Schlagwort-Archive: gegenstand

kreatives schreiben und verwandlung

die verwandlung von gegenständen, personen, tieren oder ganzen welten ist einer der vielfältigsten gedanken des kreativen schreibens. ob es sich um märchen, fabeln oder entwicklungsromane handelt, vorlagen der verwandlung gibt es viele. nehme man nur den renner „harry potter“ oder die momentan bei jugendlichen angesagten vampirgeschichten – diese stories leben von der verwandlung. eben noch ein kleiner junge in einem britischen vorort und schon ein kleiner zauberer, der es mit der größten bedrohung der zauberwelt aufnimmt. eben noch ein jugendlicher und schon ein blutausgender mensch, der aber weiter romantische emotionen pflegt.

nimmt man noch comics und trickfilme dazu, dann gibt es die superhelden, die kleinen roboter und maschinen, oder auch nur die spielzeuge im kinderzimmer, die eine verwandlung vollziehen. und als kontrast der autorenfilm, der häufig die innere verwandlung eines menschen, der die einschneidenden veränderungen im leben zum thema hat.

aus dieser palette kann man im kreativen schreiben schöpfen. viele der hier vorgeschlagenen schreibideen basieren auf der überlegung einer verwandlung. die meiner ansicht nach einfachere variante ist es, dingen und wesen leben einzuhauchen, die bis dahin keines hatten. die schwerere variante ist es, die veränderung eines menschen in einer geschichte abzubilden, da der zeitliche vorlauf der veränderung meist längere zeit benötigt, auch in der geschichte.

so kann man sich zum beispiel in dem raum umschauen, in dem man sich gerade befindet. man kann den nächstbesten gegenstand wählen und mit ihm ein gespräch anfangen. wie geht es der blumenvase da drüben im moment? was macht sie heute noch? wie erlebt sie ihre umwelt? was ärgert sie am meisten?
im zweiten schritt kann man der vase außergewöhnliche kräfte oder ein großes geheimnis „geben“. und schon befindet man sich in einem märchen oder einer zaubergeschichte, in einer abenteuerstory oder in einem rätseltext.
im dritten schritt kommen weitere menschen ins spiel, die sich auf der suche befinden, die die vase brauchen, um etwas zu verändern, die entweder sich selbst oder ihre umwelt verwandeln wollen. sie finden die vase und in der geschichte vollzieht sich dadurch eine vewandlung.

um emotionale vewandlungen bei menschen auszulösen benötigt es für geschichten einen auslöser. dies kann ein großer geldgewinn sein, eine katastrophe oder die begegnung mit einem anderen menschen, der starke emotionen hervorruft (ganz gleich ob positiv (liebe) oder negativ (wut, hass)). es sind meist einzelne momente, die ein umdenken, eine veränderung verursachen. und in den kreativen geschichten darf dies schneller gehen als im alltag. normalerweise benötigt ein mensch Weiterlesen

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liste (119) – wohnen

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um das „wohnen“.

die liebsten gegenstände in meiner wohnung:

hier möchte ich einmal eine zeitlang wohnen:

die wohnungen gefallen mir am besten:

das ist mir beim wohnen am wichtigsten:

mit diesen menschen könnte ich sehr gut zusammen wohnen:

kreatives schreiben und wohnen

selten spielen möbel die hauptrolle in einer geschichte, auch die wohnung stellt eher die umrahmung oder untermalung des erzählten dar. aber das ambiente ist nicht zu unterschätzen. das buch „berlin alexanderplatz“ kann nicht in einer gründerzeitvilla spielen oder „harry potter“ würde nicht in einer plattenbau-schule funktionieren. in den beschreibungen neben der handlung taucht oft genug das wohnen als thema auf. dies kann man einmal umkehren beim kreativen schreiben.

erfinden sie doch erst einmal eine wohnung und schreiben sie dann eine geschichte dazu. das internet bietet zum beispiel eine architekten-software für lau ( siehe http://sketchup.google.com/intl/de/ – es ist nicht die pro-version gemeint), die leider nicht allzu einfach zu bedienen ist, und man kann räume entwerfen. es geht natürlich auch einfacher: zeichnen sie ein bild oder einen grundriss von den räumen, die ihnen gerade gefallen. nehmen sie eine architektur-zeitschrift zu hand und betrachten sie die fotografien, die ihnen zusagen. schreiben sie dazu geschichten.

