Schlagwort-Archive: hunger

schreibidee (284)

es gibt lebenssituationen, in die kann man sich heute schwer versetzen und doch machen sie das leben auf der welt aus. sie sollten sich ebenso in geschichten wiederfinden, wie alle anderen lebeneindrücke auch. so hungern beständig millionen mensch auf der welt, die es nicht schaffen an genug nahrung zu gelangen. wer großeltern oder eltern hat, die noch den letzten weltkrieg miterlebten, kann sie ja mal fragen, ob sie auch hungern mussten. heutzutage versucht man teilweise zu helfen, darum einmal eine schreibanregung zu „humanitäre-hilfe-geschichten„.

in notsituationen kann der mensch sehr gut unterscheiden zwischen den vordringlichen notwendigkeiten und dem schnickschnack, über den man sich sonst so gedanken macht. darum werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert zwei kleine listen zu erstellen. in der einen sollten wirkliche notsituationen notiert werden, in die andere liste gehören die dinge, über die man sich zur zeit viele gedanken macht, die aber in notsituationen plötzlich überflüssig erscheinen. anschließen soll ein kurzer text unter dem titel „was der hunger (oder eine andere katastrophe) mich vergessen ließ“. der text wird nich vorgelesen.

im nächsten schritt werden die notierten notsituationen in der gruppe gesammelt und die teilnehmerInnen aufgefordert, sich eine situation auszusuchen. nun kommt der schwierigste moment: man hat solch eine situation mit großer wahrscheinlichkeit noch nie erlebt. trotzdem soll man sich in die situation versetzen. es sollen die gedanken für die gewählte notsituation notiert werden. was könnte einem in diesen momenten durch den kopf gehen? die gedankenprotokolle werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und eine feedbackrunde findet statt. in der runde wird auch diskutiert, wie realistisch einem das erscheint.

nun kommt ein weiterer schwieriger schritt, der nicht allen schreibenden leichtfällt. man stelle sich vor, wie man sich verhalten würde, wenn man helfen könnte. wie wird man mit den eindrücken, die einem begegnen fertig? was kann man tun? dies soll in eine längere geschichte gefasst werden. es geht nicht darum einen bericht der „humanitären hilfe“ zu verfassen. es geht darum eventuell einen dramatischen moment ausschnitthaft zu schildern oder die ohnmacht, die welt nicht allein retten zu können. diese geschichten werden anschließend vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

nach all diesen katastrophenszenarien sollte der ohnmächtigen stimmung in der schreibgruppe etwas zum abschluss entgegengesetzt werden. alle erstellen eine ausführlichere liste, was notwendig wäre, die welt ein stück besser zu machen. diese liste sollte 10 punkte umfassen und jeder punkt ein wenig erklärt werden. in die liste darf jede moral und helferromantik gepackt werden, die einen bei den vorherigen geschichten erfasste. die listen werden kurz vorgetragen.

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biografisches schreiben und essen

essen beschäftigt uns in zweierlei hinsicht. zum einen dient es dazu, unsere grundversorgung aufrecht zu erhalten, zum anderen ist essen ausdruck des genusses, unserer vorlieben oder auch unserer psychischen probleme. am essen entzünden sich viele aktuelle lebensgefühle.

so kann die betrachtung des eigenen essverhaltens beim biografischen schreiben einen einblick in die eigene seelenlandschaft geben. am eindrücklichsten in diesem zusammenhang sind natürlich die essstörungen. sie drücken etwas aus, das einem selber in diesem moment oft gar nicht bewusst ist. wer zum beispiel im laufe seiner lebensgeschichte einmal an einer essstörung gelitten hat, kann sich noch sehr genau an diese zeit erinnern, weiß, wie er sie überwunden hat und hat sich in dieser zeit sicherlich intensiv mit sich selber auseinandergesetzt.

oder erinnern sie sich an die fresswelle in den 50er jahren, die gesellschaftliche bewegung als ausdruck der überwundenen hungerzeiten? dann das aufkommen von „exotischen“ gerichten wie spaghetti oder toast hawaii. und heute an den überbordenden luxus einer extremen auswahl an lebensmitteln, die schon dekadente züge annimmt. dazwischen noch die fastfood-ernährung, die manche von uns vor allen dingen in den jungen jahren zelebrierten.

