Schlagwort-Archive: haltung

nabelschau (70)

die stadt, die sich nicht an ihre eigenen verordnungen hält. berlin ist schon speziell. zum einen ist es eine hoch moralische stadt, die in allen bereichen ein gutes auskommen der menschen miteinander fördern möchte, die auf projekte, kampagnen und aufrufe setzt. zum anderen schlägt aber immer wieder die preussische königs- und gutsmentalität durch, nach dem motto „das war schon immer so und letztendlich haben wir das sagen“. ob im sozialen bereich, in der bildungspolitik oder auch beim neuen flughafen: berlin beschäftigt die gerichte.

erst einmal wird dem bürger möglichst viel verweigert oder nicht zugestanden, obwohl die gesetzeslage ein anderes bild abgibt. also ist der bürger gezwungen, sein recht beim gericht einzufordern. dies macht nur ein teil der bürger, also hat berlin schon einmal gespart. so war der schallschutz der anwohner des neuen flughafens unzureichend umgesetzt worden. jetzt wurde ein urteil gefällt, das berlin zu einer sehr teuren nachrüstung auffordert. doch auch dazu erklärt die stadt schon, sie werde wohl nur einen teil der forderungen umsetzen. also gehen die gerichtsverhandlungen in die nächste runde.

sogar bei den kleinen aspekten der alltags schafft die stadt es regelmäßig, ihre bürger zu erzürnen. da gibt es zum beispiel eine rasenmäherverordnung, die den bürger auffordert, nur noch leise rasenmäher zu verwenden. eine gute entscheidung. werden aber öffentliche flächen gemäht und gepflegt, bekommt jeder mensch das gefühl, eine kompagnie von panzern sei in die strasse oder in den park eingefallen. dies natürlich auch gern am frühen morgen, obwohl die stadt damit wirbt, dass sie nie schläft, also auch eine menge menschen nachts arbeiten müssen. die dezibelwerte der städtischen schneidegeräte überschreiten mit garantie jeden grenzwert. gern wird argumentiert, dass es keine anderen geräte für das teilweise hohe gras gebe. das stimmt überhaupt nicht. manche mäher sind nur so laut, weil die leisen nicht gekauft werden.

eine stadt mit so viel grünfläche könnte ohne probleme in größerer stückzahl im laufe der zeit auf leisere mäher umstellen. aber berlin macht dies einfach nicht. und begeht somit täglich ordnungswidrigkeiten, die die ordnungsämter jedoch nicht ahnden. denn das grünflächenamt hat schon immer so gemäht, warum sollte es inzwischen anders mähen. aber eine veränderung hat es gegeben, die mitarbeiter an den mähern, laub- und hundekotsaugern, die tragen inzwischen ohrschützer. wahrscheinlich müsste man erst wieder ein gericht beschäftigen, das dann ohrschützer für alle bürger auf der strasse und bürger, die ihre fenster im sommer geöffnet haben, vorschreibt. das kann teuer werden 😉 be berlin: wo kein kläger da kein lärmschutz, keine sozialleistungen, keine veränderung.

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liste (125) – klischee

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um das „klischee“.

klischees, denen ich gern unterliege:

die schlimmsten klischees, die ich kenne:

die schönsten klischees, die ich kenne:

was ich am liebsten gegen klischees mache:

menschen, die mit vorurteilen nur so um sich schleudern:

biografisches schreiben und klischee

eines der schwierigsten unterfangen ist es, sich selber einmal nach vorurteilen abzuklopfen. sie sind vermittelt, sie sind gelernt und sie haben eine funktion: menschen schneller bei der ersten kurzen begegnung einordnen zu können. als wir noch nicht kommunizieren konnten war dies überlebenswichtig: freund oder (fress)feind. doch heutzutage können wir uns in den meisten momenten kundig machen und das freund-feind-schema ist sowieso stark beeinflusst von moden, gesellschaften und politik. also verwenden wir klischees eigentlich nur, um uns die welt ein wenig einfacher zu machen.

der mensch ist so komplex und jeder mensch ist ein individuum mit ganz subjektiven ansichten und verhaltensweisen. um die welt übersichtlicher zu gestalten, sind die „…“ so und so. manchmal kann es sich bei einer solchen form der verallgemeinerung, tatsächlich um den kleinsten gemeinsamen nenner einer gruppe handeln. doch es braucht eigentlich nur einen menschen dieser gruppe, der aus dem schema herausfällt und unsere verallgemeinerung ist auch schon hinfällig. aber den schritt machen wir beim klischee nicht mehr. wir beharren auf unseren aussagen, um die anstrengung der begegnung mit fremden menschen, zu reduzieren. das klischee ist also ein ausdruck von bequemlichkeit.

wann waren wir in unserem leben also zu bequem, um uns mit den menschen, die uns begegnen, auseinanderzusetzen? wen haben wir damit verletzt? wann wurden wir mit klischees zu unserer eigenen person konfrontiert und wie haben wir darauf reagiert? was machten wir, als ein klischee uns gegenüber auch noch zutraf? haben wir uns in unserem leben die zeit genommen, andere menschen kennenzulernen? es gibt viele fragen für das biografische schreiben, die ein wenig unsere eigenen vorurteile oder die konfrontation mit vorurteilen gegenüber uns selber beleuchten können.

da wir aber gerade bei vorurteilen und klischees recht widerständig sind, sie aufzuheben und zu relativieren, könnten man, wenn man über seine eigene lebensgeschichte schreibt, andere menschen, die einem nahestehen, befragen, was sie glauben, welche klischees man Weiterlesen

selbstbefragung (178) – klischee

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „klischee“.