die ausstattung der räume, das wohnen der protagonistInnen einer geschichte kann verschiedene funktionen haben: die person kann in einem sozialen umfeld dadurch verortet werden. das ambiente stellt einen kontrast zur handlung dar. der kontrast zwischen wohnen und handlung lässt die protagonisten widersprüchlich erscheinen. die wohnung dient als rückzugsgebiet. die wohnung offenbart ein doppelleben. das ambiente eröffnet erinnerungen oder animiert zu handlungen. gegenstände aus der wohnung werden für auseinandersetzungen oder mehr verwendet. das wohnen hat eine hohe bedeutung für die protagonisten und folgt bestimmten moden. das beschreiben der wohnung gibt ein bild vom alltag …

kreative texte kommen natürlich auch ganz ohne wohnung und wohnen aus, aber selbst die kleinste hütte kann einfluss auf die geschichte nehmen. nehmen sie zum beispiel eine ihrer geschichten, die in einem bestimmten umfeld spielt und setzen sie sie Weiterlesen

biografisches schreiben und verlust

leben besteht aus beständigen verlusten. so wird demnach eine lebensgeschichte auch immer eine geschichte von verlusten sein (und auf der anderen seite natürlich auch eine geschichte von gewinnen). man mag noch so sehr der meinung sein, dass das eigene leben eigentlich nur aus verlusten besteht, schaut man genau hin, wird man immer feststellen, dass neues hinzukommt.

doch dieses mal soll der blick auf die verluste gerichtet sein. man kann alles verlieren, das man einmal sein eigen nannte. um es einmal ein wenig philosophisch zu formulieren, man kann der meinung sein, unser leben sei nur geliehen. in diesem moment schmerzt der verlust vielleicht nicht so groß. doch in den seltensten fällen wird vom leihen ausgegangen. man hat freundschaften, mitmenschen, die existenz oder den besitz verloren. man hat seine selbstachtung, seine unschuld und seinen glauben verloren. welcher verlust wiegt schwerer? das kann man nicht verallgemeinern, das bleibt immer individuell.

darum ist das biografische schreiben ideal, um sich mit seinen verlusten auseinanderzusetzen. teilen sie ihre verluste einmal auf, in die verluste von menschen (durch trennung oder tod), von dingen (gegenstände und besitztümer), in die ideellen (gefühle oder gedanken, haltungen) und in die finanziellen (einem mischung aus gegenständen und ideellem). machen sie sich ruhig eine tabelle und staffeln sie, welche verluste am schwersten wogen. manchmal stellt man fest, dass ideelles höher wiegt als gegenständliches. doch hier soll nicht einer vergeistigten schönfärberei das wort geredet werden. ist die exitstenz bedroht, da noch nicht einmal besitz vorhanden ist, der die ernährung sichert, dann wiegt der verlust lebensbedrohlich schwer.

zur subjektiven sicht gehört es auch, dass der verlust von besitz, die ganze person in frage stellen kann, der boden unter den füssen verloren wird und kein rückweg gefunden wird. da beruhigt es nicht, zu hören, dass ja so viel anderes schön sein kann. sie bewerten selbst, welche verluste für sie zu bewältigen waren und welche nicht. geben sie beim schreiben auch ihrer ganz persönlichen trauer raum. sich den persönlichen verlusten zu zu wenden, ist keine einfache schreibarbeit, es geht an die nieren. wir würden für bestimmtes nicht das wort „verlust“ wählen, wenn es keine bedeutung für uns hätte.

sollte einem die auseinandersetzung mit den verlusten zu bedrohlich werden, dann stelle man Weiterlesen

schreibidee (335)

je technischer und digitaler die welt daherkommt, desto komplizierter kann einem das leben vorkommen. wer dann hofft, dass er hilfestellung im internet oder gedruckt findet, um die ganzen sich ständig erneuernden geräte bedienen zu können, der kann sich schnell getäuscht sehen. teilweise sind die anleitungen für geräte, aber auch für software und ähnliches, sehr kryptisch. die stichwortverzeichnisse im anhang geben selten das wieder, was im vorderen bereich notiert wurde. darum sollen heute in der schreibanregung „gebrauchsanweisungen“ geschrieben werden.

dieses mal wird als einstieg in die schreibidee gezeichnet. als vorlage könnte eine ikea-zeichnung zum zusammenbau eines möbelstücks dienen. die schreibgruppenleitung bringt einen gebrauchsgegenstand mit und fordert alle teilnehmerInnen auf, die richtige benutzung des gegenstands in zeichnungen festzuhalten. dabei kann es sich zum beispiel um einen dosenöffner, ein handrührgerät oder einen föhn handeln. die piktogramme sollen möglichst für alle verständlich sein.

