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schreibpädagogik heisst jetzt schreiberziehung

lange fristete die schreibpädagogik ein schattendasein in deutschland. am rande aller bildungspfade etablierten sich einzelne vertreterInnen und ausbildungsgänge. im gegensatz zu anderen ländern sind schreibberatungen und das vermitteln von schreibtechniken eher dem töpfern und hinterglasmalen zugeordnet als dem wissenschaftlichen arbeiten und der literatur. doch das scheint sich nun zu ändern. das erste mal überhaupt beschäftigte sich die bundeskultusministerkonferenz mit der zuordnung der schreibpädagogik in den lehrkanon der hochschulen und schulen. (beschluss siehe: hier als pdf-datei )

bis heute ist der titel des schreibpädagogen, der schreibpädagogin kein geschützter. um qualität der tätigkeit in zukunft zu wahren, soll dies nun anders werden. es soll ein schreibpädagogInnenverband unter den fittichen des hochschulverbandes gegründet werden. in den verbandsvorstand werden sowohl schreibpädagogInnen als auch schriftstellerInnen berufen, die das qualitätsmanagement der lehre und die „berufskammer“ beaufsichtigen sollen.

die größte veränderung zeichnet sich in der betitelung ab. der beruf soll nicht mehr als schreibpädagogInnen bezeichnet werden, sondern als schreiberzieherInnen. damit soll eine klare abgrenzung zu den bisherigen ungeschützten titeln erreicht werden. der schwerpunkt der ausbildungen soll sich an der korrekten umsetzung der neuen rechtschreibung orientieren. es sollen standards für das verfassen von abschlussarbeiten (bachelor, master und anderes), für hausarbeiten, abiturklausuren und essays vermittelt werden. zu dem dient der verband dem schutz der deutschen sprache. er soll sich bemühen, anglizismen zurückzudrängen und in zusammenarbeit mit anderen institutionen regelmäßig einen schreib- und lesekanon veröffentlichen.

hier fragt man sich dann mal wieder, ob es immer gut ist, wenn sich die politik eines themas annimmt und wenn dachverbände gegründet werden. es scheint, dass die kreativen aspekte der schreibpädagogik (schreiberziehung) in den hintergrund treten müssen, um einem politischen interesse zur kontrolle der sprache und des wissenschaftlichen arbeitens zu weichen. der begriff „erziehung“ wird in den vordergrund geschoben. man kann nur hoffen, dass die vertreterInnen in der verbandsspitze ein wenig zurückrudern.

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