  • welches klischee ist in ihren augen gar keines? warum?
  • welchen klischees entsprechen sie? beschreiben sie.
  • welche klischees verbinden sie mit frauen?
  • welche klischees verbinden sie mit männern?
  • ihr lieblingsklischee?
  • klischees kann man auch als vorurteile bezeichnen – von wem haben sie klischees vermittelt bekommen?
  • was tun sie, um klischees zu vermeiden?
  • klischee kann „nachahmung“ bedeuten: wen würden sie gern nachahmen? warum?
  • welche menschen in ihrer nähe erfüllen überhaupt keine klischees?
  • welche klischees finden sie unsäglich? beschreiben sie.

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

wissenschaftliches schreiben und arbeit

wissenschaftliches schreiben wird mit großer wahrscheinlichkeit wie das schreiben von geschäftstexten eher als arbeit empfunden als biografisches oder kreatives schreiben. dabei unterscheiden sich die eigentlichen schreibprozesse nicht groß voneinander. abgesehen davon widmet man sich in den wissenschaften und in der forschung meist themenbereichen, die einen interessieren, die einem spass machen. also auch in der grundhaltung ist kaum ein unterschied zum biografischen und kreativen schreiben zu entdecken. woran also liegt der große unterschied im subjektiven empfinden, dass das eine als arbeit und das andere als vergnügen betrachtet wird?

ich kann hier nur vermutungen anstellen, die auf äußerungen von schreibenden basieren: es liegt am korsett des wissenschaftlichen schreibens. neben rechtschreibung und grammatik herrschen viel mehr konventionen beim verfassen eines wissenschaftlichen textes. auch dies wäre wahrscheinlich noch nicht allein das problem, denn bei manchen formen der lyrik oder auch der prosa gibt es auch enge grenzen und strenge regeln. was vielen menschen beim wissenschaftlichen schreiben fehlt, ist die möglichkeit eine persönliche haltung einfließen zu lassen.

wenn man sich längere zeit mit einem forschungsgebiet beschäftigt, bildet man sich eine meinung dazu. und man erweitert, differenziert seine haltung stetig beim lesen weiterer wissenschaftlicher texte und ergebnisse. beim forschen führt man einen ständigen inneren diskurs, der teilweise bei kongressen oder colloquien auch zu einem äußeren diskurs wird. doch dieser diskurs ist in schriftlichen wissenschaftlichen arbeiten oft nur am schluss platziert. eine vorstellung von übergeordneter objekivität in veröffentlichungen verhindert eine persönliche positionierung. das, was im mündlichen diskurs stattfinden darf, findet im schriftlichen erst einmal keinen platz.

es ist anstrengend sich zurückzuhalten. wenn man zum beispiel abschlussarbeiten korrektur liest, stellt man fest, dass in kleinen formulierungen die persönliche meinung durchschimmert und man muss die schreibenden darauf aufmerksam machen, dass sie sich kundig machen sollten, ob ihre gutachterInnen persönliche haltungen im text akzeptieren. ich möchte hier kurz die lanze für eine persönliche positionierung auch bei abschlussarbeiten brechen. die vorstellung „echte“ wissenschaft sei erst einmal objektiv, da sie auf logik, mathematik, unbeeinflusste messungen und mehr basieren, ist fragwürdig. auf der wissenschaftstheoretischen ebene gibt es seit jahrzehnten einen diskurs, wie objektiv oder subjektiv unsere forschungen die welt erfassen. auch die als gut erfassbar erscheinenden naturwissenschaften (da man so viel messen kann) kommen da inzwischen an punkte (letztes schönes beispiel – das higgs-teilchen), wo sich die frage stellt, ob die untersuchungsanordnung das ergebnis Weiterlesen

wund-starr-krampf (08)

herr gottlieb und seine tagesthemen-kommentare

es gibt wahrscheinlich keinen kommentator, keine kommentatorin bei den tagesthemen der ard, der oder die so vorhersehbar sind, wie herr gottlieb vom bayerischen rundfunk. und es gibt wahrscheinlich keinen kommentator und keine kommentatorin, die so oft kommentieren.

generell ist die idee einer kommentar-ecke eine schöne einrichtung, denn die politischen ereignisse in geballter form einer ausführlichen nachrichtensendung bedürfen manchmal einer anmerkung. und wie es auch auf der kommentar-seite einer zeitung der fall ist, gibt es kommentare, die etwas langweilen, da sie keine klare meinung transportieren, oder es gibt kommentare, die konträr zur eigenen meinung liegen und eine reibungsfläche bieten. und natürlich, wie es auch bei kommentaren zu politischen ereignissen notwendig ist, schimmert die politische haltung der kommentierenden durch.

so weit, so gut. aber wie das mit bayern so ist, kennt man sich da. soll heißen, der bayerische rundfunk ist bekannt für seine nähe zur csu und geht gern sonderwege, wenn es sich um das einnehmen einer meinung handelt. so schaffte es der bayerische rundfunk noch in den 80er jahren sich aus dem verbundprogramm der ard auszuklinken, wenn inhalte missfielen. das ist heute nicht mehr so. und ja, auch der bayerische rundfunkt ist kritischer geworden, tritt vielfältiger und differenzierter auf.

