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kiez on the blog – ein online-projekt

der begriff „kiez“ ist laut der brüder grimm „ein merkwürdiges altes wort des nordöstlichen deutschlands“. er umreisst meist ein wohngebiet, eine strasse, einen platz. die berlinerInnen (auch die hinzugezogenen) schwören irgendwann auf ihren kiez. die wahl des wohnortes bekommt eine große bedeutung, obwohl der nahverkehr einen an jeden ort bringen kann. und wie es für eine metropole üblich ist, unterscheiden sich die wohngebiete teils stark.

man kann in berlin, aber auch in potsdam mit dem nahverkehr vom villenviertel in trabantenstädte reisen und sich ein andermal plötzlich auf einem dorfplatz mit der kirche in der mitte wiederfinden. man kann beinahe alle sprachen der welt hören und sich kulinarisch in beinahe jede region des planeten entführen. man kann tag und nacht orte aufsuchen, an denen sich menschen treffen. man hat eigentlich nie alle winkel der städte gesehen. immer entsteht etwas neues, passiert etwas oder erlebt man skurriles.

darüber soll in dem neuen blog „kiez on the blog“ geschrieben werden. der blog der hoffbauer berufsakademie in potsdam greift die geschichten des kiezes auf. studierende teilen etwas über ihren kiez mit und alle leserInnen sind eingeladen, sich daran zu beteiligen. das projekt will das eigene lebensumfeld ein wenig näher bringen. es will den blick für das nahe und nächste schärfen. und es bietet eine plattform, sich darüber auszutauschen. und das vorhaben bietet den studierenden die möglichkeit, sich dem kreativen schreiben auf einem anderen weg anzunähern.

das projekt startet dieser tage und verspricht einen spannenden blick auf berlin und potsdam zu offenbaren. die webseite findet man unter http://www.kiez-on-the-blog.de . wer lust hat, kann bilder, texte, musik oder filme auf die seite stellen. auf dass der blick auf das nächste auch die vielfalt der städte widerspiegelt.

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schreibidee (350)

die deutschen haben einen seltsamen begriff, der schwer zu erklären ist und stark politisch besetzt ist: die „heimat“. heimat kann überall sein, wird aber meist sehr eng gedacht, also auf den eigenen ort, den eigenen kiez, das eine haus, die eine wohnung bezogen. ist die heimat einmal benannt, dann beginnt das spiel „meine heimat – deine heimat“. ganz selbstverständlich ist die eigene heimat die beste und die fremde nur bedrohlich. es wird zeit, diese vorstellungen zu untergraben, mit der schreibanregung zu „heimat-jedichten“.

dafür sind erst einmal heimatbegriffe zu suchen: die schreibgruppenteilnehmerInnen notieren sehenswürdigkeiten, wichtige gebäude oder institutionen aus ihrer heimat (was sie dafür halten, bleibt ihnen überlassen). nun suchen sie nach worten, die sich auf ihre sehenswürdigkeiten reimen, also zum beispiel „eiffelturm“ und „zweifelwurm“. im anschluss werden zwei vierzeiler in der form „abab aabb“ geschrieben.

doch nicht genug damit: am besten klingen die gedichte in der heimatsprache (also in der landessprache oder im ortsüblichen dialekt). dazu werden die gedichte noch einmal überarbeitet. im anschluss werden die hochdeutsche und die sprachlich veränderte version vorgetragen. es findet keine feedbackrunde statt.

im vorfeld des treffens wurde die schreibgruppe aufgefordert, texte über ihre heimat mtizubringen. dies sollten möglichst touristenführer oder ähnliches sein. man kann auch den lexikoneintrag zum wohnort, oder die fremdenverkehrsbotschaft aus dem internet ausgedruckt mitbringen. einen dieser texte (nicht länger als eine seite) wählen die teilnehmerInnen nun aus. dieser text soll stück für stück verdichtet werden. als erstes wird er auf einen zehnzeiligen abschnitt verdichtet, dann auf maximal zwölf verse (dies sich nicht reimen müssen) und zum schluss auf vier zeilen.

