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die süddeutsche zeitung von morgen – ein medienpädagogischer lesetipp

alle menschen, die sich mit den folgen des internet, der social-software und vor allen dingen mit jugendarbeit, pädagogik und ähnlichem beschäftigen, könnte eventuell die morgige (samstag 11ter august) ausgabe der süddeutschen zeitung interessieren. denn die wochendbeilage ist eine spezial-ausgabe über das erwachsenwerden im netz. laut ankündigung soll es um formen von „sucht“ im internet, um die motivation von jungen bloggerInnen und vieles mehr gehen.

wie interessant die beiträge wirklich werden, kann ich nicht sagen, doch es klingt nach medienpädagogischen betrachtungen und reportagen. zumindest kann die ausgabe wahrscheinlich zur diskussion anregen. in den nächsten tagen vielleicht mehr darüber.

biografisches schreiben und alter

als jugendlicher schreibt man nicht unbedingt eine autobiografie (obwohl es auch beinahe jugendliche (er)lebensberichte gibt). die meisten menschen kommen erst nach dem ausscheiden aus dem beruflichen leben auf die Idee, ihr eigenes leben aufzuschreiben. oder bekannte und verwandte bitten sie darum, doch einmal die spannende lebensgeschichte zu notieren. immer wieder entbrennt danach bei biografien der streit, ob das beschriebene denn wirklich so gewesen sei oder ob nicht manche darstellungen geschönt und auslassungen gemacht wurden.

doch die form des umgangs mit der eigenen lebensgeschichte ist auch in jungen jahren kein anderer. ganz gleich welches alter man hat, biografisches schreiben geschieht immer beeinflusst von der aktuellen lebenssituation. in jüngeren jahren blendet man eventuell andere dinge aus, als in älteren jahren. dafür blickt man im alter mit mehr erkenntnissen und erfahrungen auf das eigene leben zurück und kann es vielleicht in einen größeren zusammenhang stellen. eine objektive (auto)biografie gibt es nicht. selbst bei der aneinanderreihung von puren daten ist schon die auswahl der daten eine subjektive.

also kann man nur empfehlen, sich erst gar nicht außergewöhnlich zu bemühen, bei den beschreibungen immer objektiv zu sein. vielmehr sollte man zeit und energie auf ein paar (schreib)techniken verwenden, die einem das erinnern erleichtern und die „verschüttetes“ wieder zu tage befördern. denn meist erinnert man sich im laufe der zeit an mehr, als man vorher annahm. einmal angefangen mit der erinnerungsarbeit fallen einem stück für stück weitere details ein. und sollte dies nicht der fall sein, tut es einer biografie keinen abbruch, wenn man schreibt, dass man sich an manche details nicht mehr erinnern könne.

spannender scheint mir beim biografischen schreiben der blick darauf, was das alter mit einem macht. hat man das gefühl, dass sich in bezug auf die eigenen einstellungen und vorstellungen etwas verändert hat? hat man im laufe der jahre eine neues lebenskonzept für sich entwickelt? wie geht man mit dem prozess des alterns um? was sind die vorteile des alters, wo liegen Weiterlesen

jugend in deutschland aus tagebüchern, briefen und dokumenten – ein buchtipp

die wiedergabe des titels dieses buches wäre nur das zitat eines zitats gewesen und hätte auf die falsche fährte gelockt. darum habe ich dieses mal die unter-über-schrift gewählt, um einen hinweis auf das spannende werk zu geben. eigentlich handelt es sich um das buch „“wir wollen eine andere welt“ – jugend in deutschland 1900 – 2010 – eine private geschichte aus tagebüchern, briefen, dokumenten“. zusammengestellt hat das buch fred grimm.

wenn man mit hilfe von persönlichen zeugnissen in ein jahrhundert eintaucht, dann stellt man fest, wie viel sich in dieser zeit verändert hat und wie viel sich ständig wiederholt. schon anfang des 20ten jahrhunderts echauffierten sich die gesellschaft und die moralwächter über junge menschen (die halbstarken), die um die häuser zogen und tranken. diese debatten haben wir hundert jahre später wieder. war es früher die kirche, die aufsässigkeit sündig fand, haben wir heute die institutionen der drogenbeauftragen und der bundeszentrale für gesundheitlich aufklärung.