nur herr gottlieb scheint damit noch seine schwierigkeiten zu haben. da gibt es themen, die man aus konservativer sicht kritisieren muss. doch leider nimmt die csu eine gegenteilige haltung ein. schönes beispiel dafür ist das vorgehen um den fiskalpakt und die rettungsmaßnahmen, also auch der gang zum bundesverfassungsgericht. als regierungspartei muss die csu für die eu-beschlüsse sein, doch als konservativer mensch möchte man sich der eu nicht zu sehr angliedern. da gerät herr gottlieb in die bredouille. er möchte die finanzielle unterstützung für die schlecht wirtschaftenden länder kritisieren, aber der csu nicht auf die füsse treten.

dies sind die amüsantesten kommentare der tagethemen. jedesmal sitze ich da und denke – „kriegt er die kurve noch?“. schafft es herr gottlieb wieder, die krititker zu kritisieren, um der csu mit seinem kommentar nicht zu nahe zu treten. und irgendwie schafft er es immer wieder. rhetorisch manchmal ein meisterstück, zum beispiel nur den teil der kritikerInnen herauszugreifen und zu belehren, der zwar das gleiche wie die konservative welt sagt, aber aus dem falschen politischen kontext kommt. bei herrn gottlieb wird man es nie erleben, dass die csu wirklich kritisiert wird.

aber neben dem amüsement ist es doch ärgerlich, dass die landespolitisch angebundenen kommentare so oft das angebot der ard besetzen. hier wäre mehr vielfalt wünschenswert. aber irgendwo konnte man einmal lesen, dass die restlichen sendeanstalten gar nicht so scharf darauf sind, zu kommentieren. also ich würde mich gern da hinsetzen und einen kommentar zur bayerischen gschafftelhuberei sprechen. kommentare sollen ja nicht neutral sein, sondern die persönliche meinung wiederspiegeln 😉

web 2.0 und coolness

das web 2.0 für sich ist ja schon cool. zumindest bietet es viele online-möglichkeiten, die vor ein paar jahren noch unvorstellbar gewesen wären. der kontakt, der austausch, das soziale netz – alles ist einfacher und schneller geworden. und zum digitalen austausch online gehört es eben auch, dass emotionen schwer zu vermitteln sind. schon vor etlichen jahren entwickelten user die emoticons, die zumindest ansatzweise emotionen abbilden sollten. doch schaut man sich zum beispiel 😉 , 😯 , 😦 oder 😳 an, so sind dies nicht unbedingt sehr aussagekräftige zeichen.

emotionen können im internet entweder bildlich angedeutet oder schriftlich ausformuliert werden. aber es gibt ein problem: mimik und tonfall fehlen erst einmal. es mag sein, dass liebesbriefe auch heute noch funktionieren und sehr emotional sind. aber sie sind erst einmal einseitig und meist schließen sich andere formen der kommunikation an. aber eine diskussion oder ein gespräch (chat) werden immer daran kranken, dass einem für das verständnis der anderen person bezugspunkte fehlen. schon das telefonieren ist eine einschränkung, die sich noch durch das hören des tonfalls reduzieren lässt, aber schriftlich ist die gefahr von missverständnissen eine größere.

gleichzeitig kann man aber die frage stellen, inwieweit das web 2.0 die coolness in unserer gesellschaft verstärkt. nicht ohne grund definiert sich inzwischen eine gruppe selbst als „emos“, etwas, das vor zwei jahrzehnten seltsam erschienen wäre, da sich die menschen ungern emotionale kompetenzen absprechen lassen würden. heute ist man wahrscheinlich stolz darauf, im netz auf eine strategische art und weise zu kommunizieren. emotionalität kommt am ehesten bei protest und abwertung ins spiel, positive emotionen werden ins private gerettet.

einher mit der coolen kommunikation geht das nesting im engsten vertrautenkreis, abseits des webs. hier wird all das an emotionaler kommunikation gelebt, das virtuell nicht gelebt werden kann. da gleichzeitig das arbeitsleben entgrenzt ins privatleben funkt und die kommunikationsbereitschaft rund um die uhr praktiziert wird ist auch rund um die uhr strategisches verhalten angesagt. kulturpessimistisch könnte man formulieren: je cooler und strategischer kommuniziert werden muss Weiterlesen

schreibpädagogik und coolness

gruppen verleiten manchmal zur übertriebenen selbstdarstellung. kreative gruppen fördern diesen prozess. das kann erst einmal sehr unterhaltsam sein, und es gehört zu gruppenprozessen auch dazu, aber es wird dann lästig, wenn sich die anderen gruppenmitglieder nicht zur wehr setzen oder wenn sich eine gruppe keine regeln gibt. es entwickeln sich alpha-positionen von einzelnen gruppenmitgliedern. früher wurde diese rolle meist von männern besetzt, heute kann man das nicht mehr so eindeutig sagen. die alpha rolle kann sowohl von teilnehmerInnen einer gruppe eingenommen werden als auch von der gruppenleitung.

