Schlagwort-Archive: geschwindigkeit

schreibidee (373)

in einer atemlosen welt atemlose texte zu schreiben kann die hektik und die zeitknappheit widerspiegeln. der weg zu atemlosen texten wiederum kann spielerisch betreten werden. es geht nicht darum, immer schneller zu lesen und dadurch außer atem zu kommen, es geht eher um die aneinanderreihung von informationen oder dingen, die die leserInnen oder zuhörerInnen in einen zugzwang des schnellen denkens schleudern. darum eine schreibanregung zu „lindwurm-texten“.

der lindwurm ist ein sagenhafter drache, der sich langgestreckt durch die gegend schlängelt und mit seiner länge beeindruckt. darum ist ein lindwurm-wort nichts anderes als ein langes wort, das seinen sinn nicht verliert, sondern vorstellbares beschreibt oder umschreibt. ein klassiker: donaudampfschifffahrtskapitän. in der schreibgruppe wird zum einstieg der wettbewerb ausgetragen, wer das längste sinnvolle wort findet. dazu müssen nach der entwurfsphase, die längsten wörter vorgestellt und die buchstaben der worte gezählt werden. gesiegt hat das längste wort. so schlicht die übung daherkommt, so viel spaß kann sie machen. man kann den schwierigkeitsgrad dadurch erhöhen, dass das wort einen sachverhalt und nicht nur einen gegenstand beschreiben soll. zum beispiel: die sachverständigenratvorsitzendenübergangsregelungsprotokollverlesung.

im zweiten schritt des schreibgruppentreffens werden listen erstellt. am einfachsten ist es die beschreibung eines ortes dafür heranzuziehen. die teilnehmerInnen werden aufgefordert alle gegenstände, die ihnen in einem raum auffallen, zu notieren (wenn man gleich in die Vollen gehen möchte, dann kann man in einen supermarkt gehen). daraus wird dann ein satz erstellt, der mit den worten „ich befinde mich in einem raum mit …“ beginnt. am besten reiht man nun nomen mit dem passenden adjektiv hintereinander auf, z.b.: ich befinde mich in einem raum mit grünen vorhängen, braunen stühlen, einem gelben teppichboden, metallenen lampen… . ist die aufzählung beendet wird mit einem satz als zusatz „… und überlege mir…“ geschlossen. die aufzählungen werden vorgetragen.

wenn nun alle teilnehmerInnen der schreibgruppe langsam hektisch werden, kann eine geschichte im stakkato-format verfasst werden. dazu wird abermals eine liste erstellt. dieses mal soll die liste einen atemlosen tagesablauf erfassen. möchte man den schwierigkeitsgrad erhöhen, kann man auch dazu auffordern ein theaterstück, eine geschichte, eine begebenheit in listenform zu bringen. dabei sollte eine eintragung nicht mehr als ein adjektiv, ein nomen und ein verb enthalten. zum beispiel: wecker klingelt. aufgestanden. hausschuhe angezogen. kaffeemaschine angestellt. geduscht. angezogen. haus verlassen. auto gestartet. losgefahren. volle strassen… .

die texte werden ruhig aber ohne pause vorgelesen und es findet ein feedback zu dem stilistischen mittel statt. sollte noch zeit für das gruppentreffen zur verfügung stehen, können nun geschichten in dieser schreibform erzählt werden. diese stichwortartigen aufzählungen von handlungen geben dem text einen ganz eigenen drive und fordern die zuhörerInnen zur gedanklichen ergänzung auf. wie wäre es mit einem krimi als lindwurm-text?

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mein computer und ich – eine umgangslehre (20)

geschwindigkeit

ja, manches läuft schneller ab mit dem computer. das macht ihn auch so attraktiv, dass man nicht mehr texte mit der schere und dem klebestift überarbeiten muss, dass man nicht mehr das fünfte mal eine matritze betippen muss, damit man fehlerfreie abzüge machen kann, dass man nicht stundenlang im fotolabor stehen muss, um ein bild zu bearbeiten.

und ja, die kommunikation über den computer und das internet verläuft oft beinahe in echtzeit. doch jede/r kennt die situation, dass mails doch nicht so schnell ankommen, wie die anbieter suggerieren oder die übertragungsrate bei skype das gesprochene sehr zerhackt. eigentlich ist das netz heute schon regelmäßig überfordert, gestört und in manchen regionen überhaupt noch nicht nutzbar. dass vieles so rund läuft, hat nur damit zu tun, dass das web 2.0 die eigentlichen datenübertragungen reduziert hat, dass die komprimierung von dateien ständig voranschreitet und deren größe bei beinahe gleicher qualität geringer ist.

