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wie man den spass am schreiben abgewöhnt (07)

fürchterliche fantasie

fantasie hat für manche menschen, die ein geordnetes, klares und striktes leben führen, etwas bedrohliches. diese menschen sind erwachsene, die in der rolle als eltern oder lehrerInnen kindern zu verstehen geben, dass ihre fantasie zu ausufernd ist. schon junge menschen sollen verstehen, wie die knallharte realität in dieser welt aussieht. fantasie wird in solchen momenten mit flucht und unaufmerksamkeit gleichgesetzt.

wer glaubt, diese haltung erwachsener sei heute nicht mehr vorhanden, die pädagogik und erziehung hätten sich geändert, der täuscht sich gewaltig. da mögen zwar mutti und vati in den film „avatar“ gehen, wenn aber ihre lieben kleinen mit einer schlechten note im aufsatz zurückkommen, da der zu ausufernd war und sich nicht an den vorgegebenen lernzielen orientierte, dann verteidigen sie die ideen des eigenen kindes viel zu selten.

ja, immer wieder soll man sich zusammenreissen, schon in der kita, da oft nur gelenkte fantasie gewünscht ist. malt ein kind eine blumenwiese mit vielen bunten blüten, dann sind alle begeistert. sitzen aber zwei kinder in einem bus und spielen in ihrer fantasie und nur verbal kampfszenarien durch („du hast, ich sage mal, 100 einzelkämpfer!“ – „ninjas?“ – „nein, ganz normale einzelkämpfer.“ – „okay“ – „ich komme dann mit meinem panzer! pchch-puff!“- „aber dein panzer bleibt liegen, weil der motor brennt!“ – „dann hole ich erst einmal …“), dann fühlt sich sofort eine ältere matronenhafte dame berufen, die kinder anzusprechen. sie erklärt ihnen, dass sie vom gehörten ohrenschmerzen bekommen würde und fragt, ob die beiden nicht mal mit einem ball spielen könnten. aber ihren „tatort“ möchte die ältere dame am sonntagabend bestimmt nicht verpassen.

ja, kinder können fantasie entwickeln, die uns nicht gefällt. sie können ganze eigene welten erfinden, zu der wir keinen zutritt haben. und sie können, wenn sie etwas älter sind, dies mit vorliebe Weiterlesen

wund-starr-krampf (02)

dressierte kinder

man dachte, es sei vorbei – weit gefehlt. diese sendungen, in denen man die lieben kleinen auf eine bühne stellt, sie irgendwie vorgeführt werden und etwas vorführen, mutti und vati begeistert im publikum sitzen und der rest so gerührt ist, tauchen immer wieder auf.

mich erinnert das immer an das kinderfest einer kleinstadt. da wurden kinder in den schulen mit kleinen geschenken erfreut, mussten durch die strassen wandern, dann in ein stadion marschieren, dort gemeinsam ein lied singen, aufführungen und wettkämpfe absolvieren, während an den hängen sitzend stolze eltern sich was hinter die binde kippten und die kinder als deko dienten.

und so schmückt sich in regelmäßigen abständen das fernsehen mit diesen kinderauftritten, die bei mir sofortiges fremdschämen auslösen. nicht, weil es kinder sind. nein, weil die kinder so dressiert sind, dass sie versuchen die erwachsenen in einer zu professionellen art und weise nachzumachen und sich die erwachsenen wiederum daran ganz seltsam ergötzen.

kinder können garantiert witzig, direkt, fantasievoll und lebhaft sein. aber diese kinder sind es nicht mehr, es wirkt aufgesetzt. es wirkt, wie wenn man hunden kleidung anzieht oder affen als schauspieler auftreten lässt. das „süße“ besteht für erwachsene anscheinend darin, dass sie sich schmücken können mit den leistungen ihrer kinder, im nachahmen von erwachsenen. klar spielen kinder erwachsene nach, um sich die welt zu erschließen. aber sie dabei zu filmen und zu feiern schmerzt als zuschauer.

jedes mal bleibt der geschmack zurück, dass eltern ein größeres interesse an dem ruhm ihrer kinder haben, als die kinder selbst. die wollen wahrscheinlich nur spielen. doch es wurde ihnen schon früh vermittelt, dass es ganz toll ist, auf einer bühne zu stehen und erwachsene zu unterhalten. ja, dass es noch toller ist, ins fernsehen zu kommen. teile ihrer kindheit sind futsch. und jeder dieser sendungen sollte der spielfilm „little miss sunshine“ vorangestellt werden – nur so als empfehlung.

