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liste (115) – verlust

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um den „verlust“.

meine größten verluste:

menschen, die ich nie wieder sehen werde, aber so gern würde:

verluste, die ich wieder wett machen konnte:

verluste, die keine für mich waren:

was ich bei großen verlusten dafür gewonnen habe:

biografisches schreiben und verlust

leben besteht aus beständigen verlusten. so wird demnach eine lebensgeschichte auch immer eine geschichte von verlusten sein (und auf der anderen seite natürlich auch eine geschichte von gewinnen). man mag noch so sehr der meinung sein, dass das eigene leben eigentlich nur aus verlusten besteht, schaut man genau hin, wird man immer feststellen, dass neues hinzukommt.

doch dieses mal soll der blick auf die verluste gerichtet sein. man kann alles verlieren, das man einmal sein eigen nannte. um es einmal ein wenig philosophisch zu formulieren, man kann der meinung sein, unser leben sei nur geliehen. in diesem moment schmerzt der verlust vielleicht nicht so groß. doch in den seltensten fällen wird vom leihen ausgegangen. man hat freundschaften, mitmenschen, die existenz oder den besitz verloren. man hat seine selbstachtung, seine unschuld und seinen glauben verloren. welcher verlust wiegt schwerer? das kann man nicht verallgemeinern, das bleibt immer individuell.

darum ist das biografische schreiben ideal, um sich mit seinen verlusten auseinanderzusetzen. teilen sie ihre verluste einmal auf, in die verluste von menschen (durch trennung oder tod), von dingen (gegenstände und besitztümer), in die ideellen (gefühle oder gedanken, haltungen) und in die finanziellen (einem mischung aus gegenständen und ideellem). machen sie sich ruhig eine tabelle und staffeln sie, welche verluste am schwersten wogen. manchmal stellt man fest, dass ideelles höher wiegt als gegenständliches. doch hier soll nicht einer vergeistigten schönfärberei das wort geredet werden. ist die exitstenz bedroht, da noch nicht einmal besitz vorhanden ist, der die ernährung sichert, dann wiegt der verlust lebensbedrohlich schwer.

zur subjektiven sicht gehört es auch, dass der verlust von besitz, die ganze person in frage stellen kann, der boden unter den füssen verloren wird und kein rückweg gefunden wird. da beruhigt es nicht, zu hören, dass ja so viel anderes schön sein kann. sie bewerten selbst, welche verluste für sie zu bewältigen waren und welche nicht. geben sie beim schreiben auch ihrer ganz persönlichen trauer raum. sich den persönlichen verlusten zu zu wenden, ist keine einfache schreibarbeit, es geht an die nieren. wir würden für bestimmtes nicht das wort „verlust“ wählen, wenn es keine bedeutung für uns hätte.

sollte einem die auseinandersetzung mit den verlusten zu bedrohlich werden, dann stelle man Weiterlesen

nabelschau (55)

privatisierung der demokratie. seltsames geschieht gerade. vertreterInnen europas fahren nach china, um anteile an europa zu verkaufen. hier wird aber etwas verkauft, das nur ideell existent ist: ein land, eine nation, ein zusammenschluss, absprachen und verträge und ein politisches bündnis. aber wer hat diesen verkaufsverhandlungen zugestimmt? wurde das im bundestag von den volksvertreterInnen abgesegnet, dass hier anteile an wirtschafts- und gesellschaftszusammenschlüssen zum verkauf stehen?

was ist also eine staatsanleihe, ein staatlicher kredit, der rettungsschirm, der gehebelt werden soll, in der realität? es sind die grundlagen unserer gesellschaft, die durch steuern und mitsprache der bürger geschaffen und aufrecht erhalten werden. die instrumente der steuerung für die bürger sind die wahlen, ist die mitsprache im demokratischen ganzen. dies steht nun also zum verkauf, in anteile zerschnitten und ohne klare preisvorstellung. in den nachrichten wurde schon formuliert, dass es sein kann, dass china gegenleistungen erwartet, wenn es sich finanziell an unserer gesellschaft beteiligt.

da wird was schräg: ein ideeller zusammenschluss beteiligt sich finanziell an einem anderen ideellen zusammenschluss, um was zu tun? wenn man es runterbricht, dann geht es nicht um so etwas wie aktien, bei denen geld zur verfügung gestellt wird, um mit hilfe von produktionsmitteln und arbeitskraft mehrwert zu schöpfen. es geht darum, dass steuern, die der entlohnung einzelner entnommen werden und der organisation des gemeinwesens dienen, entnommen werden, um ein größeres gemeinswesen zu organisieren und zu retten.

