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schreibpädagogik und haltung

schreibgruppen bieten die tolle möglichkeit, dass menschen zu bestimmten themen schriftlich eine haltung einnehmen und darüber in den diskurs einsteigen. natürlich sollte man sich als schreibgruppenleitung teilweise vorher die zustimmung der gruppe einholen, ob man nun einmal die zeit für einen intensiven diskurs nutzt. kommt die zustimmung, kann es sehr spannend werden.

das schreiben lässt diskurse schnell sehr intensiv werden, da es ein großer unterschied ist, ob ich etwas sage, oder es gleich niederschreibe. geschrieben und veröffentlicht liegt es schwarz auf weiß vor, kann verbreitet werden und immer wieder aus der schublade gezogen werden. also überlegen sich viele menschen genauer, welche haltung sie einnehmen und wie sie sie formulieren, wenn sie sie aufschreiben. dies fördert manchmal eine intensivere auseinandersetzung.

auf der anderen seite ist eine einmal schriftlich eingenommene haltung schwerer zu revidieren. persönliches umdenken wird mündlich eher verziehen als schriftlich. es genügt meist nicht, geschriebenes mündlich zu revidieren, es muss auch schriftlich noch einmal dagegen angeschrieben werden. der journalismus ist ein gutes beispiel dafür. bis eine gegendarstellung erschienen ist, hat sich manche position schon verfestigt und ist der ruf ruiniert.

auch dies kann in einer schreibgruppe vermittelt werden: schriftlich eine haltung einzunehmen – vor allen dingen, wenn sie veröffentlicht wird, sollte wohl bedacht sein. an diesem punkt wird vor allen dingen das internet oft unterschätzt. es mag schnelllebig sein, aber das digitale gedächtnis ist teils unerbittlich. dies soll aber nicht bedeuten, dass man am besten schriftlich keine haltung mehr einnimmt, da man ja umdenken könnte. denn der positive aspekt einer schriftlichen haltung besteht in der mächtigeren wirkung. nicht ohne grund werden schriftstellerInnen Weiterlesen

web 2.0 und verhältnismässigkeit

 

es war nur eine kleine meldung, aber es zeigt, wie sich die bewertung beim internet in eine bedenkliche richtung verschiebt. ein landesabgeordneter der linkspartei fand sich bei wikipedia falsch dargestellt und verleumdet. das ist sein gutes recht, eventuell wurde ihm auch etwas unterstellt, was er nie gemacht hatte, so wie es immer wieder in journalistischen zusammenhängen öffentlichen personen passiert. das ist aber nicht der eigentliche knackpunkt der geschichte.

der abgeordnete erwirkte eine einstweilige verfügung beim gericht, die dazu führte, dass die startseite „wikipedia.de“ vollständig abgeschaltet wurde. wer sich auskannte fand zwar wikipedia, das größte online-lexikon in deutscher sprache, noch über einen anderen zugang, aber man musste sich auskennen.

fragwürdig bleibt, wie ein gericht solch eine entscheidung treffen kann. wenn man einmal vergleiche anstellt, dann kommt das vollständige aus dem netz nehmen eines angebots, wegen einer kleinen unterrubrik dem gleich, dass fernsehsender abgeschaltet werden, wenn in einer sendung, ein beitrag nicht den üblichen journalistischen gepflogenheiten entspricht. Weiterlesen