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was zwei sich küssende männer heute noch auslösen können – irgendwie eine nabelschau

eigentlich freut es einen kleinen blogger, wenn er mit dem magazin der süddeutschen zeitung verlinkt wird. wäre der anlass nicht so traurig. das sz-magazin brachte vor zwei wochen in seiner geschichte das erste mal ein titelbild mit zwei sich küssenden älteren männern. im heft gab es ein interview mit den beiden seit 40 jahren zusammenlebenden schwulen. anscheinend waren die reaktionen von teilen der leserschaft so intolerant, dass das magazin manche dieser äußerungen auf seiner homepage zitiert und im gleichen atemzug positive reaktionen veröffentlicht, darunter auch diesen blog.

auch wenn es nur ein paar zitierte intolerante reaktionen sind, sie zeigen, wie es auch heute noch vielen homosexuellen und vor allen dingen schwulen geht. mal wieder diese aussage, es sei „eklig“ zwei männer zu sehen, die sich küssen. psychologisch betrachtet hat „ekel“ viel mit angst zu tun, nur wovor? davor, dass sich zwei menschen lieben? sehen wir lieber bilder, wie sich zwei menschen gegenseitig umbringen, übrigens auch oft männer? erst einmal ist doch ein mensch ein mensch und nur ein mensch. und der eine ist nicht mehr oder weniger wert als der andere. ein leser bemerkt sogar noch (stolz?), dass dies seit 37 jahren sein erster leserbrief sei. was lösen nur zwei sich küssende männer für tiefgreifende reaktionen aus?

die andere, auch oft gehörte reaktion zum beispiel bei schulaufklärungsveranstaltungen, lautet: muss man das denn auch noch zeigen? es würden ja schon so viele homosexuelle gezeigt. ja, man muss es so lange zeigen bis es nichts besonderes mehr ist. denn homosexualität kommt in den besten familien vor, ist eine lebensäußerung von menschen und muss sich nicht verstecken (obwohl viele lesbische und schwulen paare dies auf der straße immer noch tun). darum ist es dem sz-magazin auch hoch anzurechnen, dass es dieses titelbild druckte. denn die reaktionen sind ähnlich, wie in den 80ern, als der film „die konsequenz“ ausgestrahlt wurde, oder als in den 90ern in der „lindenstraße“ der erste kuss zwischen zwei männern gezeigt wurde. man kann ganze bücher mit den empörten reaktionen füllen.

jetzt fehlt nur noch ein „homosexuellen“-heft, nachdem das magazin schon regelmäßig „männer“- und „frauen“-hefte veröffentlicht. doch eigentlich sind wir ja männer, also mal ein schwules männer-heft. die macher können sich sicher sein, ihre telefone werden nicht mehr stillstehen. und es werden sich hauptsächlich empörte männer melden.
zu finden sind die reaktionen zum sz-magazin hier: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/29546 und das post in diesem blog ist hier: https://schreibschrift.wordpress.com/2009/05/23/biografisches-schreiben-und-diskriminierung-2/  .

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schnickschnack (60)

letzte nacht vielen dann die entscheidungen über den „oscar„. interessant dabei erscheint die mischung aus künstlerischer bewertung und politischer haltung. hollywood war schon immer ein ort des kulturellen gegenpols zum konservativen amerika.

bei der gestrigen verleihung konnte man dies beim oscar für „sean penn“ feststellen. es geht um die homo-ehe in kalifornien. der film über „harvey milk„, den schwulen bürgerrechtler in san francisco kam zur passenden zeit in die kinos. in den usa tobt der kulturkampf um die gleichberechtigung homosexueller lebensgemeinschaften eine stufe schärfer als in deutschland. der „weltspiegel“ in der ard berichtete darüber, es kann noch einmal unter http://www.weltspiegel.de angeschaut werden.

und so wurde die verleihung an sean penn also auch zu einem statement für die homo-ehe, das sean penn bei seiner dankesrede offen aussprach. wiederum der saal honorierte diese haltung mit viel applaus. denn man achte auch darauf, welcher schauspieler in hollywood offen schwul und welche schauspielerin offen lesbisch ist, so gut wie niemand. das erstaunt ein wenig, da auch dieses arbeitsfeld nicht wenige homosexuelle bindet. denn ein coming out in der dankesrede für den „oscar“, also der gruß an den lebenspartner oder die lebenspartnerin kann die gesamte karriere kosten, auch heute noch. offene diskriminierung darf es nicht geben, aber die besetzungslisten sprechen dann häufig eine klare sprache. so war zumindest der applaus erfrischend und man kann nur hoffen, dass sich auch in hollywood noch mehr ändert. alle ergebnisse der verleihung sind zu finden unter: http://www.oscar.com .

