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schreibpädagogik und arbeit

schreibpädagogik ist nichts anderes, als der versuch, menschen über die verschiedensten wege zum schreibprozess anzuleiten. am umfassendsten kann man dies in einer schreibgruppen-arbeit verwirklichen. dabei wird man als schreibpädagoge zur anleitenden person der gruppe. und dies bedeutet, sich gedanken über die anleitung einer schreibgruppe machen zu müssen. denn auch in diesem arbeitsfeld gibt es sehr verschiedene vorstellungen von der praktischen umsetzung.

generell, wie bei allen anderen (lern)gruppen, kann man eine grobe vorplanung vornehmen, aber nie abschätzen, wie die einzelne gruppe sich zu den vorschlägen verhält. nun gibt es zwei möglichkeiten: stringent die eigenen vorgaben zu verfolgen und durchzusetzen (zum beispiel, wenn es sich um die umsetzung von lehrplänen handelt) oder dem eigentlichen gruppenprozess mehr gewicht zu geben und auf jede gruppe zugeschnitten das angebot zu verändern (mit der folge, dass die lernergebnisse einer gruppe sehr verschieden ausfallen).

um es einmal platt zu formulieren: die stringenz kostet weniger planungsaufwand dafür aber mehr durchsetzungsaufwand. die ausrichtung auf die gruppe kostet dafür mehr planungsaufwand, dafür ermöglicht sie aber individuelles lernen, das für die anleitung weniger energie benötigt. insgesamt benötigen aber beide vorgehensweisen die aktive auseinandersetzung mit den teilnehmenden durch die schreibpädagogInnen. dies ist arbeit. die wertigkeit sozialer und pädagogischer berufe ist in unserer gesellschaft nicht sehr hoch angesiedelt. es wird davon ausgegangen, dass kommunikation zwischen menschen keinen sehr hohen aufwand bedeutet.

die wissenschaft spricht da eine andere sprache. nimmt man einmal den dienstleistungssektor, dann hat man inzwischen festgestellt, dass ständige freundlichkeit und das eingehen auf die bedürfnisse der anderen, ungemein stresst. grund dafür ist, dass die eigenen emotionen in schach gehalten werden müssen, da sonst die gefahr, einen kunden zu verlieren, groß ist. auch die pädagogischen tätigkeiten verlangen Weiterlesen

schreibpädagogik und verwandlung

schreibgruppen wandeln sich, wie andere gruppen auch, beständig. die klassischen phasen der gruppendynamischen entwicklung lassen sich bei ihnen ebenso nachvollziehen. doch mir geht hier um die besonderheiten der verwandlung einer schreibgruppe. wie zu erwarten hat dies mit der entwicklung der teilnehmerInnen zu tun.

nach der phase des kennenlernens gibt es in schreibgruppen meist noch eine recht große zurückhaltung, den anderen teilnehmerInnen eigene texte zur verfügung zu stellen. es ist für alle mitglieder einer schreibgruppe ein großer vertrauensvorschuss gegenüber den anderen, eigene geschichten zur diskussion zu stellen. denn in jeden schreibprozess fließen auch persönliche anteile ein und man möchte, dass mit der eigenen veröffentlichung angemessen umgegangen wird. als schreibgruppenleitung kann man diesen prozess steuern, indem man vom ersten moment an feedbackregeln mit den teilnehmerInnen festlegt. auf diese regeln können sich alle verlassen.

im laufe der zeit hilft dieser abgesicherte modus beim schritt in die öffentlichkeit. es ist meist zu beobachten, dass nach anfänglicher zurückhaltung, die eigenen texte vorzutragen, alle das bedürfnis verspüren, rückmeldungen zu ihren texten zu erhalten. hat einmal bei einer feedbackrunde jemand den anfang gemacht, reihen sich meist die teilnehmerInnen willkürlich aneinander. und, was mir an dieser verwandlung am wichtigsten ist, es verursacht weder probleme noch diskussionen, wenn einzelne teilnehmerInnen einzelne texte nicht vorstellen wollen. ohne feedbackregeln kommt es eher zu situationen, in denen einzelne teilnehmerInnen gedrängt werden, ihre texte zu verfügung zu stellen. hier sollte man als gruppenleitung auf die verwandlung der gruppe vertrauen.

für die veränderung des gruppenverhaltens förderlich ist auch die kleingruppenarbeit. diese ermöglicht eine diskussion, überarbeitung und Weiterlesen

schreibpädagogik und coolness

gruppen verleiten manchmal zur übertriebenen selbstdarstellung. kreative gruppen fördern diesen prozess. das kann erst einmal sehr unterhaltsam sein, und es gehört zu gruppenprozessen auch dazu, aber es wird dann lästig, wenn sich die anderen gruppenmitglieder nicht zur wehr setzen oder wenn sich eine gruppe keine regeln gibt. es entwickeln sich alpha-positionen von einzelnen gruppenmitgliedern. früher wurde diese rolle meist von männern besetzt, heute kann man das nicht mehr so eindeutig sagen. die alpha rolle kann sowohl von teilnehmerInnen einer gruppe eingenommen werden als auch von der gruppenleitung.