anschließend wird das gezeichnete von den schreibgruppenteilnehmerInnen in worte gefasst. also am beispiel des föhns: was sind die voraussetzungen, um einen föhn zu verwenden? nasse haare und eine steckdose. was muss man dann machen? für was kann man einen föhn noch verwenden? und was sollte man auf keinen fall mit einem föhn machen? sind die gebrauchsanweisungen fertig, werden sie mit den piktogrammen zusammen in der schreibgruppe vorgestellt. bei einer feedbackrunde wird vor allen dingen betrachtet, wie allgemeinverständlich die beschreibungen sind.

im anschluss wird es noch ein wenig komplizierter. alle schreibenden sind aufgefordert, eine gebrauchsanweisung über sich zu schreiben. wie sollte man mit ihnen umgehen? was ist beim umgang zu beachten? und was muss man tun, um bestimmte handlungen oder ergebnisse zu erreichen. dieses mal wird die vorgehensweise umgekehrt: erst wird die gebrauchsanweisung für einen selber geschrieben und dann wird das ganze in kleine zeichnungen gebracht. darunter können auch verbotsschilder sein. was sollte man auf keinen fall mit ihnen machen.

die aufgabe kann beim vorstellen in der feedbackrunde viel heiterkeit hervorrufen. außerdem bekommen die schreibgruppenteilnehmerInnen vielleicht noch mehr gespür füreinander. sollte im anschluss noch zeit übrig sein, dann kann auch eine gebrauchsanweisung für den umgang mit den eigenen texten verfasst werden, die zum abschluss vorgetragen wird.

schreibidee (316)

wenn man sich die malerei anschaut, dann gibt es viele künstlerInnen, die sich irgendwann selbst gemalt haben. sie tauchen als kleine protagonisten in menschenansammlungen auf, sie haben sich mit gegenständen auf bildern arrangiert oder sie haben sich einfach spiegelbildlich in ihrem aktuellen zustand abgebildet. warum nicht auch mal schriftlich ein selbstporträt abseits des lebenslaufs und der eigenen vita erstellen. eine schreibanregung zu „selbstporträt-texten„.

da es sich bei diesen texten um einen (idealisierten) subjektiven eindruck handelt, ist der einstieg ein recht persönlicher. drei kurze texte werden verfasst (maximal eineinhalb seiten). die aufgabe besteht darin, sich selber als pflanzen, als tier und als gegenstand zu beschreiben. wenn man also ein tier wäre, was für ein tier wäre man dann und welche eigenschaften würde man besitzen? die schreibgruppenteilnehmerInnen stellen anschließen in der gruppe ihre drei kurzen selbstporträts vor. es gibt keine feedbackrunde.

der nächste schritt bezieht die malerei ein. dieses mal soll eine bildbesprechung von dem bild, das man von sich selber malen würde, geschrieben werden (maximal 3 seiten). wie will man sich abbilden? welche farben, welche darstellung und welche umgebung würde man bei einem gemalten porträt verwenden? die teilnehmerInnen besprechen ihr eigene fantasiegemälde (wenn sich nicht schon einmal in ihrem ein selbstporträt von sich gemalt haben oder eine malen ließen). auch der text wird kurz vorgetragen.

zum abschluss wird nun ein längerer text über sich selber verfasst. die bildbeschreibung wird in ein literarisches selbstbild übertragen. man kann sich in die weltliteratur einschleichen, kann sein selbst in dialoge packen, kann sein selbst in eine metaphernwolke packen, man kann eine steckbrief erstellen, kann als protagonist in einer story erkennbar werden, kann sich über sein umfeld „be-schreiben“ und vieles mehr. es gibt keine weiteren anforderungen, als eine literarische form der selbstdarstellung zu finden.

anschließend werden die texte in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackgruppe statt. dabei geht es nicht darum, wie zutreffend die selbstdarstellung ist, sondern darum, welchen eindruck die umsetzung der aufgabenstellung hinterlässt. wenn die schreibgruppe lust hat, sich der öffentlichkeit bei einer lesung oder ähnlichem zu präsentieren, dann könnten die schriftlichen selbstdarstellungen zum beispiel mit einem foto oder einem gemalten selbstporträt zusätzlich veröffentlicht werden.

