Schlagwort-Archive: handwerk

der schreibprozess und das handwerk

schreiben ist kreativ, ist intuitiv, ist taktil und ist eine form der kommunikation. aber schreiben ist auch ein handwerk. es gibt werkzeuge, die einem das schreiben ermöglichen (stift, tastatur oder meissel). dazu gibt es eine menge techniken. abseits der hier oft benannten kreativen techniken finden sich manche grundtechniken.

da ist zum einen die sprache. die sprache bietet ein abkommen in einer gesellschaft, um miteinander kommunizieren zu können. wenn ich „haus“ schreibe, wissen die meisten grob, was ich damit meine. gut, man stellt sich jeweils ein anderes haus vor, aber es handelt sich meist um ein gebäude mit vier seiten und einem dach. die sprache wird noch unterfüttert von der rechtschreibung und der grammatik. auch dies sind gesellschaftliche abkommen, die der lesbarkeit aber auch dem verständnis geschuldet sind. diese regeln kann man beim schreibprozess streng verfolgen, um einen korrekten ausdruck zu finden. doch gerade im rahmen der kreativität bietet sich viel spielraum. denn ausdrücken muss nicht so eindeutig sein, wie es gern von den strengen wächtern der sprache vermittelt wird. sprache und kommunikation entwickeln sich in gesellschaften beständig weiter, so wie auch die techniken in anderen handwerksberufen. dabei entstehen beim schreiben und reden dialekte oder auch neue ausdrucksformen. der schreibprozess bietet die möglichkeit, mit den techniken zu spielen. doch um dies zu machen, sollte man die techniken kennen. denn spiele ohne regeln werden schnell unverständlich.

neben grammatik und rechtschreibung finden sich dann noch eine menge techniken, hinweise und tipps zum stil. was klingt für das menschliche ohr gut, was liest sich flüssig und was scheint überflüssig. das schön am lesen und im vorfeld beim schreiben ist ja, dass es lust verursachen kann. also können techniken angewendet werden, um sowohl lustvoll zu schreiben (einer der schwerpunkte hier im blog) als auch lustvoll zu lesen (wenn das handwerk verstanden wurde und das ergebnis des schreibprozesses freude bereitet).

da die geschmäcker verschieden sind lassen sich schwer allgemeingültige techniken finden. so wie der eine gern einen handgeschmiedeten gartenzaun hat, der andere aber den hölzernen jägerzaun bevorzugt, so sind auch die lesegewohnheiten und -geschmäcker der menschen sehr verschieden. Weiterlesen

Werbeanzeigen

zwei interviews zum schreibprozess

oft wird vermittelt, es gäbe beim schreiben von romanen ein paar anhaltspunkte, die, wenn sie eingehalten werden, erfolgsträchtig seien. da ist es immer wieder erfrischend, wenn sich autoren zu wort melden, die das alles ganz anders machen und trotzdem erfolg haben. denn es zeigt sich dann, dass es „das erfolgsrezept“ oder die „geniehafte vorprägung“ nicht gibt.

gerade sind in der zeitschrift „lettre international“ zwei interviews erschienen, die sich vor allen dingen um den schreibprozess und dessen hintergründe drehen. das eine interview führte heinz-norbert jocks mit paul nizon. (ein auszug des interviews kann hier nachgelesen werden:
http://www.lettre.de/aktuell/88-Nizon-Jocks.html ). nizon zeigt auf, dass ihm das schreiben auch immer dazu diente sich eine zweite welt aufzubauen, sich dem alltag zu entziehen. das andere interview führte thomas david mit philip roth. roth wiederum bedient in einem interview nicht die erwartung, man müsse eine klare struktur der geschichte planen und dann die einzelnen bausteine ausfüllen. er hat für sich den weg des sich von der eigenen schreibe überraschen lassens gewählt. und er betont vor allen dingen immer wieder, dass es sich beim schreiben auch um handwerk handelt.

beide interviews erscheinen mir deshalb so erfrischend, da sie die unberechenbarkeit von kreativität und dem schreibprozess aufzeigen. es geht wahrscheinlich immer wieder darum, sich zu trauen, einfach nur zu trauen, zum stift zu greifen und seinen ideen zu folgen (was nicht heisst, dass anschließend ausdauernd überarbeitet werden muss.). und beide interviews zeigen ebenso, dass man als schreibende(r) nicht anders kann, dass es eine form der unausweichlichkeit des schreibens gibt, die auch schmerzhaft erfahren werden kann.
eines zeigt sich aber auch: je unberechenbarer der schreibprozess ist, je weniger alles gesteuert werden, desto weniger lässt sich wahrscheinlich auch der erfolg vorhersehen. so genannter „misserfolg“ muss eventuell nicht an der qualität des geschriebenen liegen.