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (05)

lustlos lesen

bei dieser rubrik lande ich anscheinend immer wieder bei der schule, bei pädagogik und erziehung. dies hat mit unser aller biografien zu tun, mit unseren frühen erfahrungen – die nicht selten auswirkungen auf unser späteres leben haben. und doch, auch dies sei hier mal erwähnt – einmal etwas abgewöhnt, heisst nicht, es sich nicht wieder zu holen, es wieder zu entdecken. es gibt zwar etliche krude theorien, die immer noch von prägungen wie bei wildgänsen ausgehen und der meinung sind, einmal die lust am lesen verloren (oder jedweder anderen kompetenz), bleibt das auch so für den rest des lebens. langjährige tätigkeiten in der altenpflege haben mich eines besseren belehrt: der mensch kann (muss aber nicht) ein leben lang lernen, sich entwickeln.

also zurück zum lesen. in der schule gab es (und gibt es vielleicht noch) diese unsäglichen leseübungen (und lesewettbewerbe), die aus dem lesen eine konkurrenzveranstaltung machen. es geht dabei nicht mehr darum, texte, geschichten und literatur für sich zu entdecken, sondern es geht darum, die perfekte betonung, das fehlerfreie wiedergeben des textes vorzuführen. dies führt zum ausschluss mancher jungen menschen, da ihnen das laute deklamieren schwer fällt. die annäherung an literatur geschieht nicht über den inhalt, die aussagen und die eigenen gedanken dazu.

nun kann man einwenden, dass dies ja so nicht stimme, denn neben den leseübungen gebe es ja auch noch die bearbeitung von (welt)literatur. wohl wahr, aber auch hier geht es meist um lehrplanliche vorgaben, um einen literaturkanon, den man auch als kind und jugendlicher vielleicht nicht teilt, der aber als wichtig erachtet wird. oh je, was mussten wir uns durch die klassiker quälen, auch wenn wir in unserer freizeit zu ganz anderer literatur gegriffen haben. aber keine chance, diese literatur in den unterricht zu integrieren. doch, wir hatten einmal einen lehrer, der erlaubte es, ein einziges mal, dass seine schülerInnen, nachdem sie protestierten, ein buch zu wählen, das im unterricht behandelt werden sollte.

man muss da nur einmal zurück auf null gehen: haben sie mal kinder beobachtet, wenn sie die ersten bilderbücher bekommen? und wenn sie dann die ersten worte lesen können, sich bücher stück für stück selber aneignen. wenn man es in diesen momenten nicht vergeigt, wenn man den kindern die wahl, was sie lesen wollen überlässt, dann kann sich so etwas wie eine lust am lesen entwickeln. und das kann sich bis ins hohe alter durchziehen. doch zu dieser freiheit gehört auch, dass man sich literatur aneignet, die in den augen vieler nicht dem eigenen alter entspricht. kinder und jugendliche lesen anders als erwachsene. das, was uns tief berührt, muss jüngere menschen überhaupt nicht ansprechen.

und hat ein mensch einmal entdeckt, in welche welten er sich mit hilfe der bücher begeben kann, wird er diesen weg Weiterlesen

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (01)

schön-schreiben

wer schreibpädagogisch oder in der schreibberatung tätig ist, kann meist feststellen, dass es in vielen schreibbiografien einen moment gibt, in dem den menschen der spass am schreiben ausgetrieben wurde. leider erleben auch heute noch die meisten menschen diesen moment während ihrer schulzeit oder in ihrem elternhaus. versucht man dagegen zu steuern, unterliegt man oft notwendigkeiten, haltungen und regeln.

um die mechanismen einer schreib-verekelung zu entlarven, sollte man sie sich einmal genau anschauen – und immer wieder die frage stellen: ist dies notwendig? oder anders formuliert: was wäre das schlimmste szenario, das eintreten könnte, wenn man sich nicht an die vorgaben und notwendigkeiten hält, wenn man seinem spass folgt. in meiner neuen rubrik „wie man den spass am schreiben abgewöhnt“ werde ich verschiedene vorgehensweisen aufzeigen, die einem das schreiben verleiden können.

