Schlagwort-Archive: generationskonflikt

schreibpädagogik und alter

das alter spielt in schreibgruppen erst einmal keine rolle. ganz gleich welchen alters jemand ist, kann man schreiben und vorlesen, kann man auch mitmachen. das ist eigentlich das schöne an schreibgruppen, dass sie altersungebunden und generationsübergreifend tätig sein können. und doch wäre es ein trugschluss zu glauben, dass das alter keine rolle spielt. so wie in anderen sozialen zusammenhängen kann man auch weiterhin (heute etwas versteckter als früher) unterschiede in den generationen ausmachen.

es wird auch in schreibgruppen die ungeduld der jugend gegenüber dem alter geben. und es wird ebenso die belehrende weisheit des alters gegenüber den jungen menschen geben. darum ist die leitung einer schreibgruppe dazu aufgerufen, zwischen den verschiedenen untergruppen in einer schreibgruppe (es kann auch ganz andere zusammenschlüsse geben) zu vermitteln. aber die große chance dabei ist, überhaupt einen austausch zwischen den generationen zu ermöglichen und mag es auf der kreativen ebene sein.

denn altersgruppen können sich auch gegenseitig in erstaunen versetzen. so können jüngere menschen feststellen, dass die älteren neben ihnen in ihrer jugend auch rebellisch, ungegduldig und unerbittlich waren. die älteren der gruppe werden feststellen, dass die anliegen der jüngeren berechtigt und längst nicht so oberflächlich sind, wie sie immer annahmen. letztendlich geht es in gemischten schreibgruppen um nichts anderes, als gegenseitige vorurteile abzubauen. warum diese bei uns immer noch so vertreten sind? weil sowohl jüngere als auch ältere in unserer gesellschaft nicht ernst genommen werden und sich somit auch kaum gehör verschaffen können. beide gruppen werden nicht wahrgenommen und bleiben somit unbekannt.

vielleicht kann eine schreibgruppe von jüngeren und älteren menschen genau diese ungerechtigkeit zum thema machen. auf der einen seite wird erklärt, dass jungen menschen mehr verantwortung und mitsprache ermöglicht werden soll, aber gleichzeitig werden sie verwaltet und verwahrt, wie lange nicht mehr. sie werden eingeengt und bevormundet. auf der anderen seite wird älteren menschen die teilhabe am arbeitsleben und am lebenslangen lernen schmackhaft gemacht, doch wenn es darauf ankommt, dann werden auch sie verwahrt und bevormundet.

warum also nicht texte gegen bevormundung und verwahrung verfassen und zur lesung die generation der 30- bis 60-jährigen einladen? oder es ergibt sich gleich von anfang an, dass auch die gruppe der mittelalten in der Weiterlesen

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schreibidee (278)

früher sprach man von großen konflikten. heute sind sie alle gute freunde, kumpel und kumpeline. „hotel mama“ liegt im trend und der staat verpflichtet beim empfang von finanzieller unterstützung sogar dazu, die eltern lang nicht zu verlassen. die generationen pflegen momentan einen seltsamen umgang miteinander und unterscheiden sich doch. die schreibanregung gibt raum für „generationen-geschichten„.

die schreibgruppenteilnehmerInnen werden aufgefordert, eine kurze charakteranalyse von drei generationen zu verfassen. man beschreibe die eigene generation mit ihren eigenheiten, dann die der eltern mit ihren erfahrungen und eigenheiten und die generation der großeltern. diese abrisse dreier generationen werden in werden in der schreibgruppe vorgelesen.

und da ich davon ausgehe, dass es auch weiterhin generationskonflikte gibt, da es unterschiedliche erfahrungen und vorstellungen gibt, sind nun zwei kurze geschichten zu generationskonflikten zu schreiben. zum einen ein konflikt zwischen der eigenen und der elterngeneration, zum anderen einen konflikt zwischen der eltern- und der großelterngeneration. wo die geschichte angesiedelt ist, ob sie biografische züge oder nicht annimmt, ist den schreibenden überlassen. die geschichten zu den generationskonflikten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es wird in der feedbackrunde diskutiert, wie weit man die konliktlinien nachvollziehen kann.

