Schlagwort-Archive: gewalt

kreatives schreiben und coolness

wie sehen coole texte aus? vielleicht reduziert auf das minimum oder doch lieber einfach gefühllose aufzählungen von geschehenem. doch es kann auch ganz anderes cool wirken, wenn zum beispiel die protagonisten sich in einer welt bewegen, die nur unterkühlt kommuniziert. dabei reduziert sich das gesagte auf ein minimum und emotionen bleiben auch hier außen vor.

im kreativen schreiben lassen sich viele varianten von coolness vorstellen. man kann ein wenig anleihen beim film nehmen. schaue man sich filme an, die man cool findet und übertrage das geschehen so zu sagen rückwärts in einen text. dabei kann es wie schon geschrieben das gesprochene sein, das dem film einen coolen charakter gibt oder es ist die beschreibung des geschehens. man versuche sich einmal in verschiedenen varianten.

man starte bei den räumlichkeiten. ich habe einmal die bilder einer wohnung gesehen, in der jeder raum weiß gekachelt war. selbst die möbel waren weiß gekachelt. dies ist nun eine extremform der kälte einer wohnung. doch beschreiben sie einmal eine sehr spartanische, kalte umgebung. man kann dies noch ausweiten um den kiez, die wohnumgebung. plattenbauten (auch wenn sie bunte balkone erhalten haben) wirken von außen betrachtet anders als gründerzeitvillen oder fachwerkhäuser. oder man betrachte sich einmal die glaspaläste mit einer spiegelnden außenverkleidung.

nun kann man die coole umgebung auf eine ganze stadt ausweiten. wie sieht eine coole stadt aus? wenige geschäfte, viel verwaltung, strenge fassaden, möglichst kein grün, einfach keine schnörkel. übersetzt man coolness mit kälte, dann sollten in der beschriebenen stadt möglichst keine farbtupfer auftauchen, sondern alles in ein kühles grau gehüllt sein. unterstrichen werden kann die stimmung noch durch das wetter, das herrscht. sehr beliebt in coolen filmen sind regen oder nebel, aber selten sonnenschein. nacht gibt allem einen grauton, tagsüber sollte zumindest ein kaltes helles licht herrschen (unsere energiesparlampen können für die beschreibung einen guten anreiz geben).

und nun zu den menschen. hier ist die beschreibung viel einfacher: man nehme einen menschen, der seine gefühle für sich behält und nur das nötigste kommuniziert. auch dafür kann man sich im vorfeld filme anschauen. ich schreibe nur „terminator“ und „asta la vista baby“. betrachtet man sich die literatur, dann wird meist eher männern Weiterlesen

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liste (91) – strafe

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um die „strafe“.

die schlimmsten strafen, die ich erlebt habe:

dafür habe ich menschen bestraft:

wenn ich bestrafe, dann am liebsten so:

dieses verhalten muss aus meiner sicht auf alle fälle bestraft werden:

in diesen momenten halte ich strafe für absolut unangebracht, auch wenn es oft vorkommt, dass dafür bestraft wird:

wortklauberei (89)

„der breite widerstand ist friedlich“

ja, manchmal fragt man sich, welche vorstellungen eigentlich inzwischen in dieser welt der dienstleistungen und des wohlverhaltens rumgeistern. oder man fragt sich, welche haltungen manche menschen in meinungsbildenden institutionen vor sich hertragen. am samstag wurde von den reaktionen auf den atommüll-transport nach gorleben in der „tagesschau“ berichtet. dabei brachte es die reporterin fertig, nach einem kurzen abstecher zu den gleisblockierern, die als sie geräumt werden sollten mit steinen warfen, folgenden satz zu äußern: „der breite widerstand ist friedlich.“

sorry, aber wie soll das gehen. sprachlich geht es jedenfalls gar nicht. ein blick in das deutsche wörterbuch der brüder grimm zum wort „widerstand“ und es findet sich folgende auflistung: „widerwärtigkeit, behinderung, widerstreben, gegenwehr, weigerung, fähigkeit zum widerstande, gegner„. dann ein blick in den thesaurus zum begriff „friedlich“ und es finden sich folgende wörter: „einträchtig, friedfertig, friedliebend, geruhsam, sanft, verträglich, friedfertig, gutmütig, pazifistisch, versöhnlich, glimpflich, harmlos, mild, sanft, weich, mild, sanft, seelenruhig, zahm„.

zuerst einmal: sprachlich geht dieser satz nicht, da er ein widerspruch in sich ist. auch wenn wir in einer widersprüchlichen welt leben, „widerstand“ und „friedlich“ gehen nicht zusammen oder heben sich gegenseitig auf. entweder ist es dann kein widerstand mehr oder es ist nicht mehr friedlich (da zum beispiel „ziviler ungehorsam“). wir widerstehen, indem wir genau nicht das tun, was man von uns teilweise erwartet, da wir unbeugsam sind. damit ist aber eine aktion verbunden, die eben nicht einträchtig, sanft und verträglich ist. sonst wäre es kein widerstand mehr.