fange ich doch mal mit dem schreiben lernen an. kinder sind meist sehr stolz, wenn sie das erste mal ihren namen selber schreiben können (und was glauben sie, wie stolz ihre eltern erst sind). viele kinder wollen schreiben lernen. sie möchten ebenso an der welt teilhaben können, wie ihre eltern. und so sind die ersten unterrichtseinheiten entweder in der schule oder heute oft schon in der kita das lesen, das rechnen und das schreiben.

doch kaum werden die ersten buchstaben gelernt, können die ersten wörter geschrieben werden, kommt die vorgegebene schreibschrift ins spiel. jeder bogen, jedes häkchen sollen exakt sitzen. so müssen buchstabe um buchstabe wieder und wieder gemalt werden. es sollen die proportionen sitzen, es soll alles korrekt der vorgegebenen schreibschrift nachempfunden werden. wäre dies nicht der fall, so wird vermittelt, könnten andere das geschriebene nicht lesen.

die folge ist aber, dass das neue wissen um die buchstaben und wörter nicht wild und freudig in kleine sätze und geschichten gepackt werden darf, dass nicht drauflos geschrieben werden darf, sondern dass erst einmal das schriftbild sitzen muss. „schön-schreiben“ wird vermittelt und teilweise benotet. es wird nicht darauf vertraut, dass kinder sich um eine gewisse leserlichkeit Weiterlesen

schnickschnack (115)

wie kann man sich das internet vorstellen? ein kabelwirrwarr zwischen milliarden von computern, das chaotisch miteinander verknüpft ist? oder die flotte, so oft propagierte „datenautobahn“ über die wir mit unseren klicks und nachrichten rasen? ist das internet ein monster, ein spinnennetz, ein gewebe, eine verzweigte wurzel.

da digitalität schwer zu fassen ist, virtualität eben nur etwas simuliert und eigentlich gar nicht existiert und elektrizität unsichtbar durch die geräte und leitungen huscht, versuchen wir, metaphorische darstellungen für uns zu finden. kinder und jugendliche sind da oft direkter und kreativer, ausdrücke für unklares, uneindeutiges zu finden. sie vereindeutigen schneller und haben wenig scheu, dies auch mitzuteilen. darum ist das projekt „can you draw the internet?“ eine spannende angelegenheit.

kinder wurden in großbritannien und in den usa aufgefordert, sich ein bild vom netz zu machen. dann neben fanden sich auch einige professionelle kreative, die ebenso ihre bilder des webs beisteuerten. die ergebnisse des projekts können hier betrachtet werden: http://www.canyoudrawtheinternet.com/uk/ . wenn man rechts oben auf die us-flagge klickt, werden die ergebnisse aus amerika sichtbar.

und da das bild des internet auch durch die vielen zeichnungen und grafiken noch nicht abschließend entstanden ist, kann die idee, das netz zu zeichnen in allen kreativen gruppen und an schulen weiter aufgegriffen werden. vielleicht lässt man auch noch eine metaphorische geschichte, wie das internet aussieht, schreiben. mir scheinen die bildgewordenen vorstellungen sehr spannend und vielfältig. also, stift in die hand und los!

liste (92) – erziehung

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um die „erziehung“.

ich finde, dies sind die wichtigsten aspekte einer guten erziehung:

ich finde, dies sind die wichtigsten aspekte einer schlechten erziehung:

das fand ich an der erziehung durch meine eltern toll:

menschen aus meiner umgebung, die eine bessere erziehung bräuchten:

was aus meiner sicht generell gegen pädagogische konzepte spricht:

schreibberatung und lust

die schreibberatung ist in erster linie keine lustvolle angelegenheit, da sie erst bei schwierigkeiten und problemen zum tragen kommt. aber die schreibberatung kann eventuell die lust am schreiben überhaupt reaktivieren. denn irgendwann hatten wir beinahe alle einmal große lust, das schreiben zu lernen und anzuwenden.

meist versuchen kinder durch nachahmung der erwachsenen, mehr teilhabe an deren welt zu erlangen. und wie stolz waren wir alle, als wir das erste mal unseren eigenen namen selber schreiben konnten. auch als man uns das erste mal ein buch nicht mehr vorlesen musste, sondern wir es selber lesen konnten. kinder entdecken die welt, um besser über sie verfügen zu können.

