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selbstbefragung (100) – intellekt

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „intellekt„.

  • wie wichtig ist ihnen intellekt bei den menschen, die sie kennen? warum?
  • wann wird es ihnen zu intellektuell? beschreiben sie.
  • welches war ihr größter erkenntnisgewinn in intellektuellen auseinandersetzungen?
  • gibt es für sie einen unterschied zwischen bildungsbürgertum und intellektualität? warum?
  • welche diskurse führen sie am liebsten?
  • analysen und nachdenken gelten heute als zu langfristig und nervig. wie denken sie darüber?
  • welchem menschen in ihrem umfeld würden sie den meisten intellekt zuschreiben?
  • durch was fördern sie ihren intellekt?
  • wo wünschen sie sich in unserer welt mehr intellekt? beschreiben sie.
  • womit würden sie sich in der zukunft noch tiefergehender auseinandersetzen wollen?

nabelschau (38)

das erbe helmut kohls. nach beinahe 30 jahren zeigen sich die folgen des beständigen „intellektuellen-bashing“ durch den damaligen bundeskanzler. immer wieder betonten er und etliche seiner nachfolger, wie lästig ihm wissenschaftliche und intellektuelle diskurse sind. das kam schon damals der demontage von wissenschaft (bevorzugt von geisteswissenschaft) nahe.

es ist paradox, dass auf der einen seite die förderung der bildungselite propagiert wird, dass wir auf exellente wissenschaft als zukünftigen motor unserer gesellschaft eingeschworen werden, und auf der anderen seite das faken einer doktorarbeit durch einen minister als kavaliersdelikt angesehen wird. nun ist er zurückgetreten nach wochen der gleichgültigkeit, der ausreden und des betonens aller anderen leistungen.

alle menschen erbringen in dieser gesellschaft immer wieder leistungen. oft leistungen, die über das hinausgehen, was sie bis dahin vollbracht haben. immer mehr eltern schwören ihre kinder schon in der kita auf das leistungsprinzip ein. und dann wird ihnen erklärt, dass das alles gar nicht so wichtig ist, dass man solche abschlüsse und regeln nicht zu ernst nehmen sollte.

gut, man kann der meinung sein, dass unser wissenschaftsbetrieb auch ein fantasieloser, dem mainstream und der wirtschaftlichen verwertbarkeit verhafteter ist. dass inzwischen so viele einen doktortitel tragen, dass er immer mehr an bedeutung verliert. aber man kann den menschen nicht ihre bemühungen absprechen. man sollte endlich in dieser komplexen welt wieder dahin zurückkehren, dass man komplexe gedanken und diskurse benötigt.

gleichzeitig sollte man aber auch dahin gelangen, dass alle leistungen der menschen anerkannt werden. der eine mag sie im wissenschaftlichen betrieb erbringen, der andere bei der erziehung seiner kinder. aber vom verhalten der frau merkel und des herrn guttenberg geht eine ganz andere botschaft aus: ihr könnt euch noch so anstrengen, wenn ihr nicht zur richtigen pressure group gehört, dann bringt euch das alles nichts. und ein großteil der bevölkerung heisst dies auch noch gut. wahrscheinlich wäre es wieder an der zeit einen könig oder eine königin zu krönen.

bloggen wie gott in frankreich

unser nachbarland kann man um vieles beneiden: das gute essen, die lebhafte kulturszene, die philosophen, die filme, den gesellschaftlich verankerten intellektualismus und den unverkrampfteren umgang mit sozialismus (obwohl dies zur zeit ein wenig in frage zu stellen ist). und nun auch noch um das bloggen. in der zuletzt erwähnten süddeutschen zeitung vom 28.02. wird die bloggerszene frankreichs beschrieben.

neid, da kommt neid auf. zum einen wird anscheinend in frankreich viel mehr gebloggt. zum anderen wird anders gebloggt. blog haben eine gesellschaftliche funktion des sozialen und politischen austauschs. in den blogs wird anscheinend mehr über gesellschaftliche belange diskutiert und diese diskussionen werden auch mehr beachtet. das soll nicht heißen, dass es in deutschland solche blogs nicht auch gibt und sie nicht zu genüge gelesen werden.

