Schlagwort-Archive: genogramm

schreibidee (280)

wenn wir dann schon einmal dabei sind: schreibende müssen faken! also, sie müssen sich in situationen versetzen, geschichten erfinden und ausbreiten, die sie in der form nie erlebt haben. in viele geschichten und romane fließen persönliche anteile ein, wenn es sich aber nicht explizit um biografisches schreiben handelt, ist der großteil erfunden und zusammengeklöppelt. doch man kann auch einen anderen weg beschreiten und sich „selbst“ vollständig neu erfinden. darum eine schreibanregung zu einem „fake-lebenslauf„.

der einstieg: der name. die schreibgruppenteilnehmerInnen wählen sich oder losen einen namen für ihren erfundenen lebenslauf. es können entweder vor- und nachnamen auf zetteln notiert werden, die dann gelost werden oder alle überlegen sich einen namen, der ihnen gefallen würde. dabei muss das eigene geschlecht keine rolle spielen, man darf sich auch gern in das andere geschlecht versetzen.

wenn der name gefunden ist, dann macht als nächster schritt ein genogramm sinn. alle teilnehmerInnen erfinden ihre eigene familie und sippe. da gibt es den seltsamen onkel im ausland, die karriere-cousinen oder eben nur zwei geschwister, die schon immer nervten. zu dem genogramm können noch kleine charakteristiken für die einzelnen personen verfasst werden.

nun kommt der größte schritt zu einer neuen identität: der eigene lebenslauf, der nichts mit der realität zu tun hat. in diesen lebenslauf können diverse träume der schreibenden einfließen, dies muss aber nicht sein. und gebrochene lebensläufe sind natürlich interessanter als geradlinige. das alter der gefaketen person sollte mindestens 40 jahre sein, damit schon etwas erlebt wurde. welche schulbildung, welche ausbildung, welcher beruf, wo lebt die person…? all dies gehört in den lebenslauf. anschließend werden die lebensläufe in der schreibgruppe vorgestellt.

doch dies waren alles nur vorarbeiten zur fake-autobiografie. nun soll ein längerer autobiografischer text geschrieben werden, in dem die erfundende lebensgeschichte einfließt. hierzu können genogramm und lebenslauf hinzugezogen werden, und eine episode aus dem „neuen“ leben erfunden werden. diese autobiografischen geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

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biografisches schreiben und farben

in welchen farben ist ihre wohnung gehalten? was sagt das über sie aus? allein diese zwei fragen, geben einen anhaltspunkt über einen selber. man wählt sich sein umfeld nicht ohne grund. beim betrachten der eigenen biografie lohnt ein blick auf das eigene farbempfinden, um sich seiner selbst bewusster zu werden oder auch nur eine beschreibung für sich zu finden. man werfe einmal einen blick um sich herum, wenn man am schreibtisch sitzt: was sticht einem ins auge? welche farbe hat dieser gegenstand, dieser blickfang?

aber man kann noch einen schritt weiter gehen. welche farben verbindet man mit den einzelnen, wichtigen lebensabschnitten? diese überlegungen liefern vielleicht eine gute möglichkeit, worte für das erlebte, für die situation zu finden. umschreiben sie die kapitel ihrer existenz mit farbpaletten und fragen sie sich, was sie damit assoziieren. oder überlegen sie sich, an welche farben sie sich intensiv erinnern. welche farbe hatte ihr lieblingsspielzeug? in welcher farbe war ihr elternhaus gehalten? hatten sie eine bunte oma oder passte sich ihre kleidung der grauen haarfarbe an?

abgesehen davon gibt es menschen, die zum beispiel farben schmecken oder riechen können. das sind zwar sehr spezielle fähigkeiten, aber sie bieten als grundlage noch einmal eine ganz andere betrachtungsweise der eigenen lebensgeschichte. welchen geschmack, welchen geruch verbinde ich mit bestimmten farben? und in der folge, warum ist das eventuell so? habe ich bestimmte erinnerungen in diesem zusammenhang? diese überlegungen können einen an verschüttete erinnerungen heranführen. wichtig dabei ist nur, dass man sich nicht unter druck setzt, etwas assoziieren zu wollen. es kann auch sein, dass es einfach keine eindeutigen bilder gibt. und man sollte sich frei von gesellschaftlichen vorstellungen machen. grau kann zum beispiel eine sehr schöne farbe sein. man stelle einmal verschiedene grautöne nebeneinander und schon befindet man sich in einer bunten welt, ein anderes bunt.