diese kindliche eigenschaft kann man sich erhalten, wenn man versucht, den eigenen interessen zu folgen und schritt für schritt mehr über die eigenen lebensbedingungen zu verfügen. schreiben ist eine kompetenz, die einem dabei hilft (ob kindlich oder nicht), die eigene welt zu erfassen, kommunizieren zu können, einen ausdruck für die eigene situation zu finden und bei vielem mehr. das stete aneigenen von fähigkeiten und das ausbauen der kompetenzen kann zu einem lustvollen gefühl führen. wir menschen fühlen dann, dass wir mehr und mehr verfügung über unsere lebensbedingungen erlangen und eigene bedürfnisse dadurch befriedigen können.

doch leider machen viele bei der entwicklung ihrer schreibkompetenz in der schule und zuhause unangenehme erfahrungen. schreiben wird oft (auch heute noch) an der fehlerfreien schreibweise und Weiterlesen

lesen und sucht

kennen sie das? kinder, die anfangen zu lesen. die plötzlich feststellen, dass sie nicht mehr auf mutti und vati warten müssen, damit ihnen eine geschichte erzählt oder das bilderbuch gemeinsam angeschaut wird. diese kinder sind teilweise kaum zu bremsen. und noch ein wenig älter gibt es dann immer wieder die diskussion darum, ob man jetzt endlich das licht aus mache und schlafe, man müsse ja in die schule. manche von uns haben dann wahrscheinlich mit der taschenlampe unter der bettdecke weitergelesen.

anscheinend kann lesen so fesseln und binden, dass man das buch nicht mehr aus der hand legen möchte. und kaum ist man mit dem einen buch durch, möchte man auch schon das nächste lesen. lesen kann auch zur sucht werden. nur erstaunlicherweise ist diese sucht keine besonders schädliche. früher munkelte man zwar noch darüber, dass schlechte beleuchtung die augen kaputt machen würde, doch heute weiß man, dass es eigentlich nur die augen ermüdet.

besonders skurril an dieser häufiger vorkommenden entwicklung: die schule kann einem die sucht austreiben. das fängt schon bei der „licht-aus“-diskussion an, die ja nur deshalb stattfindet, weil am nächsten tag schule ist und man ausgeschlafen sein sollte. doch die lesesucht bedeutet eigentlich, dass man wissen ansammeln möchte, informationen aufnehmen möchte ohne ende. wer sollte da etwas dagegen haben. und dann sind die literatur-unterrichtsstunden nicht selten gute beispiele dafür, wie man den genuss von texten im keim ersticken kann.

viele junge erwachsene nehmen nach der schule kaum mehr bücher in die hand. vorteil: die sucht ist verschwunden. nachteil: man nimmt nur noch das wissen auf, das man aufnehmen muss. hier wäre schon früh abzuwägen, was schlimmer ist: ob ein kind lesesüchtig wird oder ob es gesittet die schullaufbahn absolviert. die signale sind eindeutig von seiten des kindes: es möchte lesen. meine meinung: dann lassen sie es doch.

die sorge mancher eltern ist, dass ihr kind als bücherwurm den kontakt zu seiner umwelt verliert. ähnlich reagieren eltern auf ihr kind, das sich ständig im internet bewegt. wie wenn die umwelt abseits der eltern nicht oft genug dafür sorgen wird, dass sich die sucht in zaum hält Weiterlesen

selbstbefragung (18) – familie

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „familie„.

  • wem sind sie ähnlicher, ihrem vater oder ihrer mutter? warum?
  • wie verlief bei ihnen der prozess der abnabelung von ihrem elternhaus? oder leben sie vielleicht noch bei ihren eltern?
  • haben sie eine eigene familie gegründet oder wollen sie eine familie gründen? was war oder ist der auslöser dafür?
  • wie gut können sie mit kindern umgehen? sehen das die kinder auch so?
  • was glauben sie, wie groß der einfluss der erziehung durch ihre eltern noch in ihrem heutigen leben ist? begründen sie.
  • wie erleben sie familientreffen und wie groß sind diese treffen?
  • sind sie ein einzelkind oder haben sie geschwister? wie hätten sie es denn gern gehabt?
  • wer hat sie in der pubertät aufgeklärt und wie?
  • wie eng ist der kontakt zu ihrer familie und entfernten verwandschaft? welche rolle spielt dieser kontakt für sie?
  • haben sie eine ersatzfamilie? begründen sie.

