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schreibberatung und klischee

beratung bietet sich für die verwendung von klischees an. wer schon länger in beratungszusammenhängen arbeitet, bekommt teilweise ein gespür dafür, welche problemlage bei bestimmten berichten oder äußerungen vorliegen könnte. viele ausbildungen zu beraterInnen arbeiten mit den vorstellungen von verallgemeinerbaren sachlagen und den dazugehörigen lösungsmöglichkeiten. das startet schon bei behörden, die beratungen anbieten und endet in der psychologischen beratung. dies wird, wie wir es wahrscheinlich alle aus beratungssituationen kennen, den subjektiven anliegen oft nicht gerecht.

das grundproblem liegt in einem reduzierten menschenbild, das teilweise auf ein reiz-reaktions-schema zurückzuführen ist. alle beraterInnen machen im laufe der zeit die erfahrung, dass kein beratungsfall mit einem anderen vergleichbar ist. nur leider fehlt oft eine angemessene theorie im hintergrund. aus der kritischen psychologie kommend, erscheint es mir wichtig, dass ein subjektorientierter blickwinkel eingenommen wird. als beraterIn bin ich gefordert, die anliegen der klientInnen in ihrer persönlichen dimension ernst zu nehmen. das bedeutet, das ein stressor für die eine person gut zu verarbeiten ist und für die andere person sofort sehr bedrohliche ausmaße annehmen kann. ich kann dies nicht von außen feststellen oder festlegen, sondern nur durch nachfragen ein bild von der situation bekommen.

wenn ich diese vorgehensweise ernst nehme und ebenso die klientInnen in ihren aussagen ernst nehme, dann kann ich überhaupt nicht mehr mit verallgemeinerungen arbeiten. ich kann zwar formulieren: „vielen menschen an dieser problemsituation geholfen, dass sie …“, aber ich muss im gleichen atemzug die frage nachschieben: „scheint ihnen diese vorgehensweise oder handlungsmöglichkeit umsetzbar? und wenn die klientInnen zu erkennen geben, dass dem nicht der fall ist, dann sollte ich gemeinsam nach weiteren, anderen handlungsmöglichkeiten suchen.

das einzige verallgemeinerbare in solch einem beratungskontext, ist mein pool an schon vorhandenen lösungsvorschlägen, den ich mir im laufe der zeit angeeignet habe. doch die emotionalen dimensionen für die einzelne person, die mir gegenübersitzt, kann ich nicht abschätzen. so lösen sich sehr schnell alle klischees in luft auf. ich kann in der schreibberatung nicht im vorfeld formulieren, dass zum beispiel doktorandInnen diese und jene schreibkrisen haben, schülerInnen wiederum andere benennbare und studierende noch einmal unterschiedliche, aber „übliche“. die heikelste situation, die in einer (schreib)beratung entstehen kann, ist, dass die klientInnen sich in ihren anliegen nicht ernst genommen fühlen. dies geschieht leicht, wenn ich sie ständig in vergleich setze zu „diagnostischen“ kriterien, die mir einmal vermittelt wurden.

diagnostik kann für mich in schreibberatungen nur eine orientierungslinie sein, die ich jederzeit verwerfen kann. mir sollte bewusst sein, dass ich meine bisherigen erfahrungen zwar einbringen, aber sie auch jederzeit Weiterlesen

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schreibpädagogik und arbeit

schreibpädagogik ist nichts anderes, als der versuch, menschen über die verschiedensten wege zum schreibprozess anzuleiten. am umfassendsten kann man dies in einer schreibgruppen-arbeit verwirklichen. dabei wird man als schreibpädagoge zur anleitenden person der gruppe. und dies bedeutet, sich gedanken über die anleitung einer schreibgruppe machen zu müssen. denn auch in diesem arbeitsfeld gibt es sehr verschiedene vorstellungen von der praktischen umsetzung.

generell, wie bei allen anderen (lern)gruppen, kann man eine grobe vorplanung vornehmen, aber nie abschätzen, wie die einzelne gruppe sich zu den vorschlägen verhält. nun gibt es zwei möglichkeiten: stringent die eigenen vorgaben zu verfolgen und durchzusetzen (zum beispiel, wenn es sich um die umsetzung von lehrplänen handelt) oder dem eigentlichen gruppenprozess mehr gewicht zu geben und auf jede gruppe zugeschnitten das angebot zu verändern (mit der folge, dass die lernergebnisse einer gruppe sehr verschieden ausfallen).