es soll hier klar unterschieden werden zwischen der rolle der aktiven teilnahme an einem gruppengeschehen und der rolle der coolen führerschaft. bei schreibgruppen sind diese führungsrollen schwieriger einzunehmen, da durch das schreiben viel allein und eigenständig gearbeitet wird, also alle teilnehmerInnen nicht in einem ständigen kommunikativen austausch miteinander stehen. zudem gibt es meist die regel, dass alle teilnehmerInnen ihren text vortragen, was das aufbauen einer hierarchie schwerer macht.

aber natürlich kann es auch in schreibgruppen die teilnehmerInnen geben, die aus ihrer vorstellung vom schöpferischen und künstlerischen die haltung ableiten, dass ihre beiträge so einzigartige seien, dass sie viel (zeit)raum einnehmen dürfen, dass sie nur positive rückmeldungen verdienen und dass ihre wortbeiträge, zum beispiel beim feedback, die einzigen treffenden interpretationen liefern. dies kann schnell zu diskussionen führen, die die ganze gruppe beschäftigen, aber keine weiterentwicklung der schreibprozesse fördern.

die überzeugung der außergewöhnlichkeit geht nicht selten mit einer (lauten) coolness einher. beim film kann man dies zum beispiel schön am verhalten auf dem roten teppich festmachen. in schreibgruppen ist das eher an anderen punkten feststellbar. wenn jemand sich bei leserunden stetig vordrängt, wenn überbetont vorgetragen wird oder wenn stetig scherze über die beiträge Weiterlesen

mein computer und ich – eine umgangslehre (24)

netzwerk

„netzwerken“ ist der große trend. die funktionen des internets und die geschwindigkeiten der computer haben diesen trend erst möglich gemacht. unter „netzwerken“ versteht man die zugehörigkeit zu diversen sozialen zusammenschlüssen. früher war dies eher durch eine vereinsmitgliedschaft möglich, heute gehört man einem digitalen netzwerk an. dabei kann es sich um ein privates oder berufliches netzwerk handeln (teilweise finden sich die netzwerke zusätzlich in einer vereinsstruktur wieder).

das grösste und ausdifferenzierteste soziale netzwerk ist facebook. man kann die mit einem vernetzten menschen differenzieren, und ihnen ein ranking-label geben. dementsprechend erhalten sie persönliche informationen oder auch nicht. man kann sich nicht mehr unter pseudonymen verstecken, die realen namen sind gewünscht. das netzwerken ist schon lang keine spiel mehr, sondern eine ernsthaft und zeitraubende angelegenheit. und das vernetzen wird als lösung von vielen problemen oder konflikten angesehen.

erst einmal mag dies vernünftig klingen: viele augen lösen ein problem schneller als nur zwei oder vier augen. viele menschen einzubinden in eine entscheidung verhindert spätere konflikte. viele menschen zu einem thema zu verbinden kann grundlage vieler neuer ideen und kreativer erkenntnisse sein. das klingt ideal. wird die virtuelle vernetzung auch noch in das reale leben überführt, dann sei man auf dem richtigen weg.

jain. das internet bietet sicherlich die tolle möglichkeit, weltweit menschen finden zu können, die die gleichen interessen haben, wie man selbst. es ist viel leichter in fachlichen austausch zu gehen. aber auf der anderen seite hat gerade das netzwerken einen nebeneffekt: berufliches wird immer stärker mit privatem verquickt und die trennschärfe verliert sich. das netzwerken ist auch ein zeichen dafür, dass sich die klaren strukturen verlieren. doch dies sorgt im laufe der zeit für zusätzlichen zündstoff. arbeitskonflikte lassen sich viel schwerer klären, wenn privates mit ins spiel kommt. die auflösung der hierarchien wird vorgegaukelt. man kann dies feststellen, wenn letztendlich entscheidungen getroffen werden müssen. schlagartig stellen menschen fest, dass hierarchien durch das netzwerken nur virtuell eingeebnet wurden und damit nicht automatisch teilhabe entsteht.

netzwerken erhöht auch den druck auf einzelne, ihre freizeit mit dem beruflichen sozialen umfeld zu verbringen. das fängt bei gemeinsamen staffelläufen, mittagessen oder ausflügen im arbeitsumfeld an, geht weiter über klausurfahrten, einladungen und gemeinsame bonusreisen. die schwierigkeit besteht darin, dass auch in der freizeit das berufsleben nicht mehr verlassen wird. man kann sich aber in halbprivaten momenten nicht so verhalten, wie man es im privatleben tun würde. man bleibt trotz der freizeitgestaltung auf einer strategischen ebene (wohl wissend, dass es hierarchien Weiterlesen

wund-starr-krampf (07)

fussball – nachgetreten

ja, man könnte es ruhen lassen, denn es sollte nicht sein. war ja nur ein spiel und somit ist das kapitel männer-fussball-em erledigt. mir scheint aber, dass man einmal nachschauen sollte, was da eigentlich für mechanismen sowohl im vorfeld, als auch im nachhinein im spiel sind. denn die ganze kiste kommt nicht so harmlos daher, wie dann gern getan wird.

