Schlagwort-Archive: kombination

schreibpädagogik und kombinieren

man selber muss keinen finger rühren, um immer wieder neue kombinationen erleben zu können. allein die unterschiedliche zusammensetzung einer schreibgruppe oder eines seminars sorgt dafür, dass jeder durchgang einer veranstaltung anders sein wird. selbst wenn man ein angebot sehr oft durchführt gibt es meist kaum identische situationen. gut manche ergebnisse und reaktionen können sich ähneln, aber die meisten sind so unterschiedlich, dass man sich in kürzester zeit sicher ist, den verlauf einer veranstaltung nie vorhersagen zu können.

und es liegt einzig und allein an der neuen kombination verschiedener menschen. es ist erstaunlich, wie viel dies ausmacht. wenn man sich dann zusätzlich noch die freiheit gibt, direkt auf die jeweiligen bedürfnisse der gruppe zu reagieren, dann kann man am ende einer veranstaltung jedesmal woanders landen. das ist auch für einen selber interessant und spannend. denn man arbeitet sich jedesmal in neue aspekte, blickwinkel und themen ein. dadurch wird der eigene blick auf das, was gelehrt oder angeleitet wird, stetig erweitert und vielfältiger.

dies hat natürlich den effekt, dass man beim nächsten durchgang die kombination des angebots ein wenig verändert, neues einfließen lässt. und schon befindet man sich auf einer ganz anderen schiene mit der nächsten gruppe. es kann sein, dass von mal zu mal das angebot dichter und spannender wird. es kann aber auch sein, dass man so viel in die schreibgruppenleitung packt, da man selber so viel neues erfahren hat, dass die rückmeldung eindeutig ist: es ist alles Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und kombinieren

in wissenschaft und forschung spielt das kombinieren eigentlich vor dem niederschreiben der forschungsergebnisse oder der abschlussarbeit eine rolle. denn der eigentliche akt des forschens ist eine folge aus gedanklichen kombinationen, die wiederum zur entwicklung von thesen und zum entwurf des forschungssettings führen.

doch auch beim verfassen eines wissenschaftlichen textes geht es um die richtige kombination: von eigenen worten und von zitaten. von beschreibungen und messergebnissen. von logischen schlussfolgerungen und von belegen. die mischung machts. eine eindeutige orientierung wie viel von was in einem wissenschaftlichen text verloren hat, gibt es nicht. entweder man fragt die betreuenden wissenschaftlerInnen nach der gewünschten zusammensetzung der mischung oder man lässt sich ein feedback von fachfremden personen geben.

zusätzlich kann man sich seinen text, ja seine ganze abschlussarbeit, selber laut vorlesen. rhythmus und gedankenfolgen lassen sich dann noch einmal mit einem anderen sinn erfahren und holperige stellen fallen einem leichter auf. aber das wichtigste an einem wissenschaftlichen text sind die abfolgen logischer gedanken. nur aus dem einen ergebnis kann ich den schluss ziehen, der wiederum die voraussetzung für den gedanken und das nächste ergebnis ist. gedanken bauen hier in einer logischen kombination aufeinander auf.

ganz einfaches beispiel: gäbe es keine schwerkraft könnten reifen nicht abgefahren werden. würden reifen nicht abgefahren, kämen sie nicht so leicht ins rutschen und kämen reifen nicht so leicht ins rutschen würden nicht so viele menschen im graben landen. das ist nun natürlich eine verkürzte darstellung und ganz viele andere faktoren spielen auch eine rolle. aber man kann nicht sagen, auch ohne schwerkraft würden reifen stark abgefahren.

so lässt sich in der wissenschaft und beim wissenschaftlichen schreiben nicht so beliebig remixen, wie im kreativen schreiben. man muss bei allen texten einer vorstellungsrichtlinie und beweiskette folgen. dabei kann man zwar den rückblick zur ursuppe also die ersten ursachen einer reaktion, eines ergebnisses außer acht lassen, aber dies auch nur, da Weiterlesen

biografisches schreiben und kombinieren

wenn man sich seine lebensgeschichte anschaut, dann gab es mit großer wahrscheinlichkeit immer wieder ereignisse, die sich ähnelten aber jedesmal unterschiedlich verliefen, je nachdem, welche menschen aufeinander trafen, was in der folge passierte. selbst wenn man sich bemüht, alle äußeren bedingungen identisch zu gestalten, hat jedes ereignis seine ganz eigenen regeln und verläufe. es lässt sich nichts vorhersagen.