der wichtigste aspekt bei der frage nach der geschwindigkeit der computer ist meiner ansicht nach der autosuggestive oder suggerierte moment. viele menschen stöhnen darüber, dass sich ihr leben beschleunigt und nennen im gleichen atemzug den technischen fortschritt. als lösung sehen sie die distanzierung von der digitalen welt an. und sie wundern sich, dass ihr leben danach auch nicht langsamer wird. also stürzen sie sich auf tipps zum zeitmanagement, zum selbstcoaching und zu mehr gelassenheit, aber irgendwie will das alles nicht so richtig klappen.

der computer ist eigentlich nur ein werkzeug. ein werkzeug, das manche arbeitsschritte vereinfacht und schneller erledigt. die eigentliche geschwindigkeit des alltags entsteht aber aus der form der nutzung des werkzeugs und die krux daran ist ein ganz anderer aspekt. angefangen hat es mit der produktionsform „just-in-time“. es wird alles vorrätig gehalten, um einen differenzierten produktionsprozess jederzeit durchführen zu können, wenn die nachfrage signalisiert wird. das heisst zum beispiel: heute ein buch bestellt und morgen wird es an der haustür ausgeliefert. diese form der logistik und vorratshaltung hat sich inzwischen längst in alle arbeitsbereiche übertragen und im privatleben verankert.

zu „just-in-time“ gehört die verfügbarkeit rund um die uhr. diese verfügbarkeit ist erst mit den modernen kommunikationsmitteln möglich geworden, mit dem computer (und dem handy, das inzwischen ein kleiner computer ist). der computer wird also während der wachphasen in unserem leben am körper getragen, um jederzeit auf anliegen, fragen und aufträge (auch im privaten) reagieren zu können. wer dem nicht folgt, der hat Weiterlesen

web 2.0 und stärke

stärke bedeutet im zusammenhang mit dem internet wahrscheinlich, widerstehen zu können. nicht jede seite, die interessant sein könnte, aufrufen zu müssen, nicht jedem link folgen zu müssen, nicht alles bis ins letzte detail erkunden zu müssen, nicht in der fülle an angeboten versinken zu wollen.

in anderen lebensbereichen fällt dies den menschen leichter. am zeitungskiosk kauft man nicht jede zeitschrift, die einem gefällt, da es zu teuer würde. im fernsehen oder in der zeitung schaut man sich nicht alles an, das einen interessieren könnte, da die zeit dafür nicht da ist. doch im internet verschwindet bei vielen plötzlich die zeit als maßstab. zum einen erhöht sich die attraktivität des netzes dadurch, dass angebote meist nichts kosten und im hintergrund eine flatrate zeitlich unbegrenzt zugriff erlaubt. zum anderen wirkt das netz so schnell. das angeklickte baut sich schnell auf, der beinahe-sofort-zugriff ist ein ganz anderer, als sich hinzusetzen und eine zeitung in die hand zu nehmen, artikel auszuwählen und in ruhe zu lesen.

das internet führt zum schnellen blick, zur schnellen entscheidung und zum schnellen weiterklicken (so wie das zappen im fernsehen eine gute vorübung für das netz war). diese hohen geschwindigkeiten suggerieren, man würde nicht viel zeit mit der tätigkeit verbringen. doch das trügt. viele user stellen erst im nachhinein fest, wie viel zeit sie jetzt wieder im netz verbracht haben. sie stellen erst dann fest, wie schwer ihre beine sind, wie voll ihr kopf ist, wenn sie ein ende gefunden haben. und sie stellen vor allen dingen fest, dass sie in der verbrauchten zeit nicht viele informationen aufgenommen, sondern immer nur Weiterlesen

mein computer und ich – eine umgangslehre (07)

takt

die chips fuppen und wuppen immer schneller immer mehr. sie werden zudem in einzelnen rechnern gleich doppelt oder vierfach eingebaut, damit die taktfrequenz ihrer rechenleistung weiter steigt. genug ist nie genug. der hauptgrund für dieses ständige upgrade? vor allen dingen die modernen waffensysteme und computerspiele. die grafischen animationen und strategischen rechnungen benötigen mehr kapazitäten.