oft könnte man glauben, es gebe keine generationskonflikte mehr, zu viel sei friede, freude, eierkuchen, aber das buch zeigt, dass immer wieder jugendliche haltungen einnehmen, die ältere generationen nicht mehr oder schwer nachvollziehen können. und es zeigt sich auch, dass unsere gesellschaft um kinder ein unglaubliches aufhebens machen, bei jugendlichen meist überhaupt kein verständnis mehr zeigt.

doch noch unter einem ganz anderen aspekt ist dieses buch höchst spannend: beim biografischen schreiben kann man es durch zeitzeugnisse wunderbar nutzen, um in die vergangenheit einzutauchen. können sie sich noch erinnern, was sie in ihrer jugend besonders bewegte? das buch gibt unzählige anregungen, ja es vermittelt sogar die stimmung in der jugendzeit ihrer eltern. es zeigt ebenso die ängste und nöte bestimmter generationen, es macht vergangenes verständlicher.

die beinahe-gegenwart kommt ein wenig kürzer in dem buch vor, aber das macht nichts, denn man kann sie im internet oder in den „shell-studien“ finden. wer wissen will, wie sich jugendliche heute fühlen, sollte sie einfach fragen 😉 . das buch ist bei tolkemitt bei zweitausendeins in frankfurt am main 2010 erschienen. ISBN 978-3-942048-17-0

„die unruhezone“ von jonathan franzen – ein buchtipp

es ist kein neues buch, es ist schon länger auf dem markt, aber manchmal kommt man nicht gleich dazu, ein buch zu lesen. es sagt auf keinen fall etwas über die qualität des buches aus. das buch „die unruhezone“ ist ein wunderbares beispiel für biografisches schreiben.

jonathan franzen führt vor, wie man seine kindheit und jugend in verschiedene erinnerungen, begebenheiten und entwicklungen aufteilen kann, wie man sie berichten und bewerten kann und wie sie sich leicht und unverkrampft lesen lassen. da franzen selber noch nicht auf ein langes leben zurückblicken kann, sondern auf eine etwas angestrengte und ereignisarme kindheit und jugend, ist dies nicht unbedingt stoff für fesselnde geschichten.

aber er schafft es, dass man seine berichte in einer wahrscheinlich durchschnittlichen, bürgerlichen amerikanischen familie mit all ihren unebenheiten und verkrampfungen schwer beiseite legen kann. es ist ein plauderton, der so zu sagen „nebenher“ die vielen unsicherheiten der pubertät und des finden des eigenen wegs offenlegt. dabei wirkt das buch von franzen sehr ehrlich (obwohl man natürlich nicht sagen kann, ob sich wirklich alles so zugetragen hat) und legt sein großes bemühen, anschluss an die welt zu finden, offen.

er verschachtelt seine erinnerungen in einer art und weise, dass sie am ende des buches ein rundes bild seiner gewordenheit wiedergeben. ein lohnenswertes buch in zweierlei hinsicht: als entspannte unterhaltung und als orientierung für das eigene biografische schreiben. das buch ist 2008 bei rororo in reinbek bei hamburg erschienen. ISBN 978-3-499-24439-1

kreatives schreiben und angst

das kreative schreiben macht normalerweise keine angst. es ist etwas spielerisches, ein ausprobieren, ein neu kombinieren, ein form des ideen produzierens. gut, es kann einem schwer fallen, sich in eine spielerische stimmung zu begeben, aber angstbesetzt ist dies nicht unbedingt. aber es gibt einen anderen aspekt, der einem angst einflößen kann: angst vor der eigenen fantasie.

manche kreativ schreibende erschrecken manchmal, nachdem sie einen text oder eine geschichte abgeschlossen haben, ob ihrer ausufernden fantasie. da widmen sie sich den grausamkeiten der menschen, schreiben geschichten und entwerfen bilder, wie wenn sie einen trip eingeschmissen hätten und versinken in fremden welten, die ihnen bis jetzt unbekannt waren. und das macht angst. dabei unterscheiden sich ihre geschichten in ihren bildern gar nicht so sehr von ihren träumen, die sie nacht für nacht haben, aber an die sie sich nicht mehr erinnern können.