um es einmal platt zu formulieren: die stringenz kostet weniger planungsaufwand dafür aber mehr durchsetzungsaufwand. die ausrichtung auf die gruppe kostet dafür mehr planungsaufwand, dafür ermöglicht sie aber individuelles lernen, das für die anleitung weniger energie benötigt. insgesamt benötigen aber beide vorgehensweisen die aktive auseinandersetzung mit den teilnehmenden durch die schreibpädagogInnen. dies ist arbeit. die wertigkeit sozialer und pädagogischer berufe ist in unserer gesellschaft nicht sehr hoch angesiedelt. es wird davon ausgegangen, dass kommunikation zwischen menschen keinen sehr hohen aufwand bedeutet.

die wissenschaft spricht da eine andere sprache. nimmt man einmal den dienstleistungssektor, dann hat man inzwischen festgestellt, dass ständige freundlichkeit und das eingehen auf die bedürfnisse der anderen, ungemein stresst. grund dafür ist, dass die eigenen emotionen in schach gehalten werden müssen, da sonst die gefahr, einen kunden zu verlieren, groß ist. auch die pädagogischen tätigkeiten verlangen Weiterlesen

web 2.0 und verwandlung

das web 2.0 verwandelt sich sowohl stetig selbst als auch die nutzerInnen, die wiederum einfluss auf veränderungen des web 2.0 haben. es ist wie wellenreiten, stetig tauchen neue angebote des web 2.0 auf: zur zeit ist es pinterest und vor einer weile war es google+, um nur etwas größere und von den usern angenommene angebote zu nennen. die einen user geben dafür andere angebote des web 2.0 auf, um der neuesten welle zu folgen. andere nehmen die neue welle zusätzlich in ihre sammlung an internet-angeboten, an denen sie teilnehmen, auf.

der effekt der verwandlung: die vielfalt der angebote kann zu einem tag-und-nacht-job werden. zum einen muss man ständig mitbekommen, was gerade angesagt ist und angeboten wird. zum anderen muss man diese angebote auch mit eigenem füllen, wenn man wahrgenommen werden will. und hier verwandelt das web 2.0 uns menschen. bei der teilhabe am interaktiven web sollten wir auch inhalte produzieren. und so produzieren wir stetig neue inhalte, die in immer mehr foren und an immer mehr orten ihren platz finden.

da wir aber weder über unerschöpfliche zeitkapazitäten noch über unendliche ideenressourcen verfügen, nimmt der emotionale druck auf den einzelnen menschen stetig zu. auch die zahl der internetuser und deren zeitkontingente wächst nicht mehr im gleichen ausmaß, wie noch vor ein paar jahren. es ist also in zeiten des follower-zählens und der content-vervielfältigung nicht mehr mit weiterem stetem wachstum zu rechnen. sondern es ist nur mit wanderbewegungen und einer enormen ausdifferenzierung zu rechnen. die entropie des netzes nimmt zu.

wie es sich schon in anderen lebensbereichen abzeichnet, werden viele menschen irgendwann des emotionalen und sozialen drucks eines web 2.0 überdrüssig werden und die distanz oder abstinenz propagieren. so wie es teilweise mit dem medium fernsehen geschah, das menschen aus ihrem haushalt verbannten, so werden einige dem web 2.0 abschwören. doch dieser prozess ist viel schwerer umzusetzen, da uns gleichzeitig das öffentlliche leben und Weiterlesen

web 2.0 und medien

das web 2.0 ist irgendwie ein medium für sich, das wiederum auf alle möglichen medien zurückgreift, sie verknüpft, neu arrangiert und ganze netze durch mediale welten spannt. es entstehen im web 2.0 gebilde, die keiner katalogisierten bibliothek oder einem filmarchiv entsprechen. es sind verwebungen, die lebendiger und interdisziplinärer erscheinen. dabei entstehen zusätzlich verknüpfungen mit subjektiven ausdrücken, bewertungen und emotionalen darstellungen.