es soll hier klar unterschieden werden zwischen der rolle der aktiven teilnahme an einem gruppengeschehen und der rolle der coolen führerschaft. bei schreibgruppen sind diese führungsrollen schwieriger einzunehmen, da durch das schreiben viel allein und eigenständig gearbeitet wird, also alle teilnehmerInnen nicht in einem ständigen kommunikativen austausch miteinander stehen. zudem gibt es meist die regel, dass alle teilnehmerInnen ihren text vortragen, was das aufbauen einer hierarchie schwerer macht.

aber natürlich kann es auch in schreibgruppen die teilnehmerInnen geben, die aus ihrer vorstellung vom schöpferischen und künstlerischen die haltung ableiten, dass ihre beiträge so einzigartige seien, dass sie viel (zeit)raum einnehmen dürfen, dass sie nur positive rückmeldungen verdienen und dass ihre wortbeiträge, zum beispiel beim feedback, die einzigen treffenden interpretationen liefern. dies kann schnell zu diskussionen führen, die die ganze gruppe beschäftigen, aber keine weiterentwicklung der schreibprozesse fördern.

die überzeugung der außergewöhnlichkeit geht nicht selten mit einer (lauten) coolness einher. beim film kann man dies zum beispiel schön am verhalten auf dem roten teppich festmachen. in schreibgruppen ist das eher an anderen punkten feststellbar. wenn jemand sich bei leserunden stetig vordrängt, wenn überbetont vorgetragen wird oder wenn stetig scherze über die beiträge Weiterlesen

schreibpädagogik und unsicherheit

zwei aspekte bei schreibgruppen sind nicht zu unterschätzen: die unsicherheit der teilnehmerInnen und die unsicherheit der anleitung. trifft dies aufeinander ergibt sich eine durch und durch unsichere schreibgruppe. da unsicherheit nicht automatisch bedeutet, dass weder kreatives noch biografisches in schreibgruppen entsteht, spielt dies eigentlich erst einmal keine rolle. wenn aber durch die unsicherheiten gruppendynamiken entstehen, die das schreiben behindern, dann sollte dies beachtung finden.

zum einen gibt es das phänomen, dass auch in schreibgruppen strukturen, wie man sie aus der schule kennt, auftauchen. dies bedeutet, obwohl die teilnehmerInnen die gruppe freiwillig und zu ihrem vergnügen besuchen, machen sie aus der leitung eine person, die ihnen unangenehme dinge zumutet, denen sie ausweichen, und eine person, an der sie sich abarbeiten. sollte nun die schreibgruppenleitung unsicherheit ausstrahlen, kann ihr dies schnell zum nachteil werden.

gern werden auch schreibgruppenleitungen auf ihre kompetenzen hin getestet. es gibt ebenso die versuche der alpha-teilnehmerInnen die leitung „vom thron zu stossen“. dies geht nicht selten mit der abqualifizierung der leitung, unberechtigter kritik und einer personalisierung des konflikts einher. leider verstärkt unsicherheit die schwierigkeiten oft noch. man kann in diesem moment zwei strategien verfolgen: man legt alle bedenken und unsicherheiten offen. ab diesem moment wird man in vielem unangreifbar und das abarbeiten an der person beinahe unmöglich. bezieht man die teilnehmerInnen dann noch in die nächsten entscheidungsfindungen explizit mit ein, kann das die ganze lage entspannen.

eine andere strategie wäre es, die leitungsfunktion für einen festgelegten zeitraum den gruppenteilnehmerInnen Weiterlesen

schreibpädagogik und zufall

wer schon öfter schreibgruppen geleitet hat, weiß, wie unterschiedlich die gruppen sein können. alle teilnehmerInnen ergeben ein neues ganzes, das mit keiner anderen gruppe vergleichbar ist. darum unterliegen auch die ergebnisse von schreibgruppen von anfang an dem zufall. denn die konstellation einer gruppe hat immer auswirkungen auf das geschriebene. noch auffälliger wird dies bei schriftlichen arbeiten zu mehreren. man kann wenige verallgemeinerungen darüber anstellen, wie schreibgruppen im allgemeinen verlaufen.

man sollte als schreibgruppenleitung immer für die zufälle offen sein. denn wenn die gruppen so unterschiedlich sind, dann sind auch die vorschläge und ideen aus der gruppe heraus, was man mal machen könnte, sehr unterschiedlich. Klammert man sich als leitung in diesen momenten an sein konzept entgehen einem selber eine menge ideen und anregungen, die man wieder in anderen zusammenhängen aufgreifen kann. schafft man es aber, die zufälligen entwicklungen und ideen in die schreibgruppe zu integrieren, wird man jedesmal eine lebhafte gruppe erleben, die garantiert ebenso vielfältige und lebhafte texte verfasst.

eigentliche ist eine schreibgruppenleitung nichts anderes als eine große klammer um ein bündel zufälle. man kann sich noch so gut auf die schreibgruppentreffen vorbereiten, versuchen Weiterlesen

schreibpädagogik und verlust

dieses mal ein sehr ernster beitrag zur anleitung von schreibgruppen. vor allen dingen im biografischen schreiben sollte man meines erachtens sehr vorsichtig vorgehen, wenn man schreibübungen zum thema verlust oder tod anleitet. es ist nicht sinnvoll das thema auszusparen, nur um die eventuellen folgen zu umgehen. verlust und tod beeinflussen unser leben sehr. jeder mensch hat seine eigenen strategien damit umzugehen. und doch scheint es, wie wenn vor allen dingen das thema tod mit einem tabu versehen ist. das ist um so erstaunlicher, dass man ab einem höheren alter immer wieder damit konfrontiert wird (und manchmal auch schon viel früher).

