Schlagwort-Archive: gruppenarbeit

schreibidee (377)

texte haben einen anfang und ein ende, dazwischen passiert etwas. manchmal passiert mehr, manchmal weniger. es gibt menschen, die lesen nach den ersten zeilen eines buches, erst einmal den schluss. auch wenn ich mir das gar nicht vorstellen kann und das gefühl hätte, dass die spannung genommen wird, aber bedeutungsvoll als rahmung des inhalts sind anfang und schluss. dieses mal soll vollständigen texten eine füllung verpasst werden – der vorhandene text wird selber zu anfang und schluss. eine schreibanregung zu „sandwich-texten“.

zu beginn der schreibgruppe werden von den teilnehmerInnen passende texte ausgewählt. das können zeitungsartikel, kurze geschichten, anzeigen, gebrauchsanweisungen oder ähnliches sein. die texte werden gesammelt und anschließend wird gelost, wer welchen text bekommt. nun wählen die teilnehmerInnen für den ihnen vorliegenden text die stelle aus, an der der „sandwich-belag“ eingefügt werden soll. die texte werden an die linken nachbarInnen weitergegeben.

im nächsten schritt werden in die vorliegenden texte kleine geschichten oder ereignisse als belag eingefügt. wie dies umgesetzt wird, bleibt den schreibenden überlassen: es können bezüge zum vorliegenden text hergestellt werden, es kann aber auch collagierend mit den brüchen gearbeitet werden. ist der belag fertig werden die texte abermals nach links weitergegeben, denn neben wurst, käse, fleisch oder dergleichen mehr, bekommen sandwiches noch ein wenig gemüse mit auf den weg (salat, tomate, gurke usw.).

nun dürfen die schreibenden den ihnen vorliegenden texten noch eine dünne schicht am anfang und ende der einschübe (des belags) verpassen. ist dies abgeschlossen werden die texte abermals weitergegeben. zum krönenden abschluss wird den sandwiches noch ein dressing, eine soße oder paste hinzugefügt. dabei handelt es sich um eine geschmacklich intensive und alles verbindende sprache.

das bedeutet die schreibenden überarbeiten den einschub in den originaltext noch ein wenig sprachlich, geben eine eigene note hinzu, verändern kleinigkeiten und würzen das geschriebene. dann ist der sandwicht-text fertig und kann verspeist werden. dazu werden die entstandenen gemeinschaftstexte in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde (ein geschmacksurteil) statt.

die schreibidee kann mit einem wirklichen picknick und dem essen von sandwiches verbunden werden. es kann nicht nur mit zwei umfassenden textabschnitten gearbeitet werden, sondern zwei oder drei einschübe gemeinsam verfasst werden. es können vorgaben für die zutaten gemacht werden und vieles mehr. interessant ist am schluss, wie weit die neuen texte von den ausgangstexten abweichen und wie weit etwas ganz neues entstanden ist.

Werbeanzeigen

schreibidee (351)

es gibt diese tage, die mit dem linken bein, an denen man das gefühl hat, irgendwer habe nichts besseres zu tun, als einem knüppel zwischen die beine zu werfen. ja, es gibt sogar jahre oder leben, die eben diese ständig auftauchenden hürden in den vordergrund rücken lassen. und doch nimmt der mensch unablässig eine hürde nach der anderen, auch wenn kein lebensplan sich so vollendet, wie gedacht. darum eine schreibanregung für „hürdenlauf-texte“.

als einstieg betrachten alle schreibgruppenteilnehmerInnen ihr eigenes leben und überlegen sich, welche hürden in den letzten zehn jahren vor ihnen auftauchten. dabei sollte es sich um hürden handeln, die sie zu einer verhaltensänderung gezwungen haben, die ihre pläne durchkreuzten. nun greifen sich die schreibenden jeweils zwei hürden heraus, die sich in einmal text von maximal einer seite näher beschreiben. anschließend wird eine der hürden in der schreibgruppe vorgestellt.