neben der bedrohlichen sehr persönlichen datensammlung entsteht noch etwas ganz anderes: das web 2.0 erhält durch seine „leichte“ bedienung und die medienfülle eine dermaßen große vielfalt, wie sie für menschen vor einem jahrzehnt nicht vorstellbar schien. am spannendsten scheint mir dabei, dass auch eine geringe leserInnenzahl nicht verhindert, dass grandiose einzelne auftritte überall im web 2.0 glänzen. menschen drücken sich in einer vielfalt aus, die ihrer vielschichtigkeit gerechter wird, als alles zuvor dagewesene.

man schaue sich an, dass neben dem ganzen marktgeheul im netz, viel persönliche energie und kompetenz in ein stetig wachsendes gewebe eingespeist wird. es bestätigt die vorstellung, dass der mensch viel kreativer und schillernder ist, als ihm oft eingeredet wird. wäre da nicht eine teilweise enervierende urheberrechtsdebatte, die manches engagement schon wieder im keim erstickt, dann könnten sich noch mehr ausdrucksformen im web 2.0 finden (ich meine hier nicht die kriminellen download-seiten).

das web-2.0-bashing ist zwar weiterhin in mode, doch viele lassen sich dadurch nicht beirren und folgen einfach ihren interessen. so lang sich niemand gezwungen fühlt im sozialen netzwerk agieren zu müssen, kann das web 2.0 einen produktiven austausch befördern, der sich abseits der gewohnten kunst-, kultur- und medienpfade bewegt. dass daraus dann immer wieder neue pfade entstehen können, die im laufe der zeit Weiterlesen

schreibidee (336)

was ist die midlife-krise anderes, als das gewahr werden, dass man die eigentlichen ziele und seine ganz persönlichen lustfaktoren aus den augen verloren hat. das ruder soll herumgerissen werden, denn man wird älter und vieles blieb bis dahin unerfüllt. wahrscheinlich tun die hormone ihr übriges, dass man glaubt, dieses gefühl könne nicht auch schon mit zwanzig oder noch mit achtzig jahren aufkommen. man kann immer wieder den blick auf die eigene „lebensliste“ werfen. darum dieses mal eine schreibanregung zu „lebenslisten-texten“.

als einstieg können diverse selbstbefragungs-, assoziations- oder listenübungen angeboten werden. ziel aller übungen ist es, dass die schreibgruppenteilnehmerInnen am schluss eine ganz individuelle liste vor sich liegen haben, auf der die zehn punkte vermerkt sind, die sie in ihrem leben noch machen wollen oder die für sie in zukunft am wesentlichsten sind. diese listen werden nicht vorgestellt aber in eine reihenfolge gebracht: oben steht der allerwichtigste gedanken und bei den folgenden nimmt der grad der notwendigkeit ab.

nun werden zu jedem punkt auf der liste von den schreibenden begründungen von maximal 10 zeilen länge notiert. auch diese persönlichen gedanken werden nicht veröffentlicht. sind die begründungen geschrieben (vielleicht jeweils auf eine karteikarte), kann die liste noch einmal überblickt und eventuell spontan umgestellt werden. dann wird zum spitzenreiter der liste eine handlungsanweisung geschrieben. was muss getan werden, damit dieser wesentliche aspekt im eigenen leben umgesetzt wird? die handlungsanweisung sollte nicht länger als eine seite sein. zuhause können auch zu den anderen punkten handlungsanweisungen notiert werden.

aber in der schreibgruppe wird nun eine geschichte zum obersten listenplatz geschrieben. diese kann nur das eigen lebensthema aufgreifen, sie kann aber auch biografische züge tragen, das ist den schreibgruppenteilnehmerInnen überlassen. sie sollten aber darauf hingewiesen werden, dass der text später in der gruppe vorgelesen werden soll. wenn notwendig kann vorher ein cluster zum thema erstellt werden. anschließend werden die geschichten in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde mit keiner speziellen fragestellung statt.

zum abschluss der schreibgruppe wird von allen teilnehmerInnen noch eine liste mit den zehn momentan überflüssigsten und am meisten energie raubenden aspekten ihres lebens notiert. auch hier kann der vorschlag gemacht werden, doch für jeden aspekt zuhause eine handlungsanweisung zu schreiben, wie man ihn aus seinem leben verbannen kann.

alle schreibideen aus diesem blog finden sich gebündelt hier: http://schreibideen.schreibboutique.de .