schreibidee (279)

unserer welt, unsere kommunikationen und unser alltag quellen über vor angeboten. jede minute, jede sekunde muss eine entscheidung getroffen werden, was man möchte und was nicht. einmal an den supermarktregalen entlang, einmal durch die straßen gegangen und schon steht man wieder vor einer entscheidung. mancher mensch leidet inzwischen unter der „qual der wahl“, dem druck immer mehr entscheidungen treffen zu müssen, immer mehr zu wissen. darum ist der wunsch groß, sich nur auf eine einzige sache zu konzentrieren. das wird möglich in der schreibanregung „1-treffen-1-gegenstand-stories„.

die qual der wahl liegt dieses mal bei der schreibgruppenleitung: was für einen gegenstand soll man auswählen für das nächste treffen der schreibgruppe? sinnvoll könnte es sein, sich auf einen gegenstand zu konzentrieren, von dem man allen teilnehmerInnen ein exemplar mitbringen kann, damit der gegenstand genau betrachtet werden kann. also zum beispiel eine spülbürste, einen tesafilm oder einen knopf.

als erstes wird der gegenstand von den schreibgruppenteilnehmerInnen beschrieben. auf maximal zwei seiten soll der gegenstand in seinem äußeren erscheinungsbild umschrieben werden, ohne dass sein name erwähnt wird. es sollen keine verwendungsmöglichkeiten des gegenstandes erwähnt oder andere zusammenhäng hergestellt werden. dann werden die beschreibungen in der gruppe vorgetragen und in der feedbackrunde wird darüber diskutiert, wie gut der gegenstand getroffen wurde.

im anschluss erstellen alle teilnehmerInnen ein cluster zu dem gegenstand. danach wird abermals eine beschreibung des gegenstands verfasst. diese darf um etliches länger sein, als die vorherige, dafür dürfen auch metaphern, verwendungsmöglichkeiten und vieles mehr erwähnt werden. der gegenstand darf beim namen genannt werden. die beschreibungen werden vorgetragen. abermals findet eine feedbackrund statt.

nun orientiert man sich an der musik und schreibt „variationen“ zu den vorherigen texten. dabei kann man sich auf andere details des gegenstands konzentrieren oder auf andere „typen“ des gegenstands (also zum beispiel anstatt eines roten, großen knopfs einen kleinen grauen betrachten). die texte werden nicht vorgetragen.

zum abschluss wird eine lange geschichte geschrieben, in der der gegenstand die hauptrolle spielt, als protagonist auftritt, man sich auf ihn konzentriert. in diese geschichte können die vorherigen studien, beschreibungen, metaphern und mehr einfließen. anschließend wird die geschichte vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt. und falls die gruppe lust hat, kann man aus allen texten zum beispiel ein „buch des knopfes“ oder ähnliches erstellen.

kreatives schreiben und vielfalt

es gibt nichts, worüber man im kreativen schreiben nicht schreiben kann. aus jedem atemzug kann eine geschichte, ein text oder ein elfchen gemacht werden. selbst über uhrzeiten, zentimeter oder beton lässt sich schreiben. alles kann zum leben erweckt werden. das ist ein großer vorteil der menschlichen fantasie: wir sind fähig toten, bedeutungslosen und störenden dingen, ein neues kleid zu geben und aus ihnen plötzlich eine handlung mit emotionen oder eine story mit spannung zu machen.

der weg dort hin mag manchmal ein wenig holprig sein, aber eigentlich bietet auch hierfür das kreative schreiben eine vielfalt an techniken. vor allen dingen die assoziationstechniken verknüpfen jedes detail oder jeden gegenstand mit eigenen gedanken. ich muss nur eine sache auswählen, meine gedanken darauf fokussieren und sie dann frei fließen lassen, schon entstehen geschichten. in diesen momenten kann das kreative schreiben einen meditativen charakter bekommen, sich auf eine sache zu konzentrieren den eigenen gedanken dann den nötigen raum geben.

der vorteil besteht darin, dass der stoff für geschichten eigentlich nicht ausgeht. auch wenn der mensch für bestimmte menschliche dramen, happy-ends und konflikte ein faible hat, so ist der ort des geschehens doch austauschbar und sorgt für die jeweils eigene nuance. was machen zum beispiel zwei betonwände, die auf gedeih und verderb nebeneinanderstehen und sich entweder lieben, aber nicht näher kommen können oder sich nicht verstehen und leider nicht gegenseitig ausweichen können? und wie geht es den wänden, wenn das gebäude, das sie tragen, dann gesprengt wird?

