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web 2.56 – 2-3 straßen

es ist ein kunstwerk, es ist ein versuch, es ist der weg vom netz ins buch, es ist biografiearbeit. der künstler jochen gerz hat im rahmen der kulturhauptstadt 2010, als das ruhrgebiet diesen titel trug, das projekt „2-3 straßen“ durchgeführt, das menschen aufforderte über das leben in ihrer strasse zu schreiben. dabei waren sowohl schon lang dort lebende bewohner eingeladen, sich zu beteiligen, als auch 78 kreative, die extra für das projekt in die region und in die strassen zogen. diese 78 personen wurden teil einer ausstellung.

aus diesem projekt ist nun ein buch entstanden, das viele sprachen, viele menschen und viele eindrücke vereint. auf der website wird die entstehung des buches folgendermaßen beschrieben: Die Teilnehmer haben ein Jahr lang ein Buch geschrieben, auch Passanten und Besucher der Ausstellung und besonders die alten Bewohner der Straßen waren eingeladen mitzuschreiben. Die Autoren benutzten eine speziell entwickelte browserbasierte Software. Sie schrieben, ohne die Beiträge der anderen zu kennen. Der Text wurde durch Mausklick oder nach einer Schreibpause von acht Minuten archiviert, verschwand im elektronischen Archiv und war nicht mehr zugänglich. Erst nach dem Ende von 2-3 Straßen wurde das Ergebnis eines Jahres veröffentlicht. Die Beiträge erscheinen als Fließtext, anonym und in der Reihenfolge ihrer Entstehung. Auch die Namen der Autoren sind auf den letzten Seiten in der Reihenfolge ihres Beitrags aufgelistet.

ein spannendes projekt, das gedanken, regionen, geschichte und geschichten abbildet. hier verschränken sich viele bestandteile unseres alltags zu einem aktuellen abbild des lebens. so kann aktuelle biografie-arbeit aussehen. bin auf die texte gespannt. einen kurzen einblick bietet die homepage: http://www.2-3strassen.eu/ .

schreibpädagogik und kulturelle unterschiede

auch wenn man nicht anhänger der theorie der „kulturellen identitäten“ ist, also der meinung ist, dass menschen fähig sind, ihre unterschiedlichen hintergründe zu überwinden, auch dann sind die unterschiede doch vorhanden. dies schlägt sich insbesondere dann nieder, wenn es um sprache geht. bei schreibgruppen stehen das spiel mit der sprache und der persönliche ausdruck im vordergrund. das bedeutet, dass sich dort die kulturellen unterschiede besonders stark zeigen können.

das soll nicht bedeuten, dass sie unüberbrückbar nebeneinander stehen. aber es muss kommuniziert und sich darüber ausgetauscht werden. viele menschen schreiben lieber in ihrer muttersprache. finden sich nun in einer schreibgruppe unterschiedliche muttersprachlerInnen, sollten sie sich zumindest gegenseitig verstehen, also der jeweils anderen sprache mächtig sein. oder es wird sich auf eine gemeinsame sprache geeinigt. dies wird mit großer wahrscheinlichkeit hierzulande deutsch oder englisch sein. bei allen anderen sprachen ist damit zu rechnen, dass sie einzelne teilnehmerInnen nicht verstehen werden.

so kann man sich entweder entscheiden, sollte man weitere sprachen als leiterIn selber gut sprechen und schreiben können, eine schreibgruppe für bestimmte sprachgruppen anzubieten, oder man findet für die jeweiligen treffen dolmetscherInnen. eine weitere anwendung Weiterlesen

schreibpädagogik und sprachen

toll ist es eigentlich, schreibgruppen anbieten zu können, an denen viele verschiedene menschen teilnehmen. das bietet eine vielfalt an geschichten, biografien und ideen. dazu würde auch gehören, dass menschen aus verschiedenen nationen und regionen der welt, sich beim gemeinsamen schreiben wiederfinden.

das lässt sich aber sehr schwer umsetzen, da die sprache ein problem darstellt. mensch schreibt gern und mit großer wahrscheinlichkeit lieber in seiner muttersprache. hier sind die ausdruckmöglichkeiten größer, bietet sich ein ganz anderes sprachgefühl an. die schreibtechniken und schreibideen können in jeder sprache angewendet werden, daran sollte solch eine gruppe auch nicht scheitern. selbst wenn alle teilnehmerInnen des englischen oder französischen mächtig sind, unterscheidet sich das verständnis doch zwischen muttersprachlerInnen und zweitsprachlerInnen.

das größte problem tauch beim vorlesen der entstandenen texte und geschichten auf. es fällt schwer, die feinheiten, die wortspiele in der anderen, einem fremderen sprache zu verstehen. ab diesem moment schränkt sich aber das feedback stark ein. es können oft rückmeldungen zum inhalt, zu generellen idee der geschichte gegeben werden, vielleicht auch noch zum klang, zu flüssigkeit des geschriebenen, aber viele können dann kein feedback mehr zu den feinheiten und den kleinen wirkungen des textes geben.

deshalb ist es wahrscheinlich sinnvoller, schreibgruppen in verschiedenen sprachen anzubieten. und hier wäre noch zu klären, ob sich die schreibgruppe an muttersprachlerInnen oder an fremdsprachlerInnen wendet. auch wenn heute die interkulturelle öffnung propagiert wird, ist sie in schreibgruppen ohne gute übersetzung, die sehr aufwendig ist, schwer durchzuführen, vor allen dingen wenn es um das kreative schreiben geht. das biografische schreiben konzentriert sich mehr auf den inhalt. hier besteht sicherlich viel mehr spielraum.