aber das schlimme daran ist, dass mit dieser aussage noch etwas ganz anderes transportiert wird: widerstand ist nur erlaubt, wenn er eigentlich keiner mehr ist. und das in einer „neutralen“ nachrichtensendung.
diese debatten sind alt, da schon damals das blockieren von zufahrtswegen zu atomraketen-depots, das sich auf die strasse setzen als gewalt bezeichnet wurde. dagegen war das wegtragen durch die exekutive per politischer definition keine. dabei war entweder beides eine aktion und somit nicht gewaltfrei oder beides war friedlich und somit gab es keinen widerstand.

doch in der aussage der journalistin spiegelt sich eine vorstellung von widerstand wieder, die politischer nicht sein kann. man kann trefflich darüber streiten, auf welcher seite man steht, der der widerständigen oder der nicht-widerständigen, man kann aber nicht in einer berichterstattung verbreiten, die mehrheit leiste friedlichen widerstand (und im hintergrund mitschwingen lassen, das seien die „guten“). widerstand hat immer eine gewalttätige komponente, da muss man sich dann schon entscheiden, wenn man eine stellungnahme abgibt, ob man für den widerstand oder dagegen ist.

na ja, es wurde ja eine stellungnahme abgegeben, sie war gegen den widerstand. nur hat das etwas in einer nachrichtensendung verloren? ein einfacher bericht hätte genügt.

biografisches schreiben und verzeihen

häufig wird der satz „das letzte was ich zu ihm / ihr gesagt habe, war … “ ausgesprochen, und dies nicht nur in filmen. oft genug realisieren menschen erst beim tod eines nahestehenden anderen menschen, welche chancen, situationen zu klären, versäumt wurden. auf der anderen seite gilt dann wiederum, dass über tote nicht schlecht zu reden sei. aber es gibt genauso gut unverzeihliche situationen, die eine versöhnung oder verzeihung unmöglich machen.

beim biografischen schreiben kann man einmal einen blick darauf werfen, wo es im eigenen leben konflikte gibt, die bis dato nicht bewältigt sind. gibt es situationen, in denen dem / der anderen verzeihen vorstellbar wäre? gibt es situationen, in denen versöhnliche schritte von der eigenen seite überhaupt nicht vorstellbar sind?

so sollte es opfern und gewalttätigen und sexuellen übergriffen selbst überlassen sein, inwieweit sie das geschehene verzeihen oder auch nur ruhen lassen können. hier darf es keine moral- oder handlungsweisungen geben. es mag zwar manchmal sehr edel wirken, wenn eine schlimme tat verziehen wird, es kann aber ebenso hilfreich sein, sich nicht mehr mit täterInnen auseinanderzusetzen und keine weitere auseinandersetzung führen zu wollen. auch „das verzeihen“ darf zu den akten gelegt werden.

gleichzeitig kann beim biografischen schreiben festgehalten werden, wen man selber um verzeihung gebeten hat. wo waren die eigenen fehltritte, die zu einem riss in freundschaften und beziehungen geführt haben? und wo brauchte man lang, bis man realisierte, dass der eigene anteil doch ein recht großer war und es an der zeit wäre, sich bei der anderen person zu entschuldigen, sie um verzeihung zu bitten?

man kann noch ein wenig tiefer gehen und sich selber fragen, Weiterlesen

wortklauberei (69)

„warnschussarrest“

was für eine pädagogik soll hier nur verankert werden? das einsperren als pädagogische maßnahme, junge menschen von folgenden straftaten abzubringen. nun, es geht in diesem zusammenhang meist um junge männer, die die meisten täter und die meisten opfer zählen. warum wird ein junger mann zum täter? diese frage stellt sich kaum mehr jemand. es wird immer wieder gefragt, wie man die welt sicherer bekommen könne.

es ist davon auszugehen, dass junge männer als kinder nicht das ziel haben, später verletze ich mal jemanden, von beruf werde ich straftäter. jedes kind träumt von anderen positionen in der erwachsenenwelt. es muss also etliches geschehen sein, damit man die vorstellung von gerechtigkeit und angemessenen reaktionen verloren hat. dies hat viel mit dem umfeld (meist der familie, aber auch der schule und den freunden) zu tun. doch das interessiert nicht mehr.

da man die jugendlichen eigentlich nicht in den knast stecken kann, da sie bewährung erhalten haben, möchte man ihnen eine portion „schnupperknast“, also warnschussarrest verabreichen. dies soll zu einem lernprozess führen. jemanden seiner freiheit zu berauben ist erst einmal staatliche gewalt. und dies bei jugendlichen, die mit großer wahrscheinlichkeit schon etliche gewalt in ihrem leben erlebt haben? wieso schreit hier niemand auf? weil unsere gesellschaft immer stärker junge menschen, wie erwachsene behandelt. ob in der werbung, in den medien oder eben in der bestrafung.

man lässt es noch ein wenig dezenter klingen „warnschussarrest“, das klingt wie „hausarrest“, auch eine erziehungsmethode, die eigentlich nicht vertrauen schafft, sondern das volle machtpotential erwachsener ausschöpft. ein junger mensch kann sich dagegen nicht wehren. ja, das ist pädagogik und psychologie vom feinsten. wie wäre es, wenn sich die gesellschaft mal fragen würden, warum ihre eigenen kinder immer brutaler werden, obwohl sie doch so schön auf die konkurrenzhafte zukunft gedrillt werden? ach ja, warnschussarrest sollte vielleicht doch bei erwachsenen angewendet werden.

