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wund-starr-krampf (07)

fussball – nachgetreten

ja, man könnte es ruhen lassen, denn es sollte nicht sein. war ja nur ein spiel und somit ist das kapitel männer-fussball-em erledigt. mir scheint aber, dass man einmal nachschauen sollte, was da eigentlich für mechanismen sowohl im vorfeld, als auch im nachhinein im spiel sind. denn die ganze kiste kommt nicht so harmlos daher, wie dann gern getan wird.

so hysterisch war es noch nie. mit ein paar jahresringen im holz erinnert man sich an die diversen meisterschaften. klar, teilweise waren die strassen leer, aber diese em hat so manchen rekord gebrochen. schon das erste spiel entmenschlichte den öffentlichen raum. das war aber kein zufall, sondern eine folge des medialen wahnsinns. tage vorher war auf allen medialen kanälen nichts anderes mehr zu vernehmen als die vorbereitung auf das spiel. da sah man es auch nicht so eng, dass konsequent für die fanmeile in berlin (eine privatwirtschaftliche angelegenheit) werbung gemacht wurde. seriöse nachrichten verkamen zu einer fussball-hofberichterstattung. der effekt: nicht verlieren können (dazu gleich mehr).

so politisch war es noch nie. nein, ich meine nicht das fernbleiben der kanzlerin und den hauch kritik an den undemokratischen verhältnissen in der ukraine. ich meine die tatsache, dass medien im schulterschluss mit den regierenden die em zu einer nicht-politischen veranstaltung erklärten und ja alles so hübsch in der ukraine war. man hätte das auch ganz anders thematisieren können, doch das war nicht erwünscht. hier ist keine trennschärfe mehr erkennbar. das ist das politische und bedenkliche (ähnliche berichterstattungen finden sich zum beispiel beim thema steigende strompreise, wenn wir die energiewende wollen).

so viele steuergelder wurden noch nie verschwendet. die preise für übertragungsrechte steigen beständig. da man sich anscheinend dem marktdenken des fussballs (der sowieso schon von der sporthilfe gefördert wird) anpasst und auch hier kein kritisches wort mehr verliert (aus der tour de france hat man sich einmal wegen kritischer momente zurückgezogen), wird inzwischen zu jeder tages- und nachtzeit zusätzlich werbung eingeblendet. doch nicht genug damit. die sendezeiten der öffentlich-rechtlichen sender werden kurzfristig geändert und spiele, die gerade gesendet wurden, gleich noch einmal ausgestrahlt. es gibt keine alternativen mehr (die privaten passten sich so weit an, dass sie eigentlich nur noch dauerwiederholungen sendeten). medial herrschte bald einen monat ein ausnahmezustand.

so schlecht wurde noch nie verloren. man muss es ja auch einmal auf den sportlichen punkt bringen. seit über 10 jahren verliert die deutsche mannschaft. doch vorher wird jedesmal propagiert, man könne jede mannschaft schlagen. und wie erbärmlich dann die folgen: niemand geht beim endspiel mehr zur fanmeile (also geht es doch um nationalismus und nicht um den schönen sport). man kann sich auch nicht für die andere mannschaft freuen. es kommt zu einer skurrilen emotionale verquickung eines sportereignisses mit offenem ausgang und nationaler gefolgschaft. ja, man stilisiert das nicht-gewinnen zu einem sommermärchen hoch, um irgendwie das gesicht zu wahren. was für altbackene rituale – wenn man schon meint, sich in wettbewerb mit anderen begeben zu müssen.

man ahnt, was in zwei jahren auf einen zukommt. nun ist man erst einmal spielverderber 😉

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wortklauberei (107)

„a wie angriff“
„a wie a-klasse“

endlich spricht es eine werbung einmal aus: es herrscht krieg auf den strassen. und daimler liefert den neuen panzer dafür. in dem martialischen spot bezieht sich der autohersteller zwar auf den fussball, der wohl auch nur die funktion besitzt ein ventil für all die angestaute angst und wut einer gesellschaft darzustellen. selten hat es ein werbespot so auf den punkt gebracht, wofür heutzutage die großen karossen gekauft werden oder fussball gespielt wird. ach ja, daimler ist übrigens auch ein recht ergiebiger rüstungskonzern.

