Schlagwort-Archive: kochen

wortklauberei (106)

„food-magazin“ – „ernährungspartner“

eigentlich ist der ablauf seit der erfindung des feuers identisch: erst einkaufen oder jagen, dann das gekaufte und gejagte zubereiten und danach allein oder mit anderen essen und verspeisen. im verlauf der jahrtausende hat sich aber die form der zubereitung und die form der kommunikation untereinander verändert. doch anscheinend verschwimmen langsam die grenzen, zumindest sprachlich, zwischen den feldern „kaufen – kochen – essen“.

da wird die zeitschrift „essen & trinken“ zum food-magazin (ich kann mich nicht erwehren, ich denke bei „food“ immer an „futter“) und der lebensmittelhändler „rewe“ wird zum ernährungspartner bei der fussball-em. was bedeutet das für unsere gespräch?

„hast du lust, gemeinsam unser food zu zu bereiten?“
„au ja, ich bin dabei. welches food wollen wir den zubereiten?“
„ich weiß noch nicht genau. ich schau noch mal schnell in mein food-magazin.“
„am besten entscheidest du dieses mal. und wenn du weisst, was wir machen, dann ruf mich noch mal an. sag mir was ich mitbringen soll. werd dann auf dem weg zu dir noch schnell bei meinem ernährungspartner und discount vorbeifahren und alles einkaufen.“
„ok, so machen wir das.“

die beiden, die da gemeinsam kochen wollen, sind eigentlich auch ernährungspartner. hier ist das partnerschaftliche noch zu verstehen. doch worin besteht die partnerschaft zwischen mir und rewe? wahrscheinlich gibt es keine – da ich für einen handel bezahlen werde. ernährungspartner könnte ein begriff sein, der nur verwendet wird, wenn nicht bezahlt werden muss. so liefert rewe die lebensmittel für die fussballnationalmannschaft wahrscheinlich für lau.

und bei „food“ muss ich dann doch immer wieder an science-fiction denken. mir geht der satz „soylent green ist menschenfleisch“ aus dem film „soylent green“ nicht aus dem sinn. hatte auch irgendetwas mit food-ernährungspartnerschaft zu tun.

liste (32) – essen

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um „essen„.

menüs, die ich am meisten mag:

menschen, die ich am liebsten zum essen einlade:

meine momentanen lieblingsrestaurants:

gerichte, dich ich als kind nicht mochte:

gerichte, die ich heute nicht mag:

das kann ich am besten kochen:

kreatives schreiben und essen

essen kann genuss sein, neben der zufuhr von lebensnotwendiger nahrung. schreiben kann genuss sein, neben der beruflichen notwendigkeit. da scheint es eine logische folge zu sein, dass man beides öfter miteinander verbinden sollte. so kann es ein genussreicher moment sein, erst gemeinsam zu schreiben, dann gemeinsam zu kochen und als dessert gemeinsam texte vorzulesen.

aber kreatives schreiben und essen lassen sich noch ganz anders miteinander verbinden. man kann zum beispiel restaurantkritiken mit elementen des kreativen schreibens erstellen. also seine formulierungen und assoziationen über die bekannten schreibtechniken erlangen. oder auch gemeinsam essen gehen und später darüber schreiben.

allein das thema „geschmack“ bietet eine unglaubliche bandbreite für kreative ideen. eine der eindrücklichsten übungen besteht zum beispiel darin, mit verbundenen augen gefüttert zu werden. die geschmackssensationen werden viel intensiver erlebt, die spannung ist enorm. nicht ohne grund sind viele menschen von den restaurants begeistert, die in absoluter dunkelheit ihr essen anbieten.

und man schaue sich einmal die arbeitsweise der großen köchInnen an. in den berühmten küchen herrscht ein großes kreatives potential. letztendlich baut sich ein neues rezept ähnlich auf, wie ein neuer text: es werden bekannt dinge in unbekannter weise miteinander kombiniert. daraus entstehen durch experimentieren und erproben sensationelle gerichte. warum also nicht einmal in beiderlei hinsicht experimentieren: Weiterlesen

selbstbefragung (90) – kochen und essen

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „kochen und essen„.

  • kochen und essen zählen heute zu den führenden sozialen kompetenzen. bei ihnen auch? begründen sie.
  • was kochen sie am liebsten?
  • was essen sie am liebsten?
  • mit wem essen sie am liebsten?
  • ab welchem moment ist essen für sie kein genuss mehr? beschreiben sie.
  • was schmeckt ihnen überhaupt nicht? warum?
  • wie viel geben sie in der woche für lebensmittel aus?
  • ging bei ihnen schon einmal liebe durch den magen?
  • wenn sie kochen, kochen sie lieber allein oder dürfen andere mitmachen? warum?
  • wohin gehen sie am liebsten, wenn sie zum essen ausgehen?

wortklauberei (61)

„abends mit gesundem gemüse kochen“

wir stehen immer noch am anfang des jahres 2011. gern schaut man zu beginn der nächsten 365 tage mal in orakel, horoskope oder die karten, was denn ansteht und die sterne einem bringen. inzwischen lässt sich die perspektivsuche ganz einfach online betreiben. da kann man jahres-, wochen-, tageshoroskope, beziehungs-, sex- oder finanzvorhersagen abrufen. so bietet die frauenzeitschrift cosmopolitan ein buntes paket an verheissungsvollen zukunftsperspektiven an.

jedes horoskop enthält gern einen kleinen pädagogischen hinweis, wie man sein leben selber ein wenig verbessern kann. aber, mancher hinweis stellt einen vor probleme. am anfang diesen jahres meldete das horoskop man solle „abends mit gesundem gemüse kochen„. ich koche gern, ich koche verschiedenes, ich koche auch abends. ich habe aber noch nie mit gesundem gemüse gekocht. nicht, dass ich nicht wöllte. aber woran erkenne ich gesundes gemüse?

