Schlagwort-Archive: geheimnis

schreibidee (389)

ob nun horror-, kriminal- oder fantasy-geschichten, es gibt ein technisches mittel in diesen geschichten, das immer funktioniert: die tür oder der vorhang. dabei geht es darum, dass jemand entweder nur ein blick in einen neuen raum wirft oder sogar den raum betritt. in der vorbereitung wird die spannung, was sich in den raum befindet, aufgebaut. am effektivsten ist dieses mittel, wenn unerwartetes auftaucht. darum eine kleine schreibanregung zu „hinter-dem-vorhang- und hinter-der-tür-geschichten“.

die schreibanregung kann man von zwei seiten angehen: entweder weiß man, was hinter dem vorhang oder hinter der tür ist und beschreibt den weg, bis das geheimnis gelüftet ist. oder man weiß, mit welcher vorgeschichte sich jemand auf die tür und den vorhang zubewegt, aber es steht nicht fest, was dahinter gefunden wird. als einstieg in der schreibgruppe kann man an einem flipchart sammeln, was hinter der einer verschlossenen tür, einem vorhang sein könnte. aus der sammlung einigt sich die ganze schreibgruppe auf eine sache, einen gegenstand. nun wird eine geschichte drumherum gewoben. wer macht sich auf den weg? warum stehen die protagonistInnen plötzlich vor der tür oder dem vorhang? und wie reagieren sie, wenn sie das von der gruppe vorgegebene entdecken. die drumherum geschriebenen geschichten werden anschließen in der schreibgruppe vorgetragen, es finde keine feedbackrunde statt.

im zweiten schritt, werden von der schreibgruppenleitung kleine texte, die den weg bis vor den vorhang oder vor die tür beschreiben, ausgeteilt. nun ist es an den teilnehmerInnen, die tür öffnen zu lassen und die eigene fantasie spielen zu lassen, was passiert, entdeckt wird oder überrascht. der kleine text soll also weitergeschrieben werden. einzige vorgabe, auf irgendeine weise sollte der vorhang zurückgezogen oder die tür geöffnet werden. auch diese texte werden in der schreibgruppe vorgetragen. es findet keine feedbackrunde statt.

im letzten schritt wird eine längere geschichte geschrieben. einzige vorgabe ist eine fotografie. die schreibgruppenleitung teilt entweder nur ein bild oder für alle teilnehmerInnen jeweils ein bild einer tür oder eines zugezogenen vorhangs aus. diese sollen in eine geschichte eingebunden sein. in einer geschichte, die sich auf den vorhang oder die tür zubewegt, und in der das öffnen eine zentrale rolle spielt. anschließend werden die texte vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt. in der feedbackrunde wird vor allen dingen betrachtet, wie spannung aufgebaut wurde und wie das geschehen hinter tür und vorhang die geschichte verändern.

zum abschluss kann man noch eine kurze geschichte oder fortsetzung schreiben, in der tür oder vorhang wieder geschlossen werden.

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schreibidee (356)

„theater, theater…“ sang einmal katja ebstein (http://www.youtube.com/watch?v=aVIw5axKze8). ein lied, dass vor lauter metaphern beinahe platzt und doch so langsam auf die heutige schreibidee zuführt. es geht um das, was gespielt ist, was man sonst nicht sieht. darum eine schreibanregung zu „hinter-dem-vorhang-geschichten“.

zu anfang erstellen alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine lange liste, wo es im alltag wichtige und weniger wichtige vorhänge gibt. sie begegnen uns sehr oft, doch man nimmt sie teilweise kaum war. mag es ein kämmerlein oder eine geisterbahn sein, beim arzt oder im zug, überall finden sich vorhänge. diese listen werden in der schreibgruppe am flipchart zusammengetragen. anschließend wählen sich alle teilnehmerInnen aus dem pool ein beispiel aus.

nun werden das ambiente und die üblichen situationen aus der sicht des vorhangs beschrieben. was erlebt der vorhang an einem tag in einem monat oder über die zeiten hinweg. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es gibt eine kurze feedbackrunde.