wie war das noch einmal mit dem „stahlhelm“, der nur ein versprecher war (aber was für einer?). die relativierung folgt auch schon auf dem fuße: die briten würden sich noch viel stärker vor großen fussballspielen einer kriegerischen sprache bedienen. na dann, ist ja alles in ordnung. der mediale großangriff ist trotzdem nur noch eine verlogene farce. gebetsmühlenartig ist vor der em betont worden, es sei ja ein sportlicher wettkampf, der nicht zur hauptaufgabe habe, sich mit gesellschaftlichen verhältnissen in den gastgeberländern oder überhaupt auseinanderzusetzen.

ein blick in die teilnehmerländer würde viel mehr offenbaren. der tagesspiegel aus berlin hielt es abermals für notwendig zu betonen, dass beim autokorso nach dem sieg der deutschen mannschaft ein großer teil der teilnehmer einen migrationshintergrund (und wahrscheinlich einen deutschen pass) hattena. zudem hätten einige teilnehmer feuerwerkskörper mit auf die fanmeile genommen und dort auch abgefeuert. wie in allen wohngebieten schon beim ersten spiel silvesterstimmung herrschte, nur dass mancher knall nicht mehr nach feuerwerk sondern nach waffe klang. aber auch hier folgt die relativierung sofort: es lag am alkoholeinfluss.

alles nur ein unterhaltsames spiel, bei dem aus jeder pore aggression schwallt. a wie angriff. g-e wie germany. da wirkt der anschließende spot der uefa für die gegenseitige nationale toleranz wie eine veraltete benetton-werbung. wäre man doch endlich einmal ehrlich: es geht um das große geschäft von großen konzernen, von fanmeilen-betreibern oder von handelszonen. und es geht darum, emotionen zu kanalisieren. denn zeitgleich werden wieder 120 milliarden beigesteuert, um banken zu retten. hier will niemand den slogan „a wie angriff“ hören. ist ja auch kein spiel.

nabelschau (29)

kurze unterbrechung. dieser beitrag darf im internet aus rechtlichen gründen nicht gezeigt werden. das ist ja ein ding. als surfer, der gerade den drang verspürte, schnell die nachrichten im livestream zu betrachten, bekommt man das gefühl, etwas illegales zu machen. dabei ist es ein öffentlich-rechtliches angebot. doch schlagartig als ein schrubbeliges fussballspiel thema war, waren auch schon ton und bild weg. eben nur die botschaft „dieser beitrag darf im internet aus rechtlichen gründen nicht gezeigt werden“ prangte auf dem bildschirm.

und man weiß nicht, wie lang wird denn nun der beitrag dauern. reicht es für einen gang zum klo oder zum kühlschrank? oder verpasst man dann die wettervorhersage? auf der anderen seite kommt freude auf. der ganze abend des ersten öffentlich-rechtlichen stand unter dem motto fussball. dies passiert immer häufiger. man fragt sich, ob es nicht noch andere mitbürger gibt, die diesem sport nichts abgewinnen können. warum spielen die am abend? und wenn sie am abend gespielt haben, weshalb darf dann in der nacht kein ausschnitt gezeigt werden?

da sind sie wieder, die widersprüche des lebens. zum einen unterliegen die sportnachrichten ausschließlich vermarktungsstrategien. der konsument staatlicher sendebetriebe wird diesen vermarktungsstrategien unterworfen und kann nichts dagegen machen. im internet kann er nicht sehen, was zu den tagesnachrichten gehört. aus finanzgründen findet zensur statt. eine tolle sache.
zum anderen ist es eine labsal, dass immer dann, wenn fussball kommt, bild und ton verschwinden. das sollte patentiert werden. man könnte ein wenig unterhaltungsmusik im hintergrund einblenden und im vordergrund eine zeitangabe, wann es weitergeht, abbilden. hier wäre dem fussballphoben zuschauer genüge getan. vielleicht sollte dies auch bei den tv-übertragungen als alternative angeboten werden, um bei schöner musik ein buch lesen zu können.

natürlich kann man das ding auch ausschalten, aber man wollte ja nur die nachrichten sehen.