schreibpädagogik und party

schreibgruppen haben oft ein sehr ähnliches setting. sie benötigen einen mehr oder weniger ansprechenden raum, der sitzgelegenheiten und tische zum schreiben bietet. manchmal wird für schreibanregungen der raum verlassen, man begibt sich in die natur oder an öffentliche orte, beobachtet und schreibt.

eine alternative, die selten genutzt wird, ist es eine party zu veranstalten oder aufzusuchen. eine selbst organisierte party von schreibgruppen könnte zum beispiel vollständig einem motto gewidmet sein. dies kann einhergehen mit verkleidungen der teilnehmerInnen, dem motto angemessen, und vor allen dingen mit schreibspielen, die auf der party veranstaltet werden. so eine schreibparty könnte zum beispiel bei der arbeit mit kindern und jugendlichen eine anregung sein, sich dem schreiben spielerisch anzunähern.

aber auch für erwachsene kann eine schreibparty eine neue erfahrung sein. alle schreibgruppenteilnehmerInnen können noch bekannte und partnerInnen mitbringen. es wird sich auf der party nicht unterhalten, sondern der smalltalk wird aufgeschrieben, dialoge also beständig verfasst. zu den am buffet ausgewählten köstlichkeiten ist eine kurze geschichte zu verfassen oder man bietet auf einer party einen extra schreibraum, in den sich die menschen mit schreibideen zurückziehen können. so wie sich meist gäste im laufe der zeit in der küche versammeln, so könnte es dieses mal im schreibraum sein.

es ist aber auch vorstellbar mit stift und papier, eine party zu besuchen. dort werden nur kurz notizen gemacht, zu kleinen begebenheiten, zu personen oder zur stimmung. erst wenn man anschließend zuhause ist, werden die schreibanregungen herangezogen und eine geschichte geschrieben. das wäre wie oben erwähnt aber nur ein öffentlicher schreibort. da erscheint eine selbstorganisierte party attraktiver.

biografisches schreiben und diskriminierung (1)

gesellschaften, auch so genannte „demokratische“ (hoch lebe das grundgesetz) sind oft alles andere als tolerant. das bedeutet, dass es aufgabe von grundgesetzen und verfassungsgerichten ist, minderheiten zur seite zu springen und sie zu schützen, gerade wenn es darum geht, dass erst einmal alle menschen gleichberechtigt behandelt werden. man muss zugestehen, dass deutschland in diesem zusammenhang, auch als folge der 68er, manche verbesserung erfahren hat.

doch etliche bewohner dieses landes haben im laufe ihrer biografie oder lebensgeschichte, erfahren, was es bedeutet zu einer minderheit zu gehören. sie sind im laufe ihres lebens oft genug diskriminiert worden, soll heißen, sie wurden beschimpft, verleumdet, ungerecht behandelt und vieles mehr bis zu tätlichen übergriffen. die betrifft und betraf so genannte „gastarbeiter“, migrantInnen, frauen (die gar keine minderheit darstellen), behinderte, schwule, lesben, alte menschen (die bald auch keine minderheit mehr darstellen) und teilweise kinder und jugendliche.

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web 2.0 und überforderung

platt formuliert: kinderschutz fängt früher an. die sperrung von kinderpornografie-seiten im internet setzt an einem phänomen an, aber nicht bei den ursachen. woher kommt es, dass erwachsene viel jüngere menschen zu einem objekt der befriedigung degradieren? dafür kann es meiner ansicht nach zwei erklärungen geben.

zum einen werden kinder in gesellschaften zu einem gegenstand. inzwischen bei uns zum beispiel zu einem wohlstandssymbol. in früheren gesellschaften und in manchen armen regionen auf dieser welt sind kinder billige arbeitskräfte, unterstützer des lebensunterhalts und altersabsicherungen. hier wurden sie zu objekten der familiären versorgung gemacht. heute dienen sie als objekte der emotionalen versorgung. sie symbolisieren nach außen, dass man sich ein kind leisten kann. und gleichzeitig sollen sie symbolisieren, dass man sich ein leistungsstarkes abbild seiner selbst leisten kann. kinder werden immer früher zu erwachsenen gemacht.