schreibpädagogik und privat

schreibgruppen sind halböffentliche veranstaltungen. je nach thema oder ausrichtung des angebots spielt privates eine größere oder kleinere rolle. doch selbst wenn privates eine kleine rolle spielt, sollten schreibgruppen immer einen gewissen schutzraum bieten. einen schutzraum zum schreiben und zum veröffentlichen in kleiner gruppe. auch wenn jemand sonst nicht mit seinen texten an die öffentlichkeit gehen möchte, in der schreibgruppe ist es ihm oder ihr vielleicht möglich.

dabei muss gewährleistet werden, dass das vorgetragene in der gruppe bleibt, also nicht von anderen teilnehmerInnen in die öffentlichkeit getragen wird. auch hier spielt es keine rolle, ob es sich um kreatives oder biografisches schreiben handelt. wie schon oft erwähnt, fließen auch in kreative texte und geschichten persönliche anteile ein. darum müssen zu beginn einer gruppe die regeln für den umgang mit privatem festgelegt werden. dem sollten alle teilnehmerInnen zustimmen. denn es geht hier nicht nur um so etwas, wie das copyright, es geht auch um das aufrecht erhalten einer privatsphäre.

das mag nun manchem zu weit gehen, zu vorsichtig im umgang miteinander sein, handelt es sich ja schließlich um keine therapeutische gruppe. aber um frei schreiben zu können, benötigt jeder mensch die sicherheit, dass er auch selbst bestimmen kann, wie weit das geschriebene veröffentlicht werden soll. es ist immer möglich seine geschichten und texte überhaupt nicht vorzutragen. aber gleichzeitig gibt es meist einen bedarf an rückmeldungen, um sich im schreiben überhaupt weiterentwickeln zu können. das feedback ist einer der großen vorteile von schreibgruppen. und wenn man eine gruppe leitet, kann man meist feststellen, dass sich die teilnehmerInnen immer stärker mit ihrem geschriebenen hervorwagen.

„so weit aber nicht weiter“, ist von vielen die grundeinstellung. oft bekommen noch nicht einmal die lebenspartnerInnen die texte zu gesicht, aber die schreibgruppe. darum erscheint es mir so wichtig, dass die privatsphäre geschützt bleibt. hundertprozentig kontrollieren kann man Weiterlesen

mein computer und ich – eine umgangslehre (02)

werkzeug

der computer ist wie ein schweizer taschenmesser: eigentlich gibt es für beinahe jede lebenslage ein kleines werkzeug, eine kleine app oder ein kleines programm. im vordergrund stehen die allumfassenden werkzeuge wie schreibprogramme („das messer“) oder tabellenkalkulationsprogramme („die schere“) … und noch manche andere „größere“ erweiterung.

ich als nutzer kann nun wählen, wozu ich den computer verwenden möchte. im gegensatz zum schweizer taschenmesser, kann ich etliche werkzeuge gleichzeitig verwenden, sie miteinander verbinden und einige handhabungen automatisieren. aber in letzter konsequenz bestimme immer ich, wofür ich welches werkzeug verwende.

der große unterschied zum schweizer taschenmesser besteht in der grundausstattung. das schweizer taschenmesser ist ein hilfswerkzeug. das bedeutet, es hat zwar ein messer, doch ein relativ kleines. so werde ich das taschenmesser eher selten zum schlachten oder kuchen schneiden verwenden, dafür gibt es andere werkzeuge, die größer sind. beim computer können die programme manchmal noch so klein sein, und doch können sie beinahe ganze berufszweige ersetzen. schaue man sich nur manche (kleinen) bildbearbeitungsprogramme an. im zusammenspiel mit einem drucker, kann man sein eigenes fotoentwicklungslabor aufbauen. mit der schere im schweizer taschenmesser kann ich aber keine schneiderei ersetzen.

somit erhält der computer als werkzeug eine dimension, die sonst kaum eine maschine in dieser vielfalt vereinen kann. die passenden peripheriegeräte und man hat ein fotostudio, ein grafikdesignbüro, ein schreibbüro, ein filmstudio, ein musikstudio, eine buchhaltung und eine bibliothek. nimmt man noch das internet dazu, erweitert sich das werkzeug zu einem nachrichtenstudio, einem buchverlag, einem vertrieb, einem einzelhandel und einem bankhaus.

