiten zu verstehen ist. so gehört zum wissenschaftlichen arbeiten, dass ich behauptungen begründen und belegen können muss. um diese formen des arbeitens kommt man nicht drumherum, da es sonst nicht mehr wissenschaftlich ist. aber wie ich meinen eigentlichen „stoff“ oder „forschungsgegenstand“ rüberbringe, das ist eine ganz andere sache. das wissenschaftlich schreiben kann mit den leserInnen kommunizieren. leider kommt dies viel zu selten vor.

es wird in deutschland weiterhin viel mehr wert auf die statistiken, die messergebnisse und die korrekten berechnungen gelegt, als auf die eigentliche basis der wissenschaften: den diskurs. forschungen und wissenschaften leben davon, dass man sich über die ergebnisse austauscht und gedanken weiterentwickelt. dies geht aber nur, wenn andere mich und meine texte verstehen. beim wissenschaftlichen schreiben sollte man im gegensatz zum kreativen schreiben ruhig die leserInnen mitdenken, wenn man seine texte und arbeiten verfasst. kann das jemand anderes verstehen, der sich nicht so mit der materie auskennt, wäre eine frage. oder: sind meine eigenen positionen klar abgegrenzt von vorausgesetzten erkenntnissen und dem aktuellen forschungsstand?

so lang wissenschaftliches schreiben die eigenen fachtermini nicht verlassen kann, so lang distanziert sich wissenschaft von der allgemeinverständlichkeit und von einem diskurs, an dem alle interessierte teilnehmen können. die fachsprache ist auch ein versuch andere von der kommunikation auszuschließen. die krux bei der sache: es gibt kaum orte, an denen man lernen kann, wie texte verständlicher werden. womit ich auch schon bei der kommunikation mit den betreuenden lehrenden bin.

die hochschulen und bildungseinrichtungen sind personell weiterhin schlecht ausgestattet: zu große seminare, zu viele prüflinge pro lehrende, zu wenig zeit für betreuungsgespräche. man kann nur empfehlen, Weiterlesen

nabelschau (44)

position und psychopharmaka. es wundert immer wieder, mit welchen vorleistungen man in unserer gesellschaft, welche positionen einnehmen kann. der nächste fall von schwierigkeiten bei der promotion zeigt sich. ein wenig anders gelagert, ein bisschen ehrlicher, aber irgendwie weiterhin fragwürdig. und die nächste stellungnahme von, „ach ja, da habe ich wohl ein paar kleine fehler gemacht“.

es geht nicht darum, jemandem keine fehler zu zu gestehen. natürlich darf einem das beim verfassen einer doktorarbeit ebenso passieren, wie im job. den „fehlerfreien“ menschen gibt es nicht. wäre auch insgesamt ganz schön unmenschlich. aber es gibt verschiedene formen, mit einem fehler umzugehen. da ärgert es einen nicht nur einmal, nein es ärgert inzwischen auf ganzer linie. mag sein, dass inzwischen verschärft bei leistungsträgern geschaut wird, ob sie nicht doch etwas falsch gemacht haben. aber es kann nicht sein, dass ihnen das überhaupt nicht bewusst war.

und dann wird es gruselig. denn auf der einen seite handelte es sich in letzter zeit um vertreterInnen der riege: „es muss korrekt, ordentlich und vor allen dingen unbedingt leistungsorientiert in unserer gesellschaft zugehen. von nichts kommt nichts.“ das bedeutet, die fehlermachenden verschärfen die regeln und haltungen gegenüber der ausbildung, der bildungsinstitutionen und die kriterien für wissenschaftliches arbeiten. der druck auf studierende wird beständig erhöht. wissenschaftliches arbeiten hat nur noch wenig mit entdecken, mit interesse und mit freude am forschen zu tun.