zum abschluss wird der heimattext weitergegeben an andere schreibgruppenteilnehmerInnen. diese verdichten die fremde heimat ebenso, wie oben beschrieben. und auch dieses „heimatjedicht“ sollte noch einmal in die ortsübliche sprache, in den ortsüblichen dialekt übertragen werden. dann werden der heimattext, die erste verdichtung, die zweite verdichtung und die dialektversion vorgetragen. anschließend findet eine feedbackrunde statt. darin kann auch die vorstellung von heimat diskutiert und der wettbewerb, welches der schönere dialekt, die schönere sprache gestartet werden.

sollte noch ein wenig zeit übrig sein, könnten die teilnehmerInnen im vorfeld mitgebrachte heimatgedichte von anderen schriftstellerInnen vortragen und damit den heimatabend beenden 😉

suhrkamp geht nach berlin

keine neue meldung, steht ja schon in den ganzen tageszeitungen und blogs. aber immerhin ist dies eine meldung für die „tagesschau“ in ihrer freitagsausgabe. nun ist suhrkamp nicht einer der größten verlage, hat nicht wahnsinnig viele mitarbeiter und verlegt auch nicht einen bestseller nach dem anderen. doch die meldung klingt wie ein regierungsumzug. da geht es anscheinend um tradition beim bücher verlegen und um die verlegten autoren. hier hat suhrkamp sich nach 68 einen namen erarbeitet.

auch die meldungen in folge gleichen denen des regierungsumzugs. die meisten mitarbeiter wollen nicht mit umziehen heißt es im fernsehen. erinnert doch irgendwie an die shuttle-flüge aus dem rheinland. gut, von frankfurt aus kann man den ice-sprinter nehmen, so er denn fährt. doch die reaktion hat mit mehrerlei zu tun. zum einen haben sich viele menschen, deren arbeitgeber plötzlich abwandert, an ihrem arbeitsort eingerichtet, haben eine wohnung und sind das leben dort gewöhnt. zum anderen wirkt berlin auf viele aber auch erst einmal sehr bedrohlich. groß, unübersichtlich und recht unfreundlich. das ist eigentlich ein irrtum.

die welt teilt sich generell in zwei fraktionen. die einen waren einmal in berlin und fanden es ganz fürchterlich. die anderen waren einmal in berlin und sind nie wieder weggekommen. leider bringen dann manche so etwas wie karnevalsumzüge oder „kölsch“ mit, zwei recht überflüssige produkte. andere bringen nur ihre „wichtigkeit“ mit. das nervt zusehends in mitte und im prenzlauer berg. wer zwischenzeitlich mit der u-bahn in diese richtung fährt, glaubt sich in einer multimedialen hochburg zu befinden, wo allen handybesitzerInnen per zuzug eine flatrate geschenkt wird, die nur in der u-bahn gilt. ob der lautstärke ihrer gespräche ist nicht zu überhören, wie wichtig sie sind. das führt inzwischen zu einem kulturclash zwischen schon länger zugewanderten und den neuen. da wird es dann auch unfreundlich.

doch trotz allem (auch zu kaisers zeiten zog der hof viele lobbyisten und „wichtige“ an) finden sich in dieser stadt noch genug nischen, die hoffentlich nicht verloren gehen und beinahe jede denkrichtung bedienen. dass wichtigkeit meint, sich in der mitte breit machen zu müssen (siehe bundesregierung) macht nichts, der s-bahn-ring ist ja wieder in betrieb. vielleicht treibt sich suhrkamp ja auch ein wenig in den anderen bezirken rum. wäre zumindest zu wünschen, dass die spannenderen diskurse aus den kaschemmen kreuzbergs in der verlagswelt gehör finden.