aber die diskussionskultur lässt doch weiterhin zu wünschen übrig. manche tageszeitung schließt ihre diskussionsforen über nacht, da ohne moderation gar nichts geht. einen diskurs pflegen ist nicht unbedingt die stärke dieses landes. wird es wahrscheinlich auch nicht so schnell werden. man schaue sich als vorbild nur die talkshows im fernsehen an. meist handelt es sich nur noch um eine aneinanderreihung von plattitüden. und was vor allen dingen auffällt, es sind immer die gleichen gäste. viele wollen sich nicht dem diskurs, vor allen dingen dem politischen, aussetzen. woher die angst rührt ist unklar, bietet aber „meinungsmacherInnen“ zu viel raum. so wird auch im blog die diskussion um gesellschaftliche entwicklungen schwierig und bleibt oft beschränkt auf aussagen wie „stimme ich zu“ oder „stimme ich nicht zu“ in verschiedensten ausformungen. vielleicht ergibt sich noch häufiger tiefschürfendes, wenn die zahl der bloggerInnen weiter steigt und zahlen wie in frankreich erreicht.

schreibidee (62)

es ist an der zeit, sich einmal dem wissenschaftlichen schreiben zu widmen. nach der intellektuellen-schelte durch herrn gottschalk, siehe vorheriges post, kann in schreibgruppen auch die wahl der einfachen worte geübt werden. hierzu ist es notwendig im vorfeld der veranstaltung, einen text auszuwählen, der in seinen formulierungen kompliziert erscheint. ich verwende bewusst nicht das wort „intellektuell“. dieser text sollte nicht mehr als eine din a4-seite umfassen.

in der schreibgruppe wird dieser text den teilnehmerInnen vorgelesen. sie sollen nun in einer vorgegebenen zeit erst einmal das von dem text schriftlich wiedergeben, was sie verstanden haben. im anschluss wird der text ausgeteilt, alle können ihn sich noch einmal durchlesen. und dann besteht die aufgabe darin, hierfür wird mehr zeit benötigt, den text umzuformulieren. es soll ein alternativtext entstehen, der mit einfachen worten die gleiche aussage enthält, wie der komplizierte text. es ist also bei der auswahl des komplizierten textes darauf zu achten, dass er nicht unbedingt voller fachtermini der naturwissenschaften oder der geisteswissenschaften ist, sondern dass er einen möglichst allen bekannten sachverhalt recht umständlich beschreibt.

am schluss werden von allen teilnehmerInnen ihre beiden texte nacheinander vorgestellt, die nacherzählung des textes und die verständliche version. diese gegenüberstellung zeigt zum einen wie schwer der ausgangstext zu verstehen war und zum anderen, wie viele möglichkeiten es gibt, ihn zu verändern und zu vereinfachen.

die intellektuellen sind schuld – eine fernsehkritik

 

gut inszeniert hat sich marcel reich-ranicki der überreichung des „deutschen fernsehpreises“ entzogen. und er formulierte eine schelte am aktuellen fernsehprogramm. eine schelte, die inzwischen laut viele teilen, die aber mit großer wahrscheinlichkeit zu keiner veränderung führt. warum dies nicht geschehen wird, hat das in der folge geführte gespräche zwischen thomas gottschalk und marcel reich-ranicki gezeigt. (es kann in der mediathek des zdf, zu finden unter http://www.zdf.de , angesehen werden.)

denn herr gottschalk rechtfertigte sich immer wieder sowohl für sein verhalten als auch das der fernsehschaffenden. er formulierte beständig, dass derjenige ein verlierer sei, der keine anständige quote liefere und quote bringe eher das flache programm. denn die anspruchsvollen sachen, die seien immer so intellektuell, dass der rest der bevölkerung diese gar nicht verstehe, ähnlich wie die kritik in den feuilletons.

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