schreibt man in schreibgruppen also über verluste, vor allen dingen über persönliche verluste, kann es leicht vorkommen, dass menschen nicht nur darüber schreiben, wie sie durch eine trennung einen partner verloren haben, sondern dass sie darüber schreiben, wie ein mensch in ihrem umfeld gestorben ist. das schreiben darüber kann noch einmal sehr aufwühlend erlebt werden. und dies wiederum kann zu emotionalen reaktionen führen, wenn texte vorgetragen oder besprochen werden. dies sollte eine gruppe aushalten können. doch damit darf man als schreibgruppenleitung nicht rechnen.

viele menschen halten es schwer aus, andere weinen zu sehen. in gruppen kann dies zu hilflosen unterstützungsversuchen und tröstungen führen. in diesem moment sollte eine schreibgruppenleitung einschreiten. denn wenn teilnehmerInnen für sich entscheiden, einen sie selbst sehr berührenden text vorzutragen, dann entscheiden sie sich auch dafür, eventuell beim lesen Weiterlesen

schreibpädagogik und stärke

in schreibgruppen als leitung stärke zu zeigen, bedeutet, sich um die schreibgruppendynamik zu kümmern. denn es gibt in jeder gruppe situationen darum, wo man die waage zwischen angenehmer anleitung und autoritärem stil wahren muss. da geht es wieder um den goldenen mittelweg. es geht um die frage, wie man es sich bei konflikten oder entscheidungen manchmal durchsetzen muss, wenn man die verantwortung für die gruppe trägt.

zum einen kann es sein, dass man mit minderjährigen teilnehmerInnen in einer schreibgruppe zu tun hat und einen lehrauftrag erfüllt. dann ist man nicht nur für die vermittlung von lehre zuständig, sondern auch für die unversehrtheit der teilnehmerInnen. und kinder oder jugendliche können, auch beim schreiben, sich gegenseitig das leben schwer machen. heikel in einer schreibgruppe ist es zusätzlich, dass durch die kreativen prozesse einzelne teilnehmerInnen etwas von sich preis geben. wenn in diesem moment die rückmeldungen der anderen verletzend sind, dann trifft das doppelt hart.

aber auch bei erwachsenen schreibgruppenteilnehmerInnen kann es ähnliche situationen geben. die wahrscheinlichkeit ist etwas geringer, doch es ist nicht zu unterschätzen, in welche große konkurrenz die teilnehmerInnen miteinander treten können. in den häufigsten fällen ist dies nicht der fall, da die gruppen ein gemeinsames interesse miteinander verbindet. doch selbst in seminaren und fortbildungen gibt es situationen, in denen die teilnehmerInnen sich an der gruppenleitung abarbeiten.

gruppendynamisch ist vieles vorstellbar, in den seltensten fällen geschieht es. man sollte jedoch nicht von anfang an einen relativ autoritären stil pflegen, nur um gleich jede mögliche schwierigkeit im keim zu ersticken. zum einen funktioniert das nicht, zum anderen passt dieser leitungsstil weder zum kreativen, noch zum biografischen schreiben. stärke bedeutet im kontext der schreibpädagogik, dass in den situationen, in denen es notwendig ist, klare positionen eingenommen werden, diese Weiterlesen

schreibpädagogik und wünsche

schreibgruppen verhalten sich so unterschiedlich, wie die teilnehmenden menschen. manchmal werden in einer schreibgruppe alle vorgaben durch die gruppenleitung realisiert, ohne irgendeinen eigenen wunsch zu äußern. ein andermal kommen alle teilnehmerInnen schon mit vielen erwartungen und wünschen gleich zu beginn in die gruppe. in beiden fällen ist es aufgabe der schreibgruppenleitung, eine regelung für die berücksichtigung von wünschen zu finden und klar zu kommunizieren.

in einer schreibgruppe entstehen nach einer gewissen zeit sicherlich eigene vorstellungen, zu was man gern einmal etwas schreiben möchte. dabei spielt es keine rolle, ob es sich um eine gruppe zu biografischem oder kreativem schreiben handelt. bei einer gruppe zum wissenschaftlichen schreiben sieht es etwas schwieriger aus, da meist eine menge vorgaben des wissenschaftlichen arbeitens berücksichtigt werden müssen. hier orientieren sich die wünsche eher in eine andere richtung – hier werden wünsche zu noch offenen fragen geäußert.

wenn eine schreibgruppe von sich aus keine wünsche äußert, kann es sehr belebend sein, nachdem die gruppe sich schon öfter getroffen hat, alle teilnehmerInnen aufzufordern jeweils eine eigene schreibanregung, -idee auf einen zettel zu notieren. die ideen kann man in der gruppe kurz vorstellen und losen, welche denn kurzfristig umgesetzt wird. außerdem erhält man dadurch als schreibgruppenleitung einen überblick, welche bedürfnisse Weiterlesen

schreibpädagogik und störung

mit dem thema „störung“ bin ich hier aber sowas von im thema gruppendynamik 😉 es gibt die auffassung, dass in gruppen „störungen“ immer vorrang hätten. ich finde diese vorstellung fragwürdig in zeiten der aufgeregtheiten. manche störungen verdienen auch weniger beachtung. nur in dienstleistungslandschaften mag jede störung beachtung finden, da ihre nichtbeachtung unzufriedene kundInnen nach sich zieht. das geht nicht in zeiten der „globalzufriedenheit“ 😀 .