doch viel interessanter ist es ja, was hinter dem vorhang passiert, wenn er zu gezogen ist. dafür wird abermals ein vorhang-beispiel von den teilnehmerInnen gewählt. es soll eine kurze geschichte geschrieben werden, in der jemand einen geschlossene vorhang wahrnimmt und anfängt darüber zu spekulieren, was dahinter geschieht. so eine art schlüsselloch-geschichte, ohne wirklich zu wissen, was sache ist. die spekulation steht im vordergrund. auch diese geschichte wird in der gruppe vorgetragen und es findet eine kurze feedbackrunde statt.

die eigentliche story ist dieses mal zu anfang vorgegeben. die schreibgruppenleitung hat einen kurze text verfasst, in dem jemand an einen unbekannten ort kommt, sich durch ein labyrinth aus gängen und treppen bewegt und plötzlich vor einem vorhang steht und seltsame geräusche hört. in diesem moment bricht die vorgabe ab und alle teilnehmerInnen sollen die geschichte zu ende führen. es kann viel spaß machen zu spekulieren, wer den, die protagonistIn durch den vorhang schreiten lässt und was sich dahinter verbirgt. die geschichten werden vorgetragen und es findet eine ausführliche feedbackrunde statt.

zum abschluss kann noch ein kurzer dialog zwischen eine person hinter dem duschvorhang und einer davor geschrieben werden.

wortklauberei (90)

„selbstausfragung“

manchmal sind die suchbegriffe, durch die jemand auf dem blog landet ganz heitere, falsch geschriebene und umständliche. es macht immer wieder spaß in den statistiken zu schauen, durch welche suchbegriffe man gefunden wird. und dann gibt es wörter, die zu denken geben. hier gibt es die rubrik „selbstbefragung“, die wahrscheinlich der grund dafür war, dass jemand mit dem suchbegriff „selbstausfragung“ hierher verwiesen wurde.

es wird schwierig sich selbst auszufragen, wenn der andere geheimnisse hat. da kann man wahrscheinlich noch so viele tricks und finten einsetzen, man wird doch nie alles erfahren. und selbst wenn man über sich selbst durch sich selbst an informationen kommt, die man nie haben wollte: was macht man dann? man kann mit selbstvorwürfen oder selbstverleugnung reagieren. damit tut man sich jedoch keinen gefallen, da oft das selbstwertgefühl darunter leidet.

eigentlich ist man in diesem moment selbstbewusster, aber das muss man sich erst einmal selbst eingestehen. man sollte sich vielleicht mit einem misstrauen sich selbst gegenüber begegnen, denn man hat ja geheimnisse voreinander. warum muss das sein? eigentlich weiß man alles über sich selbst, und doch versteckt man etwas voreinander. gut, der selbstschutz ist ein hilfreiches mittel, um selbstverletzungen zu vermeiden. aber die vorstellung, durch eine „selbstausfragung“ diesen schutz zu umgehen ist ein trugschluss.

man wird sich nichts preisgeben, was man sich nicht preisgeben möchte. und man kann nichts erzwingen. oft schwirrt aber auch die vorstellung durch den raum, man habe sein wahres selbst noch nicht entdeckt, und animiert zu ständigen selbstbeobachtungen und selbstverdächtigungen. damit tut man sich keinen gefallen, denn das, was eine selbstbe- und -ausfragung zu tage fördert, das ist man selbst, so wie man leibt und lebt. mehr gibt es nicht, jedenfalls nicht in diesem moment.

schreibidee (195)

schwarz ist eine ganz besondere farbe, denn eigentlich ist es die abwesenheit von farbe. doch um schwarz auf weiß zu bekommen, benötigt es doch farbe oder eben kein licht. schatten kann also auch schwarz erscheinen. was können denn dann „schwarze texte“ sein? dies herauszufinden, versucht diese schreibidee.

vor kurzem waren bei den schreibideen „dunkle geschichten“ zu schreiben, doch sie sollten sich unterscheiden von „schwarzen texten“. wenn man schwarz als eine farbe begreift, die alles zudeckt, dann sind schwarze texte, texte, die das verborgene hinter dem schatten und der dunkelheit sichtbar machen. es soll also weniger um einen psychischen zustand, denn um die schattenseiten und ein starkes schwarz gehen, also das böse, das zudeckende, das versteckte gehen.

