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nabelschau (45)

hundekekse selber backen. mal wieder am buchladen vorbeigekommen. es lohnt sich immer ein kurzer blick auf die grabbeltische, manchmal sind ganz interessante sachen dabei. außerdem könnte man für die einladung noch ein kleines schnäppchen finden, so zum mitbringen. ach schau, da die kochbücher. die werden heutzutage auch hochglanz-billig-verscherbelt. eine ganze ladeninsel voller preiswerter kochbücher. und mittendrin „hund-kekse selber backen“ mit ausstechförmchen.

die förmchen in possierlicher knochenform und verschiedenen knochengrößen. hier zeigt sich wieder, dass das haustier immer mehr zu einem echten familienmitglied wird. morgens noch den apfelkuchen gebacken und am nachmittag schon die hundekekse. den vierbeiner freut es. die backrezepte unterscheiden sich wahrscheinlich ein wenig. aber seitdem katzenfutter portioniert mit einem sträusschen petersilie serviert wird (laut werbung) und der kratzbaum das wohnzimmer vollständig ausfüllt, seitdem bekommen hunde eigene betten, kleine jäckchen um und inzwischen eben auch selbstgebackene kekse.

da ist es nur logisch, dass das backbuch unter den kochbüchern für unseren zweibeinigen freund, dem menschen, zu finden ist. demnächst dann „leberterrinen für kleine hunde“ oder „fischpastete für unseren haustiger“. ja, es gibt ja jetzt auch das gebissreinigende kauprodukt gegen zahnstein beim hund. früher bekam er einfach einen fetten knochen. neben den modedesigner-halsbändern für vier- und zweibeiner entsteht neben dem partnerInnen-look auch noch eine mahlzeiten-allianz.

irgendwann werden sich die tiere mit an den tisch setzen, an der konversation teilnehmen und eigene geburtstags- und weihnachtsfeiern bekommen sie sowieso schon ausgerichtet. wer in diesem moment an dekadenz denkt, sollte sich was schämen. es ist ja ein „haus“tier und lebensgefährte.

biografisches schreiben und essen

der zusammenhang zwischen der eigenen lebensgeschichte und der ernährung erscheint erst einmal seltsam. was haben die eigenen speise-vorlieben in einer biografie zu suchen?

sie bilden zum einen die eigenen möglichkeiten der versorgung ab. beinahe alle menschen, die kriegszeiten miterlebt haben, erzählen im nachhinein geschichten, welche anstrengungen zur eigenen versorgung, vor allen dingen nach dem krieg, unternommen werden mussten, um sich ernähren zu können. plötzlich tritt ein vitales bedürfnis in den vordergrund, das in unseren gesellschaften als gesichert gilt. ebenso geht es menschen, die von hartz vier oder anderen staatlichen unterstützungen leben müssen. am ende des monats fehlt das geld für eine angemessene ernährung. der mangel wird bestimmend für das eigene leben.

ebenso kann der überfluss eine immer größere rolle spielen, wenn sich in bestimmten gesellschaftlichen kreisen, die freizeit nur noch um die gestaltung der angemessenen einladung mit auf hohem niveau selbstgekochtem dreht und die abendunterhaltung sich vor allen dingen um die bezugsquellen bestimmter zutaten dreht. aber auch von bekannten persönlichkeiten interessieren die gerichte, die sie gern gegessen haben. so wissen wir von helmut kohls saumagen von gerhard schröders currywurst und in berlin wird im brechtkeller gekocht, was helene weigel auf den tisch brachte.

das essen ist meist ein abbild unserer lebenssituation und nicht zu unterschätzen beim blick auf unsere eigene lebensgeschichte. meist stellt es nur eine zierde des verfassten dar, rundet aber das bild der lebensumstände ab. außerdem spielt es eine wesentliche rolle beim aufbau sozialer kontakte, die sich im laufe des eigenen lebens ergeben. da kann es hilfreich sein, zu notieren, welches gericht das liebste war, wozu gäste eingeladen wurden oder wie traditionell weihnachten in der familie verbracht wurde. oder man notiert abseits der biografie noch in ein büchlein die rezepte, die in der familie weitergegeben wurden. denn etliches der überlieferten zubereitungen findet sich in keinem kochbuch.