spaß beiseite, störungen haben eine bedeutung in gruppen, aber als gruppenleitung ist man aufgefordert die relevanz der störung abzuschätzen. fällt einem dies schwer, kann man nachfragen. aber man sollte möglichst schnell eine entscheidung treffen, ob man der störung beachtung schenkt. denn es ist nicht selten, dass eine einzige person eine ganze gruppe an ihrer tätigkeit hindert. es hat damit zu tun, das in der störungsaufmerksamen zeit, die emotionale erpressung so leicht umsetzbar wird.

die störung beginnt oft mit dem ausbreiten der eigenen befindlichkeit vor der ganzen gruppe. diese befindlichkeit besteht vor allen dingen aus schlechten gefühlen. man fühlt sich nicht wohl, fühlt sich unter druck gesetzt, es gefällt einem etwas nicht, man fühlt sich nicht aufgehoben, aufgefangen oder genug beachtet. ja, das kann vorkommen, denn es handelt sich um gruppen, also die ansammlung vieler menschen. in der einen gruppe fühlt man sich wohler, in der anderen nicht.

doch erst mit der mitteilung der befindlichkeit wird es ein thema. ab diesem moment hat man die aufmerksamkeit der gesamten gruppe und der gruppenleitung. hier macht es sinn, einmal nachzufragen, was getan werden kann, damit sich ein gruppenmitglied wohler fühlt. wenn nun der emotionalhaushalt ausgebreitet wird anstatt konkrete angaben zu machen, dann wird eine angemessene reaktion der gruppe schwierig. es kommt eher zu rechtfertigungen oder zu personalisierungen, denn zu lösungen. in diesem moment ist eine gruppenleitung gefragt, darauf zu bestehen, dass konkrete vorschläge für veränderungen gemacht werden. denn sonst erschöpft sich die gruppendynamik im gegenüberstellen von emotionen.

ganz anders verhält es sich, wenn die störungen nicht einstimmig vorgebracht werden, sondern mehrstimmig. ab diesem moment sollte von der gruppenleitung Weiterlesen

schreibpädagogik und lachen

gruppen sind ein sensibles gefüge von individuen, die in einen sozialen kontakt für eine gewisse zeit treten. in diesen gefügen gibt es dynamiken, wie sie während aller anderen sozialen kontakt auch auftreten. da schreibgruppen meist freiwillige und nicht vorgegebene zusammenschlüsse sind, ist das auskommen miteinander meist sehr positiv und freundlich.

aber es gibt noch einen zweiten effekt, den man an schreibgruppen feststellen kann, wenn man an ihnen teilnimmt. oft sind die gruppen sehr fröhlich. da unterscheiden sie sich in der „quantität“ der fröhlichkeit von vielen anderen freizeitgruppen. zurückführen lässt sich dies wahrscheinlich auf zwei aspekte: zum einen werden häufig witzige und humorvolle texte verfasst. zum anderen hat das schreiben eine entspannende und für viele befreiende wirkung.

ich möchte hier klar zwischen kreativem und biografischem (oder wissenschaftlichem) schreiben unterscheiden. die beiden letzteren orientieren sich an lebensgeschichten und forschungsansätzen, oft nicht unbedingt heitere themen, die es schwer machen, lachend durch eine gruppe zu steuern. die inhaltlichen anforderungen an beide bereiche sind klarer umrissen und eingegrenzt.

da es beim kreativen schreiben in gruppen zwar auch oft kleine inhaltliche oder stilistische vorgaben gibt, sonst aber das freie assoziieren und formulieren gefördert wird, ist deren wirkung nicht selten heiterer. wer hat es nicht schon einmal erlebt, dass ein text in der schreibgruppe auftaucht, der mindestens ein lächeln in alle gesichter zaubert, wenn nicht sogar dazu führt, dass die gesamte gruppe in einen lachkrampf verfällt. neben dem schreiben hat auch das lachen einen befreienden und entspannenden effekt.

wahrscheinlich entsteht darum manchmal in schreibgruppen eine art wettbewerb, einen witzigen text schreiben zu müssen. hier ist die rückmeldung der anderen teilnehmerInnen beim vortragen und beim feedback durch das lachen meist direkter und Weiterlesen

schreibpädagogik und nähe

in schreibgruppen kann sowohl „textliche nähe“ als auch nähe zwischen den teilnehmerInnen hergestellt werden. die beiden varianten hängen oft zusammen. wenn texte verfasst werden, die einem „nahe kommen“, dann gehen sie nicht selten ebenso anderen nahe. und durch den austausch über nahe gehende texte entsteht wiederum zwischen den teilnehmerInnen von gruppen nähe. eindeutig prädestiniert für das erzeugen von nähe in schreibgruppen ist das biografische schreiben. hier wird persönliches untereinander offengelegt. aber, wie schon oft beschrieben, kann beim kreativen schreibn ebenso viel persönliches einfließen und vermittelt werden.