werfen sie doch einfach mal einen blick auf den speiseplan ihres lebens Weiterlesen

schreibidee (133)

täglich sterben menschen auf der welt am hunger, soll heißen, sie haben über längere zeit nicht genug zu essen, um am leben zu bleiben. das nimmt die welt so hin. beim einkauf im discounter mit den übervollen regalen geht den wenigsten durch den kopf, dass andere vor keinem regal stehen, noch nicht einmal ein schälchen reis zum essen haben. deshalb widmet sich die schreibanregung dieses mal den krassen lebensumständen: es sollen „geschichten der armut“ geschrieben werden.

dazu wird zu beginn der schreibgruppe ein gedankenspiel durchgespielt. was würde man tun, wenn man den job und das regelmäßige einkommen verlieren würde? dazu wird kurz eine seite lang geschrieben. nun wird gedanklich ein schritt weiter gegangen: was würde man tun, wenn man keine wohnung mehr hätte? was würde man tun, wenn die infrastruktur des landes zusammenbricht und was würde man tun, wenn einem täglich wasser und nahrung fehlen? zu all diesen gedanken ist jeweils eine seite zu schreiben.

die vier einseitigen texte lesen sich die teilnehmerInnen der schreibgruppe noch einmal für sich in ruhe durch und sollten dann eine geschichte verfassen, die von menschen handelt, denen das grundsätzlichste zum leben fehlt. wie diese thematik in die geschichte einfließt, bleibt den teilnehmerInnen überlassen. anschließend werden die geschichten vorgelesen.

sollte noch zeit vorhanden sein, dann kann eine zweite geschichte verfasst werden, die lösungsansätze anbietet, um allen menschen das überleben zu sichern. es geht nicht darum politische lösungen zu formulieren (sie können aber in die geschichte einfließen), sondern darum eine kreative form für die thematik zu finden. die geschichten werden anschließend in der gruppe vorgelesen.

biografisches schreiben und essen

der zusammenhang zwischen der eigenen lebensgeschichte und der ernährung erscheint erst einmal seltsam. was haben die eigenen speise-vorlieben in einer biografie zu suchen?

sie bilden zum einen die eigenen möglichkeiten der versorgung ab. beinahe alle menschen, die kriegszeiten miterlebt haben, erzählen im nachhinein geschichten, welche anstrengungen zur eigenen versorgung, vor allen dingen nach dem krieg, unternommen werden mussten, um sich ernähren zu können. plötzlich tritt ein vitales bedürfnis in den vordergrund, das in unseren gesellschaften als gesichert gilt. ebenso geht es menschen, die von hartz vier oder anderen staatlichen unterstützungen leben müssen. am ende des monats fehlt das geld für eine angemessene ernährung. der mangel wird bestimmend für das eigene leben.

ebenso kann der überfluss eine immer größere rolle spielen, wenn sich in bestimmten gesellschaftlichen kreisen, die freizeit nur noch um die gestaltung der angemessenen einladung mit auf hohem niveau selbstgekochtem dreht und die abendunterhaltung sich vor allen dingen um die bezugsquellen bestimmter zutaten dreht. aber auch von bekannten persönlichkeiten interessieren die gerichte, die sie gern gegessen haben. so wissen wir von helmut kohls saumagen von gerhard schröders currywurst und in berlin wird im brechtkeller gekocht, was helene weigel auf den tisch brachte.

das essen ist meist ein abbild unserer lebenssituation und nicht zu unterschätzen beim blick auf unsere eigene lebensgeschichte. meist stellt es nur eine zierde des verfassten dar, rundet aber das bild der lebensumstände ab. außerdem spielt es eine wesentliche rolle beim aufbau sozialer kontakte, die sich im laufe des eigenen lebens ergeben. da kann es hilfreich sein, zu notieren, welches gericht das liebste war, wozu gäste eingeladen wurden oder wie traditionell weihnachten in der familie verbracht wurde. oder man notiert abseits der biografie noch in ein büchlein die rezepte, die in der familie weitergegeben wurden. denn etliches der überlieferten zubereitungen findet sich in keinem kochbuch.