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was ist flarf?

flarf ist der versuch, dem (hauptsächlich digitalen) zufall, spielraum zu geben und ihn für neues zu verwenden. es geht gerade nicht darum, ein konzept beim schreiben von poesie zu verfolgen. irgendwie ist es eine anlehnung an den dadaismus, aber nicht darauf angelegt, dinge zu verfremden. sondern es werden dinge (also texte) verwendet, wie sie erscheinen. dies kann man ein wenig mit dem collagieren vergleichen, das in der malerei schon lange seinen platz hat. in der musik ist es das remixen, das dem flarf nahekommt.

ende des letzten jahrzehnts kam die poetische bewegung des flarf in den usa auf. und sofort wurde das internet als textualer lieferant für die flarfs benutzt. denn die rechenleistungen der suchmaschinen bieten eine reichhaltige auswahl an text. sie mag bei der suche nach informationen ein sinnvolles ranking anbieten. bei der beliebigen, ja zufälligen eingabe von suchbegriffen aber eher zufällige antworten liefern. aus diesen ergebnissen werden mit copy & paste kleine ansammlungen von text geschaffen, die zu einem neuen lyrischen werk mutieren können.

das google sculpting stellt die hauptgrundlage des flarf dar. letztendlich wird auf vorhandenem, also kaum kreativem, neues geschaffen, und im hintergrund findet die kreativität ihren platz. der prozess des schreibens wird das spannende, die suche nach gerade eingefallenem. jim murdoch erklärt auf dieser seite flarf: http://jim-murdoch.blogspot.com/2011/09/how-to-write-flarf.html . so basiert mein „flarf des ersten tages“ auf der google-eingabe „herbst + sonne“. sollte jemand den bedarf haben, eigene flarfs zu veröffentlichen, können diese gern an mich gesendet werden und ich stelle sie in den blog.

es lohnt dieser bewegung mehr raum zu geben, da sie die möglichkeiten des webs für das schreiben besser ausschöpft als viele andere textsammlungen.