Schlagwort-Archive: haar

wortklauberei (101)

„männer färben nicht – männer tunen“

jawoll ja, das ist doch mal ein satz, der wäre auch zu kaisers zeiten angekommen, wenn zu dieser zeit ebenso viele anglizismen durch den raum schwirrten wie heute. ja, es ist ein satz aus großvaters zeiten, als sie alle glatze hatten, die männer, einen gezwirbelten schnurrbart und seltsame hüte trugen. schon damals bauten sie an ihre kutsche breitreifen und einen flotten heckspoiler.

aber nein, es ist der spot für ein haarfärbemittel, das männer kaufen sollen. wir erinnern uns sofort an bundeskanzler, der nicht gefärbt hat. wir erinnern uns an haarteile die leider jedem menschen sichtbar werden. wir erinnern uns an die vielen glatzen und halbglatzen, die mit seiten- und hinterhaar zugedeckt werden sollen. an die blonden strähnchen die in den 80ern des letzten jahrhunderts auch männer verschämt auf ihrem kopf erstellen ließen. „tunen“ bedeutet so viel wie „abstimmen“. doch womit wird abgestimmt, was wird abgestimmt?

man kann das auto-tuning vielleicht zu raten ziehen: da wird der motor aufgemotzt (das haar fluffig gemacht), die karosserie lackiert (eben farbe ins haar gebracht), die breitreifen montiert (durch haareinpflanzungen der schopf dichter bestückt) und der heckspoiler angebracht (ich schreibe nur vo-ku-hi-la). ich glaube, nicht die ollen kamellen der macker-welt nerven so an dem werbspruch. es sind die verschämtheiten der männer, die erst solche sprüche möglich und den verkauf des haarfärbemittels zunehmen lassen.

dem kann man nur entgegen halten: liebe männer färbt eure haare so oft und so abgestimmt (auf eure kleidung, euren hund oder euer auto), wie ihr wollt. was ist schon dabei? früher habt ihr euch kriegsbemalung ins gesicht geschmiert – auch das war make-up!

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nabelschau (18)

macht euch nackig! u-bahn-fahrten sind aufschlussreich ob der gesellschaftlichen entwicklungen. abgesehen von der tatsache, dass nicht selten obdachlosenzeitungen verkauft werden, die rückschlüsse darauf zulässt, dass es um das soziale wohl nicht so besonders steht, geben vor allen dingen die angebrachten werbetäfelchen einen einblick in die befindlichkeit der nation. waren es noch vor monaten vor allen dingen holzregale und toastbrote für die geworben wurde, sind es inzwischen vor allen dingen „enthaarung, wachsen, epillieren“, die angeboten werden.

das lässt fragen aufkommen. der mensch, vom affen abstammend, hat ungewollt, ob des tragens von kleidung, sein haarkleid stückweise verloren. die behaarung beschränkt sich auf das haupt, die intimzonen (klingt so nach parkzonen) und ein wenig die gliedmaßen. beim mann ist die hormonell hervorgerufene keratinproduktion meist ausgeprägter als bei der frau. und doch ergeben sich beim mann natürliche widersprüche, die dazu führen, dass der körper wohl stattlich behaart ist, das haupt aber des pelzes verlustig geht. wiederum die frau im alter dem manne, den bartwuchs betreffen teilweise folgt, meist aber das haupthaar nicht so sehr verliert.

jedenfalls spaltet sich die haltung gegenüber der eigenen behaarung in zwei komponenten. die eine besteht darin, es unangenehm zu finden, wenn im waschbecken barstoppeln und in den abflüssen haupthaare hängen bleiben, gleichzeitig versuchen aber viele männer, ihr haupthaar zu bewahren, ja es sogar aufzuforsten oder anhand von attrappen vollständig erscheinen zu lassen. das torsogebundene haar wird heutzutage als lästige komponente und schmutzsammler empfunden. woran dies liegt, wird noch zu erklären sein.

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schreibidee (111)

haare sind ein seltsames körperprodukt. sie wachsen an den möglichsten und unmöglichsten stellen. auf dem kopf nehmen sie im lauf des alters meist ab, aber an anderen stellen zu (bei frauen zum beispiel auf der oberlippe bei männern auf dem rücken oder in der nase). haare wachsen zum beispiel ein wenig weiter, wenn ein mensch gestorben sind. tierhaare krallen sich an jedes sofa und etliche menschen sind allergisch dagegen. also ist es an der zeit, sich aufgrund einer schreibanregung „haarigen geschichten“ zu widmen.

dazu werden verschiedene haarformen vorgegeben von den schreibgruppenleiterInnen. so sollen nur halbseitige texte oder geschichten zu „bärten“, „schamhaar“, „achselhaaren“, „katzenhaaren“ und „langem haar“ verfasst werden. wenn die fünf kurzen texte fertig sind, betrachten die schreibenden noch einmal die eigenen kurzen geschichten. sie wählen eine aus. wenn die geschichten gewählt wurden, dann werden alle teilnehmerInnen aufgefordert, genau diese haare zu rasieren oder anderweitig zu entfernen.

was wird aus der geschichte, wenn die haare verschwinden? wie kann die geschichte ohne die haare, die im mittelpunkt standen, verlaufen? eine haarlose, längere geschichte soll geschrieben werden. wieweit verändert der verlust der haare die geschichte. wenn die geschichten fertig sind, dann wird erst die kurze geschichte mit den haaren vorgetragen und anschließend die längere ohne haare.

sollte dann noch zeit sein, dann kann die schreibgruppe aufgefordert werden, der berufsgruppe eine geschichte zu widmen die beständig mit haaren beschäftigt sind. es soll eine friseurInnen-geschichte verfasst werden. der schwerpunkt lautet „in haarigen zeiten, haarsträubende geschichten schreiben“.