beim biografischen schreiben kann man den blick auf die ereignisse werfen, die einen am meisten erstaunten. man dachte, man weiß, was passieren wird, ahnte die folgen der kombination und wurde überrascht. listen sie doch einmal die überraschungen ihres lebens auf. und schauen sie, wie sie mit den überraschungen umgingen. die spontanen reaktionen sind oft die spannendsten, wenn man sich selber noch ein wenig kennenlernen möchte.

natürlich kann man sich noch ganz andere kombinationen des eigenen lebens anschauen. welche menschen brachte man gern zusammen, mit welchen menschen brachte man sich selber gern zusammen und welche menschen passten gar nicht in einen raum? woran lag es, was geschah?

oder blicken sie auf ihre ästhetische welt: welche farben, welche muster und welche kleidung haben sie gern zusammengebracht, wurden zu ihren erkennungszeichen? warum gefielen ihnen die kombinationen? wie reagierten andere Weiterlesen

liste (103) – kombinieren

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um das „kombinieren“.

meine liebsten farbkombination:

meine liebsten cocktails:

zwei ereignisse meines lebens, die ich am liebsten miteinander kombinieren würde:

die absurdesten kombinationen von dingen, ereignissen, musik, literatur, essen …, die mir gefallen:

meine liebsten musik-remixe:

schreibberatung und kombinieren

wie in der vorigen schreibidee dargestellt, kann das absurde kombinieren von textsorten und schreibtechniken das herangehen an eine schreibaufgabe etwas auflockern. dabei ist damit zu rechnen, dass auch der innere zensor, dass die eigenen erwartungen an einen text etwas in den hintergrund treten. die schreibenden wissen, dass ein beipackzettel als gedicht kein „ernsthafter“ text ist, und lässt sie mit großer wahrscheinlichkeit entspannt in den schreibprozess einsteigen.

in der schreibberatung kann man auch ein paar anleihen bei der systemischen therapie machen. eine der vorstellungen dieser therapieform besteht darin, dass das individuelle (denk)system, in dem ein mensch lebt, verstört werden kann, damit sich ein neues system herausbildet. wenn es also bei schreibprozessen immer wieder die gleichen hemmungen und blockaden gibt, dann könnte man versuchen, sie zu verstören und zu umgehen.

in diesem moment kann es hilfreich sein, zum beispiel einen wissenschaftlichen text(abschnitt) erst einmal als kurzgeschichte oder kochrezept schreiben zu lassen. dabei verlässt man die inhaltliche fragestellung nicht, soll heißen, man sammelt weiter stichpunkte und wissen im text an, aber die form und struktur widerspricht jeglicher norm. das verschwinden der norm kann die nötige freiheit geben durch die neukombination von inhalt und struktur neues zu denken und zu formulieren. ganz abgesehen davon besteht zusätzlich die möglichkeit, andere worte für den gleichen sachverhalt zu finden, die eventuell später in den fachtext übernommen werden können. dadurch wird der lesefluss aufgelockert und der text eventuell ansprechender.

duch neu- oder rekombinationen von schreiberlebnissen in der schreibberatung nimmt man den teilweise blockierenden mustern erst einmal Weiterlesen

schreibidee (355)

ich möchte dieses mal den gedanken der steten kombination aufgreifen. beim kreativen schreiben lassen sich ohne probleme absurde verknüpfungen herstellen, die neues, spannendes oder auch sinnloses ergeben. der versuch ist es jedenfalls wert und deshalb hier die schreibanregung zu „kkk – kreativen kombinationsketten“.

gestartet wird mit einem beipackzettel eines medikaments. alle teilnehmerInnen der schreibgruppe bekommen die kopie des zettels und erhalten die aufgabe, das geschriebene in eine gedicht zu verwandeln. natürlich darf es dabei zu auslassungen und neukombinationen kommen, nicht der gesamte beipackzettel soll wiedergegeben werden. anschließend werden die gedichte kurz vorgetragen.