so hysterisch war es noch nie. mit ein paar jahresringen im holz erinnert man sich an die diversen meisterschaften. klar, teilweise waren die strassen leer, aber diese em hat so manchen rekord gebrochen. schon das erste spiel entmenschlichte den öffentlichen raum. das war aber kein zufall, sondern eine folge des medialen wahnsinns. tage vorher war auf allen medialen kanälen nichts anderes mehr zu vernehmen als die vorbereitung auf das spiel. da sah man es auch nicht so eng, dass konsequent für die fanmeile in berlin (eine privatwirtschaftliche angelegenheit) werbung gemacht wurde. seriöse nachrichten verkamen zu einer fussball-hofberichterstattung. der effekt: nicht verlieren können (dazu gleich mehr).

so politisch war es noch nie. nein, ich meine nicht das fernbleiben der kanzlerin und den hauch kritik an den undemokratischen verhältnissen in der ukraine. ich meine die tatsache, dass medien im schulterschluss mit den regierenden die em zu einer nicht-politischen veranstaltung erklärten und ja alles so hübsch in der ukraine war. man hätte das auch ganz anders thematisieren können, doch das war nicht erwünscht. hier ist keine trennschärfe mehr erkennbar. das ist das politische und bedenkliche (ähnliche berichterstattungen finden sich zum beispiel beim thema steigende strompreise, wenn wir die energiewende wollen).

so viele steuergelder wurden noch nie verschwendet. die preise für übertragungsrechte steigen beständig. da man sich anscheinend dem marktdenken des fussballs (der sowieso schon von der sporthilfe gefördert wird) anpasst und auch hier kein kritisches wort mehr verliert (aus der tour de france hat man sich einmal wegen kritischer momente zurückgezogen), wird inzwischen zu jeder tages- und nachtzeit zusätzlich werbung eingeblendet. doch nicht genug damit. die sendezeiten der öffentlich-rechtlichen sender werden kurzfristig geändert und spiele, die gerade gesendet wurden, gleich noch einmal ausgestrahlt. es gibt keine alternativen mehr (die privaten passten sich so weit an, dass sie eigentlich nur noch dauerwiederholungen sendeten). medial herrschte bald einen monat ein ausnahmezustand.

so schlecht wurde noch nie verloren. man muss es ja auch einmal auf den sportlichen punkt bringen. seit über 10 jahren verliert die deutsche mannschaft. doch vorher wird jedesmal propagiert, man könne jede mannschaft schlagen. und wie erbärmlich dann die folgen: niemand geht beim endspiel mehr zur fanmeile (also geht es doch um nationalismus und nicht um den schönen sport). man kann sich auch nicht für die andere mannschaft freuen. es kommt zu einer skurrilen emotionale verquickung eines sportereignisses mit offenem ausgang und nationaler gefolgschaft. ja, man stilisiert das nicht-gewinnen zu einem sommermärchen hoch, um irgendwie das gesicht zu wahren. was für altbackene rituale – wenn man schon meint, sich in wettbewerb mit anderen begeben zu müssen.

man ahnt, was in zwei jahren auf einen zukommt. nun ist man erst einmal spielverderber 😉

biografisches schreiben und engel

die überschrift mag ein wenig befremdlich für menschen klingen, die nicht an engel glauben. es handelt sich dabei auch eher um ein gedankenspiel, denn um eine glaubenseinstellung. mit engeln verbindet man gewisse eigenschaften: dass einem gutes durch sie widerfährt, dass sie hilfreich sind, dass sie einen beschützen, betreuen, hegen und pflegen, dass sie selbstlos sind und keine gegenleistung erwarten und vieles mehr.

beim biografischen schreiben kann man einmal schauen, ob es mitmenschen im laufe des eigenen lebens gibt, die diese eigenschaften widerspiegeln. oder hat man selber die rolle eines engels für andere menschen übernommen? werfen sie einen blick auf ihre sozialen interaktionen. nutzen sie das konstrukt des engels, um unterschiede zwischen den verhaltensweisen ihrer mitmenschen festzustellen und fragen sie sich, wie sie damit umgehen. gibt es zum beispiel menschen, denen sie noch einmal dafür danken möchten? gibt es menschen, von denen sie sich distanzieren möchten, da sie weder engel noch angenehmer mitmensch sind oder waren?

die vorstellung von engeln ist eine brücke, sich der beziehung zu anderen menschen ein wenig bewusster zu werden. man kann natürlich noch einen schritt weiter gehen und sich fragen, wann man in seinem leben einen schutzengel hatte. es gibt eigentlich im leben jedes menschen situationen, die auf die eine oder andere weise brenzlig waren und man das glück hatte, dass einem nichts geschah, dass alles gut ausging. wie ist man im nachhinein mit solchen Weiterlesen

selbstbefragung (167) – kunst

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „kunst“.