doch sie erinnern sich an die erwachsenen, die ihnen als kind und jugendliche zu verstehen gegeben haben, dass ihre ausufernde fantasie gefährlich sei. dass man, wenn man sich zu sehr in etwas hineinsteigert, dort nicht mehr rauskommt, dies psychisch problematisch werden kann. dabei haben sie eigentlich kein problem damit, nur ihre umwelt hat ein problem damit. doch dies wird ihnen sehr klar gemacht.

solch eine vorstellung legt man nicht schnell wieder ab. was passiert mit einem, wenn die pferde mit einem durchgehen? Weiterlesen

„als hitler das rosa kaninchen stahl“ von judith kerr – ein buchtipp

es gibt jugendbücher und jugendbücher. durch die einen huschen vampire und zauberer, die anderen basieren auf realen ereignissen, arbeiten historie auf und haben einen biografischen charakter. schon 1974 wurde der deutsche jugendbuchpreis an judith kerr für ihr buch „als hitler das rosa kaninchen stahl“ ausgezeichnet. es ist teil einer trilogie, die judith kerr als romane für jugendliche über die flucht mit ihren eltern vor den nazis verfasste.

das buch führe ich als gelungenes beispiel für die verankerung von „erinnerungsgegenständen“ in geschichten oder eben autobiografischen romanen hier an. das rosa kaninchen spielt nicht die hauptrolle in dem roman, aber es ist ein symbol für die kinder, die mit ihren eltern in die schweiz fliehen mussten. ein symbol für die flucht, das zurücklassen der vertrauten welt und der gegenstand hat eine enorme bedeutung, eventuell auch für die autorin, obwohl es sich um einen roman handelt, also auch ein fantasieprodukt.

interessant ist das buch aber noch aus einem anderen grund: hier wird die flucht einer jüdischen familie vor den nazis aus der sicht von kindern geschildert. dabei werden die ereignisse erst stück für stück von den kindern verstanden. das buch zeigt ganz gut, wie schwer die welt der erwachsenen zu verstehen ist, dass kinder eine flucht, eine politische verfolgung ganz anders erleben und sich die welt ihrer eltern erst stück für stück erschließen. doch dass etwas dramatisches geschehen ist, ist ihnen von anfang an bewusst. dies kristallisiert sich auch an dem zurückgelassenen kaninchen heraus. das kaninchen symbolisiert den überstürzten aufbruch.

ein buch, das man auch heute noch jugendlichen empfehlen kann, wenn sie einen einblick in die lebenrealität von verfolgten juden aus kindersicht erhalten möchten. es ist beim ravensburger verlag als taschenbuch erschienen. ISBN 978-3-473-58003-3

ab wann habe ich eine lebensgeschichte?

der gedanke, erst im hohen alter lohne es sich, seine lebensgeschichte aufzuschreiben, ist weit verbreitet. viele menschen gehen davon aus, dass sie in jüngeren jahren noch nicht viel zu erzählen. sie leben in der erwartung, dass noch viel passieren wird. und erst wenn viel passiert ist, haben sie auch anderen etwas mitzuteilen. dabei kann es vorkommen, dass sie jahre später der meinung sind, es sei immer noch nicht viel in ihrem leben geschehen. und so finden sie sich dann in hohem alter in der situation wieder, dass sie der meinung sind, es sei nichts aus ihrer vergangenheit mitteilenswert.

in diesem gedanken steckt zum einen die vorstellung, es benötige dramatische entwicklungen, um etwas erzählen zu können. zum anderen wird davon ausgegangen, dass biografisches schreiben sich vor allen dingen an den leserInnen orientiere. letzteres habe ich hier schon thematisiert. ich möchte mich der frage zuwenden, ab wann ich davon ausgehen kann, eine „lebensgeschichte“ erlebt zu haben. auch hier ist die erste antwort kurz und knapp: ab dem moment, ab dem ich schriftlich beschreiben kann. fragen sie einmal ein kind, was es denn bis jetzt so erlebt hat und sie werden viele geschichten erzählt bekommen.

nur erwachsene fangen an, vieles erlebte als bedeutungslos zu bezeichnen. meist sind die wertungen über erlebtes gar nicht ihre eigenen, sondern annahmen, die sie aufgrund der urteile anderer machen. orientiere ich mich zum beispiel an einem extremsportler, erscheint mein leben in bezug auf körperliche anstrengungen und extremerfahrungen sicherlich nüchtern und langweilig. ich vergleiche in diesem moment aber birnen mit äpfeln. im vordergrund für das biografische schreiben sollte zu beginn die einfache frage stehen: was hat mich am meisten bewegt? es gibt keinen menschen, den nichts bewegt hat.