doch was ist nun bei der leitung von schreibgruppen in bezug auf „nähe“ zu beachten? in erster linie die eigene rolle. es ist eine beständige gratwanderung, selber an der nähe teilzuhaben und gleichzeitig eine gruppe zu leiten. hierbei ist immer der arbeitskontext zu beachten: befinden sich die teilnehmerInnen in einem abhängigkeitsverhältnis zu einem? hat man eine aufsichts- oder erziehungpflicht? ist die teilnahme freiwillig und / oder ein lockerer verbund?

wenn man die eigene rolle realisiert hat, dann kann man sich überlegen, wie man in diesem rahmen agieren möchte. es ist zum beispiel zu beachten, wie weit nähe zu einzelnen teilnehmerInnen von schreibgruppen entsteht und welche reaktionen dies bei anderen hervorruft. hierbei wäre eine klare trennung von arbeit und freizeit hilfreich. als gruppenleitung trägt man verantwortung für alle und natürlich gibt es immer ein bedürfnis, gleichberechtigt zwischenmenschlich zu agieren. bevorzugungen und ablehnungen sollten vermieden werden.

auf der anderen seite agiert man als leitung auch nur als mensch, als subjekt, das gefühle entwickelt. dies sollte man nicht ignorieren, so sehr auch immer wieder die nötige distanz betont wird. zu viel distanz macht schreibgruppen schnell zu lehrveranstaltungen, die Weiterlesen

schreibpädagogik und diskurs

schreibgruppen leiten bedeutet auch, sich auf die diskussionen, die in der gruppe entstehen, einzulassen. in jeder gruppe gibt es früher oder später diskussionen über die vorgehensweise, über den inhalt oder über die beziehungen untereinander. dies lässt gruppen zusammenwachsen und sich weiterentwickeln.

oft werden aber diskurse als bedrohung empfunden, sowohl von der leitung als auch von manchen teilnehmerInnen. es ist hilfreich, wenn man von anfang an signalisiert, dass man bereit, diskurse zu führen. eigentlich kann diesen diskussionen manchmal nur eines im wege stehen, die zeitknappheit. doch man sollte in solchen momenten signalisieren, dass man die gespräche an einem geeigneteren zeitpunkt weiterführt. manchmal können diskurse auch ins internet verlagert und zum beispiel zwischen zwei gruppentreffen per mail weitergeführt werden.

gleichzeitig sollte man als schreibgruppenleitung die quadratur des kreises vollführen. möglichst vielen bedürfnissen der teilnehmerInnen gerecht werden, das eigene konzept nicht vollständig aus den augen verlieren, persönliche betroffenheiten oder zwistigkeiten in eine fruchtbare diskussion überführen, damit sie nach einer gewissen zeit abgeschlossen werden können, und unberechtigte kritiken erkennen und zurückweisen.

um dies zu schaffen, entwickelt man einer gruppe gegenüber eine form der empathie, wie man sie sonst zum beispiel in beratungsgesprächen, einer einzigen ratsuchenden person gegenüber entwickelt. eigentlich kann man viele der massgaben für beratungen auch auf gruppendiskurse übertragen: die menschen ausreden lassen, sie in ihren anliegen ernst Weiterlesen

kreatives schreiben und fremde

viele möglichkeiten bietet das nachdenken über kreatives schreiben und der/die/das fremde. ich könnte über das herstellen von fremden welten in texten und geschichten schreiben, über die kommunikation mit „fremdem“ in dialogen, über die kreative schriftliche auseinandersetzung mit dem thema „fremdenfeindlichkeit“, um reiseberichte aus der „fremde“ und vieles mehr. aber ich möchte den blick auf ein anderes thema werfen: macht es sinn im kreativen schreiben fremde textgattungen auszuprobieren, auch wenn man sie nicht sonderlich interessant findet?

das kreative schreiben lebt vom spielerischen umgang mit dem schreiben, von der freiheit, selbst zu entscheiden, zu was man schreibt. gleichzeitig lebt das kreative schreiben aber auch davon, für sich zu erleben, dass man mehr schreibkompetenz besitzt als man immer vermutet hat. das erstaunen über die leichtigkeit und freude des schreibens gehört zum kreativen schreiben dazu. den ersten schritt macht man selber: man entscheidet, dass man sich mit dem kreativen schreiben auseinandersetzen möchte.

der zweite schritt wird meist von außen angeregt, entweder durch bücher oder durch gruppe, das internet und schreibübungen: sich auf eine neue art und weise mit dem schreiben auseinanderzusetzen. eine art und weise, die man bis dahin nicht erprobt hat. die erfahrung zeigt, dass am anfang die unsicherheit bei vielen schreibenden groß ist, ob man sich diesen schritt, texte zu verfassen, anderen zur verfügung zu stellen und ein feedback zu bekommen, zutraut. da wird es als hilfreich erlebt, anregungen und anweisungen zu bekommen, was man schreiben sollte.

und natürlich haben alle kreativ schreibende ihre lieblingstextformen oder -gattungen. die einen konzentrieren sich gern auf die lyrik, andere auf die kurzgeschichte und wiederum andere auf den dialog, die szenen, das haiku, die bildergeschichte und vieles mehr. andere formen des schreibens bleiben oft weiterhin unbekannt oder werden umgangen. so gehen etliche menschen davon aus, sie könnten keine lyrik verfassen, weshalb sie sich in diesem genre auch nicht ausprobieren. manche textgattungen bleiben für immer fremd.