gleichzeitig gibt es die meldung, dass studierende ständig mehr psychopharmaka (im besonderen anscheinend antidepressiva) verkauft werden. da muss man sich doch fragen dürfen, ob nicht etwas schief läuft in unserem bildungssystem? läuft uns wirklich die weltweite konkurrenz davon, wenn wir nichts anderes mehr machen als bewerten, prüfen und testen, dabei aber den wissenschaftlichen diskurs und das abwägen aus den augen verlieren? die konsequenz aus diesen kurzen bemerkungen: jemand, der der meinung ist, starken einfluss auf die öffentliche meinung nehmen zu wollen (und im besonderen auf das wissenschaftliche arbeiten an hochschulen), der sollte für sich erst einmal prüfen, wie die eigene studienzeit verlaufen ist und welche form des lernens, forschens und studierens er/sie schätzte.

es ist zu vermuten, dass wir dann vielleicht wieder einen weg zum interessengeleiteten und lustvollen lernen finden.

wissenschaftliches schreiben und kreatives schreiben

man könnte vermuten, dass kreatives schreiben maximal in künstlerischen studiengängen etwas verloren hat, aber in naturwissenschaftlichen und technischen keinen sinn macht. wie schon in den letzten posts zum wissenschaftlichen schreiben aufgezeigt, muss das nicht unbedingt sein. und man kann noch einen schritt weiter gehen, neben assoziationstechniken und der suche nach der forschungsfrage, kann kreatives schreiben eine schriftliche arbeit beleben.

doch vorab ein hinweis oder eine warnung, wie immer man das bezeichnen mag. es gibt dozentInnen und professorInnen, also wissenschaftlerInnen, die darauf schwören, dass wissenschaft in einem starren korsett zu agieren hat. alle formen des abweichens werden als unwissenschaftlich bezeichnet. darum sollte man, bevor man sich an eine lebhafte, leicht zu lesende und energiegeladene schriftliche arbeit macht, mit den betreuenden wissenschaftlerInnen abklären, welche form des schreibens anerkannt wird. man tut sich keinen gefallen, wenn man es auf sanktionen anlegt.

so kann es zum beispiel zum streitpunkt werden, wie viel eigene positionen in einer wissenschaftlichen arbeit auftauchen dürfen. etliche lehrende sind der meinung, dass statements von den verfasserInnen maximal in der zusammenfassung eines wissenschaftlichen textes etwas verloren haben. vor allen dingen abschlussarbeiten für master und diplom sollten ihrer ansicht nach einzig den beweis erbringen, dass man wissenschaftlich arbeiten kann. es gibt aber auch gegenpositionen, die der meinung sind, forschende dürfen sehr wohl eine persönliche meinung abgeben, wenn sie ihre ansichten belegen können.

aber abseits der vorher zu klärenden aspekte, gibt es viele möglichkeiten bei genehmigtem spielraum, das kreative schreiben für die texte zu nutzen. so kann man für begriffe, die immer wieder auftauchen, alternative formulierungen suchen. man kann mit hilfe von formen des verdichtens, mammutsätze können in einfache, verständliche formulierung überführt werden. metaphern und bildbeschreibungen geben einen plastischen eindruck des erforschten. ja, man könnte sogar colloquien, die den wissenschaftlichen abschluss unterstützen sollen, zu (schreib)gruppen umfunktionieren, Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und forschungsfrage

forschen ist der versuch, sich die welt weiter anzueignen, um mehr verfügung über die eigenen lebensbedingungen zu haben. das soll heißen, vieles auf der welt funktioniert auf eine art und weise, die uns menschen bis heute unerklärlich erscheint. stück für stück entschlüsselt der mensch, seitdem er denken kann, seine umwelt. abgesehen von der frage, wie real die wahrnehmung des menschen ist (eine frage, die wahrscheinlich kaum geklärt werden kann), möchte er mehr und mehr über seine lebensbedingungen wissen.