doch die konsequenzen sehen anders aus. im hintergrund wird der takt zum maßstab gemacht, mit bedeutung aufgefüllt und in unser arbeitsleben implantiert. dabei wird, wie bei vielen dingen, ein riesige milchmädchen-rechnung angestellt. die kommunikation in beinahe-echtzeit soll uns dazu anhalten, möglichst schnell auf ereignisse und entwicklungen zu reagieren. in manchen dingen sind wir schneller als der chip in anderen werden wir immer langsamer sein.

das war bis jetzt unser überlebensvorteil: wir haben unsere entscheidungen nicht vorschnell getroffen. heute sehen wir kaum mir aus dem wust von informationen auf, sollen aber entscheidungen viel schneller als früher treffen, da ja die kommunikation so wunderbar klappt. der mensch am anderen ende erwartet dies. schriftliches bekommt plötzlich per mail oder chat zwei reaktionsmuster: „blitzschnell“ reagieren zu müssen oder überhaupt nicht mehr zu antworten.

die schnelle reaktion würde uns wirtschaftliche vorteile bringen, heisst es in vielen wirtschaftswissenschaftlichen diskursen. und so plappern wir uns um kopf und kragen. denn die vorschnellen entscheidungen ohne ausführliche analysen schlagen inzwischen zurück. die börse ist das beste beispiel dafür. aber so treiben wir uns inzwischen in einem lebenstakt voreinander her, dass Weiterlesen

mein computer und ich – eine umgangslehre (05)

software

eines meiner liebsten themen: die programme, die den computer erst zum laufen bringen. sie können immer mehr, sind immer schneller und bündeln unglaublich viele funktionen. aber, und da bin ich wieder bei der usability, sie kommen irgendwie unfertig auf den markt. dafür gibt es gute und schlechte gründe. die guten gründe sind: da die menschen ihre software auf computern immer individueller zusammenstellen, können nicht alle kombinationen bedacht werden. nimmt man noch die peripherie (also die angeschlossenen geräte) dazu, kann man beim programmieren nicht alle eventualitäten bedenken. also muss nachgerüstet werden. die schlechten gründe: das produkt wird unfertig auf den markt gebracht, damit sich die nutzerInnen als testgruppe nützlich machen. es wäre zu zeitaufwendig, alle eventualitäten durchzutesten.

bei vielen technischen geräten ist dies aber üblich. erst die abnahme durch den tüv oder eine andere institution ermöglicht es, etwas auf den markt zu bringen. oder was glauben sie, was los wäre, wenn in einer produktionsstrasse eine autokonzerns software zum einsatz käme, die unvollständig ist und ständig durch fehler in der produktion auf sich aufmerksam macht. dass das vorkommen kann, das ist logisch und menschlich. dass es aber beinahe eingeplant ist, ein update nach dem anderen nachzuschieben, das macht sauer.

und dann noch die ständigen automatischen updates. viele programme haben die voreinstellung, dass man nicht mehr selber entscheidet, wann sich der eigene computer mit wem im internet verbindet. das macht das ding automatisch. das kann aber zur folge haben, dass plötzlich veränderungen in programmen auftauchen, die man gar nicht möchte. will man diesen ablauf verhindern, muss man sich jedesmal in die tiefen der einstellungen begeben, um das automatische updaten oder die automatische suche nach updates zu verhindern.

womit ich eigentlich schon bei meinem zweitliebsten thema bin: die usability. etliche programm werden mit neuerungen so vollgepackt, dass man stunden benötigt, um alle details in den einstellungen beachtet zu haben. macht man dies nicht, machen programme Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und eifersucht

das wort „eifersucht“ ist vielleicht nicht ganz zutreffend, man kann es auch neid oder konkurrenzverhalten nennen. denn in den wissenschaften herrscht inzwischen eine hauen und stechen um positionen und vor allen dingen finanzierungen. dies folgt der vorstellung, dass konkurrenz das geschäft belebe.

wie hier im blog vor kurzem beschrieben, ist dies in bezug auf grundlagenforschung und gesellschaftliche notwendigkeiten ein trugschluss. als beweis kann man zum beispiel die gefälschten forschungsergebnisse, die gehäuft veröffentlicht oder zumindest lanciert werden, sehen. da es kaum mehr grundsicherungen für wissenschaftlerInnen gibt, lebt nun auch die forschung von der sensation. dies bringt aber menschen dazu, sensationen zu schaffen, die gar nicht existent sind.

