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kreatives lesen

es gibt manchmal einfach gute ideen, die viel zu selten vorkommen und doch viel beachtung verdienen. eine idee zur entschleunigung des lebens kommt aus graz. wie im vorigen text schon aufgezeigt, wird unglaublich viel geschrieben, aber es drängt sich die frage auf, wer dies liest. und heute drängt sich vor allen dingen die frage auf, wer hat überhaupt noch die zeit dazu, das alles zu lesen? im zeitalter der beschleunigten kommunikation, des just-in-time-lebens und der dicken terminplaner, entsteht bei vielen menschen selten eine ruhepause. doch die ist notwendig, um genußvolles lesen zu ermöglichen.

das feuilletonmagazin „schreibkraft“ aus graz hat nun ein stipendium für leserInnen ausgelobt. (siehe: http://schreibkraft.adm.at/aktuelles/ ) sonst sind es oft schreiberInnen, die über ein stipendium einen anderen ort aufsuchen und dort für eine gewissen zeit (z.b. als stadtschreiberInnen) leben dürfen. dieses mal dürfen das die konsumentInnen des geschriebenen. sie müssen im vorfeld eine liste mit 10 büchern, wovon etliche aus kleinen verlagen kommen sollten einreichen und eine person wird benannt, die einen längeren aufenthalt in graz gesponsert bekommen und aufgerufen sind, zu lesen. oh süßer traum der zeit, die einem ausschließlich für das lesen zur verfügung steht. allein die idee, sich dem alltag zu entziehen und dem lesen zu widmen scheint beinahe so schön, wie sich dem alltag zu entziehen und dem schreiben zu widmen. und sie kommt viel zu selten vor. denn der jahresurlaub soll natürlich auch für andere dinge genutzt werden. es wäre vorzuschlagen, dass jede größere buchhandlung einmal im jahr so ein lesestipendium vergibt, das nur von menschen wahrgenommen werden kann, die nicht ortsansässig sind. aber vielleicht sollte man bis dahin einfach in den terminplaner feste zeiten für das lesen reservieren, die nicht von anderen verpflichtungen eingeschränkt werden können.

„perspektive“ – ein zeitschriftentipp

es gibt moderne literatur. es gibt postmoderne literatur. und es gibt in graz den versuch eine avantgarde der literatur zu etablieren. mit interessanten ergebnissen. die zeitschrift „perspektive“, oder vielleicht besser geschrieben, der autorenverbund mit sitz in graz, teilweise berlin und diversen mitautorInnen setzt sich mit allen facetten der literatur auseinander.

zweimal im jahr erscheint die zeitschrift, ältere ausgaben können von der homepage als pdf-dateien heruntergeladen werden. so werden beobachtungen, kritiken, suchen nach kapitalfreien räumen, gedichtetes und geschrieenes in einem band vereint. der blickwinkel ist ihr wichtig, der „gruppe perspektive„. denn sie formuliert in dem einwurf zur avantgarde akut ihre grundhaltung: „von avantgarde sprechen heisst, sich der frage der macht weiter zu stellen.“

dem kann nur beigepflichtet werden. ob in der literatur oder in der welt, es sollte verortet werden, wo die macht sich eigentlich befindet. meist ist sie nicht so schwer zu finden. denn wie foucault es einmal ähnlich formuliert hat, grinst sie einem meist ins gesicht, man möchte nur nicht hinschauen oder glaubt nicht, dass es sich um die macht handeln könnte.

nun denn, eine anregende lektüre, die unter folgender seite zu finden ist: http://www.perspektive.at/