hier kann nur die empfehlung ausgesprochen werden, alles einmal auszuprobieren, auch wenn man nach eigenen maßstäben vermutet, dass das ergebnis „schlecht“ sein wird. denn man erinnere sich an die frühere unsicherheit, das kreative schreiben als möglichkeit für sich selber überhaupt zu sehen. diese unsicherheit wird einen auch dann ergreifen, wenn man sich einer neuen textgattung Weiterlesen

schreibpädagogik und kuschelig

schreibgruppen haben etwas widersprüchliches an sich. erst einmal besuchen menschen schreibgruppen, die gern in einem kreativen umfeld selber aktiv werden und etwas produzieren, ja verfassen wollen, das sie dann anderen vorstellen und mit ihnen darüber diskutieren können. diese vorstellung lässt eine lebhafte atmosphäre mit direkter kommunikation erwarten.

tja, aber da gibt es die andere seite: menschen besuchen auch schreibgruppen, weil sie einen schutzraum suchen. ihre sonstige umwelt steht dem schreiben und der kreativität häufig skeptisch gegenüber. schreibgruppen sind für sie ein ort, an dem sie durchatmen können und auf menschen mit ähnlichen interessen treffen. da möchten sie nicht weitere skepsis und konflikte erleben.

aus dieser melange an widerstreitenden wünschen und bedürfnissen sind schreibgruppen ein komplizierteres gebilde, als man glauben mag. nicht selten kommt es vor, dass eine kuschelatmosphäre herrscht, die kritische bemerkungen zu texten und geschichten lieber aussetzt und relativiert, denn sie zu äußern. und es knallharte gruppen, in denen es zum guten ton gehört, texte gnadenlos zu zerpflücken, ohne auch nur im ansatz rücksicht auf die autorInnen zu nehmen.

gut, man kann schon sagen, dass kuscheln weniger lernpotential in sich birgt als kritik-sturzbäche. das problem der knallharten kritiken entsteht eher dadurch, dass sie oft genug den text verlassen und personalisierend, ja deutend mit den autorInnen umgehen. auf der anderen seite ergibt sich die schwierigkeit im kuscheligen ambiente, dass kritik sehr schnell persönlich genommen wird, obwohl sie am text entlangarbeitet. dieser widerspruch ist nur dann aufzulösen, wenn man wieder einmal den goldenen mittelweg findet.

der baut darauf auf, dass teilnehmerInnen von schreibgruppen erwachsen sind und von sich aus formulieren können, was sie wollen, kuscheln oder nicht kuscheln. das sollte von allen ernst genommen werden. auch wenn man der meinung ist, Weiterlesen

schreibpädagogik und weinen

es kann auch in schreibgruppen vorkommen, dass teilnehmerInnen in tränen ausbrechen. entweder, da sie texte über ereignisse verfasst haben, die ihnen sehr nahe gehen, oder, da sie sich durch rückmeldungen und kritiken sehr angegriffen und hilflos fühlen. dieser starke ausdruck von gefühlen kann andere teilnehmerInnen erschüttern und verunsichern. in diesen momenten ist die schreibgruppenleitung als ausgleichendes moment gefragt.

es geht vor allen dingen darum, in einer gruppe auch raum für emotionale ausdrücke zu geben. kein mensch ist davor geschützt, dass ein eigener text oder einer von jemand anderem so berührt, dass die tränen fließen. wichtig scheint mir, dass diese reaktion zwar beachtet aber nicht überbewertet wird. es ist für teilnehmerInnen unangenehm, wenn sich beim weinen alle anderen teilnehmerInnen auf sie stürzen, versuchen sie zu trösten und gute ratschläge haben.

die schreibguppenleitung sollte kurz unterbrechen, nachfragen ob sie weiterlesen wollen, wenn sie bei eigenen texten weinen, oder nachfragen, ob sie den raum verlassen wollen, wenn sie bei texten von anderen schreibgruppenteilnehmerInnen weinen. dann sollte aber im normalen vorgehen weiter verfahren werden. zu viel aufmerksamkeit in solchen momenten gibt dem weinen schon wieder den beigeschmack Weiterlesen

schreibgruppen selber gründen – die zusammenfassung

10 hinweise, was man beachten und entscheiden muss, wenn man eine schreibgruppe selber gründen möchte, habe ich hier veröffentlicht. sie geben nur einen ausschnitt der fragestellungen, mit denen man beschäftigt sein wird, wieder. aber sie können den weg in eine gruppengründung eventuell erleichtern und klarer machen.

darum seien die 10 tipps hier noch einmal als links gebündelt. und sollte es weitere anregungen oder gedanken zur schreibgruppengründung geben, werde ich sie hier gern veröffentlichen. wie schon geschrieben, mehr als ein überblick wird es nicht sein. viel spaß beim gründen.

christof zirkel

schreibgruppen selber gründen:

01 die eigene rolle festlegen

02 werbung

03 organisation

04 ort

05 rhythmus / zeit

06 teilnehmer_innen

07 (schreib)gruppenleitung

08 geld / kosten

09 gruppen und konflikte

10 ergebnisse

schreibpädagogik und finden

ich beschreibe in diesem blog schon seit einiger zeit die notwendigkeiten, wenn man eine schreibgruppe selber gründen möchte. der grund dafür ist, dass es nicht überall die schreibgruppen gibt, die man gern haben möchte. man findet nicht die passende schreibgruppe für sich oder man findet überhaupt keine schreibgruppe in seiner umgebung.