da nun alle schon einen beipackzettel vorliegen haben, werden sie aufgefordert, einen liebesbrief in der form eines beipackzettels für medikamente zu verfassen. wie kann man tiefe gefühle als nebenwirkungen darstellen? 😉 es dürfte nicht ganz so schwer sein, da verliebt sein oft genug mit einem krankheitsgefühl verglichen wird. die beipackzettel werden anschließen vorgelesen.

als nächstes bekommen alle schreibgruppenteilnehmerInnen einen kurzen nachrichtentext aus einer zeitung als kopie. dieser text soll nun in die form eines liebesbriefs gebracht werden. wie könnten nachrichten hoch emotional und mit viel liebe an andere menschen vermittelt werden? auch die nachrichten-liebesbriefe werden in der gruppe vorgetragen.

nach dieser kombination verschiedener textsorten schreiben alle teilnehmerInnen ein haiku (es wird kein thema vorgegeben). im anschluss wird das haiku in einen nachrichtentext verwandelt. beide, haiku und nachrichtentext werden vorgelesen. generell kann nach jedem schritt natürlich ein feedback stattfinden, doch die kette der vorgehensweisen würde dadurch länger unterbrochen werden. vielleicht ist es einmal ganz sinnvoll, am stück von kombination zu kombination zu gehen und erst abschließend eine feedbackrunde zu den jeweiligen eindrücken durchzuführen.

denn nun soll ein kochrezept in ein haiku verwandelt werden. dafür bekommen alle teilnehmerInnen die kopie eines rezeptes und sind aufgefordert aus dem vorhandenen text ein haiku zu verfassen. es dürfen auch gern zwei oder drei haikus werden. die haikus werden vorgestellt.

und um zum schluss den kreis zu schließen, ist jetzt ein gedicht in ein kochrezept zu verwandeln. dazu kann entweder das zu beginn aus dem beipackzettel geschriebene gedicht verwendet werden oder ein vorher in der schreibgruppe geschriebenes oder ein von der schreibgruppenleitung mitgebrachtes. auch die kochrezepte werden vorgetragen.

natürlich kann diese kreative kombinationskette durch andere textformen erweitert werden. es können romane in haikus, kochrezepte in kurzgeschichten oder gebrauchsanweisungen in lyrik verwandelt werden. der kombination von schriftlichen erzeugnissen sind keine grenzen gesetzt – oder wie würde ihnen ein gesetzestext als elfchen gefallen?

kreatives schreiben und kombinieren

der kreative remix des uncreative writing wurde hier schon oft und öfter thematisiert. wenn jemand mehr darüber erfahren möchte, einfach hier in der suchfunktion den begriff „remix“ oder „uncreative writing“ eingeben. darum hier noch ein weiterer blickwinkel zum kombinieren. dabei beziehe ich mich eher auf die frage, „wer definiert das kreative schreiben?“.

es gibt einen diskurs darüber, ob kreatives schreiben ausschließlich als literarisch-ästhetisches schreiben, ob es einzig als schreiben für den persönlichen ausdruck oder ob es in anlehnung an das „creative writing“ zu verstehen ist. die diskussion krankt daran, dass es keine umfassende definition des begriffes „kreativ“ gibt, dass man unter „schreiben“ jegliche schriftliche formulierung verstehen kann und dass die bezeichnung „kreatives schreiben“ sehr vielfältig verwendet wird.

doch muss man sich denn festlegen? welchen sinn macht dies? ich bin der meinung, dass es im hintergrund der vorgehensweisen und debatten einen grundkonsens gibt, an dem man sich orientieren kann. ganz gleich, welches buch man aufschlägt oder wessen meinung man hört, in einem punkt sind sich alle einig: schreiben und in der folge „kreatives schreiben“ kann jeder mensch lernen. der genie-gedanken von der veranlagung zum bestseller-autor, zur bestseller-autorin ist veraltet und widerlegt.