es lässt sich also aus jeder sache eine persönliche geschichte machen. jedes detail einer geschichte kann plötzlich eine hauptrolle bekommen und andere details bleiben unerklärt am rand liegen. diese unerschöpfliche vielfalt stellt für schreibende gleichzeitig die krux dar: Weiterlesen

„drei dinge meines lebens“ – ein ausstellungstipp

ich war bis jetzt nicht in der ausstellung in berlin-neukölln, aber die idee ist eine schöne, die sich auch im biografischen schreiben wunderbar umsetzen lässt. das „museum neukölln“ ( http://www.museum-neukoelln.de ) hat menschen aufgefordert, drei dinge oder gegenstände, die einem im eigenen leben sehr wichtig waren und sind herauszusuchen und zur verfügung zu stellen. anschließend wurden die menschen befragt, welche bedeutung die dinge für sie haben und warum dies so ist. aus den dingen und interviews ist eine kleine ausstellung entstanden, die bis ende dezember besucht werden kann.

diese ausstellung aber auch die idee können eine anregung sein, so etwas einmal entweder für sich auszuprobieren oder in schreibgruppen anzuwenden. es ist wahrscheinlich nicht ganz leicht nur drei dinge auszuwählen, die einem wirklich, wirklich wichtig sind und das eigene leben wiederspiegeln. spannend wird es dann vor allen dingen bei der begründung. warum hat man dieses wandgemälde gewählt und nicht den kochlöffel, mit dem man beständig die leckersten essen für freunde und partnerInnen gekocht hat? warum stammen die gewählten drei dinge alle aus einer zeit, die schon lange vorbei ist und nichts hat bezug zur gegenwart? diese oder andere fragen können sich aus der suche nach den drei dingen meines des lebens ergeben.

und dann lässt sich darüber schreiben. die dinge können beschrieben werden, in die beschreibung kann die eigene lebensgeschichte einfließen. sie können teil einer langen geschichte werden, in der die ereignisse und bedeutungen der dinge nachvollzogen werden. oder man verwendet die dinge ganz anders in geschichten, lässt den persönlichen bezug weg. man kann alle teilnehmerInnen einer schreibgruppe auffordern, jeweils drei dinge des eigenen lebens mitzubringen und alle dürfen anschließend zehn minuten frei über diese dinge erzählen. vieles lässt sich aus bedeutungsvollen (alltags-)gegenständen machen, das die eigene lebensgeschichte wiedergibt. das museum neukölln bietet eine interessante vorlage dafür.

kreatives schreiben und blickwinkel

wie schon im vorletzten post erwähnt, kann man in der schreibpädagogik bei der anleitung von schreibgruppen den teilnehmerInnen vermitteln, wie sich die veränderung des blickwinkels auf die geschichte auswirken kann. das kreative schreiben bietet dazu alle möglichkeiten des blickes, die ein mensch sonst nicht einnehmen, die aber die fantasie wunderbar abbilden kann.

zum einen kann man einfach nur menschen von anderen positionen aus ereignisse betrachten lassen. man muss sich das wie eine kameraeinstellung beim film vorstellen. so kann im krimi der mord neben dem mörder stehend ganz anders aussehen, als hinter dem opfer auf die szene blickend. man kann also blicke rechts, links, oben oder unten platzieren. man kann den blick über die szene schweben lassen, man kann kreise um das ereignis ziehen oder man kann mehrere personen aus dem gleichen winkel blicken lassen, aber gleichzeitig ihre verschiedenen gedanken schriftlich auffangen.

abseits der menschen kann man vor allen dingen tieren menschliche augen geben. sie beobachten szenen, entweder aus einem tierischen blickwinkel, wie der mensch ihn sich vorstellt oder aus einem vermenschlichten blickwinkel. tiere können dabei denken, nur sehen, beißen, knurren oder auch wegfliegen. man kann tiere sich über die szene unterhalten lassen, man kann sie ihren instinkten folgen lassen. ähnliche fähigkeiten können dann auch noch pflanzen gegeben werden. sie unterscheiden sich von tieren, dass sie meist nicht sehr beweglich sind, also einen starren blickwinkel einnehmen.