auch wenn das gemeinsame schreiben und kreativ sein immer mehr interessentInnen findet, so ist das gesamte angebot weiterhin recht dürftig. in größeren städten finden sich etliche möglichkeiten, mit schreiben irgendetwas zu machen, da gibt es auch diverse treffpunkte, an denen man seine texte vorstellen kann. in kleineren städten wird das schon schwieriger. manchmal finden sich zumindest bei den volkshochschulen angebote zu schreibgruppen oder zu schreibkursen.

es gibt leider auch keine bundesweit zentrale datenbank, in der alle schreibgruppen, die es gibt, aufgelistet sind und man für sich wählen kann. es verschwimmt auch das angebot der selbstorganisierten schreibgruppen mit den professionell angeleiteten schreibgruppen, ebenso wie die interessen der teilnehmerInnen miteinander verschwimmen. manche gruppen haben zum ziel, sich dem literarischen schreiben zu zu wenden und sich gegenseitig dazu feedbacks zu geben, andere gruppen wollen kreative oder biografische erfahrungen machen, die einzig der freizeitgestaltung oder selbstreflexion dienen.

wie bei allen anderen dingen empfiehlt es sich, um die richtige gruppe für sich zu finden, einmal reinzuschnuppern, ob die gruppe etwas für einen ist. das ist nicht überall möglich, aber wünschenswert wäre es schon. denn es macht keinen sinn, sich an eine schreibgruppe zu binden, in der man sich nicht wohl fühlt. ähnlich wie bei beratungen und therapien, gibt man auch in schreibgruppen persönliches preis. macht man dies in seiner freizeit, dann hat man auch die wahl, wem man was preisgeben möchte.

generell ist es in gruppen meist so, dass es menschen gibt, die einem sympathischer sind, und welche, die es weniger sind. hier sollte man für sich abschätzen, wie weit Weiterlesen

schreibgruppen selber gründen (09)

gruppen und konflikte

gruppen agieren in zwei richtungen: zum einen können sie fördernd und motivierend wirken, da sich die interessen und kompetenzen vereinen. zum anderen können sie blockierend und behindernd wirken, da sich individuelle interessen nicht miteinander vereinbaren lassen und konflikte in den vordergrund rücken. dies muss man bedenken, wenn man eine schreibgruppe gründet.

dazu kommt, dass gruppen im kreativen bereich durch den meist sehr persönlichen (eben kreativen) input auf einem etwas anderen emotionalen niveau agieren. wenn bei einer schreibgruppe eine menge persönliche anteile in texte und geschichten einfließen, dann erhalten die reaktionen der anderen auf den eigenen text eine große bedeutung. dies kann bei unklaren settings vehemente konflikte hervorrufen.

darum ist es absolut notwendig, beim ersten treffen klare regeln und vorgehensweisen zu bestimmen oder zu entscheiden. diese regeln lenken das verhalten bei textvorstellungen und -lesungen ebenso, wie die vorgehensweise bei konflikten. basisdemokratisch selbstorganisierte gruppen benötigen eine hinreichende diskussionskultur, um nicht die gesamte zur verfügung stehende zeit ausschließlich für organisatorisches oder konfliktlösendes zu verbrauchen.

schon bei der suche nach gemeinsamen regeln kann zu vielen diskussionen kommen. die gruppe sollte sich im vorfeld darauf einigen, dass ab einem bestimmten zeitpunkt per abstimmungen entscheidungen getroffen werden. alles auf konsens zu diskutieren ist oft möglich, da es sich aber um keine politische gruppe, sondern um eine kreative gruppe handelt, können auch nicht immer alle interessen berücksichtigt werden.

so ist es unabdingbar, dass solch eine gruppe beschließt, dass vorgetragenes und geschriebenes in der gruppe verbleibt und die rechte an den texten natürlich bei den autorInnen verbleiben. es kommt kaum vor, dass texte geklaut und unter anderem namen veröffentlicht werden, aber die absicherung des geistigen eigentums macht auf alle fälle sinn.

gibt es eine leitungsfunktion in der gruppe, sollte diese auch gleich zu beginn transparent machen, wie sie im fall eines unversöhnlichen konfliktes vorgehen wird, nämlich dass sie das recht für sich in anspruch nimmt, irgendwann entscheidungen zu treffen, die nicht einer abstimmung folgen müssen. denn in diesem moment trägt die leitung auch eine gewisse verantwortung und Weiterlesen

schreibpädagogik und qual

ja, manche schreibgruppen können auch qualvoll sein, aber darum soll es hier nicht gehen, denn dies kann nur von gruppe zu gruppe betrachtet werden und benötigt einen blick auf die gruppendynamik. mir scheint es wichtiger, einen blick darauf zu werfen, wie man als schreibgruppenleitung damit umgeht, wenn es für einzelne teilnehmerInnen beim schreiben qualvoll wird.

