Schlagwort-Archive: kasse

wortklauberei (40)

„gesundheitskasse“

verdrehte welt könnte man zur entwicklung auf dem sektor der krankheitbehandlungsindustrie sagen. denn dort, wo krankheit eine rolle spielt, wird nur noch von gesundheit gesprochen. das fängt bei der gesundheitsministerin an und endet eben bei der gesundheitskasse. dabei ist der begriff der „gesundheit“ ein schwieriger. ab wann ist denn ein mensch gesund? wer definiert die jeweils subjektive befindlichkeit, wer sagt welche verhaltensweise eine problematische ist?
hier kommt die „kasse“ ins spiel. es wird gezahlt oder ausgezahlt, also geld in verbindung gebracht mit gesundheit oder besser geschrieben, eigentlich mit krankheit. alle anwendungen, die geld kosten, deuten auf krankheit hin, so jedenfalls eine der hauptargumentationen im hintergrund der definition von „gesundheit“. denn man könnte auch formulieren, dass ein mensch, der sich den irdischen genüssen jeglicher art verschrieben hat, eventuell früher erkrankt als ein mensch, der sportliche askese übt. der genießer würde aber seinen lebensstil als sehr angenehm beschreiben und sich in diesem moment also gesund fühlen.

bekommt er in diesem moment geld von der „gesundheitskasse“ oder, wie es im moment schon gehandhabt wird, wenn er nicht regelmäßig an kursen oder lauftreffen teilnimmt, werden im die bonusrückzahlungen verwehrt. soll heißen, der gesunde hat in die kasse einzuzahlen, hat sich zu schämen, ob seines laxen umgangs mit seinem eigenen körper, der der gesellschaft dienen sollte. und somit wird die „gesundheitskasse“ zum gesellschaftlichen maßstab, denn es gibt keine kranken mehr. es gibt nur noch menschen, die sich bemühen, gesund zu sein. warum man dazu dann aber noch eine kasse oder eine ministerin braucht verschwindet hinter den begriffen. schön ist es aber, dass wir uns alle so bemühen 😆

schreibidee (127)

trotz finanzkrise wird weiterhin gern eingekauft. ob nun ganze autokonzerne, immobilienfirmen oder alltägliches und notwendiges. vieles davon schafft sich der mensch auf pump an, doch die deutschen haben auch eine ganze menge auf der hohen kante. und so sammeln sich schnell eine menge kassenbons oder kreditkartenabrechnungen an. diese sind die grundlage für die schreibanregung zu „kassenbon-geschichten„.

dazu werden entweder die teilnehmerInnen der schreibgruppe aufgefordert zum nächsten treffen kassenbons mitzubringen oder die leiterInnen bringen selber welche aus dem eigenen fundus mit. diese bons werden verlost. das schöne an heutigen kassenbons ist es, dass sie sehr genau aufführen, was gekauft wurde. verwendbar sind bons vom discounter, aus dem buchladen, dem schwedischen möbelhaus, dem kaufhaus oder dem heimwerkermarkt.

um die produkte soll nun eine geschichte gestrickt werden. hierzu kann im vorfeld entweder ein cluster erstellt werden oder andere assoziationstechniken werden verwendet. die teilnehmerInnen können sich ein produkt auswählen oder versuchen alle produkte in einer geschichte unterzubringen. es kann die lebensgeschichte der produkte grundlage sein, der name des produkts eine rolle spielen, eine familie beim einkauf beobachtet werden oder zum beispiel die dramatische geschichte um die 600 gramm champignons beim date mit dem geliebten beschrieben werden. danach werden die kassenbons und die geschichte vorgelesen.

im anschluss daran kann noch über das leben an kassen eine geschichte geschrieben werden. der klassiker, das kind, das unbedingt noch süssigkeiten möchte. oder es geht um den effekt, dass immer die schlange an der kasse am längsten braucht, an die man sich anstellt. ist ihnen schon einmal aufgefallen, dass das bezahlen mit kreditkarten immer viel länger braucht, als das zahlen mit bargeld? was denken kassiererInnen über ihre kunden? was haben die menschen im einkaufswagen? was ist mit der rentnerin, die sich täglich ihre drei piccolöchen kauft? diese geschichten werden auch gegenseitig vorgelesen.