nabelschau (25)

wenn die welt zu klein wird. die morgendliche zeitungslektüre ist ein muss. doch manchmal fragt sich der leser, inwieweit das gelesene nun noch der realität entspricht oder sich jemand einen scherz erlaubt hat. so gab es vor zwei tagen zum wochenende eine anzeige in einer überregionalen zeitung, die den autor dieser zeilen stark zweifeln ließ:

alle welt schaut die fifa-gesteuerten spiele an. man kann freund oder feind dieses spiels sein, doch die regeln (außer der komischen abseitsfalle) sind den meisten bekannt. männer versuchen einen ball in einen viereckigen rahmen, der mit einem netz bespannt ist, zu schießen. nun fordert ein verein in einer beinahe halbseitigen anzeige die vergrößerung des rahmens um rechts und links jeweils sieben zentimeter und in der höhe um sagenhafte neun zentimeter. gefordert wird dies von „für das grössere fussballtor e.v.„. die begründung lautet, dass dann jeder zweite latten- und pfostenschuss ein tor wäre. in einem artikel im internet wurde eine weitere begründung hinzugefügt: die torwarte werden immer größer, wodurch die chance ein tor zu erzielen immer kleiner werde.

nun, für den sportunkundigen leser ergeben sich aus dieser forderung viele weitere fragen: warum gibt es beim fussball nicht drei bälle? dies könnte doch zu einem abwechslungsreicheren spielfluss führen, auch wenn die fernsehübertragungen nicht mehr so schlicht daher kommen könnten. oder auch, wie ungerecht ist das denn beim eishockey? kann da der torwart nicht mal diese dicken klamotten ablegen? das wäre dann auch mehr was für´s auge. aber die ungerechtesten sportarten scheinen einem dann doch basketball und golf zu sein. der basketball ist beinahe so groß wie ein fussball, muss aber in ein körbchen, das seine größe kaum übersteigt. dieses körbchen hat dann noch jemand verdammt hoch gehängt. na ja, und die golfer die schießen ihren ball erst einmal quer durch die pampa, können ihn kaum mehr sehen und sollten dann ein loch treffen, das einem maulwurfseingang ähnlich scheint. wer kommt denn auf so ungerechte sportarten? da putten die sich einen wolf auf der wiese, in der zeit hätten viele fussballspieler schon längst ein tor geschossen.

aber für unsereinen bestätigt sich beim anblick der anzeige nur ein gedanke: die welt an sich ist ungerecht. warum sollte das beim fussball anders sein?

nabelschau (21)

fussball regiert die welt. brot und spiele sind immer noch ein befriedungskonzept, das in den heutigen gesellschaften ganz gut funktioniert. eine zeitlang machte es den eindruck, dass das brot die überhand beim ruhigstellen gewinnt. doch gerade in letzter zeit stellt sich heraus, wahrscheinlich seit der finanzkrise, die den rubel nicht mehr so rollen ließ, dass das brot in den hintergrund tritt. fussball aus den arenen wird bestimmend.

woran sich das ablesen lässt? die ziehung der lottozahlen wurde zum beispiel verschoben. da interessiert es nicht, dass wahrscheinlich sehr viel mehr menschen der hoffnung auf den großen gewinn, auf einen riesigen laib brot folgen, als dem über den rasen getretenen ball. doch das spielt keine rolle, in der konkurrenz um die senderechte für die übertragungen wird alles andere im fernsehprogramm gekippt. das hat zur folge, dass die ziehung der lottozahlen an sich, schon zu einem lotteriespiel werden. denn im vorfeld laufen in zukunft solch bewegende sendungen wie das „musikantenstadl“, die generell unklare schlusszeiten haben. also folgt die ziehung der lottozahlen nicht unbedingt den zeitangaben der programmzeitschriften. alles nur, wegen diesem fussball.

ähnlich sieht es in berlin aus. die stadt schämt sich ein wenig dafür, dass ihre schnellbahn nur sehr eingeschränkt verkehrt. dies bedeutet für alle ihr tägliches brot verdienenden bei dreißig grad im schatten, sich in verkürzte züge zu drängen, um überhaupt den arbeitsplatz zu erreichen. doch wenn der heimatverein ein spiel in der liga hat, dann schafft es die s-bahn, sonderzüge einzusetzen, damit jeder zuschauer pünktlich das stadion erreichen kann. und dies, obwohl der spielort auch noch von der u-bahn angefahren wird. wenn das mal keine aufforderung ist, arbeit arbeit sein zu lassen und brot brot sein zu lassen, um sich nur noch dem spielen zu widmen. oder sich einfach mal bei der s-bahn zu beschweren, warum diese sonderzüge nicht im alltag eingesetzt werden können. alle nur, wegen diesem fussball.

wortklauberei (25)