es kann gut sein, dass man erst einmal nicht registriert, wie sehr sich einzelne teilnehmerInnen beim schreiben abquälen. die schreibatmosphäre in gruppen kann einerseits als anregend und motivierend empfunden werden, andererseits kann die atmosphäre enorm unter druck setzen. man registriert, dass die anderen sich in einem schreibfluss befinden und einem selber fällt nichts ein. da sitzt man nun und überlegt. eventuell kommt noch die erwartung dazu, dass man einen besonders guten text erstellen möchte.

ab diesen momenten können teilnehmerInnen von ihren selbstzweifeln so überwältigt werden, dass sich während der teilnahme an einer schreibgruppe, schreibblockaden einstellen. dies wird selten offen und direkt geäußert, selbst wenn eine entspannte stimmung in der schreibgruppe herrscht. die teilnehmerInnen schämen sich für ihr, in ihren augen, versagen. als schreibgruppenleitung kann man darauf aufmerksam werden, wenn jemand nie einen text vorlesen möchte oder bevor sie ihren text vorlesen schon einmal alles geschriebene in frage stellen.

es ist schwierig in diesem moment jemanden direkt anzusprechen, da dies die scham bei den teilnehmerInnen noch erhöhen kann. wenn man versuchen möchte, ein gespräch zu führen und nachzufragen, sollte man dies nie in der gruppe machen. in einem einzelgespräch kann man signalisieren, dass man für fragen und gepräche zur verfügung steht, wenn es schwierigkeiten mit dem schreiben gibt. in der gruppe kann man die regel aufstellen, dass die texte und geschichten vorgetragen werden, ohne vorab eine eigene bewertung oder einen kommentar abzugeben.

außerdem kann man als schreibgruppenleitung immer wieder feedbacks einfordern, wie die schreibanregung oder -übung für die teilnehmerInnen umsetzbar war. zusätzlich kann es hilfreich sein, ab und zu einmal einen selbstreflexiven text Weiterlesen

schreibgruppen selber gründen (07)

(schreib)gruppenleitung

vor dem start der gruppe steht die entscheidung, ob es eine gruppenleitung geben soll und ob man sie selber leiten möchte, wenn man sich für eine gruppenleitung entschieden hat. es besteht auch die möglichkeit, aus der gruppe heraus eine gruppenleitung zu wählen oder die leitung immer wieder untereinander zu wechseln. der vorteil einer gruppenleitung besteht darin, dass sich jemand direkt verantwortlich für die durchführung des schreibgruppentreffens fühlt. dies ist bei wechselnder leitung oder bei gemeinsamer durchführung nicht immer gegeben.

doch was gehört nun zu einer angemessenen schreibgruppenleitung?

  • an erster stelle sicherlich spielraum, den man sich selber schaffen muss. bevor die gruppe überhaupt startet, sollte man sich bewusst sein, dass sie nie so verläuft, wie man sich das vorstellt, darum sollte man flexibel auf abläufe reagieren können.
  • dann benötigt man angenehme durchsetzungskraft. bei einer freiwilligen gruppe, die sich selber eine anleitung gibt, möchten alle teilnehmerInnen, dass ihre bedürfnisse berücksichtigt werden, sie möchten aber gleichzeitig, dass es eine klare linie gibt. also: führen sie mit nachdrücklichem charme ihre vorstellungen durch. nehmen sie nicht eine störung ernster als die andere.
  • haben sie alternativideen im kopf. es kann zum beispiel schreibanregungen geben, die sie selber ganz wunderbar finden, aber alle teilnehmerInnen langweilig. was haben sie in diesem moment noch zu bieten?
  • sie müssen den mut haben, jemanden zu unterbrechen, wenn er sich zu viel raum bei rückmeldungen oder feedbacks nimmt und darum andere nicht mehr zu wort kommen. können sie unterschwellige konflikte aushalten?
  • es wird gern bei gruppenpädagogik gesagt, dass störungen vorrang haben. doch störungen können auch einfach nur ätzende störungen sein. sie sollten dies unterscheiden können und dann klare worte dafür finden.
  • um es auf die spitze zu treiben (auch wenn dies selten notwendig ist): trauen sie sich, jemanden aus der gruppe zu werfen, ohne persönlich zu reagieren? dann sind sie der / die richtige.
  • und dann sollten sie noch die quadratur des kreises hinbekommen: schaffen sie eine möglichst hierarchiefreie zone (es ist ja keine kaserne) und verlieren sie trotzdem ihre autorität nicht.
  • und letztendlich müssen sie sich überlegen, ob sie selber mitschreiben wollen und auch in den feedbackrunden dabei sind. denn ihrer bewertung wird eventuell wegen ihrer rolle von den teilnehmerInnen mehr gewicht gegeben. na ja, und gern schreiben sollten sie sowieso wollen, auch wenn sie nicht mitschreiben.

das klingt jetzt sehr anspruchsvoll, ist es wahrscheinlich auch, aber es ist leichter, als es jetzt hier klingt. man kann bei (schreib)gruppen nie vorher wissen, was passiert, aber man kann sich im vorfeld seiner rolle vergewissern und sich überlegen, ob dies für einen angenehm ist, vor allen dingen, wenn man vorher noch nie eine gruppe angeleitet hat, die schreibgruppe selber gründet und gern seine vorstellungen in der gruppe umgesetzt sieht. das kreative setting bedeutet aber meist sehr viel spaß, auch als gruppenleitung, und lässt einen selber viel lernen, jedes mal wieder.