das bedeutet, forschung hat etwas mit neugierde, mit interesse und mit der suche nach erklärungen zu tun. leider verschwindet diese vorstellung in vielen wissenschaftlichen zusammenhängen. die verwertbarkeit der erkenntnisse und experimente steht immer häufiger im vordergrund. und zu dieser verwertbarkeit gehört es auch, dass die forschungsfragen gar nicht mehr selber von den wissenschaftlich schreibenden gesucht werden, sondern vorgegeben sind von der forschungsleitung. die forschungsfragen der einzelnen decken nur noch einen teilbereich eines großen forschungsprojekts ab. dies kann vereinzelt sehr spannend sein, endet aber nicht selten in purer zuarbeit zu den großen fragen.

sollte man aber die freiheit besitzen, seine forschungsfragen zum beispiel für eine abschlussarbeit stellen zu können, dann ist man aufgefordert, stück für stück seine neugierde offen zu legen und einzugrenzen. auch diesen prozess kann man durch schreibtechniken unterstützen und fördern. wie schon im vorherigen post aufgezeigt, bieten vor allen dingen das freewriting (eventuell fokussiertes) und das cluster, schon gute assoziative grundlagen. durch beide techniken kann das forschungsthema grob eingegrenzt werden.

nun lassen sich gedanken aus dem marketing anwenden, um weiter einzugrenzen. einfachstes (und gleichzeitig auch schwerstes) herangehen ist es, die forschungsfrage in eine einzige frage zu packen. oder man formuliert einen werbespruch für das eigene forschungsanliegen mit maximal acht wörtern. auf was für eine essenz lässt sich das forschungsinteresse verdichten. dies ist eine gute möglichkeit, zu verhindern, dass das wissenschaftliche schreiben ausufert und Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und struktur

bei wissenschaftlichen arbeiten, abseits der veröffentlichungen in fachzeitschriften, gibt es eine gewisse strukturvorgabe, die den einstieg in die eigenen strukturierung erleichtert. teilweise lässt sich diese struktur auch auf wissenschaftliche artikel übertragen. schwieriger wird es dann für viele bei der feinstruktur, dem roten faden, der sich durch die arbeit ziehen sollte. darum hier ein paar gedanken dazu.

die grobe struktur sieht zum beispiel bei master-, diplom- oder auch doktorarbeiten folgendermaßen aus: gestartet wird mit der einleitung, die oft auch den persönlichen bezug zur wissenschaftlichen fragestellung darstellen soll und vor allen dingen die forschungsthese aufzeigt. die these bildet die grundlage für die gesamte arbeit und wird mit den forschungsergebnissen be- oder widerlegt. im nächsten schritt folgt die erklärung der grundlagen, die man annehmen und anderweitig belegen kann. dann wird das eigene forschungssetting und die untersuchengen, das wissenschaftliche arbeiten beschrieben. anschließend sind das ergebnis, die beweisführung oder dergleichen mehr zu beschreiben und es wird ein fazit gezogen. nach literaturliste und anhang (zum beispiel mit tabellen, berechnungen oder statistiken) ist das werk vollbracht.

doch wie nun für die einzelnen abschnitte eine struktur finden? letztendlich geht es darum, einen lesefluss zu erzeugen, der es den leserInnen möglich macht den gedankengängen folgen zu können und die herbeiführung des forschungsergebnisses nachvollziehen zu können. um diese struktur zu finden, können schreibtechniken aus dem kreativen schreiben für das wissenschaftliche schreiben sehr hilfreich sein.

vor allen dingen das freewriting bietet die möglichkeit, bevor man in das verfassen der wissenschaftlichen arbeit einsteigt, die grundgedanken sowohl für die ganze arbeit als auch für einzelne unterkapitel zu entwickeln. Weiterlesen

nabelschau (38)

das erbe helmut kohls. nach beinahe 30 jahren zeigen sich die folgen des beständigen „intellektuellen-bashing“ durch den damaligen bundeskanzler. immer wieder betonten er und etliche seiner nachfolger, wie lästig ihm wissenschaftliche und intellektuelle diskurse sind. das kam schon damals der demontage von wissenschaft (bevorzugt von geisteswissenschaft) nahe.