daneben werden weiterhin berufungen und stellenbesetzungen an die zahl der veröffentlichungen geknüpft. dies hat den effekt, dass forschende teilweise auf teufel komm raus versuchen, aus teilergebnissen eine veröffentlichung zu erstellen. zudem werden dadurch die hierarchien in den hochschulen gestärkt, da vorgesetzte darauf bestehen, in der veröffentlichung genannt zu werden, obwohl die eigentliche forschungsarbeit von ihren mitarbeiterInnen geleistet wurde.

und als weiterer aspekt kommt noch der zeitdruck hinzu. die forschungsergebnisse sollten vor den anderen, den konkurrentInnen, veröffentlicht werden, um seine spitzenposition zu erhalten. doch damit unterbindet man teamwork und kollaboratives forschen. oft wird mit heisser nadel gestrickt und nicht selten sind die forschungsergebnisse nicht wiederholbar.

dies hat auch auswirkungen auf das wissenschaftliche schreiben. auf den eigentlichen schreibprozess wird immer weniger zeit verwendet. forschungsergebnisse sind für die normalsterblichen kaum mehr zu verstehen. das liegt nicht ausschließlich an der komplexität der forschungen. inzwischen bereitet die ergebnisse Weiterlesen

web 2.0 und lange texte

immer wieder kommt die diskussion auf, ob im web 2.0 lange texte angebracht sind. die zeichenreglementierung von twitter und sms reduziert meldungen und texte auf ein minimum. an die kurz-kurz-meldungen gewöhnt, empören sich manche menschen im netz über längere berichte. damit einher geht seit jahren die entwicklung in zeitungen und zeitschriften, reportagen oder artikel zu begrenzen. dies war erst einmal nicht der aufmerksamkeitsspanne der leserInnen geschuldet, sondern es war den kosten und bezahlungen der journalistInnen geschuldet, die nach zeilen bezahlt wurden.

da wurden die bilder größer, die überschriften nahmen mehr platz ein und der zeilenabstand wuchs beim relaunch an. das internet verstärkte mit seinen übertragungsgeschwindigkeiten und seinen überblicksstrukturen den hang zur kurzversion. ob es gewöhnung ist oder das so genannte „aufmerksamkeitsdefizitsyndrom“, das anscheinend um sich greift, das internet verkürzt die geduld, ein thema ausführlicher zu betrachten. dem motto „zeit ist geld“ folgend wird an allen ecken und enden suggeriert, dass in der kürze die würze liege.

das steht meiner ansicht nach im widerspruch zu einer immer komplexeren welt, die ausführliche analysen, intensive diskurse und in die tiefe gehende untersuchungen benötigt, um sie überhaupt verstehen zu können. die schnell-schnell-haltung verstärkt die gesellschaftlichen schwierigkeiten, da viele lösungsvorschläge nur noch „just-in-time“ gemacht werden und wenig fruchten. es würde verwundern, wenn es in dieser welt der steten nachbesserungen nicht eine gegenbewegung geben. denn das internet bietet nicht nur geschwindigkeit, es bietet auch preiswerten (schreib)platz. seit dem html-code und den blogs benötigt text nicht mehr viel speicherkapazität.

und so widmete sich die süddeutsche zeitung dieser gegenbewegung in einem artikel und macht auf diverse seiten im internet aufmerksam, die es sich zur aufgabe gemacht haben, längeren texten genug raum zu geben. auch auf dem zeitschriftenmarkt gibt es schon seit einiger zeit eine gegenbewegung, die wieder auf ausführliche lektüre baut. da man sowieso nicht alles, was geschrieben wird, lesen kann, ist es eher eine frage der auswahl. die kann jede(r) für sich treffen. hier der artikel der sz: http://www.sueddeutsche.de/medien/medien-im-digitalen-zeitalter-journalismus-extralang-1.1135014 .

web 2.0 und spiel

das internet bietet inzwischen viel spielerisches. das ist ein verdienst des web 2.0, das es jedem menschen relativ leicht ermöglicht, eigene homepages, blogs oder andere datenbanken zu erstellen. das aber auch die interaktivität fördert und somit den aufbau von netzwerken und dergleichen mehr. erst so wurde es immer einfacher, seiten aufzubauen, die viele menschen zusammenbringen. ähnlich funktionieren inzwischen auch viele online-spiele.