ein guter einstieg könnte die aufforderung sein, sich in die rolle eines psychopathen zu versetzen und einen einseitigen inneren monolog dieses menschen zu verfassen. bevor überhaupt assoziiert wird, werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, alles ihnen in den sinn kommende „böse“ in den monolog einfließen zu lassen. die texte werden anschließend nicht vorgelesen, sondern es wird ein zehnminütiges fokussiertes freewriting verfasst, das sich der frage widmet, warum es einem so schwer oder leicht fiel, böses zu schreiben. denn es ist damit zu rechnen, dass wirklich böses kaum zu papier gebracht wird.

nicht nur schreibende befallen hemmungen, abgrundtief böse zu sein. der mensch ist erst einmal ein soziales wesen, dem es schwer fällt, absolut asozial zu denken und zu handeln. im anschluss wird nur eine kurze gesprächsrunde zum freewriting durchgeführt. wie gestaltete sich die schreibübung für die teilnehmerInnen?

dann werden auf dem flipchart stichworte gesammelt, was im alltag, in situationen durch schwarz versteckt werden kann. was verbirgt sich eventuell unter der schwarzen schicht? die teilnehmerInnen wählen je ein Stichwort aus, zu dem sie eine längere geschichte verfassen. in dieser geschichte, soll im laufe der handlung, die schwarze farbe abgetragen und das darunter liegende sichtbar werden, Weiterlesen

tagebuch schreiben und die kommende us-regierung

barack obama will alles richtig machen, damit der machtwechsel reibungslos verläuft und sofortiges anpacken der probleme möglich ist. um schwarze schafe in der neuen regierung und administration auszuschließen, erhalten alle möglichen kandidaten einen umfassenden fragebogen, der wahrheitsgemäß auszufüllen ist. das ist anscheinend heutzutage notwendig, da man sonst nicht sichergehen kann, welche moralischen verfehlungen im laufe der zeit auftauchen. 🙄 

wie die süddeutsche zeitung heute schrieb, widmet sich davon eine frage vor allen dingen den tagebuchschreiberInnen unter den zukünftigen mitarbeiterInnen. so richtet sich frage 14 ausschließlich an diese. sie sollen, wenn peinliche dinge in den büchern stehen, diese offenlegen. wo, wenn nicht in sein tagebuch, schreibt man dinge, die den rest der welt nichts angehen. oder zumindest erst von interesse sein dürfen, wenn man verstorben ist und die eigenen tagebücher nicht vernichtet hat.

und, was ist peinlich? das, was man in sein tagebuch schreibt, ist einem selber in diesem moment wahrscheinlich nicht peinlich, da es einen bewegt. müssen also die zukünftigen regierungsmitglieder ihre tagebücher nun bekannten und verwandten oder sogar den geheimdiensten zu lesen geben, damit diese beurteilen, ob sich darin etwas peinliches befindet? und wer sollte die eigenen tagebücher veröffentlichen, wenn nicht man selber? darf ein ausschuss zur  einsetzung von mitarbeiterInnen nach den inhalten von tagebüchern fragen?

es drängt sich einem die vermutung auf, dass sich menschen, die ihre intimen gedanken nicht in einem blog, bei facebook oder in einem film bei youtube veröffentlichen, per se verdächtig machen und sicherlich ständig peinliches notieren. viel peinlicher ist doch die ständige offenlegung von intimem. ja, hier wird der abschaffung von tagebüchern vorschub geleistet oder der industrie zur produktion von tresoren, um die eigenen tagebücher immer einschließen zu können.

da sich aber die leserInnen dieses blogs in absehbarer zeit sicherlich nicht als mitarbeiterInnen der amerikanischen regierung wähnen dürfen, kann ich nur empfehlen, auch in zukunft die tagebücher mit allen peinlichkeiten und emotionalen notdurften zu füllen, damit die nachwelt auch morgen noch weiß, nach was wir uns alle sehnten 😉