Schlagwort-Archive: hund

wortklauberei (78)

„lasst benni nicht im heim sterben“

ein blick zum zeitungskiosk und die fetten lettern „lasst benni nicht im heim sterben“ brettern einem vom berliner kurier herab entgegen. ja, kurz schießt einem durch den kopf, dass es eine logische folge des pflegenotstands ist, dass beinahe alle menschen früher oder später im heim oder im krankenhaus sterben. dass die wenigsten zuhause, in ihren eigenen vier wänden versorgt werden können, denn es fehlt meist das geld einen rund-um-die-uhr-pflegedienst zu bezahlen.

das sagt schon viel über die gesellschaft aus, dass sie die menschen, die ihr leben lang gearbeitet, ihren sozialen beitrag geleistet und sich um andere gesorgt haben, kinder groß gezogen haben, dass diese menschen oft in fremder umgebung mit einem minutiös festgelegten pflegeplan versorgt werden. keine zeit darf bei ihnen „verschwendet“ werden, da sonst das pflegebudget gesprengt wird. wir haben zwar eine pflegeversicherung, aber die deckt nicht mehr als eine kärgliche grundversorgung ab. und nicht jeder mensch möchte von seinen angehörigen gepflegt werden, die oft von der situation überfordert sind und im gegensatz zur großfamilie keine ablösung haben.

dies geht einem durch den kopf, wenn man über benni nachdenkt. doch dann fällt der blick auf das bild daneben und man sieht einen dieser handtaschen-fifis mit etwas schiefem blick abgebildet. dann fällt einem auch der untertitel auf. er weist darauf hin, dass der älteste hund berlins in einem tierheim lebt. und hier liegt auch der hund begraben: das sagt noch mehr über unsere gesellschaft aus. eigentlich könnte man jeden tag im kurier titeln „lasst paule nicht im heim sterben“, „lasst bine nicht im heim sterben“ und daneben einen menschen abbilden.

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schreibidee (274)

es gibt kaum einen vierbeinigen freund, der den menschen so beschäftigt, wie der hund (außer natürlich für manche die pferde, deren rücken irgendwie das glück der erde sind). aber auch bei pferden sind meist hunde ein zierendes beiwerk, wie bilder von jagdgesellschaften aus früheren zeiten zeigen. und die katze ist doch ein eher widerspenstiges wesen, wohingegen der hund regelmäßig zu lebenspartnerInnen- oder kinder-ersatz umfunktioniert wird. bei dieser großen bedeutung wird es zeit eine schreibanregung für „hunde-texte“ zu geben.

die haltung zu hunden ist zwiespältig, nicht wenige menschen fürchten sie, im gegensatz zu den hundenarren. und mancher hund wurde von ihren besitzerInnen in eine waffe verwandelt. darum soll zum einstieg, das persönliche verhältnis zum hund von den schreibgruppenteilnehmerInnen geklärt werden. alle schreiben einen zweiseitigen brief an einen hund mit der anrede „hallo hund, was ich dir immer schon einmal schreiben wollte …“. die briefe werden in der schreibgruppe vorgetragen.

im anschluss werden auszüge aus „die aufzeichnungen des pudels ali“ (autor wolfdietrich schnurre) von der schreibgruppenleitung vorgetragen und als kopie verteilt. nun sind alle teilnehmerInnen aufgefordert, die aufzeichnungen ein wenig fortzuführen. wie sieht die welt und das zusammenleben mit den menschen, aus der sicht eines hundes aus? manche hundebesitzer schwören ja darauf, dass ihr vierbeiner sie versteht. ist das wirklich so? auch diese texte werden anschließend in der gruppe vorgetragen und es gibt eine feedbackrunde, die raum für eine diskussion über das wesen der hunde gibt.

zum abschluss ist noch eine hundegeschichte zu schreiben. einzige vorgabe für diese geschichte ist es, dass ein hund der hauptprotagonist ist. wie das umgesetzt wird, bleibt den schreibgruppenteilnehmerInnen überlassen. der hund muss nicht positiv oder vermenschlicht dargestellt werden, er soll nur eine rolle spielen. die geschichten werden vorgelesen und es findet eine feedbackrunde statt.