eine weitere aufschlüsselungsmethode wäre es zum beispiel, seine lebenskurve nicht nur mit höhen und tiefen darzustellen, sondern gleichzeitig mit farben. dazu müsste man jeder farbe eine bedeutung geben. auch ein genogramm kann mit farben gestaltet werden. die verbindungen zu ihrem umfeld werden in farben ausgedrückt. die charaktere der einzelnen menschen, die sie kennen und kannten, fassen sie in farben. Weiterlesen

schreibidee (173)

für die meisten menschen haben ihre ersten zwei lebensjahrzehnte einen großen einfluss auf ihr späteres verhalten, ihre entwicklung. wenn nichts dazwischen kommt, haben sie engen kontakt zu ihren eltern und, falls vorhanden, den geschwistern. das lässt die menschen bei der betrachtung ihrer lebensgeschichte einen intensiven blick auf ihre eltern werfen. sie sind diejenigen, die sie erzogen haben, die ihnen lebensweisheiten mit auf den weg gaben und die selten später ihre rolle verloren haben. darum ist diese schreibidee den „mutter- und vatergeschichten“ gewidmet.

als einstieg wäre die erstellung eines genogramms der familie eine gute hilfe. sozusagen wird der stammbaum der sippe erstellt und gleichzeitig können kreuz-und-quer-verbindungen eingezeichnet, die beziehungsverhältnisse festgehalten und generationen überblickt werden. anschließend werden die daten zu beiden elternteilen zusammengetragen, soweit dies im gedächtnis ist. wo sind sie geboren? wer waren ihre eltern? welche berufliche entwicklung haben sie gemacht? wo haben sie gelebt? diese daten sind nur in kurzen stichworten abzufassen.

im nächsten schritt notieren die teilnehmerInnen der schreibgruppe eine halbe seite über den jeweiligen elternteil als charakterbeschreibung. welche eigenheiten und verhaltensweisen legten mutter und vater jeweils an den tag? eine weitere halbe seite lang wird das verhältnis der beiden zueinander beschrieben. dann wendet man sich dem eigenen verhältnis zu den eltern zu. auf jeweils eine seite sollte das intensivste erlebnis mit der mutter und mit dem vater niedergeschrieben werden. diese geschichte darf ruhig ein wenig literarische züge annehmen. sie wird im anschluss nicht vorgelesen.

aus all diesen vorbereitungen wird im anschluss eine geschichte zu „ein tag im zusammenleben mit meinen eltern“ verfasst. welchen tag man wählt, ob es besondere ereignisse gab oder nur der alltag beschrieben wird, bleibt den schreibgruppenteilnehmerInnen überlassen. diese geschichten werden in der schreibgruppe vorgelesen. und als letzte übung wird dann zu jedem elternteil eine idealvorstellung geschrieben. je nach zeitrahmen der schreibgruppe kann die länge der geschichten begrenzt werden oder nicht. es soll eine geschichte geschrieben werden, wie ein idealer tag, ein tolles erlebnis mit der mutter, mit dem vater aussehen würde. es geht vor allen dingen darum, dass man es nicht erlebt, sich aber sehr gewünscht hat.

zu beachten ist, dass gerade die klärung des verhältnisses zu den eltern bei teilnehmerInnen viel auslösen kann. es sollte also auch raum bestehen, probleme beim schreiben anzusprechen. ebenso sollte die möglichkeit betont werden, dass schreibaufgaben nicht geschrieben werden müssen.

biografisches schreiben und verwandtschaft

die eigene lebensgeschichte wird bei jedem menschen wesentlich von den anderen menschen um ihn herum beeinflusst. zu diesen menschen zählen bei vielen auch die verwandten. die kontakte zu tante, onkel, cousins und cousinen, oma und opa sind verschieden intensiv.

um sich diese kontakte noch einmal vor augen zu führen und sich an die verschiedenen erlebnisse mit den verwandten zu erinnern, kann es hilfreich sein, ein genogramm zu erstellen. das genogramm wird oft in therapien verwendet, doch es muss nicht automatisch therapeutisch wirken. was ein genogramm überhaupt ist, findet man hier bei wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Genogramm . es lohnt sich das bild unter „darstellung“ anzuklicken, um die größere variante zu sehen. denn in ein genogramm lassen sich neben der verwandtschaftsgrade auch die art der beziehung eintragen.

das erstaunliche bei dieser vorgehensweise ist es, dass einem eine gazne menge verwandte einfallen, an die man sich gar nicht mehr so erinnerte. außerdem führt man sich noch einmal vor augen, wie groß der einfluss der eigenen verwandschaft auf die lebensgeschichte war.

so ein genogramm kann man in etwas abgewandelter form übrigens auch für die eigenen freundschaften erstellen und in die zeichnung die überlegung aufnehmen, wie nah oder weit entfernt einem die menschen stehen. das lässt sich dann zeichnerisch umsetzen.

doch zurück zur verwandtschaft. es lohnt sich anschließend texte zu den menschen aus der verwandtschaft zu verfassen, die einem besonders nahe standen oder mit denen man die meisten erlebnisse hatte. abseits dieser vorgehensweise stellt sich generell die frage, wie der kontakt zur verwandtschaft aussah und aussieht. welche bedeutung hat familie für meine lebensgeschichte, wie intensiv sind die kontakte? gibt es ein großes familiengeheimnis, über das nicht gesprochen wurde? all dies kann für einen bedeutung haben beim verfassen der eigenen lebensgeschichte.