Schlagwort-Archive: gewerkschaft

wortklauberei (36)

„bossnapping“

frankreichs gewerkschaften sind dafür bekannt, arbeitskämpfe drastischer durchzuführen, als es in deutschland üblich ist. so erscheinen die demonstrationen auf den straßen nicht nur größer, sondern auch gewaltbereiter. in letzter zeit machten die arbeitnehmer dadurch auf sich aufmerksam, dass sie ihre chefs als geisel nahmen, wenn es zu entlassungen oder schließungen von betrieben kommen sollte.

diese sicherlich nicht feine art des arbeitskampfes erhielt den namen „bossnapping“. hier wurden begriffe zusammengesetzt, die eine seltsame bedeutung erhalten. „napping“ bedeutet eigentlich „schlafen“ oder „schlummern“. so wird der boss anscheinend zum schlafen außerhalb seines hauses gebracht. er wird in der firma festgehalten. dabei stellt sich immer wieder die frage, ob heutzutage überhaupt noch ein boss die vollständige verantwortung für den niedergang seiner firma hat. meist mag es missmanagement geben, doch die eigentliche entscheidung einer schließung übernehmen viele menschen.

wahrscheinlich müsste es eher zum „banknapping“ oder „managementnapping“ kommen, wenn man wirklich die verantwortlichen treffen möchte. doch die wut entlädt sich an den bossen. dabei so ein verniedlichendes wort zu verwenden, scheint im widerspruch zur eigentlichen tat zu stehen. schnell sind begrifflichkeiten gefunden, die das eigentliche problem ausklammern. eine „firmenbesetzung“ oder „produktionsmittelenteignung“ würde nicht einzelpersonen treffen, sondern besitz und dessen verwendung in frage stellen. doch das findet seltsamerweise nicht statt.

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biografisches schreiben und arbeiterInnenbewegung

anlässlich des „tag der arbeit“ morgen, möchte ich den blick einmal auf die verschiedenen berufswege lenken und vor allen dingen auf das engagement in einer gewerkschaftlichen organisation. bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte sind auch momente von bedeutungen, in denen man vom mitspracherecht gebrauch machte.

war man zum beispiel klassensprecher, schulsprecher oder in jugendorganisationen der parteien. menschen mit einer ddr-biografie mussten sich meist in der fdj organisieren, andere waren eher in christlichen jugendorganisationen. anschließend bestand je nach arbeitsplatz und beruf die möglichkeit, sich in einer gewerkschaft oder einem verband zu organisieren. wollte man dies oder hatte man kein interesse daran?

noch viel interessanter scheint mir in diesem zusammenhang, was man im laufe seiner mitarbeit bei der arbeiterInnenbewegung für sich gelernt hat. das kann sehr hilfreich beim weiteren umgang mit autoritäten oder vorgesetzten gewesen sein, es können aber auch enttäuschende erfahrungen sein, wie zum beispiel den arbeitsplatz nicht retten zu können oder sich in langen diskussionen aufgerieben zu haben. welche auswirkungen hatten die erfahrungen auf das weitere engagement und vor allen dingen auf das eigene leben? denn gerade im zusammenhang mit der eigenen gewerkschaftlichen arbeit oder arbeit in anderen mitspracheorganisationen, kann die eigene einstellung zum sozialen miteinander verändern. so formulieren viele ehemalige ddr-bürgerInnen, dass auch die zwangsverbände in gewisser weise ihnen vieles beigebracht haben. im westen organisieren auch heute noch gewerkschaften bildungsangebote und fortbildungen.

der soziale zusammenhalt unter arbeitnehmerInnen hat stark abgenommen, er erscheint nicht mehr sehr attraktiv, nur noch in wirklichen notlagen. das ist eventuell ein fehler, da eine gewisse steigerung des selbstwertgefühls allein durch die erfahrung eines engagements und eventuell eines erfolgs viel verändern kann. das schreiben darüber kann einem noch einmal offenbaren, wie oft man sich in mitbestimmenden positionen wiedergefunden hat. denn einmal angefangen, fällt es vielen schwer, damit wieder aufzuhören. und wie man gerade wieder sieht, gerecht war die arbeitswelt noch nie.

verband deutscher schriftsteller bei verdi

in den letzten tagen erschienen in den deutschen tageszeitungen ganzseitige anzeigen, die dazu aufriefen, das urheberrecht zu schützen. unterzeichnet waren die anzeigen von vielen künstlern und künstlerinnen. sie sehen das übel im internet, das das copyright nicht ernst nimmt.

ist das wirklich so? sieht es nicht eher so aus, dass die vertretung von künstlerInnen bei uns in der politik und in der gesellschaft eher schwach ist. dass der lobbyismus sich lieber der energieproduktion und der stahlindustrie verschreibt, da damit „kohle“ zu machen ist. kunst wird immer noch als ein zwar sinnvolles gesellschaftliches produkt gesehen, doch die produktion dieses kulturguts eher als hobby betrachtet. hier klaffen versprechungen und realität weit auseinander.

deshalb erscheint es umso notwendiger, dass sich künstlerInnen und im besonderen schriftstellerInnen ihre eigene vertretung aufbauen. bei der gewerkschaft verdi gibt es die gruppe „verband deutscher schriftsteller„, die der fürsprache und vertretung der schreibenden zunft gegenüber verlagen, medien und anderen nutznießern der kunst dient. auf der homepage: http://vs.verdi.de/ finden sich manche sinnvolle hinweise, viele interessante links und auch aktuelle informationen zum urheberrecht. denn seien wir mal ehrlich, förderung der kunst kann sich nicht ausschließlich auf die kontrolle des urheberrechts beschränken, dem land sollten seine schriftstellerInnen schon etwas wert sein. scheint aber ein traum zu sein.