in der literatur stört es nicht, wenn irgendwann gegenstände belebt werden, so lang die geschichte spannend ist und die handlung fesselt. in diesen momenten machen sich die leserInnen keine gedanken, ob das beschriebene realistisch ist, sie nehmen die vorgaben der autorInnen hin. und ein toaster blickt auf einen ehestreit in der küche mit anderen augen als die bratpfanne, die später als waffe herhalten muss. Weiterlesen

liste (06) – loslassen

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um „loslassen„.

ich möchte folgende dinge loslassen können (der wertigkeit nach):

ich möchte folgende menschen loslassen können (der wertigkeit nach):

ich möchte folgende situationen ignorieren könen (der wertigkeit nach):

das, den, die werde ich nie loslassen/ignorieren können (der wertigkeit nach):

schreibidee (184)

dinge loszulassen hat viele gründe. im post vorher habe ich schon ein paar aufgezählt. es gibt sicherlich noch etliche mehr. und wenn so ein ding öfter losgelassen wurde, dann kann es regelrecht eine geschichte erzählen. sind die dinge wertvoll, wie zum beispiel eine zarenkrone, dann kann ihr weg oft verfolgt werden (obwohl irgendjemand ein ganzes bernsteinzimmer verlor). sind die dinge von geringem wert, dann hat die stunde des kreativen schreibens geschlagen und es können „geschichten zu ebay“ geschrieben.

ideale voraussetzung für diese schreibidee sind ein internetzugang und ein beamer, der das surfen abbildet. denn man besucht mit der schreibgruppe die homepage von „ebay“. entweder über zufälliges würfeln oder andere auswahlkriterien wühlt man sich durch die angebote. bis sich die gruppe auf einen gegenstand geeinigt hat, den sie interessant findet.

als erstes sollte durch die teilnehmerInnen ein genogramm von diesem gegenstand gezeichnet werden. von wem oder was stammt dieser gegenstand ab, wie sehen seine nachfolger aus, mit was ist er verwandt? diese und ähnliche fragen sollen durch das genogramm beantwortet werden. anschließend wird ein cluster zu dem gegenstand erstellt. abschließend sollte am ende des ersten schrittes eine poetische beschreibung des gegenstands stehen. alle beschreibungen werden in der schreibgruppe vorgetragen. es gibt kein feedback.

im zweiten schritt geht es nun um die lebensgeschichte des gegenstands, des dings. hier können die schreibgruppenteilnehmerInnen der sache leben einhauchen. was hat dieser gegenstand erlebt? wie landete er bei ebay? wer versteigert ihn aus welchen gründen? erst einmal sollte eine geschichte von allen teilnehmerInnen zu ein und demselben gegenstand geschrieben werden. danach können sich alle noch einen eigenen gegenstand aussuchen, zu dem sie einfach eine geschichte schreiben. es muss nicht um die lebensgeschichte oder eine detailgenaue beschreibung gehen. das ding kann einfach nur in einer geschichte auftauchen oder eine zentrale rolle spielen.

beide geschichten werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen. es gibt ein ausführliches feedback von allen teilnehmerInnen. und wenn es sich gerade ergibt, können die schreibgruppenteilnehmerInnen entweder gegenseitig dinge austauschen, die sie loslassen wollen oder man plant gemeinsam einen stand auf einem flohmarkt, der den nächsten anlass für eine schreibidee bietet.

web 2.44 – ebay.com

bewohner der industrienationen besitzen viel, viel zu viel. darum wollen sie zwischendurch eine menge loswerden, ja loslassen. manch einer entrümpelt seine wohnung im namen von feng shui, andere sortieren den nachlass, wieder andere lösen eine sammlung auf, um die nächste anzulegen. es gibt viele gründe, weshalb man dinge loswerden will. und es gibt eine webseite, die dies erleichtert.

eigentlich ist sie längst bekannt. zum einen durch den schrott, den sich manch einer im digitalen kaufrausch ersteigert hat, zum anderen durch die kleinen skandale, die bestimmte auktionsware nach sich zog. einer der höhepunkte war wahrscheinlich, als menschen sich selbst versteigern lassen wollten. obwohl natürlich besitz, besitz ist. und die frage berechtigt bleibt, wie weit mensch sich eigentlich selbst besitzt. er darf sich zwar auf dem arbeitsmarkt anbieten, aber nicht auf einer auktionsseite. doch das ist eine andere diskussion.