„in dieser unendlichen weite des tabellen-ozeans“

fussball muss man nicht mögen. leider mögen die sportart aber so viele, dass das fernsehprogramm viele sendungen dazu ausstrahlt. die sendung haben eine ganz eigene aufmachung. sie sparen nicht an heroischen aussagen und dramatischen aufmachungen, um ein interesse an schon vergangenen spielen zu wecken.

selten wird „live“ gesendet, im alltag wird aus der vergangenheit berichtet und das ergebnis kann jede(r) schon längst wissen, wenn man kurz ins internet geht. also gehört es zu fussballsendungen diesem recht schlichten spiel ein wenig leben und dramatik einzuhauchen. da fallen dann wie am letzten samstag von herrn beckmann in der „sportschau“ sätze wie „in dieser unendlichen weite des tabellen-ozeans„.

hossa, welche poesie. kleines gaaaaanz groß reden. dem laien scheint die tabelle der ersten bundesliga eher recht überschaubar. doch es handelt sich um einen „tabellen-ozean“. wie sollte man sich diesen vorstellen? lauter kleine geldhaie in einem großen becken? oder wird auch beim fussball nur mit wasser gekocht? doch nicht genug mit dem bild von „meer ist mehr“, es sind auch noch unendliche weiten, in denen sich der kleine fan vor dem fernseher bewegt. verloren dümpelt er dort vor sich hin und kann sich freuen, dass es einen herrn beckmann gibt, der die übersicht behält und einem zeigt, wie der hase läuft.

eine etwas traurige vorstellung, dass die tabelle der bundesliga die „unendlichen weiten des weltalls“ ersetzen sollte. leider geschieht dies wochenende für wochenende, dabei ist sport doch mord und sportsendungen sind eine quälerei. 😆

web 2.22 – genderanalyzer

wollten sie auch schon immer einmal wissen, ob diesen blog wirklich ein mann verfasst oder vielleicht doch eine frau? (shopping) dann ist dies jetzt möglich. (shopping) das internet bietet eine seite von zwei schweden, die heute in der taz (siehe hier: http://www.taz.de/1/leben/internet/artikel/1/maenner-schreiben-anders/ ) vorgestellt wurde. (shopping)

das programm „genderanalyzer“ basiert auf einer sprachanalyse und stellt prozentual anteile männlicher oder weiblicher sprache fest. (shopping) wen wundert es da, dass zum beispiel auf blogs von männern gehäuft das wort „bier“ vorkommt (ich würde ja auch vermuten „fussball“). (shopping) auf seiten von frauen soll dagegen vor allen dingen das wort „shopping“ einer der anhaltspunkte für die weibliche sprache sein. (shopping) erkenntnisse, die nicht wirklich erstaunen, aber auch einen inzwischen emanzipierten und großen teil der bevölkerung mal wieder in eine schublade steckt. (shopping) in solchen momenten wünscht man sich doch solche konstrukte wie „transgender“ oder „gender-mainstreaming“, um wieder auf die inhalte des geschriebenen zu verweisen und nicht auf das geschlecht. (shopping)

doch leichter gesagt als getan. angeblich schreiben frauen in blogs eher tagebuch und über ihre gefühle und männer kleine abhandlungen und politische analysen. (shopping) na dann, lässt sich der geschlechterfalle nicht mehr entgehen, außer man streut immer wieder konträre worte ein. (shopping) und dann kann man die seite aufrufen und sich analysieren lassen unter: http://www.genderanalyzer.com/ . ziel aller besucherInnen könnte es sein, die 50 prozent zu erreichen. ich werde mich bemühen, damit es ihnen immer unklarer wird, wer denn hier schreibt. (shopping) 😆

warum es mehr fussballfans als literaturfans gibt

 

am preis kann es nicht liegen. bücher und eintrittspreise für lesungen sind allemal preiswerter als ein stadionbesuch bei der em. an der dauer kann es auch nicht liegen. ein buch hält meist länger als 90 minuten, eine lesung mit anschließender diskussion überschreitet diese zeit auch. an der begeisterung kann genauso wenig liegen. bücher können von seite zu seite mehr begeistern. sie können die spannung so steigern, dass man es nicht weglegen kann. rhetorik? pustekuchen. wie wurde vorgestern im fernsehen verkündet: das unternehmen titelgewinn geht in die entscheidende phase.“ hilfeee! stelle man sich diese moderation über den literatur-nobelpreis vor und die nation würde aufschreien.

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