bewegen können einen „kleine“ ereignisse, wie ein kinoabend, an dem man einen film gesehen hat, der einen in den grundfesten der eigenen vorstellungen erschüttert hat. bewegen kann einen natürlich auch, eine traumatische situation erlebt zu haben, wie den tod eines geliebten menschen. kinder machen einem aber vor, dass ganz alltägliche begebenheit ebenso wichtig und bewegend erlebt werden können. natürlich entwickelt man in manchen zusammenhängen im laufe seines lebens eine routine. Weiterlesen

biografisches schreiben und altern des lebenspartners

in letzter zeit ging es häufiger durch die presse, dass walter jens einhergehend mit demenz altert. damit öffentlich auseinandergesetzt haben sich sein sohn und seine frau. beide auseinandersetzungen sind auch ein zeichen dafür, wie schwer es einem fällt, zu beobachten, wie ein einem nahestehender mensch altert und sich verändert. man kann diesen prozess ab einem bestimmten punkt nicht mehr beeinflussen und es wird nicht selten ohnmacht gefühlt. es fällt schwer zu akzeptieren, was da vor sich geht.

beim schreiben der eigenen lebensgeschichte kann man sowohl seinen eigenen alterungsprozess beobachten, vor allen dingen aber auch, da das betrachten der eigenen entwicklung einem gar nicht so schnell und verändernd vorkommt, den alterungsprozess von lebenspartnerInnen. von „außen“ fällt einem oft viel stärker auf, wie sehr sich ein mensch verändert. man bekommt vor augen geführt, wie es wahrscheinlich einem selber geht oder gehen wird. die zeit wird für manches, das man unbedingt noch machen wollte, knapp.

wie geht man damit um. kann man den natürlichen entwicklungen ihren lauf lassen oder bäumt man sich dagegen auf? will man nicht wahrhaben, dass die partnerInnen einem lebensende entgegenstreben oder begleitet man sich gegenseitig in dieser entwicklung? früher starben die menschen früher, viele krankheitsbilder traten überhaupt nicht auf. heute werden menschen bei uns sehr alt, doch dies geht oft genug damit einher, dass einer von beiden zu einem pflegefall werden kann oder aufgrund von krankheiten unterstützung benötigt. wie geht man damit um? oder wie erlebt man es, unterstützung vom partner zu benötigen, wie erlebt man diese unterstützung?

das biografische schreiben bietet die chance, in dem moment, in dem man und der partner altert, dies ausführlicher zu reflektieren. vielleicht auch nur, um einen ruhigeren, akzeptierenden umgang damit zu finden.

biografisches schreiben und generationskonflikte

seit menschengedenken sind die zeitabschnitte für die eine gesellschaft vorausplant beschränkt. nicht wissend, was als nächste passieren wird im sozialen kontext, lässt sich vieles auch gar nicht so bestimmen und regulieren. früher wurde eigentlich nur im jahrestakt gedacht, da allein die ernte und produktion für ein jahr gesichert werden musste. seitdem die selbstversorgung verschwunden ist, ist der mensch daran, den folgen der natur vorzubeugen und weiterzudenken.

doch in den letzten zwei jahrzehnten verkürzen sich wieder die planungsphasen. seitdem die mediale präsentation von politik noch stärker in den vordergrund rückt. das strukturieren in abschnitten von legislaturperioden liegt im trend. die oft beschworene und angemahnte nachhaltigkeit wird nur in seltenen fälle verfolgt. das bekommen dann die nachfolgenden generationen zu spüren.

neben dieser entwicklung gibt es immer wieder die schwierigkeit, dass sich lebensmoden und -muster überholen und somit nicht weitergeführt werden. die so genannten traditionen verändern sich, gesellschaftliche moral- und ethikvorstellungen wandeln sich und der technische fortschritt verändert die lebens- und arbeitswelt. vor allen dingen ältere generationen können diesen veränderungen nicht mehr folgen oder wollen es nicht. dies bildet die grundlage für generationskonflikte, so lang die ältere generation die machtstrukturen besetzt.

beim betrachten der eigenen lebensgeschichte sollte ein blick auf die eigene haltung, Weiterlesen

schreibwerkstatt für junge schwule bis 30

 

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„pimp your poetry“ – die Schreibwerkstatt für junge Schwule bis 30

Vom 21. Mai bis 24. Mai findet im Mann-O-Meter eine Schreibwerkstatt für junge Schwule bis 30 statt. An diesen Tagen wird es darum gehen, mit Hilfe des Kreativen Schreibens, verschiedener Schreibspiele und diverser Schreibtechniken, die eigene Schreiberei auszubauen und miteinander Spaß zu haben.