das hat aber zur folge: je komplexer die werkzeuge werden, desto individueller werden sie eingesetzt. das schweizer taschenmesser ist zwar vielfältig, aber nicht sehr komplex. natürlich kann man mit einem taschenmesser auch eine schraube rausdrehen, aber ein schraubenzieher macht es meist einfacher. dagegen kann ein hochkomplexes bildbearbeitungsprogemm neben der entwicklung des bildes, der bearbeitung, Weiterlesen

schreibberatung und vielfalt

aus langjähriger erfahrung als berater im psychosozialen bereich ergibt sich eine erkenntnis: jede beratung ist anders. es mag ähnliche fragestellungen und probleme geben, aber die beratungen sind nie identisch. es lohnt ein subjektwissenschaftlicher blick. da jeder mensch eigene lebens- und lernerfahrungen hat, hängen auch bei jedem menschen probleme und schwierigkeiten mit sehr unterschiedlichen erfahrungen zusammen. darum ergeben sich bei der suche nach lösungsmöglichkeiten unterschiedliche ansätze.

wenn man davon ausgehen kann, dass jede beratung anders ist, dann sind auch die in der beratung vorgeschlagenen schreibanregungen oder schreibtechniken unterschiedlich zusammengesetzt und auf die fragestellung abzustimmen. die beraterInnen sollten deshalb eine große vielfalt an lösungsmöglichkeiten parat haben. es geht nicht darum, diese den klientInnen zu „verschreiben“, sondern mit ihnen gemeinsam nach den handlungsalternativen zu suchen. es ist aber nützlich viele schreibtechniken und schreibanregungen zu kennen oder im gespräch entwickeln zu können.

wenn dies möglich ist, dann sind schreibberatungen sehr anregende und auch wiederum vielfältige erfahrungen für beraterInnen. professionalität entsteht auch dadurch, dass man im laufe der zeit immer mehr beratungserfahrung sammelt. leider ist dies ab und zu damit gekoppelt, dass beraterInnen in ihren vorstellungen über die klienten und deren probleme verallgemeinern. es ist wichtig, den blick auf die subjektivität der klientInnen nicht Weiterlesen

„verführung mit worten“ von karen christine angermayer – ein buchtipp

schreiben kann sexy sein, texte und geschichten können verführen, so die grundhaltung der autorin karen christine angermayer in ihrem buch. sie bietet in „verführung mit worten„, „33 quickies für erfolgreiche texte„. die quickies sind übungen und aufgaben, die an das eigene schreiben heranführen. hauptziel der übungen ist es, ein gefühl dafür zu bekommen, welches schreiben einem selber entspricht. was möchte man wirklich sagen, was möchte man ausdrücken, wo fühlt man sich wohl in seinen eigenen texten?

dabei versammelt angermayer bekanntes und eigenes zu schreibanregungen und -ideen, die zeitlich schnell umzusetzen sind, die erst einmal wenig aufwand benötigen. ziel ist aber schon eine regelmäßige anwendung der vorschläge, um die form des eigenen schreibens zu verändern, sich selber näher zu kommen. dies bedeutet auf der einen seite erst einmal zwar einen größeren zeitaufwand, hat aber auf der anderen seite mit großer wahrscheinlichkeit den effekt sexy texte zu schreiben, leserInnen besser zu erreichen. an dieser vorstellung ist auf alle fälle etwas dran.

und doch fand ich das buch etwas zwiespältig. um an die einzelnen schreibtechniken, übungen und ideen heranzuführen, gibt es einen längeren einstieg über die erotik des schreibens und die formen der verführung durch texte. mir ist der erste teil des buches zu defizitär formuliert, wird den leserInnen zu sehr vermittelt, dass sie mit großer wahrscheinlichkeit noch viel an ihrem stil, an ihrer schreibweise ändern müssen. das hätte das buch überhaupt nicht nötig gehabt, die grundidee trägt die vorstellung von allein, dass texte und geschichten sexy gestaltet werden können. denn haben wir nicht alle sowieso im hinterkopf, wir könnten noch besser schreiben und formulieren?

der zweite teil mit den quickies kommt viel versöhnlicher daher, zeigt den spaß und die freude am schreiben auf und motiviert mich als leser, die freiheiten beim schreiben zu nutzen, die mir kreatives herangehen immer bietet, also schüchternheit und zurückhaltung über bord zu werfen. hier eröffnen sich viele anreize, noch einmal an geschriebenem weiterzuarbeiten, texte aufzufrischen und die leserInnen auch ernst zu nehmen.