schreiben ist verknüpft mit lernen und arbeit, kreatives schreiben basiert in allen vorstellungen auf die anwendung bestimmter schreib- und assoziationstechniken. die vorstellung, welche techniken zum kreativen schreiben gehören, variieren ein wenig, aber sind sich doch in vielen aussagen zumindest ähnlich, wenn nicht sogar identisch. mit diesem pool verschiedener vorgehensweisen lässt sich das kreative schreiben ganz gut umschreiben und fassen.

wiederum der kreativität zugehörig ist die vorstellung der neukombination von bereits vorhandenem. kreativität basiert auf spiel, experiment und kombination. dinge werden kombiniert und in verbindung gebracht, die bis dato kaum in kontakt kamen. so lassen sich natürlich auch diverse arbeitsfelder mit dem Weiterlesen

selbstbefragung (159) – kombinieren

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „kombinieren“.

  • welche tätigkeiten kombinieren sie in ihrem alltag miteinander (multitasking)? beschreiben sie.
  • welche kombinationen künstlerischer art mögen sie (multimedial)?
  • was würden sie gern miteinander kombinieren? seien sie frei im denken von unmöglichkeiten.
  • welche farben kombinieren sie gern miteinander? warum?
  • welche menschen würden sie gern bei einer einladung miteinander kombinieren?
  • wenn sie ihr leben remixen könnten, wo würden sie neu mischen / kombinieren? warum?
  • welche modische kombination geht für sie überhaupt nicht? warum?
  • was würden sie mehr miteinander kombinieren, um eine „bessere“ welt zu erhalten?
  • neu- und rekombination haben viel mit kreativität zu tun. welche kombinationsversuche in ihrem leben waren für sie erfolgreich?
  • wie leicht fällt es ihnen, frei zu kombinieren? warum?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

selbstbefragung (147) – ästhetik

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „ästhetik“.

  • was passt für sie im alltag überhaupt nicht zusammen?
  • was verstehen sie unter ästhetik? beschreiben sie.
  • welche drei farben kombinieren sie am liebsten?
  • welches gemälde ist für sie sehr ästhetisch?
  • welche fotografien sind für sie ein ästhetischer ausdruck?
  • das gesicht von wem finden sie sehr ästhetisch oder auch „schön“?
  • gibt es für sie eine landschaft, die ihnen ebenmäßig vorkommt?
  • wie wichtig ist ihnen ein ästhetischer ausdruck beim kleiden, wohnen oder schreiben?
  • was fanden sie in ihrem leben am unästhetischsten?
  • schönheit ist relativ – oder? begründen sie.

hier können sie weitere 1000 fragen als pdf-datei runterladen.

schreibidee (309)

sie ist noch nicht beendet, die suche nach plagiaten im wissenschaftlichen bereich. darin unterscheidet sich das wissenschaftliche schreiben, das erlangen eigener erkenntnisse, vom kreativen schreiben, dem neu-kombinieren von ideen. die literatur hat sich schon immer existierender vorlagen bedient, sie verändert, umgeschrieben und neu geschaffen. und in anlehnung an das buch von david shields (https://schreibschrift.wordpress.com/2011/09/22/reality-hunger-von-david-shields-ein-buchtipp/) soll dies in der vorliegenden schreibanregung auf die spitze getrieben werden, es sollen „zitat-stories (remixed)“ verfasst werden.

diese form der schreibanregung muss ausführlich vorbereitet werden, da spontanes zitieren meist nicht sonderlich gut funktioniert. für die erste übung muss die schreibgruppenleitung ausführlich vorbereiten. es ist ein bunter mix aus den verschiedensten zitaten zu erstellen (das dürfen ruhig etliche din-a4-seiten sein). alle schreibgruppenteilnehmerInnen bekommen den katalog an zitaten in die hand. sie werden aufgefordert einen teil der zitate zu kombinieren, um so einen gedankengang, der ihnen beim durchlesen der texte, entstehen zu lassen. die kombination wird nicht vorgelesen.

