Schlagwort-Archive: großstadt

biografisches schreiben und region

mit blick auf den vorhergehenden buchtipp, möchte ich die rolle der region, in der man aufwächst, ein wenig beleuchten. der mensch unterliegt im laufe seiner entwicklung nicht nur dem einfluss des elternhauses, der familie und der nachbarschaft, sondern auch den bedingungen, die ihm in seiner lebensregion zur verfügung gestellt werden.

beim verfassen der eigenen lebensgeschichte kann es eine rolle spielen, wie groß dieser einfluss auf die eigene biografie war. fühlte man sich in seiner heimat wohl und hat sie nie verlassen oder hat man es nach einer gewissen zeit nicht mehr ausgehalten und wollte den lebensraum wechseln? hier gibt es unterschiede, zum beispiel bei der frage, ob man in einer großstadt oder in ländlicher umgebung aufgewachsen ist. wie sahen die möglichkeiten für eine eigentständige entwicklung aus? wie beschützend war das soziale netzwerk?

denn eines ist offensichtlich: es gibt unterschiede, sowohl in der sozialen absicherung als auch kontrolle. das kann verschieden empfunden werden und hängt von den subjektiven bedürfnissen ab. so lohnt sich ein blick auf die ehemalige lebensumwelt. was wollte man zur damaligen zeit erreichen? wieviel ließ sich davon umsetzen und gab es momente, in denen einen das eigene umfeld daran hinderte oder förderte?

in diesem zusammenhang interessant scheint auch, ob man sich die eigene lebensregion überhaupt im laufe seines lebens selber wählen konnte. musste man wegen möglicher arbeitsangebote in regionen leben, in die man nie wollte. und wie hat sich dieses leben entwickelt. es kann zum beispiel vorkommen, dass man anfängt, die unfreiwillige heimat zu schätzen. und möchte man zur zeit des biografischen schreibens den eigenen lebensraum noch einmal wechseln?

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kreativen schreiben und großstädte

in den großen städten sammeln sich auf der ganzen welt immer mehr menschen. viele verlassen das land, da sie ihre chancen nur noch in der großstadt vermuten. das ist oft genug ein trugschluss, und doch, die wanderung in die metropolen ist kaum zu stoppen.

dadurch leben, auch schon vor den wanderungen, menschen aller couleur in den citys. und die möglichkeiten der beobachtung sind vielfältig. allein eine fahrt mit einem nahrverkehrsmittel durch eine größere stadt kann einem die ganze bandbreite der bewohner nahebringen. man kommt in kontakt mit personen, die man, wenn man sich mit dem eigenen auto fortbewegt nicht sehen würde. zum beispiel berlin, 30 grad im schatten, viele sind in die sommerferien gefahren. man fährt mit der s-bahn.

umsteigen und man betritt einen wagon, in dem jemand steht, der ein beinahe vollständiges outfit in lack trägt. selber kurz vor dem hitzschlag fragt man sich, wie sich in dieser auch noch schwarzen montur überleben lässt. aber er macht einen lebhaften eindruck und erweckt nicht den anschein, dass er gleich umfallen könnte. dann auf dem weg zum tierpark ein vater mit seinem kleinen sohn. vati ist recht spät zu einem kind gekommen. und für heute ist ein ausflug in den tierpark geplant. der kleine junge ist aufgedreht und erzählt und fragt die ganze zeit. vati ist verschwitzt, hat keine lust mehr zu antworten und scheitert gerade an seiner rolle, die er wahrscheinlich nur in den ferien übernimmt. er weiß nicht mehr, wie er seinem aufgeweckten kind herr werden kann und läuft, kaum hält die u-bahn, beim aussteigen vorneweg, um ein wenig abstand zwischen sich und seinem weiterhin fragenden kind zu bringen. sein sohn will kontakt und fragt noch mehr und noch lauter.

so lassen sich bei einer fahrt dutzenden von geschichten finden. und manche gesichtsausdrücke oder gesten kann man fröhlich deuten. was mag ihr heute geschehen sein, dass sie so traurig aussieht? ob die zwei gerade streit miteinander hatten? in berlin empfiehlt es sich, sich einfach einmal in den s-bahnring zu setzen und eine stunde im kreis zu fahren. dann kennt man zwar noch nicht die stadt, man hat aber einen pool von geschichten, die nur auf ihre erzählung warten.