in einem interessanten buch habe ich vor einer weile gelesen, dass gleichzeitig das internet die erwachsenen infantilisiert. sie glauben, ewig jung bleiben zu müssen, und tun alles dafür, nicht die verantwortung für ihr erwachsenen-dasein zu übernehmen. das führt zur verkennung der verantwortung gegenüber jüngeren menschen.

beides zusammen führt dazu, dass unsere medien inzwischen werbungen und programme senden oder verbreiten, bei denen man sich fragt, ob man sich eigentlich ständig auf den kinderkanal verirrt hat. Weiterlesen

web 2.0 und kinder oder jugendliche

nach dem amoklauf von winnenden wird nicht nur viel über computerspiele diskutiert, sondern auch über die rolle des internet. wie schlimm oder schlecht ist der einfluss von medien auf das verhalten junger menschen. diese diskussion ist keine neue, aber immer wieder ein schauplatz für wertedebatten. erstaunlicherweise wird weiterhin die rolle der eltern bei diesen diskussionen unterschätzt. im fall von winnenden weniger als sonst in diesen diskursen.

wie wäre es, wenn man diskutieren würde, inwieweit eltern eine aufsichtspflicht gegenüber ihren kindern haben, auch beim konsum von medien. dass dies nicht ganz einfach ist, vor allen dingen, wenn man selber noch die älteren medien nutzt und sich dem computer und internet wenig angenähert hat. hier gibt es eine alterstruktur in der nutzungshäufigkeit des web 2.0, die bände spricht.

eine studie zur nutzung des web 2.0 durch kinder und jugendliche der tu dortmund kann auf der seite der friedrich-ebert-stiftung heruntergeladen werden. darin zeigt sich zum beispiel, dass die jugendlichen inzwischen längst das interenet dem fernseher als medium vorziehen. daraus ergeben sich nicht nur fragen, nach der rolle der eltern in diesem zusammenhang, sondern auch nach den zugangsmöglichkeiten in abhängigkeit vom bildungsstand, und somit nach den zukunftschancen. womit wir wieder bei den eltern wären. auch nicht neu ist die erkenntnis, dass deutschland eines der länder ist, wo einkommen und besitz immer noch sehr stark die zukunftsaussichten der kinder bestimmen. so wäre zumindest beim internet endlich einmal eine andere vorgehensweise notwendig. und nebenher könnte man gleich einen führerschein für angehende eltern einführen, der zum beispiel die abfrage von computerwissen beinhaltet.

doch erst einmal der link zur studie der fes: http://library.fes.de/pdf-files/stabsabteilung/06048.pdf .

kreatives schreiben und fragen

schreibpädagogInnen und menschen, die gern kreativ schreiben möchten, suchen immer wieder schreibanregungen. im rahmen des biografischen schreibens, habe ich hier schon die „selbstbefragung“ vorgestellt. doch eine der einfachsten formen der schreibanregung wurde hier noch nicht erwähnt: die einfach frage.

kinder sind dafür ein gutes vorbild. ab einem gewissen alter entdecken sie alle ihre vorliebe für das wörtchen „warum“, das gern jeder erklärung eines sachverhalts durch erwachsene nachgeschoben wird. „schimmlige sachen sollte man nicht essen!“ „warum?“ „weil man dann krank werden kann!“ „warum?“ „weil schimmelpilze wenn sie wachsen gift produzieren!“ „warum?“…  dieses beispiel könnte ewig fortgeführt werden. gleichzeitig, wenn man keine kinder vor sich hat, bieten solche fragen einen guten einstieg in einen erklärenden text, in eine kleine geschichte, die versuchen einen sachverhalt mit einer etwas fantasievolleren antwort zu erklären. dieser „quatsch“ sollte kindern nicht unbedingt mitgeteilt werden, da sie erwachsenen während der warum-phase sehr viel glauben und teilweise das angesammelte wissen für bare münze nehmen. kinder sind in ihren fragen ernst zu nehmen.

wiederum, was die antworten auf die fragen angeht, kann man kleine geschichten-erzähl-spiele auch mit kindern veranstalten. sie können ebenso wie erwachsene gründe und antworten erfinden und sind dabei oft sehr einfallsreich. interessanter scheint mir, dass als schreibanregung eigentlich jede beliebige frage verwendet werden kann. zum beispiel „warum ist die erde rund“. wissenschaftlich lässt sich dies natürlich inzwischen sehr dezidiert erklären, doch wieso nicht einmal eine ausgefallenere antwort finden, z.b. dass das ganze universum der kaugummiautomat gottes ist.