im anschluss bringen die teilnehmerInnen ihren gedankengang beim „remixen“ der zitate noch einmal gesondert zu papier. auf maximal zwei seiten formulieren sie, was sie mit ihrer kombination ausdrücken wollen, was sie dabei gedacht haben. auch dieser text wird nicht vorgelesen. nun nehmen sie sich ihren mix abermals vor und formulieren eigene gedanken dazwischen. diese können die zitate miteinander verknüpfen (die zitate werden nicht als solche markiert), sie können sie kommentieren oder ganz selbständig daneben stehen. der (re)mix an zitaten wird dann in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine kurze feedbackgruppe statt, wie der text auf die anderen gewirkt hat.

der zweite teil des schreibgruppentreffens muss von den teilnehmerInnen vorbereitet werden (dies kann ein wenig aufwendig sein und sollte früh genug angekündigt werden. die teilnehmerInnen wählen für sich im vorfeld zitate aus, die ihnen gefallen. diese können aus büchern, zitatsammlungen, zeitschriften und zeitungen oder werbebroschüren sein. sie bringen diese zitate möglichst ausgedruckt mit oder senden sie vorher an die schreibgruppenleitung, damit diese sie vorher ausdrucken können.

nun werden alle zitat-sammlungen auf einem großen tisch, um den herum alle sitzen können, ausgelegt. alle können aus allem auswählen. sie können ihrem remix hinzufügen, was sie wollen. sie erstellen daraus einen ganz neuen text, eine kombination von textabschnitten, die eine eigene bedeutung ergeben, einen eigenständigen ausdruck. es darf so viel an eigenen gedanken hinzugefügt werden, wie man gerade lustig ist. anschließend werden die neuen texte vorgetragen und es findet zum abschluss eine feedbackrunde statt. in der feedbackrunde geben alle teilnehmerInnen wieder, zu welchen gedanken sie der text angeregt hat. dies kann sich stark von den intentionen der autorInnen unterscheiden.

schreibidee (271)

wissenschaft dient nicht nur der aufschlüsselung unserer umwelt, sie dient auch der erfindung von ganz neuen gegenständen oder techniken. und erfinden benötigt wie das schreiben eine kreative haltung, bei der dinge oder gedanken kombiniert werden, die bis dahin noch nie kombiniert wurden. wenn man sich von großen erfindern die aufzeichnungen ansieht, dann geht es nie ausschließlich um logik, dann geht es auch auch um spielerei. also eine spielerische schreibanregung für „erfindergeschichten„.

als einstieg ein spiel für die schreibgruppenteilnehmerInnen: alle schreiben jeweils auf einen zettel fünf gegenstände oder geräte, die ihnen gerade in den sinn kommen. die zettel werden eingesammelt und gemischt. dann ziehen alle teilnehmerInnen zwei mal zwei zettel. dabei kombinieren sie jeweils zwei zettel miteinander. diese beiden zettel sind die neue erfindung, die sie gemacht haben. auf maximal zwei seiten sollte die erfindung beschrieben werden. welchen zweck erfüllt sie? für wen ist sie geeignet und welches bedürfnis kann mit der erfindung befriedigt werden. die beschreibungen werden in der gruppe vorgetragen.

nun werden noch einmal zwei zettel gezogen. die kombination dieser beiden zettel ist auch eine erfindung. doch dieses mal liegt der schwerpunkt nicht auf der beschreibung der erfindung, sondern auf der geschichte, die dahintersteckt. das bedeutet, wie wurde der neue gegenstand erfunden? was geschah? dazu soll eine etwas längere geschichte geschrieben werden. mit welchen gegenständen oder ideen wurde gespielt, damit die erfindung am schluss herauskam? die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es gibt eine kurze feedbackrunde.

im nächsten schritt werden von allen schreibgruppenteilnehmerInnen die letzten zwei mal zwei zettel gezogen. dazu wird nun eine lebensgeschichte „gebaut“. ein erfinder wird erfunden. dazu kann vorbereitend eine kleine charakterbeschreibung der erfinderInnen notiert werden. anschließend wird eine längere geschichte um die erfinderInnen geschrieben, in der auch die letzten beiden gegenstände erfunden werden. wie kam es zu dem erleuchtenden schritt? mit was wurde gespielt? die geschichten werden in der schreibgruppe vorgelesen und es gibt eine ausführliche feedbackrunde.