es ist paradox, dass auf der einen seite die förderung der bildungselite propagiert wird, dass wir auf exellente wissenschaft als zukünftigen motor unserer gesellschaft eingeschworen werden, und auf der anderen seite das faken einer doktorarbeit durch einen minister als kavaliersdelikt angesehen wird. nun ist er zurückgetreten nach wochen der gleichgültigkeit, der ausreden und des betonens aller anderen leistungen.

alle menschen erbringen in dieser gesellschaft immer wieder leistungen. oft leistungen, die über das hinausgehen, was sie bis dahin vollbracht haben. immer mehr eltern schwören ihre kinder schon in der kita auf das leistungsprinzip ein. und dann wird ihnen erklärt, dass das alles gar nicht so wichtig ist, dass man solche abschlüsse und regeln nicht zu ernst nehmen sollte.

gut, man kann der meinung sein, dass unser wissenschaftsbetrieb auch ein fantasieloser, dem mainstream und der wirtschaftlichen verwertbarkeit verhafteter ist. dass inzwischen so viele einen doktortitel tragen, dass er immer mehr an bedeutung verliert. aber man kann den menschen nicht ihre bemühungen absprechen. man sollte endlich in dieser komplexen welt wieder dahin zurückkehren, dass man komplexe gedanken und diskurse benötigt.

gleichzeitig sollte man aber auch dahin gelangen, dass alle leistungen der menschen anerkannt werden. der eine mag sie im wissenschaftlichen betrieb erbringen, der andere bei der erziehung seiner kinder. aber vom verhalten der frau merkel und des herrn guttenberg geht eine ganz andere botschaft aus: ihr könnt euch noch so anstrengen, wenn ihr nicht zur richtigen pressure group gehört, dann bringt euch das alles nichts. und ein großteil der bevölkerung heisst dies auch noch gut. wahrscheinlich wäre es wieder an der zeit einen könig oder eine königin zu krönen.

nabelschau (37)

verschwörungstheorien als ausrede für plagiate. ja, es liegt mir auf den lippen: wäre unser verteidigungsminister zu mir in die schreibberatung gekommen, wäre das nicht passiert 😀 doch das ist zu spät. eigentlich ist es zu spät für alles. denn, der schritte sind zu viele getan.

ja, es gibt viele menschen, die faken. es herrscht inzwischen oft die „copy-und-paste-haltung“ beim erarbeiten neuer dinge. dagegen spricht nichts, wenn man sich nur die ganzen neuinterpretationen alter musikstücke anschaut, wenn man sich die weiterverwertung von geschriebenem in blogs betrachtet und wenn man sich die filmcollagen mancher satiresendungen betrachtet. hier wird das plagiat zum zitat, zu einem kreativen zitat. aber es wird meist darauf hingewiesen wer urheber der ideen war.

aber, und da liegt der knackpunkt für einen juristen, alle akademikerInnen kennen die eidesformeln oder versicherungen, dass sie ihre abschlussarbeiten selbstständig verfasst haben. es gibt aber auch menschen, die den ghostwriter für abschlussarbeiten geben, gegen geld versteht sich. und doch, es gibt regeln des zitierens, copyright und diverse andere grundlagen des urheberrechts. im gegensatz zu naiven kopiererInnen weiß ein jurist, was er in dem moment, in dem er dagegen verstösst, macht.

oder der jurist muss sich den vorwurf gefallen lassen, er sei unglaublich naiv. doch wer glaubt bei dieser doktorarbeit an naivität? niemand. aber ein teil glaubt, die situation dadurch retten zu können, dass er tief in die kiste der verschwörungstheorie greift. ja, es ist sicherlich auch wahr, dass das fehlverhalten politisch genutzt wird. aber, jemand, der sich selber gern als wahrhaftig, moralisch integer und korrekter mensch darstellt, sollte zumindest erkennen, wann es an der zeit ist, fehler einzugestehen. oh nein, es benötigt keine entschuldigung, es benötigt klarheit.

