Schlagwort-Archive: hans günter holl

zum digitalen diskurs – ein lesetipp

wie weit beeinflussen die modernen medien, besser geschrieben, das eine medium „internet“, das viele medien in sich vereint, unser denken. der diskurs ist nicht neu, die entwicklung schreitet voran und es kann hilfreich sein, eine zwischenbilanz der erkenntnisse und veränderungen zu lesen.

sehr empfehlenswert in diesem zusammenhang erscheint mir der artikel „feindliche übernahme – die mediale wirklichkeit – zur digitalisierung der verwalteten welt“ von hans günter holl in „lettre international“ – frühjahr 2011, nr.92, s.55ff. (hier ein auszug aus dem artikel: http://www.lettre.de/aktuell/92-Holl.html )

ja, man kann der meinung sein, dass das durch den computer und das web 2.0 angebotene wissen eigentlich nur information ist und einem einzigen zweck dient, nämlich werbung zu sein. werbung für das angebotene vermittelte und gleichzeitig zusätzlich nochmals staffage für offensichtliche werbung. man kann auch der meinung sein, dass sich unser denken den vorgaben durch das medium computer anpasst. dieser diskurs ist nicht neu, aber es schadet nicht, ihn weiterhin aufzurollen.

denn es gibt heute vor allen dingen in den wissenschaften die tendenz, durch gleichrichtung und neurophysiologie unser wissen und unser lernen auf verschaltung und verwertbarkeit zu reduzieren. hier lohnt ein kritischer blick, was in diesen momenten verloren geht, wie wir distanz zum weltbezug gewinnen. dies aber nur, wenn wir diesen vorgaben und interessen folgen. interessen, die in erster linie keine menschlichen sondern kapitalistische, also ideologische und politische sind.

man kann diesem wahn von gleichschaltung der wissenschaften durch credit-points und technologie-verheissungen nur kritisch etwas entgegensetzen, wenn man die mechanismen, die dahinter stecken, versteht und eine kritische distanz dazu einnimmt. denn was den menschen auch heute noch auszeichnet, ist seine fähigkeit der reflexion kombiniert mit kreativität. und wie hier schon öfter beschrieben fließen in die kreativität immer wieder subjektive lebenserfahrungen mit ein. ganz individuelle emotionen, subjektive historizität und persönliches lernen.

die schlussfolgerungen der analyse im artikel scheinen meiner ansicht nach, den menschen zu unterschätzen. es herrscht das bild des sehr prägbaren menschen vor, der sich jedem gesellschaftlichen konstrukt ohne wenn und aber unterwirft. doch dazu gibt es zu viele kritische stimmen. aber die analyse im artikel regt definitiv zu einem spannenden diskurs an, sie ist lesenwert.

Werbeanzeigen