eigentlich soll „ebay“ hier nur vorgestellt werden, da es ein symbol für das loslassen von dingen ist. früher waren es die sperrmüllsammlungen, die an bestimmten tage im jahr dazu führten, dass menschen loszulassendes auf die straße stellten. der autor dieser zeilen kann ein lied davon singen, welche schätze sich in diesen privathalden fanden. heute ist das alles „retro“. wenn man nur damals platz gehabt hätte, zwischen zu lagern, man wäre dank ebay sicherlich sehr wohlhabend.

ein bisschen durch das digitale auktionshaus surfen und es finden sich bestimmt ein paar schreibideen, nur gleichzeitig zu ersteigern könnte nach hinten losgehen. hier gleich eine kostprobe für eine eine schreibidee. und außerdem kann man sich noch einmal davon überzeugen, was der vorteil des web 2.0 sein könnte, allein anhand der kundenbewertungen. zu finden ist das alles unter: http://www.ebay.de/

liste (05) – erinnerungsgegenstände

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um „erinnerungsgegenstände„.

ich sammle (nach größe der sammlung):

die schönsten gegenstände in meiner wohnung sind:

die bedeutungsvollsten gegenstände in meiner wohnung erinnern mich an:

schlechte erinnerungen verbinde ich mit folgenden gegenständen (nach bedeutung aufgereiht):

schreibidee (182)

dieses mal ist die schreibidee eine sehr schlichte und einfache. sie bezieht sich auf das vorherige post, denn es sollen „geschichten zum monobloc-stuhl“ geschrieben werden.

der vorteil der schreibidee besteht darin, dass man einen gegenstand wählt, den wahrscheinlich schon jeder mensch gesehen hat. ähnliches könnte man wahrscheinlich mit einem billy-regal, mit einer cola-flasche oder einer nivea-dose machen. gegenstände, die einem schon einmal im alltag begegnet sind aufgreifen und in geschichten packen. spannend finde ich, dass es sich um ein möbel handelt.

eine ähnliche idee verfolgte vor etlichen jahren im sommer immer das magazin der süddeutschen zeitung, als sie schriftstellerInnen aufforderten eine kurze geschichte zu schreiben, die eines gemeinsam hat: eine blaue luftmatratze. sonst gab es keine vorgaben. genauso sollte es mit den „geschichten zum monobloc-stuhl“ sein. um zu einer solchen zu gelangen, kann man in die schreibgruppe vielleicht einen solchen stuhl mitbringen. man könnte vor dem nächsten treffen der schreibgruppe die hausaufgabe geben, im alltag einmal darauf zu achten, wo man einen monobloc-stuhl sieht, eventuell kann sogar ein foto davon gemacht werden. oder die schreibgruppenteilnehmerInnen schwirren während des treffens aus, auf der suche nach einem monobloc-stuhl.

darum bietet sich diese schreibidee eher für den sommer an. die wahrscheinlichkeit, dass man zum beispiel in einer stadt wie berlin einen solchen stuhl sieht, ist sehr groß. ansonsten kann natürlich ein gemeinsamer besuch auf der homepage von jens thiel (siehe vorheriges post) die schreibanregung darstellen. alle teilnehmerInnen wählen sich ein bild von der homepage aus, das sie zur grundlage ihrer geschichte machen. also die schreibidee ist eine schlichte, der gegenstand ein bekannter, doch bei den anregungen kann man wiederum seiner fantasie freien lauf lassen.

schreibidee (137)

das magazin einer tageszeitung veröffentlichte vor jahren jeden sommer geschichten von schriftstellerInnen geschrieben, die sich einzig um einen gegenstand drehten, nämlich eine luftmatratze (ich bin mir nicht mehr sicher, ob diese rot oder blau war). ansonsten gab es keine vorgaben. neben den einzelnen amüsanten geschichten machte vor allen dngen der vergleich der ideen, die sich um den gegenstand rankten, die ausgabe interessant. so soll es dieses mal in der schreibanregung um „geschichtenvergleiche“ gehen.

es gibt dafür keinen einstieg inhaltlicher art, sondern nur die anwendung einer schreibtechnik. als anleiterIn gibt man der schreibgruppe einen gegenstand vor. das kann besagte luftmatratze sein, aber auch ein handmixer, eine krawatte oder ein gelber teddy sein. zu diesem gegenstand wird in 10 minuten ein focussiertes freewriting verfasst. anschließend ist noch ein cluster zu erstellen und daraus eine geschichte geschrieben. die geschichten und somit ideen werden sich anschließend gegenseitig vorgestellt. während der feedbackrunde darf dieses mal die jeweilige schreibidee bewertet werden. wenn alle geschichten vorgelesen sind, können die teilnehmerInnen sagen, welche geschichte ihnen am besten gefallen hat und warum. darüber wird nicht diskutiert, da es um persönlichen geschmack geht.