ebenso ausgefallen, paradox oder sinnfrei können auch die fragen sein und eine anregung für das fantasieren bieten. so kann man sich fragen, weshalb bei himbeeren und brombeeren die kernchen eigentlich innen sind, bei der erdbeere aber außen. gibt es darauf eine antwort? das können kreativ schreibende sicherlich nur bejahen und gleich eine geschichte dazu niederschreiben. im nächsten post werde ich ein buch vorstellen, das randvoll ist mit wunderbar außergewöhnlichen fragen. ansonsten kann man auch die fragen seiner kinder notieren und kleine antwortgeschichten dazu verfassen.

schreibidee (81)

die längste nacht des jahres ist schon vorüber, nun verkürzt sich die dunkelheit wieder. nach dem vorstress der feiertage herrscht eine zeit des ausruhens und erholens. ruhe bedeutet schlaf. und schlaf wird durch „gute-nacht-geschichten“ gefördert. deshalb dieses mal die idee, in der schreibgruppe „gute-nacht-geschichten“ zu verfassen.

meist werden geschichten zum einschlafen kindern erzählt. dies soll auch die erste schreibanregung für die schreibgruppe sein. alle teilnehmerInnen sollten sich daran erinnern, ob ihnen früher gute-nacht-geschichten erzählt wurden oder nicht. und wenn ja, an welche geschichten oder vorgelesenen bücher sie sich noch erinnern können. anschließend ist eine zweiseitige kurze geschichte für kinder selber zu schreiben. diese geschichte wird in der schreibgruppe vorgetragen. dabei liegt dieses mal das augenmerk nicht nur auf der geschichte, sondern auch auf den vortragsstil. ins feedback sollte einfließen, ob die schreibgruppenteilnehmerInnen das gefühl haben, dass der tonfall der vortragenden sie schläfrig machen würde.

doch nicht nur kinder schätzen es mit einer guten geschichte einzuschlafen. auch erwachsene, die zwar bücher selber lesen können, mögen es häufig, sich von jemand anderem vorlesen zu lassen und dabei in den  schlaf zu sinken. nun ist eine geschichte zu schreiben, die erwachsenen es erlaubt, nicht gelangweilt zu werden aber gleichzeitig schläfrig zu machen. für diese schreibanregung gibt es keine weiteren vorgaben. ob mit cluster oder anderen assoziationstechniken, es ist allen teilnehmerInnen überlassen, wie sie ihre schlafanregung formulieren.

schreibengruppen mit kindern

es gibt ein schönes beispiel aus österreich, von evelyn, wie eine schreibgruppe mit kindern durchgeführt werden kann. dazu sind die passenden räumlichkeiten und viele animierenden ideen notwendig. einmal angefangen, sind die jungen schreiberInnen kaum zu bremsen.

besonders attraktiv scheint es vor allen dingen, das geschriebene am ende einer schreibgruppe zusammenzufassen und in ein kleines buch zu binden. damit alle teilnehmerInnen etwas mit nach hause nehmen können. so zeigen die fotos auf der homepage von evelyn, wie stolz die jungen autorInnen auf ihre schriftlichen werke sind. und die eltern sind es dann natürlich auch.

eine fotostrecke zeigt die erfolgreiche durchführung der schreibgruppe für kinder. sie ist hier zu sehen: http://www.evelyn-brandt.at/Kinderschreibwerkstatt.htm

lesewoche für kinder

manchmal vereinen sich kaufmännische interessen mit sinnvollen angeboten. so bietet die buchhandlung hugendubel in berlin-steglitz in der schloßstraße vom 7ten bis 12ten juli lesewochen für kinder in der kinderbuchabteilung an. dort sollen bücher mit kindern gelesen werden und andere empfohlen werden.

ganz uneigennützig ist dies sicherlich nicht, denn der buchhändler möchte seine bücher auch verkaufen. auf der anderen seite wird immer wieder beklagt, dass die kleinen nicht mehr so viel lesen (obwohl harry potter dem widersprach). da ist es sicherlich hilfreich versuche der „leseförderung“ zu unternehmen. berlin und brandenburg zeichnen dafür inzwischen buchhandlungen aus. hugendubel in steglitz gehört dazu.