im zweiten schritt notieren sich die teilnehmerInnen ihre zwei elegantesten sprünge über die hürden. wie haben sie die hindernisse genommen? was mussten sie dafür tun? nicht notwendig ist, dass es wirklich funktionierte. man kann hürden auch umreissen, in stolpern geraten. die eleganz der strategie sollte im vordergrund stehen. zu jeder hürden-überwindung wird auch ein kurzer text von maximal einer seite verfasst. die texte werden nicht in der schreibgruppe vorgetragen.

anschließend stellt die leitung der schreibgruppe eine protagonistin, einen protagonisten vor. und je nach teilnehmerInnenzahl in der schreibgruppe wird die lebenssituation der person um die entsprechende jahreszahl zurückgehend vorgestellt. nun wird von der schreibgruppe gemeinsam ein hindernis-parcours erstellt. in jedem jahr bis zur gegenwart taucht eine hürde auf. was das für eine ist, wird von der gruppe festgelegt. dann wird in der schreibgruppe gelost, wer welche hürde übernehmen muss.

im nächsten schritt schreiben alle teilnehmerInnen den schluss ihrer geschichte, soll heißen, es wird der letzte abschnitt verfasst, der zeigt, ob die hürde genommen wurde oder die person daran scheiterte. wie sehen die konsequenzen aus? dieser letzte abschnitt wird noch einmal abgeschrieben oder kopiert und den vertreterInnen der nächsten hürde in der schreibgruppe übergeben. nun knüpfen alle ihre zu schreibenden geschichten an den letzten absatz ihrer vorgängerInnen an.

es werden ausführliche geschichten zur jeweiligen situation geschrieben, natürlich mit dem letzten absatz, der schon geschrieben wurde und an den schluss gestellt wird. dann wird der gesamte hürdenlauf eines menschen über mehrere jahre in der schreibgruppe vorgelesen. anschließend findet eine ausführliche feedbackrunde zur gruppengeschichte statt. und zum abschluss können sich alle gemeinsam noch ein happy-end ohne hürde überlegen oder alle teilnehmerInnen formulieren jeweils einen kurzen schluss des hürdenlaufs und tragen ihn in der gruppe vor.

schreibpädagogik und aufgaben zu zweit

in schreibgruppen lassen sich gut schreibanregungen zu mehreren personen, aber vor allen dingen auch zu zweit durchführen. angefangen beim schreiben von dialogen, über textfortsetzungen bis zu textveränderungen. schwierig kann dabei aber die auswahl der paarungen werden.

die einfachste und neutralste variante ist das losen. dabei wird unter den teilnehmerInnen einer schreibgruppe ausgelost, wer mit wem zu schreiben hat. wenn sich die gruppe schon länger kennt, kann dies aber schnell zu diskussionen führen, da bestimmte teilnehmerInnen ausschließlich gern zusammen schreiben möchten.

die andere variante besteht darin, die teilnehmerInnen wählen zu lassen, mit wem sie zusammen schreiben möchten. dies erinnert jedoch viele an schulzeiten, als im sportunterricht die mannschaften gewählt wurden und jemand sitzen blieb zum schluss. oder es erinnert an den tanzkurs, wo die beliebtheit nicht immer etwas mit qualifikationen zu tun hatte. deshalb kann diese form der auswahl schnell zu verletzungen bei den teilnehmerInnen führen. dies sollte man versuchen zu verhindern.

die dritte variante besteht darin, dass schon gleich zu beginn der schreibgruppe paarungen gefunden werden, die über die dauer der veranstaltung bestand haben. diese form bietet die möglichkeit, einzig den zufall walten zu lassen oder beliebtheiten in den vordergrund zu rücken. natürlich kann es in längeren zweikonstellationen auch zu konflikten kommen, die gemeinsames schreiben erschweren.

darum ist es bei allen variationen der paarfindung sinnvoll zwischendurch nachzufragen, Weiterlesen