Voraussetzungen: Keine. Eigentlich nur ein wenig Spaß am Schreiben.

Termine: 21. und 22. Mai von 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr und am 23. und 24. Mai jeweils von von 13.00 Uhr bis 19.00 Uhr.

Teilnehmerzahl: max. 10 Teilnehmer

Veranstaltungsort: Mann-O-Meter, Bülowstr.106, 10783 Berlin, Anfahrt siehe „Kontakt„.

Anmeldung: Ab sofort per Mail an Christof Zirkel, hauptamtlicher Mitarbeiter, unter c.zirkel@mann-o-meter.de oder jugend@mann-o-meter.de.

Oder telefonisch an der Infotheke (meist zwischen 17.00 und 22.00 Uhr, unter 030 / 216 80 08).

 

Wir freuen uns auf vielfältige Texte,

Eure AG Jugend

biografisches schreiben und altern

in unserer gesellschaft ist altern sehr zwiespältig besetzt. zum einen wird die altersweisheit weiterhin geschätzt, wenn auch nicht mehr so hoch, wie früher. auf der anderen seite sorgt die gesellschaft mit ihrem jugendwahn dafür, dass viele erwachsene nicht mehr altern wollen und so lang als irgend möglich, jung zu bleiben.


eine biografie oder lebensgeschichte wird verfasst, wenn meist schon ein paar jahre des eigenen lebens vergangen sind. interessant für die leserInnen kann es sein, wenn menschen aus eigener erfahrung berichten, wie sie mit dem prozess des alterns, der eigentlich ein ganz alltäglicher ist, umgegangen sind und weiterhin umgehen. niemand wird zum beispiel leugnen, dass die erfahrung, dass bestimmte körperliche fähigkeiten nachlassen, für jeden menschen einen umbruch bedeuten. doch welchen umgang hat man damit gefunden?


außerdem stellt sich für manchen oft die frage, ob sie noch einmal gern jung wären. da kann es hilfreich sein, sich zu erinnern, wie anstrengend es sein kann, jugendlicher zu sein. das gefühl von erwachsenen nicht ernst genommen zu werden, die eigene sexualität entdecken und die erschreckenden körperlichen veränderungen. dinge, die im nachhinein gern idealisiert werden.


so kann man in einer biografie neben den erlebten ereignissen eine blick auf die eigene entwicklung werfen, die sich mit dem thema des alterns beschäftigt. natürlich geht dies einher mit anderen entwicklungen zum beispiel in der ausbildung oder im beruf. aber auch der gesonderte blick, die beobachtung des eigenen körpers und der eigenen verhaltensweisen geben einen zusätzlichen aufschluss zur lebensgeschichte. das altern ist immer verbunden mit neuen erkenntnissen und erfahrungen, die wiederum auf die haltung zum eigenen altern wirken, als auch die körperlichen veränderungen rückwirkungen auf die eigenen verhaltensweisen haben. und wie erlebe ich meine umwelt, wenn ich älter werden? wie geht sie mit mir um? es gibt die aussage, dass alte menschen wieder wie kinder werden, obwohl sie ein ganzes leben erfahrungen mit sich herumtragen. vielleicht kann das biografische schreiben eine hilfe sein, sich gegen diese degradierung zu behaupten und darauf zu bestehen als erwachsener behandelt zu werden.

suchmaschinen und das wort „schwul“ – ein nachtrag zur alltäglichen diskriminierung

 

je mehr man recherchiert, desto skurriler wird die situation um das wort „schwul„. es steht bei manchen suchmaschinen wirklich auf dem index.

so wird, wie beim letzten beitrag schon erwähnt, bei „excite„, ein produkt der IAC Corp., bei der suche nach „schwul“, eine seite aufgerufen, die darauf aufmerksam macht, dass es sich um jugendgefährdende seiten handeln könne, und man muss anklicken, dass man erwachsen ist. der betreiber der seite kommt aus den usa. gibt man also den begriff „gay“ ein, ergibt sich dieses problem nicht. bei lesbisch übrigens auch nicht.