nabelschau (45)

hundekekse selber backen. mal wieder am buchladen vorbeigekommen. es lohnt sich immer ein kurzer blick auf die grabbeltische, manchmal sind ganz interessante sachen dabei. außerdem könnte man für die einladung noch ein kleines schnäppchen finden, so zum mitbringen. ach schau, da die kochbücher. die werden heutzutage auch hochglanz-billig-verscherbelt. eine ganze ladeninsel voller preiswerter kochbücher. und mittendrin „hund-kekse selber backen“ mit ausstechförmchen.

die förmchen in possierlicher knochenform und verschiedenen knochengrößen. hier zeigt sich wieder, dass das haustier immer mehr zu einem echten familienmitglied wird. morgens noch den apfelkuchen gebacken und am nachmittag schon die hundekekse. den vierbeiner freut es. die backrezepte unterscheiden sich wahrscheinlich ein wenig. aber seitdem katzenfutter portioniert mit einem sträusschen petersilie serviert wird (laut werbung) und der kratzbaum das wohnzimmer vollständig ausfüllt, seitdem bekommen hunde eigene betten, kleine jäckchen um und inzwischen eben auch selbstgebackene kekse.

da ist es nur logisch, dass das backbuch unter den kochbüchern für unseren zweibeinigen freund, dem menschen, zu finden ist. demnächst dann „leberterrinen für kleine hunde“ oder „fischpastete für unseren haustiger“. ja, es gibt ja jetzt auch das gebissreinigende kauprodukt gegen zahnstein beim hund. früher bekam er einfach einen fetten knochen. neben den modedesigner-halsbändern für vier- und zweibeiner entsteht neben dem partnerInnen-look auch noch eine mahlzeiten-allianz.

irgendwann werden sich die tiere mit an den tisch setzen, an der konversation teilnehmen und eigene geburtstags- und weihnachtsfeiern bekommen sie sowieso schon ausgerichtet. wer in diesem moment an dekadenz denkt, sollte sich was schämen. es ist ja ein „haus“tier und lebensgefährte.

wortklauberei (26)

„cesar – zeig deine liebe“

manche entwicklungen lassen einen verzweifeln, da man sie nicht versteht, jedenfalls ich nicht. deshalb fange ich vielleicht einmal bei einer kurzen und knappen aussage an: ein tier ist ein tier und ein mensch ist ein mensch! was den menschen zum menschen macht, ist auch seine fähigkeit „liebe“ objekten gegenüber zu entwickeln und somit auch anderen lebewesen. eine schwierigkeit dabei bleibt aber weiterhin, dass die objekte die liebe nicht erwidern können.

hunde stellen da für viele menschen eine ausnahme dar. dies beruht aber nur auf einem irrtum des menschen. der hund ist ein rudeltier. und als rudeltier legt er bestimmte unterwürfige und reaktive verhaltensweisen an den tag. einem hund kann man ansehen, wenn er ein anderes rudeltier begrüßt, ein hund akzeptiert meist den menschen als alphatier. dies verführt viele dazu, hunde zu vermenschlichen.

und hier dockt die werbung für hundefutter an, vor allen dingen die von „cesar„. da fallen dann in der tv-werbung solche sätze, wie „es ist ein zeichen seiner liebe„, nur weil fifi auf frauchen zuläuft. dass fifi genauso freudig auf ein stück wurst zulaufen würde, zeigt die werbung natürlich nicht. und auf frauchen läuft er natürlich auch nur so zu, da sie im rudel die höhere position einnimmt. aber nein, das ist viel zu abgeklärt, es ist „liebe“. was macht da frauchen, sie erwidert dieses sehr menschliche gefühl des vierbeiners. sie greift zum goldenen döschen mit einer gelierten mahlzeit für den vierbeinigen freund. „zeige deine liebe„.

hilfe! das könnte auch werbung für „fleurop“ oder einen juwelier sein. wundert sich da noch jemand, dass so viele beziehungen in die brüche gehen? liebe beruht also darauf, dass männchen schwanzwedelnd ankommen und dann ein näpfchen mit nahrung vorgesetzt bekommen. man kann dies nun so oder so lesen. es ist doch nur ein hund!?! 😆