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die schreibordnung – ein kommentar

kreatives und biografisches schreiben, ja schreiben an sich, haben etwas mit einem experiment gemeinsam. ich weiß nie vorher, wie das ergebnis aussehen wird. damit andere verstehen, was ich geschrieben habe, folgt das schreiben festen regeln. sowohl was den satzaufbau betrifft, die zeichensetzung, als auch was stil und die bedeutung der wörter angeht, ist dies bei uns in viele regeln gefasst. da gibt es die schreibregeln, die wörterbücher, den duden, thesaurus und dergleichen mehr. all das kann man beachten, muss es aber nicht.

in dem moment, in dem die kreativität die oberhand des schreibprozesses gewinnt, ist eigentlich alles erlaubt. man erinnere sich nur an die lautmalerischen gedichte von ernst jandl oder die wortschöpfungen aus der werbung. so kann es auch ein stilmittel sein, alles klein zu schreiben. abgesehen davon tippen sich durchweg kleingeschriebene texte noch einen hauch schneller. man kann es für sich benutzen, wenn man möchte. ich möchte, mochte und wollte. doch das schien einfacher als gedacht.

denn in diesem moment, wie immer wenn etwas recht ungewohnt ist (in der kunst ist dies noch verbreiteter als im alltag und dieser blog nimmt nicht für sich in anspruch, kunst zu sein), treten gern die wächterInnen der regeln und der ordnung auf den plan. das ist auch bei einem durch und durch kleingeschriebenen blog nicht anders. leserInnen haben sich beschwert, dass ihnen das lesen meiner texte schwer falle, da alles kleingeschrieben sei. nun könnte ich entscheiden, mich wieder an die groß- und kleinschreibung zu halten, um den leserInnen einen gefallen zu tun. doch ich dachte mir: die bedeutung der wörter verändert sich durch die kleinschreibung einfach nicht. nicht einmal der satzbau (manchmal ganz nett, sicherlich auch öfter gruselig) nimmt dabei schaden. also, warum nicht die regeln, regeln sein lassen?

jedem ist freigestellt, sich auf dieses sehgewohnheiten-experiment einzulassen. eigentlich war es gar kein großes von mir angelegtes experiment. doch je weiter sich die diskussion entwickelte, desto sicherer war ich mir, dass ich diese schreibweise beibehalten möchte. wenn etwas einfach gemachtes so direkte reaktionen auslöst, dann muss daran etwas regelverstossendes sein, etwas neues, ja anderes. das macht es spannend, das macht es erlebbar. die kritiken an der schreibweise stehen sind sehr viel geringer als die lobenden bemerkungen über den inhalt des blogs. dann also die inhalte hegen und pflegen, etwas in diesem rahmen entwickeln und einfach der diskussion um die richtige schreibweise nicht so viel bedeutung schenken. bis jetzt habe ich in den diskussionen und kommentaren nicht den eindruck, dass die menschen nicht verstehen, was ich schreibe. im geschäftsleben und in teilen der literatur mag eine strenge gross- und kleinschreibung ebenso sinn machen, in einem lockeren blog ohne perfektionsanspruch eher nicht.

denn wenn die kreativität ins spiel kommt, dann ist viel erlaubt.

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GROSS- oder kleinschreibung

zu diesem thema entbrannt der einzige „streit“ in diesem blog. darf man es wagen, im deutschen alles klein zu schreiben? ist die provokation nicht zu groß, da alles unlesbar erscheint? immer wieder gab es kommentare zur „entsetzlichen“ kleinschreibung im blog. in ein paar stunden noch ein kommentar von mir dazu. aber ich fand die vehemenz mit der reagiert wurde interessant: es erinnerte an abonnenten von zeitungen, die gekündigt werden, weil ein artikel stört. am inhalt hat sich jedenfalls nichts geändert.

gepostet am 17.12.2008

schon öfter wurde in kommentaren oder persönlichen rückmeldungen bemerkt, dass es nicht förderlich für den blog sei, wenn er vollkommen kleingeschrieben ist. auch mein text-korrektur-programm überschwemmt immer wieder die posts mit roten unterstreichungen und signalisiert damit, dass man sich auf fragwürdigem, wenn nicht sogar verbotenem terrain bewegt.

abgesehen von der bequemlichkeit beim tippen, nämlich einfach die taste zur großschreibung nicht verwenden zu müssen, finde ich die aufmerksamkeit, die dem schriftbild gegeben wird, faszinierend. mein gedanke, alles klein zu schreiben, entsprang der idee, ein schlichtes, ganz schlichtes layout zu wählen, das reduziert auf das wesentliche wird, nämlich den text. am liebsten hätte ich noch eine größere auflösung der buchstaben, doch das lässt sich nicht verändern. öfter wird argumentiert, dass damit die aufmerksamkeit nachlasse, die texte zu lesen, wenn groß- und kleinschreibung nicht mehr existieren. hier könnte argumentiert werden, dass die konstante kleinschreibung zu konzentrierterem lesen anhält, da der sinn der worte beachtet werden muss. beide argumente sind für mich nicht sehr griffig oder anders formuliert, sind für mich pädagogisch, da sie erwarten leserInnen extra motivieren zu müssen. dies sollte sich meiner ansicht nach aber ausschließlich durch den inhalt ergeben. hier gibt es weder bilder, filme noch audiodateien, die ablenken können (auch ein sehr pädagogischer gedanke 😮 ), einzig den text und die links.

wahrscheinlich geht es nur um lesegewohnheiten, denn bei englischsprachigen texten stört es niemanden, dass außer satzanfängen und namen auch beinahe alles klein geschrieben wird. oder die asiatischen schriftzeichen, die von gleicher größe aber vielfältigen bedeutungen sind. bei uns ergeben die kombinationen der buchstaben die bedeutungen des geschriebenen. etliche lyriker verwenden gern die konstante kleinschreibung, was ihren texten keinen abbruch tut. warum also nicht auch hier (was nicht bedeuten soll, dass dieser blog ein lyrischer sei)? das durchbrechen der lesegewohnheiten gefällt mir, auch auf die gefahr hin, ein wenig vor den kopf zu stoßen. übrigens, wie viel einfacher wären die rechtschreibreformen, wenn groß und kleinschreibung einfach abgeschafft wären 😛 . ich mag es schlicht schlicht und hoffe damit nicht zu sehr zu nerven.

blog und kleinschreibung

 

eine antwort auf die „formale tussi“ 😀

das schriftbild eines konstant klein geschriebenen blogs ist für das ambiente und erscheinungsbild förderlich. auf diesen kurzen satz lässt sich meine entscheidung verkürzen, weshalb ich hier die großschreibung ignoriere. es ergibt sich einfach ein gleichmäßig ruhiges schriftbild, das mir gefällt. der blog soll durch schlichtheit bestechen und nur die inhalte stehen im vordergrund.

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