  • welche kunstrichtung gefällt ihnen am besten? beschreiben sie.
  • wenn sie künstlerIn wären, was würden sie dann schaffen?
  • wie viel ist ihnen kunst wert? warum?
  • wann scheint ihnen kunst leer und hohl? begründen sie.
  • wessen kunst gefällt ihnen am besten?
  • wie politisch darf kunst sein?
  • was ist für sie kitsch? beschreiben sie.
  • wer in ihrem umfeld ist lebenskünstlerIn?
  • wer definiert für sie, was kunst ist?
  • wie würde ihr künstlername lauten?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

schreibpädagogik und stärke

in schreibgruppen als leitung stärke zu zeigen, bedeutet, sich um die schreibgruppendynamik zu kümmern. denn es gibt in jeder gruppe situationen darum, wo man die waage zwischen angenehmer anleitung und autoritärem stil wahren muss. da geht es wieder um den goldenen mittelweg. es geht um die frage, wie man es sich bei konflikten oder entscheidungen manchmal durchsetzen muss, wenn man die verantwortung für die gruppe trägt.

zum einen kann es sein, dass man mit minderjährigen teilnehmerInnen in einer schreibgruppe zu tun hat und einen lehrauftrag erfüllt. dann ist man nicht nur für die vermittlung von lehre zuständig, sondern auch für die unversehrtheit der teilnehmerInnen. und kinder oder jugendliche können, auch beim schreiben, sich gegenseitig das leben schwer machen. heikel in einer schreibgruppe ist es zusätzlich, dass durch die kreativen prozesse einzelne teilnehmerInnen etwas von sich preis geben. wenn in diesem moment die rückmeldungen der anderen verletzend sind, dann trifft das doppelt hart.

aber auch bei erwachsenen schreibgruppenteilnehmerInnen kann es ähnliche situationen geben. die wahrscheinlichkeit ist etwas geringer, doch es ist nicht zu unterschätzen, in welche große konkurrenz die teilnehmerInnen miteinander treten können. in den häufigsten fällen ist dies nicht der fall, da die gruppen ein gemeinsames interesse miteinander verbindet. doch selbst in seminaren und fortbildungen gibt es situationen, in denen die teilnehmerInnen sich an der gruppenleitung abarbeiten.

gruppendynamisch ist vieles vorstellbar, in den seltensten fällen geschieht es. man sollte jedoch nicht von anfang an einen relativ autoritären stil pflegen, nur um gleich jede mögliche schwierigkeit im keim zu ersticken. zum einen funktioniert das nicht, zum anderen passt dieser leitungsstil weder zum kreativen, noch zum biografischen schreiben. stärke bedeutet im kontext der schreibpädagogik, dass in den situationen, in denen es notwendig ist, klare positionen eingenommen werden, diese Weiterlesen

ein aufruf zum urheberrecht – kommentiert

schriftstellerInnen haben in der wochenzeitung „die zeit“ den aufruf „wir sind die urheber!“ zum schutz des urheberrechts gestartet. inzwischen fanden sich viele mitunterzeichnerInnen. hier der aufruf: http://www.wir-sind-die-urheber.de/ . in diesem aufruf wenden sich die schreiben gegen diebstahl und geiz im internet – sie möchten ihr geistiges eigentum schützen. das ist ein verständliches und sinnvolle anliegen.

aber! und dies ist ein groooßes „aber“, die begründungen für den schutz des eigenen geistigen eigentums und für die einhaltung des urheberrechts sind seltsam, wenn nicht sogar abstrus. da haben wir schon seit langem eine missachtung der kultur und des geistigen eigentums vor allen dingen durch die „verwerterInnen“. nur ein paar stichworte: tantiemen, bestsellerlisten, lektorat, verträge, übertragung der verwertungsrechte, verlagsgesellschaften, bürokratie, hörbücher, e-books …

faszinierend ist, dass in diesem aufruf nicht klarer position bezogen wird. man könnte mit solch einem aufruf diverses fordern:

  • angemessene entlohnung für geleistete geistige arbeit
  • zugang zur literatur und zu büchern für alle bürger des staates (nur wer geld hat, hat bei uns auch einen wirklichen zugang zu büchern)
  • ausbau der bibliotheken
  • veröffentlichungsmöglichkeiten für nicht abgesicherte schriftstellerInnen
  • überprüfung des verkaufsrankings
  • aufhebung von knebelverträgen
  • unterstützung von autorInnenverlagen
  • eindeutige positionierung zu monopolistischen strukturen im internet und verlagswesen

aber diese kuschelprosa gegenüber den „verwerterInnen“ und dem gesellschaftssystem wird mit großer wahrscheinlichkeit genau das gegenteil vom erhofften erreichen, denn nun haben wir es schwarz auf weiss: literaten verkaufen sich auf teufel komm raus. und plagiieren kommt anscheinend in den besten familien vor. hier verrutscht ein maßstab nach dem anderen. was ist denn nun diebstahl und was nicht? die grenzen sind längst nicht mehr so klar, wie es der aufruf suggerieren möchte. und der ausschluss ganzer bevölkerungsgruppen wird in kauf genommen (nicht ein wort zu den unveröffentlichten, zum geistigen ausschluss ganzer bevölkerungsgruppen). so bleibt das „gschmäckle“, hier will jemand nur seine pfründe sichern, sich aber keine gedanken über die entwicklung der gesellschaft machen. schade!

p.s.: man muss bei uns leider inzwischen gleichzeitig betonen, dass man, wenn man obiges schreibt, nicht dem diebstahl geistigen eigentums das wort redet – auch eine folge dieses verallgemeinernden aufrufs!

web 2.0 und haltung

das web 2.0 lädt dazu ein, eine haltung einzunehmen: „gefällt mir“-buttons, bewertungssternchen oder ranglisten zu hauf. dies sind abkürzungen einer haltung, denn die eigentliche begründung fehlt bei diesen schnell-bewertungen. umstritten bleibt diese vorgehensweise, da sie zum einen inzwischen professionell genutzt wird und menschen beauftragt positive statements zu produkten abzugeben. amazon schwächt dies dadurch ab, dass rezensionen eingestellt werden können und wiederum leserInnen bewerten können, ob sie die rezensionen hilfreich fanden oder nicht.