so schnell manches erscheint, so schnell verschwindet es auch wieder. erinnert sich noch jemand an „second life“, die virtuelle parallelwelt, die als das nonplusultra der zukunft gesehen wurde. sie war eigentlich auch ein großes kinderspiel nach dem motto: „wir schaffen uns unsere eigene welt“. inzwischen könnte man das web 2.0 als ein großes „second life“ verstehen. ganz viele menschen schaffen sich ihre eigene welt. teilweise nach eigenen regeln, mit virtuellem personal und viel persönlichem input.

abseits dieser simulationen kann das netz aber auch spielerisch verwendet werden. je mehr die menschen verstanden haben, dass sie sich nicht unbedingt auf anonymem terrain bewegen, desto stärker verschleiern sie ihre herkunft. sie geben zwar manches preis, lassen aber auch viel weg, verfälschen und erscheinen inkognito. das ist ein großer vorteil zu früher: man kann sich in diverse rollen begeben oder eben von blüte zu blüte im netz hüpfen.

durch seine unendliche vielfalt und die hohe umsetzungsgeschwindigkeit lädt das internet zum surfen durch verschiedene welten ein. da kann man kunst, kultur, musik, wissen, filme, infos, rezepte und animationen entdecken. man begibt sich beim richtungslosen surfen auf expedition und kann gewiss sein immer etwas witziges, spielerisches oder spannendes zu finden. Weiterlesen

10-finger-schreibsystem – freeware zum üben

der top-artikel schlechthin mit über 1000 aufrufen, wohl eine wichtige suche im zeitalter des bloggens und tippens. also hier noch einmal mit allen links, die gar nicht mehr so frisch sind. habe sie nicht noch einmal überprüft. im anschluss gleich den aktuelleren artikel.

gepostet am 15.10.2008

wer bloggt oder anderweitig immer wieder texte am computer verfasst, bemerkt irgendwann, falls es noch nicht gelernt wurde, dass das 10-finger-schreibsystem eine große erleichterung und beschleunigung beim tippen ist. so lässt sich zum beispiel mit dem gelernten tipp-system das freewriting am computer viel leichter umsetzen. der größte vorteil besteht aber darin, den blick ausschließlich auf den bildschirm zu richten und nicht ständig auf die tastatur zu blicken. das ermöglicht das direkte korrigieren des textes während des schreibens.

früher gab es die so genannten „schreibmaschinenkurse“ während der schulzeit, um zu lernen, wie texte in hoher geschwindigkeit in die tasten gehauen werden können. dazu wurden einzelne worte in endloser ausdauer immer wieder getippt und anschließend fehlerzählungen durchgeführt. das ist heute einfacher. der computer und das internet sind dabei eine große erleichterung. es gibt inzwischen ein umfassendes freeware-angebot zum lernen des 10-finger-schreibsystems an der computer-tastatur. hier seien nur ein paar beispiele aufgeführt:

zum einen gibt es die open-source-software „tipp10„, ein übungsprogramm für mac, linux und windows. sie ist zu finden unter: http://tipp10.de/ . oder es gibt die version „schneller schreiben 3.4“, die ausschließlich für windows geeignet ist. sie ist zu finden unter: http://www.ab-tools.com/programme/schnellschreiben/ . beide freeware basieren auf dem versuch durch sinnlose texte und beständiges üben, ein gespür dafür zu bekommen, wo auf der tastatur welcher buchstabe zu tippen ist. vorteil ist zum beispiel, dass die geschwindigkeit der übungen verändert werden kann. es werden also bei kleiner überschaubarer buchstaben- und tastenzahl begonnen und die übungen beständig gesteigert. es liegt letztendlich im wahrsten sinne des wortes in der hand der schreiberInnen wie groß die fortschritte sind.

