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nabelschau (59)

handys sind dafür da, nicht benutzt zu werden, jedenfalls in berlin. sie haben streit in der beziehung und ihr partner glaubt ihnen nicht, dass sie noch gearbeitet haben. im zeitalter der dienstleistungen genügt ein anruf bei der berliner polizei und sie bekommen die auskunft, wann sie sich in der nähe welches sendemasten mit ihrem handy am letzten abend aufgehalten haben. dies könnte zumindest teilweise ihren partner beruhigen. obwohl sie sich natürlich mit ihrem neuen lover auch an der arbeitsstelle getroffen haben könnten.

so könnte die zukunft der handynutzung aussehen, wenn nicht bald jemand einschreitet oder alle nutzerInnen diese nervtötenden dinger abschalten. denn es wird gesammelt: verbindungen, telefonnummern, uhrzeiten, orte. und bringt man sie in kontakt miteinander ergeben sich bewegungsbilder. sie befinden sich fünf mal in der nähe eines tatorts, dann kann es sein, dass die polizei bei ihnen vor der tür steht und vermutet wird, sie hätten eine straftat begangen. nun sollten sie als handybesitzer immer wissen, wo ein tatort ist, damit ihnen dies nicht geschieht. sie haben dann zwei möglichkeiten: einen anderen sendemasten suchen oder das handy ausschalten.

besonders interessant erscheint mir der gedanke, dass davon ausgegangen wird, dass straftäterInnen so eng verwachsen sind mit ihrem handy, dass sie sie nicht zu hause lassen, wenn sie eine straftat begehen. gleichzeitig haben sich bei der millionenfachen datenerfassung in berlin keine straftaten aufklären lassen. hmmm, seltsame vorgehensweise und skurrile argumentation. logischerweise sollte man erwarten, dass jemand öffentlich zu dem schluss kommt, dette bringt wohl nüscht. aber nein, die argumentation geht in eine andere richtung: demos waren bei der erfassung nicht dabei (wie in sachsen), es handelte sich ausschließlich um schwere straftaten.

schwere straftaten sind nicht schön, ja auf alle fälle ahndungswürdig, aber mal auf gut glück (das bis jetzt niemandem hold war) einen generalverdacht gegenüber allen anwesenden und telefonierenden auszusprechen und dementsprechend zu handeln, das ist nur noch schräg. es handelt sich dabei um die aufgeblasene variante der rasterfahndung, bei der nur noch der ort eine rolle spielt. zwei konsequenzen ergeben sich daraus: die hoffnung, dass menschen ihre quasselboxen etwas öfter abschalten, und die handlung, sofort aufzulegen, wenn einen jemand vom handy aus anruft 😆

dazwischen geschoben – jetzt müsste es mal genug sein

so langsam freut sich der aufgeklärte bürger über jedes urteil des bundesverfassungsgerichts. eine bedenkliche entwicklung in einer demokratie: gerichte scheinen noch die einzigen orte zu sein, die die wiederum von aufgeklärten bürgerInnen gewählten politikerInnen stoppen können. dabei stoppen die verfassung stück für stück zu untergraben. angefangen bei sozialen leistungen über die einsatzmöglichkeiten der bundeswehr bis zum datenschutz. da sei die frage erlaubt, ob die erreichung eines parlamentspostens dazu führt, den blick für die grundlagen dieser gesellschaft zu verlieren? ungeklärt bleibt, woran dies liegt.

gestern dann wieder geschehen: die vorratsdatenspeicherung lässt sich in ihrer jetzigen form nicht mit der verfassung vereinbaren. ja, das wurde auch zeit, dass der generalverdacht gegen die bevölkerung nicht aufrecht erhalten wird. nicht jeder mensch, der moderne kommunikationsmittel verwendet ist ein potentieller straftäter. nun sollen die angesammelten daten erst einmal gelöscht werden. da man in den letzten jahren in bezug auf den datenschutz immer misstrauischer geworden ist, stellt sich die frage, wer kontrolliert die löschung der daten? ist es doch momentan in mode, cds und dvds mal eben schnell zu brennen und an den meistbietenden zu verschachern. man darf gespannt bleiben, wie sich die gesetzeslage entwickeln wird. die ersten äußerungen zum urteil des bundesverfassungsgerichts lassen nichts gutes ahnen. würde die gleiche energie nur einmal in den datenschutz für die bürgerInnen gesteckt befänden wir uns schon längst in einer unbeschwerteren modernen kommunikationsgesellschaft.