eine stufe schärfer wird es dann bei „lycos“ und „hotbot„. beide suchmaschinen gehören zur Lycos Europe GmbH, die wiederum zur Bertelsmann AG in gütersloh gehört. gibt man bei beiden suchmaschinen den begriff „schwul“ ein bekommt man folgende information: „ihre suche nach „schwul“ ergab leider keine treffer„. doch nicht genug damit, über dieser aussage prangt folgende werbung: „Lycos Services – Boys und Männer: Knackige Bilder und Fotos kostenlos bei Lycos! – Süße Boys, ganze Kerle und jede Menge Haut im Großformat: Da macht das Hinschauen Spaß!„.

also ein anderer versuch. als verantwortlicher für den jugendbereich in einem schwulen beratungszentrum suchte ich nach „schwule jugendgruppe“. es gab bis auf eine keine gefundene jugendgruppe für schwule. keine ahnung wie sie es dort reingeschafft hat zwischen „Insight – Jugendgruppe der ChristusKirche Dortmund, Baptisten“ und „Münchener Mineralienfreunde e.V. – Jugendgruppe„. also andersrum, ich suchte nach „lesbische jugendgruppe“. und plötzlich tauchen sie alle auf, zumindest die jugendgruppen, die sich als „schwullesbisch“ bezeichnen. auch der begriff „schwullesbisch“ verursacht keine probleme. was ist das? übrigens besteht bei der suche nach schwulen jugendgruppen wiederum keine hemmung, oberhalb und unterhalb der nicht-funde werbung für schwule kontaktbörsen und modelabels zu platzieren.

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jugend und lesen

ein tipp von martina hier im blog hat mich auf einen blog aufmerksam gemacht, den ich noch etwas direkter vorstellen möchte. der lehrer und schulpsychologe ulf cronenberg archiviert seit längerer zeit kritiken zu jugendbüchern. dabei werden sie vorgestellt aber auch eine differenzierte kritik dazu verfasst. außerdem wird zum abschluss eine bewertung vergeben. diese bewertung führt zu einem ranking der besten jugendbücher der letzten zeit. es lohnt sich hineinzusehen, auch wenn man nicht mehr ganz so jung ist. entweder um anregungen für geschenke zu bekommen oder um sich selbst einmal wieder einem jugendbuch zuzuwenden.

der blog ist klar strukturiert und hat ein großes archiv. anscheinend kommen beinahe täglich neue exemplare dazu.

zu finden ist der blog, obwohl die adresse schon im kommentar steht, unter: http://www.jugendbuchtipp.de . viel spaß beim lesen.

schreibpädagogik und migrationshintergrund

 

kinder und jugendliche sind laut verschiedener untersuchungen die verlierer in unserem bildungssystem. anstatt ihre grundsituation zu verbessern wird häufig über die angemessene migration diskutiert. da viele menschen mit migrationshintergrund der deutschen sprache nicht vollständig mächtig sind, schließen sie sich gern selbst von angeboten, die mit schreiben zu tun haben, aus.

das ist schade, da sie mit großer wahrscheinlichkeit vieles aus einem anderen blickwinkel be“schreiben“ könnten. es gab schon einmal den versuch in berlin, eine schreibwerkstatt mit jugendlichen aus einem wohngebiet, in dem hauptsächlich menschen mit migrationshintergrund leben, durchzuführen. diese veranstaltung war sehr erfolgreich. denn es spielt beim kreativen schreiben erst einmal keine rolle, ob die grammatik eingehalten wurde oder ob die rechtschreibung korrekt ist. erst einmal geht es um den ausdruck der eigenen kreativität. und da können neologismen von migrantInnen eher eine auflockernde und umschreibende wirkung haben.

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biografisches schreiben und kindheit

 

von großem interesse beim verfassen der eigenen lebensgeschichte ist für viele menschen die eigene kindheit. wahrscheinlich auch deshalb, da sie nicht in der eindeutigkeit präsent ist, wie andere lebensabschnitte.