zusätzlich gibt es noch einen kleinen wiki der „zentrale für unterrichtsmedien im internet e.v. – „zum““ zum 10-finger-schreibsystem mit verschiedenen links zu weiteren software-möglichkeiten und informationen. das wiki ist zu finden unter: http://wiki.zum.de/10-Finger-System . und jetzt nur aufpassen, dass man beim verrutschen der finger keine größeren verletzungen davonträgt 😆

hier finden sich noch weitere möglichkeiten: https://schreibschrift.wordpress.com/2008/10/29/10-finger-schreibsystem-freeware-zum-uben-2/

schreibidee (156)

wie oft warten sie in ihrem leben auf andere. sie sind verabredet und ihre verabredung kommt zu spät. sie sitzen in einer veranstaltung, alle lesen den gleichen text, und sie sind schon fertig. sie befinden sich in ihrer schreibgruppe, die anderen schreiben noch, aber sie haben ihren text schon beendet. sie diskutieren mit freunden und haben das gefühl, dass diese ihren argumenten nicht mehr folgen können, da ihnen ihre gedankensprünge zu schnell gehen. dann sind sie zu schnell für diese welt. die schreibidee greift im gegensatz zur vorherigen, diesen aspekt auf und bringt „zu-schnell-für-diese-welt-geschichten“ hervor.

als einstieg sollten sie der schreibgruppe kurz ein paar künstlerInnen und wissenschaftlerInnen vorstellen, die ihrer zeit voraus waren. menschen, die andere zum kopfschütteln bewegten, da sie sich nicht vorstellen konnten, dass die welt sich so entwickeln würde. dann sollen die teilnehmerInnen eine eigene biografie eine menschen erfinden, der seiner zeit voraus ist. diese biografie sollte auf einer seite beschrieben werden.

als nächstes wendet sich die schreibgruppe den erfindungen zu. alle teilnehmerInnen beschreiben auch wieder auf einer seite, eine innovation, die die menschenheit in zukunft verändern wird. dabei können alle ihrer fantasie freien lauf lassen und die erfindung muss nicht realistisch erscheinen. zum abschluss findet noch 10 minuten lang ein fokussiertes freewriting zum thema „geschwindigkeit“ statt. dabei ist von den teilnehmerInnen darauf zu achten, dass sie so schnell wie möglich schreiben.

anschließend sind alle aufgefordert, einen „hochgeschwindigkeits-text“ zu schreiben. irgendetwas in dieser geschichte muss schneller, innovativer oder neuer sein als alles andere. dabei kann es sich um menschen, dinge oder situationen handeln. die geschichten werden anschließend in der gruppe vorgetragen. das feedback ist kurz und schnell. alle teilnehmerInnen dürfen jeweils fünf worte zur geschichte sagen ohne nähere erklärungen abzugeben.

schreibidee (155)

kennen sie die situation, in der sie den ganzen tag terminen und fortbewegungsmitteln hinterher hetzen und am abend das gefühl haben, dass sie mit allem nicht mehr schritt halten können. oder sie lesen ein buch, von dem viele menschen berichten, es sei äußerst interessant, aber sie verstehen das buch nicht. oder sie haben sich gerade mit der neuen mode angefreundet, jedoch alle um sie herum tragen schon wieder ganz andere sachen. dann kann das gefühl aufkommen, zu langsam für diese welt zu sein. die schreibidee will diesem gefühl nachgehen und „zu-langsam-für-diese-welt-geschichten“ entstehen lassen.

als einstieg werden die teilnehmerInnen der schreibgruppe aufgefordert zwei situationen auf jeweils einer halben seite zu beschreiben, in denen sie meinen etwas verpasst zu haben. dann sollen noch zwei situationen beschrieben werden (auch wieder jeweils eine halbe seite) in der sie sich langsamer als die anderen vorkamen.

im anschluss wird eine seite zu den vorteilen der langsamkeit geschrieben. dabei sollten die schreibenden darauf achten, dass sie auch ihren schreibrhythmus verlangsamen. jedes wort wird gemalt. im hintergrund kann beruhigende, getragene musik gespielt werden. als letzte vorbereitung für den eigentlichen text wird ein cluster erstellt, dass sich auf die worte „zu langsam“ bezieht. die teilnehmerInnen schauen sich noch einmal in ruhe ihre ganzen vorarbeiten an und lassen die ideen in eine geschichte fließen. es wird genug zeit zur verfügung gestellt, die geschichte zu schreiben.

anschließend werden die geschichten vorgelesen. dabei sollen die schreibgruppenteilnehmerInnen darauf achten, langsam zu lesen. es gibt keine feedbackrunde, sondern es werden feedbackgeschichtchen geschrieben. die jeweils rechten nachbarInnen schreiben das feedback unter dem blickwinkel, woran die langsamkeit in der geschichte hindert, selbst wenn in der geschichte die langsamkeit positiv bewertet wird.

