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schreibidee (354)

da „copy & paste“ viele beiträge in diesem blog in letzter zeit dominierte, hier noch ein letztes mal das thema aufgreifen. in dem buch „uncreative writing“ von kenneth goldsmith wird der vorschlag gemacht, einmal dem kopieren von texten einen großen stellenwert zu geben. darum hier die schreibanregung für den ruhigen abend, die ruhigen tage: „kopieren-kopieren“.

diese idee lässt sich nur bedingt in schreibgruppen durchführen und ist kurz und knapp. goldsmith fordert seine studierenden auf, ganze texte oder sogar bücher von hand abzuschreiben oder zu tippen. (siehe http://gettinginsidejackkerouacshead.blogspot.de von simon morris, das abgetippte buch „on the road“).

also, wählen sie sich einen längeren, literarischen text aus und schreiben sie ihn ab. wenn sie das mit hilfe einer blog-software bewerkstelligen, dann wird das buch, der text vom ende zum anfang dargestellt.
beobachten sie sich als schreibende. achten sie darauf, was dies in ihnen auslöst. und notieren sie sich vielleicht ein paar gedanken. mehr ist nicht zu tun. als erweiterung könnte man im nächsten schritt einzelne abschnitte aus romanen und büchern abschreiben und neu miteinander kopiere. doch das eigentliche schreiben benötigt erst einmal sowieso einige zeit.

und wenn sie sich fragen, was sie da tun, dann schauen sie sich die begründung von kenneth goldsmith an: http://gettinginsidejackkerouacshead.blogspot.de/2008/06/project-proposal.html .

„uncreative writing“ von kenneth goldsmith – ein buchtipp

an der universität von pennsylvania lehrt kenneth goldsmith das fach „uncreative writing“ oder übersetzt „unkreatives schreiben“. schon der titel des faches lässt zweifel aufkommen, worum es sich bei dem seminar handeln könnte. was ist un-kreatives schreiben? da bin ich wieder bei der frage danach, was eigentlich untiefe ist? eine große tiefe oder eine anhöhe?

in dem buch „uncreative writing“ entfaltet goldsmith die gedankengänge zum unkreativen schreiben. dieses schreiben lebt von vorhandenem, schon geschriebenen, das überall auf der welt existiert. seit dem internet und der digitalisierung unseres lebens ist das angebot an „schon geschriebenem“ dermaßen angewachsen, dass sich die frage stellt, inwieweit ständig neues produziert werden muss. dazu kommt bei mir der gedanke, ob man nicht jeden satz, den man verfasst, irgendwo im netzt demnächst noch einmal finden kann?

jedenfalls zeigt goldsmith das enorme potential des schon geschriebenen auf und er benennt diverse möglichkeiten, wie man das vorhandene material bearbeiten kann – als rearangieren, remixen, rekombinieren, zusammenfassen, überhaupt wahrnehmen, beachten, auflisten, verkürzen, verstärken, zitieren, plagiieren und vieles mehr. dabei stellt der autor bezüge zu den dadaisten, den surrealisten, den konzeptionisten und vielen anderen künstlerInnen und schriftstellerInnen her, z.b. walter benjamin, andy warhol, samuel beckett, gertrude stein und andere. vor allen dingen beschreibt er auch aktuelle schreib- und kunstprojekte. und er berichtet von den vorgehensweisen in seinem seminar zu „uncreative writing“.

das buch ist extrem spannend, da es unsere aktuellen lese- und schreibveränderungen aufgrund der computer und des intenets aufgreift, vorurteilsfrei nutzbar macht und neues entstehen lässt. einen neuen bezug zum schreiben und zur literatur. ich habe selten so ein die kreativität anregendes buch gelesen, obwohl es unkreativ sein möchte (mit einem augenzwinkern). und dem schreiben am computer wird eine neue (eigentlich schon vorgedachte) riesige spielwiese eröffnet. absolut lesenwert (leider nur in englisch). die lust, unkreatives schreiben zu lehren ist riesengroß.
das buch ist 2011 in der columbia university press in new york erschienen. ISBN 978-0-231-14991-4