zum abschluss wählt die schreibgruppe die beste erfindung des treffens. welcher neue gegenstand ist aus der sicht der gruppe der interessanteste und sollte weiter verfolgt werden. wenn noch zeit ist, dann könnte man noch eine spielerische patentanmeldung formulieren.

schreibidee (262)

es ist die zeit der blüte, der feierlichkeiten und vor allen dingen der blumensträusse. es wird geheiratet, konfirmiert, gefirmt oder einfach nur zum grillfest geladen. und zu all diesen anlässen werden gern bunte blühende gebinde mitgebracht. das angebot in den läden und beeten an blühenden pflanzen scheint zur zeit unerschöpflich und bietet anlass zu „blumenstrauss-geschichten“ anzuregen.

zu beginn werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, ihre lieblingsfarbkombination zu erstellen. welche farben gefallen ihnen am meisten. damit dies nicht in einem malkurs endet, sollen für die jeweiligen farben (maximal 5) kleine eigenschaftszuschreibungen von fünf zeilen verfasst werden.

anschließend wählt man blumen aus, die diese farben vertreten. dazu kann entweder das internet, diverse pflanzenführer oder auch das floristische wissen einzelner teilnehmerInnen genutzt werden. so gibt es zum beispiel rosen und gerbera in sehr verschiedenen farben. auch pflanzen weisen einen eigenen charakter auf. zu jeder pflanze soll von den schreibenden jeweils eine halbseitige charakterstudie verfasst werden.

nun haben die schreibgruppenteilnehmerInnen alle zutaten zu ihren sträussen beisammen. die kurzen texte sollen in einer geschichte zusammengebunden werden. es geht nicht darum die charakteristiken der farben und pflanzen zu vereinen, sondern eine passende geschichte zu verfassen, die den strauss versinnbildlicht. die charakterstudien dienen nur der anregung. anschließend werden die geschichten vorgelesen und im feedback geklärt, ob der strauss passend erscheint.

aus den geschichten und den charakteristiken können nun noch „blumenstrauss“-haikus verfasst werden, die in kurzer knapper umschreibung das gebinde darstellen. und als abschluss können alle teilnehmerInnen, wenn sie möchten, in einen blumenladen gehen, um sich ihren jeweiligen strauss binden zu lassen. dieser kann dann mit der geschichte zusammen verschenkt werden. natürlich lässt sich dies auch noch später nachholen oder umgekehrt praktizieren (erst einen strauss binden lassen und dann eine geschichte dazu schreiben). die empfängerInnen der sträusse wird es freuen, eine passende geschichte zu erhalten, denn die verblüht nicht so schnell.

kreatives schreiben und essen

essen kann genuss sein, neben der zufuhr von lebensnotwendiger nahrung. schreiben kann genuss sein, neben der beruflichen notwendigkeit. da scheint es eine logische folge zu sein, dass man beides öfter miteinander verbinden sollte. so kann es ein genussreicher moment sein, erst gemeinsam zu schreiben, dann gemeinsam zu kochen und als dessert gemeinsam texte vorzulesen.

aber kreatives schreiben und essen lassen sich noch ganz anders miteinander verbinden. man kann zum beispiel restaurantkritiken mit elementen des kreativen schreibens erstellen. also seine formulierungen und assoziationen über die bekannten schreibtechniken erlangen. oder auch gemeinsam essen gehen und später darüber schreiben.

allein das thema „geschmack“ bietet eine unglaubliche bandbreite für kreative ideen. eine der eindrücklichsten übungen besteht zum beispiel darin, mit verbundenen augen gefüttert zu werden. die geschmackssensationen werden viel intensiver erlebt, die spannung ist enorm. nicht ohne grund sind viele menschen von den restaurants begeistert, die in absoluter dunkelheit ihr essen anbieten.