so weit, so gut. doch nun wird das gemeinwesen selbst zur finanziellen verhandlungsmasse. oder anders gefragt: wie viel ist ein gemeinwesen wert? auf welchen wertvorstellungen basiert die berechnung? noch ein stück runtergebrochen: was kostet demokratie? wie groß war das geschrei ob der „heuschrecken“, die produktionsmittel und arbeitskraft aufkauften, um gewinn abzuschöpfen. doch wie schöpft man einer demokratie gewinn ab?

vielleicht sollten wir anfangen, unsere eigenen stimmanteile zu verkaufen. die stimme für den bundestag ist höher zu bewerten als die für landtagswahlen. und der wert für eine stimme bei den europawahlen steigt gerade beträchtlich, je mehr befugnisse das europäische parlament erhält. es findet also nichts anderes statt, als die privatisierung der demokratie, ohne die demokratischen instrumente einzusetzen. die europäische bevölkerung hat nicht beschlossen, ihre steuern für das gemeinwesen zu einem anlagefonds umzuwandeln. hier wird wirtschaftliche leistung mit gesellschaftlichen werten gleichgesetzt. das kann nur schief gehen.

verändert die digitale revolution unser denken?

ja!

nur, was ist so schlimm daran? in letzter zeit kommen diskussionen auf, die aufgeteilt werden können in kulturpessimistische haltungen und technikglorifizierende. dazwischen gibt es wenige äußerungen. die digitale revolution beeinflusst uns. und wie schon im ersten beitrag zu diesem thema aufgezeigt, unterscheiden sich die veränderungen nicht sehr von den veränderungen nach der erfindung des buchdrucks. um noch einmal kurz bezug darauf zu nehmen: auch die verbreitung der bücher und die folge, dass immer mehr menschen lesen konnten, hat sicherlich das denken der menschen verändert.

unser gehirn hat viele kapazitäten und einen großen spielraum. wie wäre es sonst bei einem schlaganfall möglich, dass andere regionen des gehirns aufgaben der geschädigten bereiche übernehme können? das gehirn schein variabler und flexibler als der „mensch“ oder zumindest seine theoretischen gedankengebäude. also ist es für das menschliche gehirn auch möglich, sich den technischen neuerungen, oder besser geschrieben den möglichkeiten, die die technischen neuerungen eröffnen, anzupassen und diese sich nutzbar zu machen.

in diesen momenten werden mit sicherheit neue bereiche des gehirns verschaltet. das fängt schon mit den bewegungen an. das lernen des 10-finger-schreibsystems ist nichts anderes, als sein gehirn auf neue abläufe zu trainieren, die einmal gelernt, schwer wieder verlernt werden können. diskutiert werden die veränderungen durch die digitale revolution meist nur als defizite. so lesen wir nicht mehr in büchern, und das lesen in büchern wird gleichzeitig als die intellektuell hochwertige beschäftigung beschrieben. so können wir nur noch schwer kopfrechnen, da dies vom taschenrechner abgenommen wird. in manchen äußerungen erscheint der mensch durch die digitale revolution hohl und leer zu werden.

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nabelschau (7)

 

ich habe gewonnen! und ich habe meinen gewinn nicht abgeholt. will mir jedenfalls eine „eilsendung-erinnerung“ einreden. wer glaubt, die spams im internet würden immer dreister werden (auch hier gibt es die skurrile variante, dass man sich selbst eine mail sendet mit dem betreff: dringend – gewinn), der hat noch nicht das snailmail-phishing erlebt. die texter lassen keine dreistigkeit aus: „da dieser gewinn aus datenschutzgründen nur eine gewillte zeit geführt werden darf und wir dieses konto auflösen müssen geben wir ihnen letztmalig die chance ihren gewinn am 18.03. in unserer zweigstelle abzuholen.“ es soll sich um 8000 euro handeln, die ich bei einem rätsel im letzten sommer gewonnen haben soll.

und jetzt wird es interessant: die zweigstelle erreiche ich wohl nur mit einem bus (in der post steht „bush“, ob das alles eine us-amerikanische verschwörung ist?) der bei mir um die ecke gerade an besagtem tag vorbeikommt. ich darf auch noch maximal vier personen mitnehmen. ich zahle nichts und bekomme dafür einen computer, frühstück, mittagessen und ein käffchen. worauf ich mich aber besonders freuen würde, wenn ich jemals an einem preisrätsel teilgenommen hätte, wären die gratis-stichsäge, -bohrmaschine und -schleifmaschine.

ich sollte mich natürlich anmelden, am liebsten mit geburtsdatum, die restlichen daten haben sie schon schön zusammengetragen. um dies zu unterstreichen wurde auf die antwortkarte auch noch ein possierlicher strichcode gedruckt. aber das schönste ist, die antwortpostkarte geht an ein postfach in „großenkneten“, na wenn da nicht der name vater des gedanken ist. und die busfahrt geht wahrscheinlich in ein heizdeckenlager, das man erst wieder verlassen darf, wenn alles aufgekauft ist.

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