wortklauberei (41)

„endlich gibt es tempo auch als toilettenpapier“

wir wussten ja schon lang, dass überhöhte geschwindigkeit richtig scheiße ist. da ist es nur eine logische konsequenz das rasende tempo des alltäglichen lebens in toilettenpapier zu verwandeln. wie das produktionstechnisch geht, erschließt sich uns zwar nicht so ganz, aber was soll´s. bei „momo“ stahlen uns auch die grauen männer die zeit, wieso sollte da nicht auch ein toilettenpapierfabrikant überhöhte geschwindigkeit sammeln.

und würden da noch ein paar lösungen einfallen. aus überstunden werden taschentücher gemacht, aus hektik küchentücher (zewa wisch und weg).stress verwandelt jemand in papier. bei dem ganzen stress, der überall herrscht, müssten keine wälder mehr in skandinavien oder im regenwald gerodet werden. die papierproduktion würde sehr preiswert werden und der bluthochdruck vieler gestresster menschen könnte gleich die energie für die maschinen liefern.

gut, es ergeben sich schwierigkeiten. je geringer geschwindigkeit und stress werden, um so seltener wird bluthochdruck auftreten, die energie für die produktion also fehlen. aber das ist in kauf zu nehmen, wenn sich generell die welt verbessert und es tempo als toilettenpapier gibt. ob wir dann damit rechnen müssen, dass sich die übertragungsraten im internet wieder absenken, können wir noch nicht vorhersagen. jedoch: „endlich gibt es tempo auch als toilettenpapier„, „endlich gibt es hektik als papierküchentuch“, „endlich gibt es überstunden als taschentuch“ und „endlich gibt es stress als schreibpapier“. die welt wird besser.

schreibpädagogik und geschwindigkeit

das anleiten von gruppen, die ausbilden und etwas mit lernen zu tun haben, ergibt sich gern das problem, dass menschen in ganz verschiedenen geschwindigkeiten die lernprozesse vollziehen. es wird zum beispiel bei schulklassen nach dem prinzip verfahren, sich nicht an den schnellsten aber auch nicht an den langsamsten schülerInnen zu orientieren.

in schreibgruppen ist das vorgehen in diesem zusammenhang schwieriger, da der kreative prozess beständig ausgeweitet werden kann. soll heißen, ich kann meine schreibaufgabe beständig nicht beenden, da mir immer noch ein satz einfällt, ich noch an meinem text feilen möchte. so findet man sich bei der leitung von schreibgruppen schnell an dem punkt wieder, dass die schreibgruppe keine ende bei der bewältigung der aufgabe findet, wenn keine klaren zeitvorgaben gemacht wurden. viele teilnehmerInnen berufen sich darauf, dass sie noch nicht fertig sind mit dem text und vor allen dingen das ergebnis nicht zufriedenstellend finden, wenn sie jetzt abbrechen müssen.

hier ist es aber aufgabe von schreibgruppenleiterInnen den schreibprozess irgendwann abzubrechen. denn es geht nicht darum den perfekten text abzuliefern und somit auch den inneren zensor zur beständigen überarbeitung anzuspornen, sondern es geht darum eben keinen „zeit-raum“ dem zensor zu überlassen. vielen wird immer die zeit bei verschiedenen schreibanregungen zu kurz sein. und klar, man kann noch ganz viele ideen haben, doch sie finden in diesem moment einfach keinen platz. das scheint wichtig, da sich die schreibgruppe sonst in einen roman-workshop verwandelt.

deshalb sollte man sich im vorfeld gut überlegen, welchen zeitrahmen man für das schreiben ansetzt und dies allen teilnehmerInnen im vorfeld mitteilen. ungefähr zwei minuten vor beendigung der schreibaufgabe teilt man dies den teilnehmerInnen mit. zum schluss bittet man alle, ihren stift abzulegen. anschließend lässt man noch ungefähr eine halbe minute zeit, um den letzten satz zu formulieren und besteht dann darauf, dass der stift abgelegt wird. die beste möglichkeit, den schreibprozess zu stoppen, besteht darin, gleich die leserunde zu beginnen. denn beim kreativen schreiben geht es nicht um die schreibgeschwindigkeit, sondern um die schaffung eines möglichst ungerichteten schreibprozesses.