und man schaue sich einmal die arbeitsweise der großen köchInnen an. in den berühmten küchen herrscht ein großes kreatives potential. letztendlich baut sich ein neues rezept ähnlich auf, wie ein neuer text: es werden bekannt dinge in unbekannter weise miteinander kombiniert. daraus entstehen durch experimentieren und erproben sensationelle gerichte. warum also nicht einmal in beiderlei hinsicht experimentieren: Weiterlesen

kreatives schreiben und spielerisches

das kreative schreiben an sich ist ja schon eine spielerische angelegenheit. oder anders formuliert: in der kreativität steckt ein stück spielerischer zufall. es werden ideen, gedanken oder ereignisse miteinander kombiniert, die bis dahin noch nicht miteinander in berührung kamen. durch diese vorgehensweise entsteht neues, noch eine prise intuition und fertig ist der text. das mag manchen darum auch so „wertlos“ scheinen, da das spiel im spiel ist. hier zeigen sich immer wieder die wertigkeiten einer spaßfreien gesellschaft.

was spaß macht und spielerische aspekte beinhaltet, darf hobby oder persönliches vergnügen sein, kann aber nicht ernsthafte berufliche tätigkeit darstellen. bei uns wird während der arbeit nicht gespielt. dabei würde es dem arbeitsalltag gut tun, wenn sich die wertschöpfenden manchmal nicht ganz so ernst nehmen. auch spielerische geschäftsmails, jahresberichte sowie bilanzen könnten den alltag bunter gestalten. das bedeutet nicht, dass das spielerische den inhalt verfälschen würde, sondern dass es die realität abwechslungsreicher abbildet.

im kreativen schreiben bedeutet das spielerische das verlassen der streng strukturierten texte, geschichten und schreibübungen. es entsteht ein „spielraum“, der es allen schreibenden ermöglicht, einen eigenen weg zum ergebnis zu finden. zum schreiben werden anregungen herangezogen, aber keine anweisungen. oder noch drastischer formuliert: Weiterlesen

woraus schöpft kreativität?

ich hab hier schon angerissen, dass das spiel an sich bei kreativen prozessen eine große rolle spielt. doch was ist spielen eigentlich? es ist ein versuch die umwelt zu erfahren und zu „begreifen“, ohne gleich mit allen konsequenzen des alltags konfrontiert zu werden. das spiel ist eine seltsame absprache, die vielen prozessen die ernsthaftigkeit nimmt. wenn man sich zum beispiel spielende tiere betrachtet, dann kann man feststellen, dass viele abläufe dem kämpfen oder jagen gleichkommen. und doch wird aus dem kämpfen und jagen erst einmal kein ernst. auch bei menschen bereitet das spiel des kindes auf später ernsthafte alltäglichkeiten vor. ob es nun der kaufmannsladen ist, das spiel mit puppen oder die egoshooter sind. all diese spiele trainieren spätere möglichkeiten.

leider wird bei uns spiel so verhandelt, dass das gespielte automatisch bedeutet sich später auch so zu verhalten. doch eigentlich ist die abmachung beim spielen, eigene grenzen ausloten zu dürfen und vor allen dingen all das im spiel erlebte auch wieder verwerfen zu können. darum führt der egoshooter auch nicht automatisch dazu sich in einen kampf zu begeben. im spiel eigne ich mir möglichkeiten der welt an. darum entstehen dort sozuschreiben varianten des lebens. kreativität ist ein ausloten der varianten des lebens, der versuch sie darzustellen. es bedeutet nicht, dass ich all das dargestellte erlebt haben muss, in seiner ernsthaftigkeit erfahren muss. die spielerische komponente besteht zusätzlich darin, dass ich dinge kombinieren kann, die ich in der realität nicht kombinieren kann.

es fällt oft schwer, kreatives stehen zu lassen. oft kommen nach kreativen prozessen sehr realistische ergebnisse zutage, die wiederum die konsumenten verwirren. man betrachte nur manche filme, die eigentlich eine erfundene geschichte wiedergeben, beim zuschauer aber das gefühl auslösen, so kann es gewesen sein. so geht kreativität einher mit der fähigkeit, sich in einem eigentlich fremde situationen und handlungen hineinversetzen zu können. das spiel ist eine gute vorbereitung dafür. aber eben nur eine.

die andere vorbereitung für kreative prozesse besteht in der beobachtung. ein waches auge für die ereignisse um einen herum zu haben. ich kann natürlich auch nur mich selber für meinen kreativen ausdruck heranziehen. doch selbst in diesem moment habe ich mich im vorfeld beobachtet, reflektiere ich erlebtes und gefühltes. einen schöner effekt von kreativem tun besteht in der wachsenden aufmerksamkeit für geschehendes. wenn man einmal anfängt vermehrt um sich zu blicken, um ideen zu sammeln oder charaktere zu finden, wird man selten diesem tun überdrüssig sondern eher neugierig.