zum abschluss wird eine lange geschichte (es sollte genug zeit zur verfügung stehen) geschrieben, in der drei generationen eine rolle spielen. in welchem zeitalter sie angesiedelt sind, ob es konflikte gibt oder nicht, ob alle beinander leben oder weit voneinander entfernt oder ob es ein familiengeheimnis gibt oder nicht, bleibt den schreibgruppenteilnehmerInnen überlassen. anschließend werden die geschichten in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

selbstbefragung (39) – erziehung

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „erziehung„.

  • wie wurden sie erzogen? beschreiben sie.
  • wer hat sie erzogen?
  • wer hatte positiven einfluss auf ihre entwicklung?
  • stimmen die menschen, die sie erzogen haben, und die menschen, die positiven einfluss auf ihre entwicklung hatten, überein? warum?
  • haben sie schon einmal versucht, jemanden zu erziehen? wie oft sind sie gescheitert? berichten sie.
  • haben sie einen generationenkonflikt erlebt? wie sah der aus?
  • womit konnten sie ihre eltern schockieren? sagen sie bloß, sie haben ihre eltern nie schockiert? wer sind sie?
  • haben sie in der schule wirklich etwas für ihr leben gelernt? warum?
  • wann verkehrt sich für sie erziehung in psychoterror?
  • wurden sie geschlagen? wenn ja, haben sie jemals den täterInnen gesagt, was sie ihnen antaten? wenn nein, wie könnten sie sich für dieses wohltat bedanken?

schreibidee (130)

die erwartung, sich perfekt zu verhalten, ein gutes soziales wesen zu sein und kompetent mit konflikten umzugehen ist inzwischen gesellschaftlicher standard. ganz gleich welche berufsgruppe, welche zusammenhänge, mensch wird erzogen zu einem besseren und alle bemühen sich. doch so sehr man sich bemüht, manche lebenssituationen verrutschen und laufen schief. auch dies kennt jeder, man hat etwas getan, was man nie tun wollte. die schreibanregung wird dieses mal die möglichkeit bieten, „entschuldigungs-texte“ zu verfassen.

als einstieg in die schreibanregung notieren alle teilnehmerInnen der schreibgruppe situationen, von denen sie das gefühl haben, unfair gewesen zu sein oder jemanden verletzt zu haben. es werden listen aufgestellt. anschließend wählen alle das für sie dringlichste ereignis, von dem sie meinen, sie müssten sich auf alle fälle entschuldigen. dann wird ein brief verfasst, der zu beginn die situation noch einmal wiedergeben sollte, um dann in eine entschuldigung zu münden.

wenn der brief fertig ist, wird ein zweiter text von einer seite geschrieben, in dem man darüber reflektiert, was es bedeutete diesen brief zu schreiben. wie ging es einem damit? nach diesen vorarbeiten wird eine geschichte geschrieben, die die situation widerspiegelt, die man erlebte (sie kann natürlich verfremdet werden, da diese geschichte vorgelesen werden soll), und die anders verläuft als damals. die geschichte beschreibt, was passiert wenn man sich anders, fairer verhalten hätte.

nachdem die geschichten gegenseitig vorgetragen wurden, wendet sich die schreibgruppe den größeren konflikten zu. ältere generationen leben gern auf kosten der nächsten generation. deshalb sind nun noch „entschuldigungs-texte“ an die nächste generation zu verfassen. in diesen texten entschuldigt man sich für das, was auf die jüngeren zukommt. alle teilnehmerInnen sollten versuchen, erklärungen dafür zu geben, weshalb die gesellschaft sich so verhalten. vielleicht lassen sich dadurch generationskonflikte auflösen 😉