web 2.31 – eightmaps.com

die süddeutsche zeitung machte mal wieder darauf aufmerksam, welche absurditäten das netz hervorrufen kann. vorreiter in diesem zusammenhang sind abermals die usa. als obama gewählt wurde fand nebenher in kalifornien eine abstimmung zur homoehe statt. die gegner eine verpartnerung von schwulen und lesben starteten eine kampagne, gegen die möglichkeit sich verheiraten zu können. diese kampagne mündete in eine volksabstimmung mit der nummer „8“. es fand sich eine mehrheit und ab sofort dürfen keine homoehen mehr in kalifornien geschlossen werden.

das scheint skurril ob der großen schwulen- und lesbenszene in san francisco, erklärt sich aber wieder, wenn man den großen katholischen bevölkerungsanteil betrachtet. doch wer in den usa für kampagnen spendet, dessen namen, adresse, beruf und geldsumme müssen veröffentlicht werden. so ist es ein leichtes für „eightmaps.com„, landkarten mit googlemaps zu erstellen, in denen sichtbar wird, wer wieviel gespendet hat. dies wurde mit den gegnerInnen der homoehe gemacht. unter http://www.eightmaps.com öffnet sich eine landkarte, in der kleine rote tropfen verzeichnet sind. wenn man auf sie klickt werden name, beruf und spendensumme sichtbar.

soll man dies nun gutheißen oder schrecklich finden. eine spende ist ja eine unterstützung einer bestimmten politik, also ein öffentliches statement. es kann nicht schaden, zu wissen, wer in der eigenen nachbarschaft gegen die homoehe ist. doch auch als homosexueller kann man die homoehe ablehnen. so sind die beweggründe für die gegnerschaft mit der veröffentlichung der persönlichen daten nicht einsichtig. auf der anderen seite geht es um ein so hohes gut, wie die gleichberechtigung. warum nicht die gegnerInnen beim namen nennen? doch was sind die folgen, wenn man diese datensammlung weiterdenkt? es findet kein diskurs mehr statt, sondern nur noch anprangerungen. in deutschland ist dies zum glück noch nicht denkbar, obwohl man sich bei der spendenaffäre um helmut kohl so etwas gewünscht hätte. weiß man doch bis heute noch nicht, wer die größten spender waren.

zumindest wirft die seite fragen auf, was politik im netz kann und was nicht.

ein teil der schwulen ist in der mitte der gesellschaft angekommen

das magazin der süddeutschen zeitung stellt heute die nicht ganz unberechtigte frage, wer spießiger sei, der schwule, der inzwischen gesellschaftlich integriert und gut positioniert ist oder der heterosexuelle mensch. zumindest ist seit der möglichkeit der „verpartnerung“, auch homo-ehe genannt, der trend zu verzeichnen, dass etliche homosexuelle männer sehr bemüht sind, das bessere heterosexuelle paar abzugeben. ein ganz amüsanter artikel, der zumindest eine entwicklung im „männerheft“ des sz-magazins aufs korn nimmt.
beim blick hinter die kulissen der lebenswelten homosexueller männer fällt aber auf, dass der artikel nur einen geringen teil der schwulen lebensweisen streift. nur ein kleiner teil ist in der „fragwürdigen“ mitte der gesellschaft angekommen. die krux besteht jedoch darin, dass dieser kleine teil vor allen dingen die meinungsführerschaft für die homosexuellen männer beansprucht und somit auch hauptsächlich von der gesellschaft wahrgenommen wird. außerdem ist dazu zu bemerken, dass die gesellschaft froh erscheint, endlich auf „normale“, soll heißen „spießige“ schwule zu treffen, die die grundfesten nicht so in frage stellen. so muss man sich auch nicht weiter mit anderen lebenskonzepten auseinandersetzen. zudem ist es natürlich schön, dass homos akzeptieren vor dem gesetz als nicht gleich eingestuft zu werden, auch wenn mancher protest erfolgt.
aber das recht, sein leben so einzurichten, wie man möchte, hat jeder. dafür hat man sich zur genüge eingesetzt. das eigentliche problem bleibt die verschiebung der gesellschaftlichen wahrnehmung. aber das wussten wir schon, bevor die homoehe eingeführt wurde, es war absehbar, dass der schritt vom straight-acting zum straight-wedding gehen würde. der artikel des sz-magazins ist zu finden unter:
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/26376