insgesamt ein lesenwertes buch mit vielen anregungen, das verständlich ist und viele aspekte des schreibens beleuchtet. sehr angenehm fand ich, dass die autorin eine menge eigener erfahrungen in ihre texte einfließen ließ und somit sehr verständlich macht, dass schreiben lernbar und nicht eine frage des talents ist. das buch ist 2011 im kösel-verlag in münchen erschienen. ISBN 978-3-466-30897-2

schreibberatung und schuld

die suche nach den schuldigen, weshalb man nicht zum schreiben einer abschlussarbeit kommt, ist in der schreibberatung ein recht sinnloses unterfangen. denn es gibt nur zwei möglichkeiten: zum einen sind es die widrigen äußeren umstände, die verhindern, dass man sich an die schreibarbeit setzt. zum anderen ist man selber schuld, dass man es nicht schafft, seine arbeit zu vollenden. so jedenfalls sind in den häufigsten fällen die argumentationen.

doch leider bringen die schuldzuweisungen keinen schritt weiter. im ersten fall müsste man die welt verändern können, um bessere bedingungen zu schaffen. im zweiten falle müsste man sich selber von grund auf verändern, was aber schwer wird, da man mit konstantem schlechten gewissen, an allem selber schuld zu sein, durch die welt läuft. aufgabe der schreibberatung ist es in diesem fall, den blickwinkel erst einmal zu verändern. wenn man von dem gedanken ausgeht, dass schuldzuweisungen nicht hilfreich sind, dann kann man sich der frage nach den gründen für die schreibschwierigkeiten zuwenden. gründe kann es viele geben: persönliche oder von äußeren bedingungen abhängige.

es geht darum, durch veränderung der bedingungen, auch die möglichkeit in einen schreibfluss zu kommen, zu erhöhen. so kann ich mir zum beispiel einen ruhigeren arbeitsplatz suchen oder das telefon ausschalten, wenn ich immer wieder abgelenkt werde. oder ich führe mich vor augen, dass meine eigenen ansprüche, sofort einen perfekten text verfassen zu müssen, mich daran hindern, überhaupt mit dem schreiben anzufangen. Weiterlesen

schreibpädagogik und motivation

als leiterIn einer schreibgruppe arbeitet man mit menschen zusammen, die schon sehr motiviert sind zu schreiben. es benötigt also keine anfänglichen versuche, den vorteil des kreativen oder biografischen schreibens zu vermitteln. und doch können schreibgruppen sehr unterschiedlich verlaufen. einzelne teilnehmerInnen können sich plötzlich in der situation wiederfinden, dass ihnen zur gestellten schreibanregung nichts einfällt, sie ein thema unangenehm finden.

generell ist es wichtig, immer wieder zu betonen, dass das schreiben zur anregung ein freiwilliger akt ist. außerdem sollte man immer wieder bemerken, dass die entstandenen texte nicht vorgetragen werden müssen. es wird nur ein angebot gemacht, dass niemand einhalten muss. äußert jemand in der schreibgruppe seine schwierigkeiten oder seinen unmut zu bestimmten schreibanregungen, kann man alternative anregungen geben. oder man animiert die schreibenden, sich frei zu bewegen, also einfach zu etwas zu schreiben, das einem gerade in den sinn kommt.

wichtig scheint mir, dass man beim geben der schreibanregungen eine klare vorgehensweise und eine klare aufforderung formuliert. wenn man anfängt zu fragen, ob denn alle lust hätten zu schreiben, ob das thema auch angenehm sei oder ob anderes gewünscht werde, dann untergräbt man in diesem moment seine eigene anleitung der gruppe. dies bedeutet nicht, dass man autorität und dominanz ausstrahlen muss, es bedeutet nur, dass menschen in eine schreibgruppe kommen, um unter anleitung zu schreiben. stellt man dies in frage, schwindet bei manchen sehr schnell die motivation.

bei klarer anleitung und anregung zum schreiben wirkt sich das gemeinsame schreiben aller auch motivierend auf den eigenen schreibprozess aus. es ist interessant welche wirkung gemeinsamen kratzen über das papier hat, ähnlich wie das gemeinsame klackern beim tippen. Weiterlesen