web 2.0 und unübersichtlichkeit

 

das internet ist ein riesiger pool an informationen, die kein mensch bewältigen kann. das schreckt viele ab, sich in die tiefen des netzes zu begeben, könnte es einem doch passieren, dass zur gerade verfassten arbeit noch zwanzig weitere interessante informationen auftauchen. so zwingt das web 2.0 einen zum mut zur lücke oder man versinkt im strudel der daten.

die größte schwierigkeit besteht darin, den takt der nutzung selbst zu bestimmen. die krux des computers zeigt sich vor allen dingen in der geschwindigkeit des weiterklickens. denn je schneller man wieder woanders hinklickt, um so schneller werden einem weitere informationen zur verfügung gestellt. Weiterlesen

schreiben und geschwindigkeit der ereignisse

 

so schnell kann es gehen. gerade noch eine kleine bösartige geschichte über die „bedienpauschale“ bei der deutschen bahn geschrieben, schon ist sie wieder abgeschafft. nun, hier stört es nicht, ergab sich die geschichte doch aus der empörung heraus, was man sich als nutzer eines dienstleistungsunternehmens noch alles gefallen lassen muss.

schwieriger sieht es aus, wenn man eine menge arbeit in einen text, eine geschichte gesteckt hat und feststellen muss, dass sie nicht mehr tragbar ist, da sich etwas grundlegendes geändert hat. aktuelles beispiel ist die biografie von kurt beck, der das letzte kapitel jetzt fehlt, die aber zur buchmesse in den verkauf kommen sollte und in nächster zeit groß von gerhard schröder vorgestellt werden sollte. hier ist der versuch, eine biografie für die eigene politische positionierung zu nutzen, gescheitert.

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wortklauberei (4)

„zeitnah“

dieses kurze aber momentan im trend liegende wort habe ich schon im letzten „wortwendungs-ranking“ aufgeführt gehabt. doch es begegnet einem immer wieder. und jedesmal frage ich mich, was möchten mir die autorInnen damit sagen? was ist „zeitnah“.

zeit an sich ist ein gesellschaftliches konstrukt. die zeit gibt es gar nicht, wenn der mensch sie nicht erfunden und als maßstab eingeführt hätte. es gibt rhythmen, wie tag und nacht oder jahreszeiten. und es gibt zeitabstände, die gemessen werden können, eben, nachdem man eine einheit festgelegt hat. doch nach dieser festlegung herrscht immer zeit. so haben wir jetzt zum beispiel samstag, den 30ten august 2008 gegen 15.45 uhr. und wir haben wörter, die uns den zeitabstand klar benennen, wie zum beispiel „morgen“, „in einer stunde“ oder „in einem jahr“. wir haben auch begriffe, die uns eine zeitliche andeutung machen, wie zum beispiel „später“, „sofort“ oder eben „bald“.

aber irgendjemand ist auf die idee gekommen, erst eine zeit zu setzen, die im unklaren bleibt und dann ihre nähe zu suchen. also eigentlich ein ausdruck, der noch unklarer ist, als „bald“, eher so etwas wie „eventuell“. wenn also eine aufgabe „zeitnah“ erledigt wird, ist es angebracht nachzufragen, um welche zeit es sich denn handelt? und was würde der begriff „zeitfern“ bedeuten. wenn ich also als zeit „ein jahr“ ins auge fasse, dann könnte „zeitfern“ bedeuten, dass morgen schon etwas passiert. die begriffe „nah“ und „fern“ sind normalerweise an orte gebunden. doch zeitorte zu benennen bleibt ein schwieriges unterfangen, da sich zeit nicht unbedingt verorten lässt. nur in geschwindigkeiten ist die bewegung von ort zu ort in einer bestimmten zeit gefasst. bekommt die zeit einen eigenen ort, dann sind dies wohl die längen- und breitengrade. dies müsste aber „zeitzonennah“ heißen, ergibt aber eigentlich keinen sinn.

also bleibt zeitnah ein sinnloses füllwörtchen hübsch klingt aber genauso blödsinnig ist, wie wenn das wasser „temperaturnah“ kocht oder das auto „geschwindigkeitsnah“ beschleunigt. so kann man sich auch näher kommen 😀