ich googelte, ob es eine gemüsepraxis gibt, die man befragen könnte, woran man krankes gemüse erkennt. gut, es gibt faulige stellen, es gibt pilzerkrankungen, auch kleine schmarotzer, die das gemüse befallen (alle kleingärtner und laubenpieper können ein lied davon singen), aber so etwas landet normalerweise nicht auf dem markt. angedatschte stellen schneide ich sowieso raus. ich zog noch eine tarotkarte auf der homepage, was denn passiere, wenn ich das gesunde gemüse nicht finden würde? es kam „der narr“ zum vorschein.

dann dachte ich mir. halte dich doch einfach an die farbskala. rot ist eine warnfarbe, gelb eher erfrischend, ebenso wie grün. eigentlich wollte ich tomaten kochen. also fragte ich die verkäuferin nach gesundem gemüse und grünen tomaten. sie schaute mich verwirrt an. „unser jemüse is imma früsch“. na knorke, frisch heisst ja nicht gleich „jesund“. ich beschloss, dioxinskandal hin oder her, geschnetzeltes mit champignons zu machen. pilze sind kein gemüse und am fleisch erkennt man leichter, wenn es krank ist.

so bestand ich gleich zu jahresbeginn mit hilfe der cosmopolitan die erste prüfung für eine glückliche zukunft. und seitdem herrscht bei mir skepsis gegenüber gemüsefachverkäuferinnen.

biografisches schreiben und fertigkeiten

früher war die welt noch klar strukturiert und meist in ordnung. männer mussten ihre hemden nicht selber bügeln. entweder wurde dies von personal, von der wäscherei oder von der hausfrau erledigt. frauen konnten kochen und männer höchstens grillen. dafür schnitt der mann den braten oder das geflügel auf und die frau hielt den haushalt in ordnung.

heute hat sich das verschoben, verändert und zum glück gemischt. so haben sich in den letzten jahrzehnten viele männer fertigkeiten angeeignet, die einst von frauen erledigt wurden. im gegenzug dazu haben sich frauen in vielen bereichen emanzipiert und lassen sich bestimmte lebensbereiche nicht mehr vorenthalten. dies erleichtert in vielen zusammenhängen entweder das zusammenleben oder das single-dasein.

bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte sollte auch ein blick auf all das geworfen werden, was im alltag bewältigt und selbstständig ausgeführt werden kann. hier geht es nicht um die hobbys, wie zum beispiel „ich kann angeln“, sondern eher um die haushaltstätigkeiten und praktische fertigkeiten. sie können vieles erleichtern oder auch eine gewisse unabhängigkeit im späteren leben geschaffen haben. wer zum beispiel einen garten bewirtschaften, einkochen und mahlzeiten zubereiten kann, benötigt kaum hilfe bei der selbstversorgung.

außerdem zeigt die auflistung der diversen fertigkeiten, dass sich gerade wieder vieles auf dem rückzug befindet. das hotel „mama“, das teils auch staatlich verordnet wird, da keine unterstützung für den auszug gewährleistet wird, führt auch zu einer zunehmenden unselbstständigkeit. es war nach den fünziger jahren für viele ein ziel, selbstständiger zu sein. wieweit hat das die eigene biografie beeinflusst? fällt es einem in der folge schwer, sich hilfe zu suchen? am besten man erstellt einmal eine liste, wieviele haushaltstätigkeiten und wieviele anforderungen des alltags allein bewältigt werden können. und dann kann man sich beim biografischen schreiben vielleicht fragen, welche man eigentlich noch erlernen möchte. hemden bügeln kann man in diesem zusammenhang vielleicht als überflüssig betrachten 😆

wortklauberei (32)

„creativ catering“

es war eine ungeplante kulinarische nacht. auf den nachtbus wartend, leuchtete von der werbetafel an der haltestelle, dass „butter lindner“ ein feinkost-unternehmen, „creativ catering“ anbietet. also etwas holprig übersetzt gibt es nun kreative bewirtung, lebensmittellieferung oder verpflegung. davon ausgehend, dass essen in erster linie schmackhaft und bekömmlich sein sollte, fragte ich mich frierend, was das kreative an den nahrungsmitteln sein sollte. es kann nur die verarbeitung sein. doch was unterscheidet in diesem moment das kreative von dem herkömmlichen buffet?

wahrscheinlich kommt in diesem moment nicht mehr das petersiliensträusschen auf die schnittchen, sondern eine essbare orchideenart oder ein gelee aus trüffelessig mit einem hauch vanille oder so. kombinatorisch ist heute in der küche alles möglich. wo früher kleine fähnchen im käse prangten, gibt es inzwischen sicherlich einen vielfarbigen schokoüberzug über denselben. das schnittchen wird zur geschmacksexplosion und das ziermesser zur stickstoffschockfrostung.

da die rohstoffe zwar meist die gleichen bleiben, das catering und kochen aber im hightech-umfeld stattfindet, darum fuhr in besagter nacht auch ein lieferwagen an der haltestelle vorbei, der für zwei dienstleistungen warb: „entsorgung von speiseabfällen und elektronikschrott„.

denn irgendwann geht doch alles wieder den irdischen weg und wird zu dem, was es vorher einmal war. der speiseabfall besteht hauptsächlich aus naturprodukten, auch wenn mancher heutzutage auf die sondermülldeponie gehört. und der silizium-chip wird wieder zu sand am strand der meere, das eisen kehrt ins blut und in die böden zurück, selbst glas versandet in den gezeiten. ob sich in jahrhunderten noch irgendjemand an „creativ catering“ oder „feinkost“ erinnert?