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kreatives schreiben und alter

 

es herrscht der glaube vor, dass ein kreativer schriftlicher ausdruck erst ab einem gewissen alter möglich sei. dass sozusagen die sprache differenziert erlernt sein müsse, um sich angemessen ausdrücken zu können. das ist ein großer irrtum. wenn etwas beinahe alterslos ist, dann das kreative schreiben.

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biografisches schreiben und politische bewegungen

 

es sei erlaubt noch einmal einen blick auf das jubiläum der 68er zu werfen. zur zeit quellen aus allen ecken und winkeln betrachtungen zu den studentenrevolten in den verschiedenen ländern. da wird analysiert, bewertet und es werden schlussfolgerungen gezogen. wie war das damals? was hat es bewirkt? doch selten wird berichtet, wie es von einzelnen erlebt wurde, was sie dazu gebracht hat, an der bewegung teilzunehmen. die berichte erscheinen häufig distanziert und teilweise sogar sediert.

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schreibpädagogik und jugendliche

 

jugendliche und junge erwachsene werden von der älteren generation gern beschimpft. zur zeit mithilfe der pisa-studien, mit dem vorwurf der verantwortungslosigkeit und der internet-sucht. dabei stellt sich, wenn man genauer hinschaut heraus, dass diese beschimpfung immer schon so war. findet sich zum beispiel in meinem bücherregal das buch „beschäftigungen für die jugend aller stände zur gewöhnung an zweckmäßige thätigkeit zur erheiternden unterhaltung so wie zur anregung des kunst- und gewerbesinnes. – von einer gesellschaft gelehrter und erzieher“.

also gab es auch schon anfang des 19ten jahrhunderts das bestreben, die jugend auf den richtigen weg zu bringen. heute beballert man das volk mit wissens- und literaturkanonaden, nur um zu retten, was so vergänglich scheint. meist hat sich aber genau das erhalten, was schon immer qualität darstellte.

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web 2.0 und die „generation google“

eine untersuchung brachte es an den tag, die jugend nutzt das internet nicht so, wie es sich die erwachsenen wünschen würden. oder anders formuliert, die jugend geht mit dem web 2.0 und den recherchemöglichkeiten nicht so locker um, wie manche mythen glauben machen. eine untersuchung im auftrag der „british library“ zeigte „schockierendes“.

die jugend, auch „generation google“ genannt und nach 1993 geboren, macht es sich einfach und bequem. sie zeigt keine geduld bei der recherche und nutzt kaum die großen datenbanken und bibliotheken im netz. sie sucht informationen hauptsächlich über „google“, „google school“ und „wikipedia“. und sie geht nicht in die tiefe der informationen. teilweise hat sie schon probleme die richtigen suchbegriffe zu formulieren.

es stellte sich bei der untersuchung und beim vergleich verschiedener studien und befragungen heraus, dass die ältere generation aufholt. aber ist dieses ergebnis so erstaunlich? erinnere man sich doch einmal an seine eigene schulzeit. selten wurde einem vermittelt, wie wissen aus spaß und interesse angesammelt werden kann. ich kann mich nicht erinnern, dass uns die benutzung der bibliotheken ausführlich erklärt wurden. auch nicht während des studiums. der vorteil bestand einzig darin, an universitäten studiert zu haben, die große präsenzbibliotheken hatten.

die affinität zu büchern und zur recherche entstand aus anderen lebenszusammenhängen. je mehr sich die bildung also ins internet verlagert, um so wichtiger wird es wahrscheinlich, überhaupt erst einmal hilfestellungen zu geben, wie das netz genutzt werden kann. denn eines ist ein großer vorteil, die junge generation ist in den europäischen ländern zu einem riesigen prozentsatz im netz, immer noch im gegensatz zur älteren generation. und die ältere generation, die sich im netz bewegt, hat mit großer wahrscheinlichkeit ein interesse, es sich angeeignet zu haben. jugendliche und junge erwachsene nutzen es erst einmal als soziale kontaktmöglichkeit.

das ergebnis der studie aufbereitet hat marc vom blog „wissenswerkstatt“ unter: http://www.wissenswerkstatt.net/2008/04/24/der-mythos-der-google-generation-von-digitalen-analphabeten-in-den-universitaeten-werkstattnotiz-lxxxi/

und eine zusammenfassung der ergebnisse in englisch als pdf-datei ist zu finden unter: http://www.bl.uk/news/pdf/googlegen.pdf