meinereiner schätzte es als kind sehr, zu seinen geburtstagen einen büchergutschein für die ortsansässige buchhandlung zu erhalten und sich davon die bücher kaufen zu können, die man wollte. so war es die eigene entscheidung, was man las. und selten erhoben die erwachsenen einspruch. es musste nie gefragt werden, ob man dieses oder jenes buch haben könne, solange der gutschein es noch hergab.

und einmal blut geleckt, hört mensch selten wieder auf zu einem buch zu greifen und sich in andere welten zu begeben, sei es auch nur im urlaub. deshalb erscheinen die lesewochen kurz vor den sommerferien sinnvoll. und eltern können sich ein wenig mehr entspannen, wenn die lieben kleinen da sitzen und in ihre bücher vertieft sind. einziges problem, bücher machen neugierig. es kann sein, dass ihr kind sie nach der lektüre löcher in den bauch fragt 😉

web 2.0, eltern und kinder

 

eltern haften für ihre kinder. ein hinweis, den nun ein bayerisches gericht im urteil umgesetzt hat. da die tochter das urheberrecht im internet nicht beachtet hat, müssen die eltern zahlen und haften.

da fragt man sich, in welcher welt eigentlich die richter leben. anscheinend in der heilen bayerischen, in der die zukunft zwar einzug halten soll, aber gleichzeitig nur in kontrollierten bahnen. die meisten eltern wissen nicht, was ihre kinder am computer und internet so machen und können.  sie verstehen noch nicht einmal, wie die lieben kleinen das machen. doch lassen sie ihre kiddies den computer nicht nutzen, verbauen sie ihnen eventuell ihren zukunftsweg. denn schon die schule verlangt meist einen umgang mit dem computer. im studium sieht es da inzwischen noch krasser aus. ohne pc und dsl kann man auch gleich das studium abbrechen.

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schnickschnack (13)

hier noch ein ergänzender hinweis von sabine zur literaturseite für kinder im netz. es gibt eine zeitung für die altersgruppe von 7 bis 11, die zehnmal im jahr erscheint. sie bietet neben geschichten und tipps auch kleine schreibanregungen, die kindern viel spaß machen können. die zeitung heißt „der bunte hund“ und weitere informationen sind unter folgendem link zu finden: http://www.beltz.de/derbuntehund/index.htm

p.s.: die beilage „kinderleben“ der süddeutschen zeitung berichtet in ihrer heutigen ausgabe, dass der radius, in dem sich kinder vor 30 jahren bewegten bei 20 kilometer lag und heute bei 4 kilometer liegt.

schnickschnack (12)

ein literaturmagazin für kinder

das internet bietet auch für die lieben kleinen manche möglichkeiten. eltern sind gern entsetzt darüber, dass ihre kinder ständig vor dem computer sitzen und die zeit mit dem spielen von computerspielen verplempern. früher waren sie entsetzt, dass ihre brut immer vor der glotze hing, auch als es noch nicht so viele fernsehsender gab, wie heute. dazu kommt, dass eltern die technik überhaupt nicht verstehen, die ihre kinder locker anwenden. sie stehen davor, wie der ochs vorm berg. wenn es nicht zu generationskonflikten kommen soll, dann ist es hilfreich, wenn eltern sich früh genug mit den neuen medien beschäftigen.

und wenn eltern wollen, dass kinder ein gespür für literatur und das geschrieben wort entwickeln, dann hilft heute nicht mehr unbedingt der büchergutschein weiter, der in einer buchhandlung von den kleinen nach eigener wahl eingelöst werden kann, sondern dann ist es sinnvoll, homepages zu finden, die interessant für kinder sind.

eine solche seite bietet „rossipotti – das unabhängige literaturmagazin für kinder„. hier ist alles versammelt, was mit dem schreiben zu tun haben kann. es gibt geschichten, bebilderte geschichten, comics, hörgeschichten, buchkritiken und anregungen zum selbermachen. eine kunterbunte mischung, die zumindest eine alternative zu den ganzen lernprogrammen und wissenstrainer für die unter-6-jährigen darstellen kann.

die seite ist hier zu finden: http://www.rossipotti.de