und auf der anderen seite hängen von den bewertungen inzwischen das wohl und wehe ganzer industriezweige ab. die schnellbewertungen fördern das konkurrenzdenken und feuern manchmal gerüchteküchen an. darum gibt es auf vielen seiten eine zusätzliche komponente: die kommentarfunktion. es können gründe für bewertungen abgegeben werden. leider werden aber die kommentarfunktionen oft genug für spam oder für spass-bewertungen genutzt. darum werden alle ernsthaften seiten inzwischen moderiert und lassen sich nicht mehr auf die freie zugänglichkeit für kommentare ein.

generell lässt sich aber sagen, befördert das web 2.0 den diskurs. denn wenn menschen sich nicht in gegenseitigen abqualifizierungen erschöpfen, dann können über kommentare oder foren meinungsbildungen stattfinden. die immer noch leichte zugänglichkeit, im gegensatz zu den früher üblichen leserbriefen, erleichtert es leserInnen eine haltung einzunehmen.

befördert wird der prozess zusätzlich dadurch, dass das internet halb-anonymität zulässt. viele sehen das als problem. doch wenn man sich genau umschaut, wird man feststellen, dass im laufe der letzten jahre immer mehr menschen eine gewisse ernsthaftigkeit bei ihren stellungnahmen an den tag legen, da sie keinen sinn darin sehe, mit Weiterlesen

schreibpädagogik und haltung

schreibgruppen bieten die tolle möglichkeit, dass menschen zu bestimmten themen schriftlich eine haltung einnehmen und darüber in den diskurs einsteigen. natürlich sollte man sich als schreibgruppenleitung teilweise vorher die zustimmung der gruppe einholen, ob man nun einmal die zeit für einen intensiven diskurs nutzt. kommt die zustimmung, kann es sehr spannend werden.

das schreiben lässt diskurse schnell sehr intensiv werden, da es ein großer unterschied ist, ob ich etwas sage, oder es gleich niederschreibe. geschrieben und veröffentlicht liegt es schwarz auf weiß vor, kann verbreitet werden und immer wieder aus der schublade gezogen werden. also überlegen sich viele menschen genauer, welche haltung sie einnehmen und wie sie sie formulieren, wenn sie sie aufschreiben. dies fördert manchmal eine intensivere auseinandersetzung.

auf der anderen seite ist eine einmal schriftlich eingenommene haltung schwerer zu revidieren. persönliches umdenken wird mündlich eher verziehen als schriftlich. es genügt meist nicht, geschriebenes mündlich zu revidieren, es muss auch schriftlich noch einmal dagegen angeschrieben werden. der journalismus ist ein gutes beispiel dafür. bis eine gegendarstellung erschienen ist, hat sich manche position schon verfestigt und ist der ruf ruiniert.

auch dies kann in einer schreibgruppe vermittelt werden: schriftlich eine haltung einzunehmen – vor allen dingen, wenn sie veröffentlicht wird, sollte wohl bedacht sein. an diesem punkt wird vor allen dingen das internet oft unterschätzt. es mag schnelllebig sein, aber das digitale gedächtnis ist teils unerbittlich. dies soll aber nicht bedeuten, dass man am besten schriftlich keine haltung mehr einnimmt, da man ja umdenken könnte. denn der positive aspekt einer schriftlichen haltung besteht in der mächtigeren wirkung. nicht ohne grund werden schriftstellerInnen Weiterlesen

liste (107) – haltung

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um die „haltung“.

in diesen situation will ich unbedingt die haltung bewahren:

diese situationen machen mich immer haltlos:

das gehört für mich zu einer persönlichen haltung dazu:

die wichtigsten aspekte meiner politischen haltung:

die haltung dieser menschen bewundere ich am meisten:

schreibberatung und haltung

beratungen sind eine gratwanderung, was den austausch von persönlichem angeht. auch in der schreibberatung müssen die beraterInnen einen weg finden, nicht als abweisende, herzlose menschen zu wirken, aber gleichzeitig auch nicht zu viel persönliches einfließen zu lassen. es geht hierbei nicht darum, dass privates bei der arbeit nichts verloren hätte, sondern es geht um die spezielle situation bei beratungen.

wer schon öfter beraten hat, kennt die frage von klientInnen, wie man denn selber bestimmte probleme oder schwierigkeiten angehe. dabei möchten klientInnen einen nicht persönlich näher kennenlernen, sondern sie würden gern von „vorbildern“ lernen. man muss sich in diesem moment bewusst machen, dass jemand vor einem sitzt, der oder die sich gerade in einer situation befindet, in der sie nicht mehr weiter wissen. da kann es eine gute orientierung sein, zu schauen, wie andere menschen mit dem alltag (oder eben dem schreiben umgehen).

auch dagegen würde noch nichts sprechen, wenn menschen nicht so individuell wären. das heisst, die brauchbare handlungsmöglichkeit für den einen menschen ist noch lange nicht für den anderen menschen sinnvoll. aber die bereitschaft, dies in einer schwierigen situation zu glauben ist recht hoch. welche haltung nimmt man gegenüber zu diesem problem ein? wenn ich diese haltung auch einnehme, dann verschwinden die schwierigkeiten.