doch die mediale maschinerie wird genutzt, um es wie ein kavaliersdelikt erscheinen zu lassen, was inzwischen in vielfältiger weise widerlegt wurde. es deutet darauf hin, zumindest laut „spiegel„, dass dies noch nicht alles war. dies hin oder her, von menschen, die ihre abschlüsse verloren haben, da sie copy-and-paste verwendeten, und von menschen, die einfach geforscht, zusammengefasst und veröffentlicht haben, kann die aktuelle situation nicht mehr verstanden werden.

da wirkt der politische angriff gegen die opposition wie ein machtspielchen abseits aller begebenheiten. und es sagt etwas über die haltung, die in manchen kreisen dieser gesellschaft eingenommen wird. im schwäbischen sagt man „es gibd soddige ond soddige. und ieh bin oiner von de soddige.“

web 2.0 und wissenschaft

das forschen für die schublade hat sich ein wenig überlebt, jedenfalls wenn man sich nicht in der drittmittel-finanzierten forschung befindet. bevor das internet sich ausbreitete war es schwierig neueste erkenntnisse und ergebnisse zu verbreiten. wer ein buch veröffentlichen oder in einer fachzeitschrift schreiben wollte, wurde meist aufgefordert, zum herstellungspreis etwas beizusteuern. für junge forscher, die dem universitären prekariat angehörten, ergab sich das problem, dass sie kaum veröffentlichen konnten. doch gleichzeitig spielte die zahl der veröffentlichungen in der wissenschaftskarriere eine große rolle.

das web 2.0 hat die chancen, beachtet zu werden, beträchtlich erhöht. die forschungsergebnisse, die keinen weg in fachzeitschriften oder in bücher finden, können für lau ins netz gestellt werden. gut, da gibt es die konkurrenz der anderen forscherInnen, denen man nicht zu viel erkenntnisse zur verfügung stellen möchte. doch so manche arbeit versauert somit nicht in papierstapeln oder bibliotheken sondern ist im netz abrufbar.

schwieriger scheint auf den ersten blick die qualtitätskontrolle: soll heißen, jeder mensch kann etwas ins netz stellen. wie weit die erkenntnisse wirklich tragfähig sind und neuesten wissenschaftlichen kriterien entsprechen, ist für den laien schwer zu entscheiden. aber es werden in den debatten um gefälschte forschungsergebnisse die vorteile des internet und web 2.0 ignoriert. die öffentlichkeit ist eine größere, die suchmaschinen finden viele veröffentlichungen in windeseile. und somit ist die zahl der menschen, die die ergebnisse korrigieren könnten eine viel größere. ein gutes beispiel dafür ist der vergleich von wikipedia mit lexikonredaktionen und die geschwindigkeit, in der fehler korrigiert werden.

dabei ist natürlich nicht zu ignorieren, dass etliche, vor allen dingen naturwissenschaftliche versuchsanordnungen, nicht so leicht nachvollziehbar sind. und doch ist eher ein diskurs über die ergebnisse möglich, als beim verharren der ergebnisse in der schublade. eine große öffentlichkeit findet schneller die knackpunkte, als ein kleiner kreis. und so werden inzwischen viele arbeiten, die keinen platz in „science“ oder „nature“ finden, auf homepages veröffentlicht.

abseits davon ermöglicht das web 2.0 einen viel leichteren austausch während geforscht wird. man kann anordnungen als film ins netz stellen, man kann messergebnisse in beinahe echtzeit veröffentlichen oder auch nur die nächsten forschungsschritte zur diskussion stellen.

das klingt jetzt alles sehr ideal für die wissenschaften. natürlich ergeben sich auch schwierigkeiten. Weiterlesen