„warum?“ von nikolai popov – ein buchtipp

dieses buch enthält weder text noch erklärung, es ist ein bilderbuch. ein bilderbuch eher für erwachsene, das in schön gemalten ganzseitigen bildern versucht, die ursache für kriege zu finden. womit ich beim bezug zu den letzten posts bin. es liegt vielleicht nur im unterschied. ein kurzer abriss:

ein frosch sitzt mit einer blume auf eine ast. der frosch erfreut sich an der blume. eine maus kommt hinzu und möchte auch diese blume, obwohl drumherum lauter blumen der gleichen art wachsen. aber die maus hätte gern ausgerechnet diese blume, wahrscheinlich, da sie den frosch so erfreut. und weil es eben ein frosch ist, den die blume erfreut, also jemand anderes, keine maus. so kommt es zum kampf um die blume. und in der folge geht es gar nicht mehr um die blume, sondern um die gruppe, also frosch und maus holen sich unterstützung von anderen fröschen und mäusen. der schluss ist recht einfach, die blumenwiese ist verwüstet, die kontrahenten sind verletzt, der krieg ist irgendwann vorüber. und es bleibt die frage des titels: „warum?„.

nikolai popov hat ein schlichtes aber eindrückliches bilderbuch geschaffen. es könnte ohne probleme eine wunderbare schreibanregung für das thema unterschiede und konflikte in schreibgruppen sein, na ja und es könnte den blick für neid schärfen. das buch ist im neugebauer verlag 1995 in zürich, hamburg, salzburg erschienen und nur noch antiquarisch erhältlich. ISBN 3-85198-539-0

selbstbefragung (48) – gewalt

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „gewalt„.

  • gibt es formen der gewalt, die sie für legitim halten? welche?
  • haben sie selbst gewalt erfahren? beschreiben sie.
  • haben sie selbst gewalt ausgeübt? warum?
  • was ist für sie gewalt überhaupt?
  • psychische gewalt ist selten offensichtlich. welche formen der psychischen gewalt haben sie erlebt?
  • was tun sie, um gewalt aus ihrem leben zu verbannen? beschreiben sie.
  • warum sind menschen ihrer ansicht nach, überhaupt zu gewalt fähig?
  • haben sie schon staatsgewalt erlebt? wie weit darf diese gehen?
  • wie ertragen sie es, dass auf dieser welt gefoltert wird? begründen sie.
  • wann haben sie das gefühl, dass jemand gewaltig ihre grenzen überschreitet? beschreiben sie.

gewaltprävention und genderanalyse

und noch ein interessantes angebot sei hier erwähnt. heute wird viel über die gewaltbereite jugend gesprochen. dabei wird selten in betracht gezogen, wie viele verschiedene ursachen es dafür geben kann. so stellt sich zum beispiel zur zeit heraus, dass neben der tatsache, dass die meisten täter und opfer männer  und männliche jugendliche sind, die gewaltbereitschaft bei weiblichen jugendlichen zunimmt.

bei mann wird von vielen vorausgesetzt, dass er per se gewaltbereiter sei. auch dem wäre zu widersprechen. eine interessante richtung der geschlechterforschung setzte sich mit der gesellschaftlichen konstruktion der geschlechterrollen auseinander und versucht diese zu dekonstruieren, stellt also die festlegung der rollen in frage.

bei der arbeit mit gewaltbereiten jugendlichen kann dieses thema eine große rolle spielen. das „ifgg – institut für genderorientierte gewaltprävention“ bietet fortbildungen und beratungen für menschen an, die mit jugendlichen arbeiten. der schwerpunkt der arbeit vom „ifgg“ liegt auf dem aufzeigen von gewaltpräventiven maßnahmen bei der arbeit mit jugendlichen unter dem aspekt der gendeperspektiven. dabei fließen methoden der systemischen therapie ein, aber eben auch erkenntnisse aus der geschlechterforschung. hier werden möglichkeiten an die hand gegeben, konflikte zu entschärfen und rollenmuster zu überwinden. eine der methoden basiert auf möglichkeiten des selbstcoaching durch schreiben. hierbei kommen techniken des kreativen und biografischen schreibens zur anwendung.

zu finden ist das angebot unter: http://www.ifgg-berlin.de/ .