danach kann die vorgabe erweitert werden auf zwei gegenstände, die die folgende schreibanregung bestimmen. in der vorbereitung der nächsten geschichte wird genauso vorgegangen, wie oben beschrieben. dies lässt sich natürlich, je nach vorhandener zeit, auf drei, vier oder fünf gegenstände erweitern. ich würde mich auf gegenstände konzetrieren und keine eigenschaften oder verben zur vorgabe machen, da ein gegenstand den meisten spielraum für ideen zulässt. außerdem sollte immer wieder betont werden, dass die gegenstände nicht bestimmend für die geschichte sein müssen, sondern auch nur am rand auftauchen können.

kreatives schreiben und gegenstände

der mensch mag es, wenn er gegenständen und tieren, also belebten und unbelebten dingen, eine seele und handlungsfähigkeit anhängen kann. da entwickelt sich eine zwiesprache mit dem computer, der nicht das macht, was man möchte. da wird dem lebewesen, dem fiffi als beständigen begleiter, die gleiche reflexionsfähigkeit zugesprochen wie einem menschen. es ist im alltag schwer vorstellbar, das gegenstände und lebenwesen keinen eigenen willen entwickeln, der den eigenen interessen zuwider läuft.


diese form der vermenschlichung lässt sich beim kreativen schreiben wunderbar nutzen. hier darf der cocktailshaker mit dem eiswürfel ein zwiegespräch über die ohnmacht beim shaken geführt werden. hier können metaphorische texte auf das menschliche leben bezug nehmen. so können je nach funktionalität den gegenständen eigenschaften zugeschrieben werden, die eher menschen anhängig sind. das erleichtert es zum beispiel, dinge direkter auszusprechen, die an menschen dargestellt, schnell zu kritik führen könnten. aber es ermöglicht auch, aus größere distanz situationen wiederzugeben.


diese möglichkeiten können in schreibanregungen ihren ausdruck finden. wie oben schon kurz erwähnt, lässt sich zum beispiel der alltag mit einem toaster vergleichen, mit einer rührmaschine oder einem backofen. das handy wäre eine plaudertasche, der regenschirm die urmutter und der stein die hartnäckigkeit. übrigens werden vor allen dingen steine und kiesel gern symbolisch verwendet für bestimmte menschliche zustände.


diese spielereien im kreativen schreiben sollten nicht zu viel niederschlag im alltag finden, denn sonst kommt es zu den reaktionen, die vor allen dingen bei computernutzern festzustellen sind, es wird beschimpft, darauf eingeschlagen und aus dem fenster geworfen. auf der anderen seite scheint es besser, dass die aggressionen am gegenstand ausgelassen werden (siehe boxen und sandsack), denn an anderen menschen. beiden aspekten gleich ist es, dass meist weder die gegenstände noch die menschen der grund der aggressionen ist, es sind die bedingungen und umstände.

schreibaufgabe (05)

ein gegenstand ist meist nicht lebendig. doch wie der begriff suggerieren könnte, er leistet keinen widerstand, ist nicht gegen etwas, sondern steht eher in der gegend herum. ist gegen etwas gelehnt. wohnungen sind voller gegenstände. sie müssen gar nichts besonderes sein. ein gegenstand kann der pürrierstab sein, die kleine tonfigur im bücherregal, der pinkfarbene stift auf dem schreibtisch. wichtig ist nur, es sollte ein gegenstand sein, der ihnen nicht vollkommen gleichgültig ist. suchen sie sich in ihrer wohnung einen gegenstand aus. notieren sie zu diesem gegenstand zehn bis fünfzehn assoziationen. und verfassen sie dann einen liebesbrief an den gegenstand. der brief kann schmalzig sein, er kann auch nur eine ausführliche beschreibung des gegenstands sein oder es ist ein text nach dem motto „was ich dir schon immer einmal schreiben wollte“. sie sollten ihre persönliche beziehung zu dem gegenstand nutzen und sich nur ihm zuwenden. dafür können bis zu 500 wörter verwendet werden.

viel spaß beim vergegenständlichten schreiben!