Schlagwort-Archive: haare

nabelschau (18)

macht euch nackig! u-bahn-fahrten sind aufschlussreich ob der gesellschaftlichen entwicklungen. abgesehen von der tatsache, dass nicht selten obdachlosenzeitungen verkauft werden, die rückschlüsse darauf zulässt, dass es um das soziale wohl nicht so besonders steht, geben vor allen dingen die angebrachten werbetäfelchen einen einblick in die befindlichkeit der nation. waren es noch vor monaten vor allen dingen holzregale und toastbrote für die geworben wurde, sind es inzwischen vor allen dingen „enthaarung, wachsen, epillieren“, die angeboten werden.

das lässt fragen aufkommen. der mensch, vom affen abstammend, hat ungewollt, ob des tragens von kleidung, sein haarkleid stückweise verloren. die behaarung beschränkt sich auf das haupt, die intimzonen (klingt so nach parkzonen) und ein wenig die gliedmaßen. beim mann ist die hormonell hervorgerufene keratinproduktion meist ausgeprägter als bei der frau. und doch ergeben sich beim mann natürliche widersprüche, die dazu führen, dass der körper wohl stattlich behaart ist, das haupt aber des pelzes verlustig geht. wiederum die frau im alter dem manne, den bartwuchs betreffen teilweise folgt, meist aber das haupthaar nicht so sehr verliert.

jedenfalls spaltet sich die haltung gegenüber der eigenen behaarung in zwei komponenten. die eine besteht darin, es unangenehm zu finden, wenn im waschbecken barstoppeln und in den abflüssen haupthaare hängen bleiben, gleichzeitig versuchen aber viele männer, ihr haupthaar zu bewahren, ja es sogar aufzuforsten oder anhand von attrappen vollständig erscheinen zu lassen. das torsogebundene haar wird heutzutage als lästige komponente und schmutzsammler empfunden. woran dies liegt, wird noch zu erklären sein.

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schreibidee (111)

haare sind ein seltsames körperprodukt. sie wachsen an den möglichsten und unmöglichsten stellen. auf dem kopf nehmen sie im lauf des alters meist ab, aber an anderen stellen zu (bei frauen zum beispiel auf der oberlippe bei männern auf dem rücken oder in der nase). haare wachsen zum beispiel ein wenig weiter, wenn ein mensch gestorben sind. tierhaare krallen sich an jedes sofa und etliche menschen sind allergisch dagegen. also ist es an der zeit, sich aufgrund einer schreibanregung „haarigen geschichten“ zu widmen.

dazu werden verschiedene haarformen vorgegeben von den schreibgruppenleiterInnen. so sollen nur halbseitige texte oder geschichten zu „bärten“, „schamhaar“, „achselhaaren“, „katzenhaaren“ und „langem haar“ verfasst werden. wenn die fünf kurzen texte fertig sind, betrachten die schreibenden noch einmal die eigenen kurzen geschichten. sie wählen eine aus. wenn die geschichten gewählt wurden, dann werden alle teilnehmerInnen aufgefordert, genau diese haare zu rasieren oder anderweitig zu entfernen.

was wird aus der geschichte, wenn die haare verschwinden? wie kann die geschichte ohne die haare, die im mittelpunkt standen, verlaufen? eine haarlose, längere geschichte soll geschrieben werden. wieweit verändert der verlust der haare die geschichte. wenn die geschichten fertig sind, dann wird erst die kurze geschichte mit den haaren vorgetragen und anschließend die längere ohne haare.

sollte dann noch zeit sein, dann kann die schreibgruppe aufgefordert werden, der berufsgruppe eine geschichte zu widmen die beständig mit haaren beschäftigt sind. es soll eine friseurInnen-geschichte verfasst werden. der schwerpunkt lautet „in haarigen zeiten, haarsträubende geschichten schreiben“.