wenn man die frage nach der eigenen haltung barsch zurückweist, um das beratende setting aufrecht zu erhalten, dann mystifiziert man die problemlösungen schnell. gibt man die eigene haltung preis erhält man schnell eine vorbildrolle. darum ist es sinnvoll, bevor man eigenes vorgehen schildert, immer wieder zu betonen, dass für jede (schreib)schwierigkeit oder (schreib)krise gemeinsam spezielle lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden können.

und doch kann es manchmal hilfreich sein, von klientInnen eine vorbild-funktion zugeschrieben zu bekommen. als beraterInnen sollte man dies aber thematisieren. so kann man zum beispiel nachfragen, Weiterlesen

biografisches schreiben und haltung

was würden sie als ihre grundhaltungen in ihrem leben bezeichnen? diese frage kann zum (schreib)anlass beim biografischen schreiben genommen werden, um einmal zu schauen, mit welchen positionen man sein leben meistert. es gibt keinen menschen, der keine meinung hat. auch wenn viele auf nachfragen sagen, „ich habe dazu keine meinung.“, wissen sie doch genau, dass dies nicht stimmt.

man hat eine meinung, nimmt eine haltung ein, will sie aber nicht offen legen. das ist das schöne am biografischen schreiben: wenn man es nicht offenlegt, kann man einmal alles aufschreiben, was man anderen noch nie sagen wollte. wie sieht es also in ihrem inneren aus? wie stehen sie zu fragen der ethik und moral? welche politik finden sie gut? wen haben sie das letzte mal gewählt? bei welchen themen fällt es ihnen extrem schwer, eine klare haltung einzunehmen?

und die spannendste frage, warum behalten sie manche haltungen für sich. abseits des gedankens, man müsse ja nicht jedem menschen alles erzählen, bleibt es doch ein interessantes detail, dass man zu manchen themen auch den besten freundInnen nichts mitteilt. spüren sie einmal in sich hinein, was sie denken und fühlen zu den heiklen themen unserer welt.

wenn man sich seiner haltung schriftlich annähert, wenn man also seine vergangenheit betrachtet und sich überlegt, auf welche seite man sich geschlagen hat, bei welchem thema man nach außen trat und seine haltung mitteilte, dann offenbaren sich manchmal aspekte, die man von sich selber bis dahin nicht genau kannte. das schreiben fördert das erschließen von gründen für das eigene verhalten und die eigene haltung. man kann also ein wenig nabelschau betreiben und das unterfüttern, was das biografische schreiben ausmacht: man kann die gründe für seine eigenen handlungen klarer benennen.

das bedeutet nicht, dass man sich rechtfertigen muss, es bedeutet nur, mir werden meine handlungen noch ein wenig bewusster (aber nur, wenn mir vorher nicht so ganz klar war, weshalb ich was getan habe). daneben bekommt das schriftliche nachdenken über die eigene haltung beinahe philosophische dimensionen: der urschleim unserer sozialen aktivitäten basiert auf haltungen. und unsere haltungen entstehen aus erlebtem, also erfahrenem, aus vermitteltem, also Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und haltung

wissenschaft ist meist hierarchisch organisiert. mal ist die hierarchie flacher, mal sehr steil. titel spielen in den wissenschaftfen eine große rolle, da sie kompetenzstufen signalisieren sollen. dies verhindert so manchen kritischen diskurs und ist eng verknüpft mit den ökonomischen grundlagen der wissenschaften. eine eigene haltung in den wissenschaften einzunehmen ist meist erst nach dem erreichen bestimmter positionen machbar. vorher kann einem im wissenschaftlichen kontext schnell die existenz entzogen werden.

das ist schwarzmalerei? der wissenschaftsbetrieb ist ein durch und durch politischer betrieb. es geht in jedem forschungsbereich darum, auf welchen grundlagen und wissenschaftstheorien die gesamte forschung aufbaut. die 68er-bewegung verbreitete sich nicht ohne grund vor allen dingen an den hochschulen. doch wie kann man nun eine haltung in den wissenschaften finden?

das wissenschaftliche schreiben (oder das schreiben an sich) können dabei eine hilfe sein. zum einen entwickelt man theorien ab einem bestimmten punkt sowieso schriftlich. sie müssen ja veröffentlicht und verbreitet werden. wie weit man bei der veröffentlichung ausschließlich eigene vorstellungen einbringen kann, hängt von der position im wissenschaftlichen gefüge ab. normalerweise entwickelt man auch nicht allein ideen. es wird im team geforscht, also werden meist theorien im team entwickelt. interessant wird es erst in dem moment, in dem die meinungen auseinandergehen. dann zeigt sich, wie ausgereift die diskussionskultur im eigenen forschungsbereich ist.

davon abhängig ist auch, wie stark andere meinungen sanktioniert werden. die ökonomisierung der wissenschaften gibt schon ein ziel vor: verwertbarkeit der ergebnisse. dadurch verliert grundlagenforschung immer mehr boden. das bleibt problematisch und führt auch zu schriftlichen auseinandersetzungen in den fachwelten. man kann seine haltung, wenn man eine veröffentlichungsmöglichkeit erhält, schriftlich mitteilen. doch die zurückhaltung ist meist groß, Weiterlesen