der beobachtende blick, das emotionale radar läuft quasi nebenher. Weiterlesen

wie werde ich kreativ?

anders formuliert lautet die frage: wie werde ich schöpferisch? und die platte antwort lautet: indem man einfach loslegt. doch womit nur loslegen? gern formulieren menschen von sich, dass sie nicht kreativ seien. so etwas könnten sie nicht, sie hätten keine fantasie, ihnen würde nicht so viel einfallen. genauer betrachtet sind erst einmal alle kreativ. allein die bewältigung des alltags in der heutigen zeit, verlangt von jedem menschen ein gewisses maß an kreativität. immer wieder geschehen situationen, die einen auffordern, die üblichen handlungs- und denkgewohnheiten zu verlassen und neue wege zu beschreiten. dies ist ein ausdruck von kreativität.

doch schauen wir mal auf die kreativität, die im kulturellen bereich eine rolle spielt. eines der größten vorurteile besteht darin, dass man glaubt, die kreativen köpfe würden ihre ideen aus sich selber heraus schöpfen, hätten eine veranlagung dafür auf ideen zu kommen. dabei machen sie nichts anderes, als zu spielen. natürlich bauen viele ein gedankengebäude drumherum, das ihre kreativität als theoretisch unterfütterte entwicklung erscheinen lässt. und doch spielen sie im endeffekt. denn was ist spielen anderes, als gegebenes neu zu kombinieren, unerwartete situationen zu meistern und szenarien zu erfinden.

spielen wird bei uns gern als den kindern vorbehalten angesehen. spiel hängt mit spaß zusammen und kann deshalb in der vorstellung vieler nichts ernsthaftes sein. dabei ist spielen eine form, die welt zu entdecken und zu bewältigen. nichts anderes machen kreative. sie greifen die einflüsse von außen und die gefühle von innen auf, kombinieren sie und schaffen daraufhin etwas neues. neu wird es durch die neuartige kombination. nehmen wir ein allseits bekanntes beispiel: die verhüllung des reichstags in berlin durch christo und jeanne-claude. es handelte sich um nichts anderes, als dinge, die man im alltag auch macht, nämlich etwas zu verpacken, in andere dimensionen zu übertragen. zum einen verpackt man geschenke und zum anderen verhüllt man häuser mit gerüsten, wenn man sie renovieren möchte. kreativ war die idee, ein großes gebäude, wie ein geschenk zu verpacken.

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schreibidee (117)

aus anlass einer drohenden pandemie kann der begriff der „schweinegrippe“ ähnlich dem „flohwalzer“ aufgegriffen werden und eine schreibanregung daraus entworfen werden. so schlimm die erkrankung ist, sie ist nur der anlass für „hund-katze-maus-geschichten„.

es gibt alltägliche begriffe wie pferdewurst, muschelsucher, zitronenfalter oder läusekamm. doch als einstieg in die schreibanregung soll in der schreibgruppe nach ungewöhnlichen kombinationen gesucht werden. hier bieten sich zum beispiel der mausmixer, der elefantenschrank oder die raupenbank an. diese begriffe werden für alle sichtbar notiert. wenn zwanzig bis dreissig begriffe gefunden wurden, sollen die teilnehmerInnen sich jeweils zwei begriffe auswählen, die sie auf jeweils einer halben seite in form eines lexikoneintrags beschreiben. diese erklärungen werden gegenseitig vorgestellt.

im nächsten schritt wählen sich alle jeweils drei begriffe aus. zu jedem begriff wird ein elfchen geschrieben (ein wort, zwei worte, drei worte, vier worte, ein wort). auch die elfchen werden gegenseitig vorgelesen.

nach den aufwärmübungen folgt die eigentliche schreibaufgabe. alle schreibgruppenteilnehmerInnen wählen sich jeweils fünf begriffe aus (alternativ kann auch fünf begriffe gewählt werden, die allen vorgegeben sind) und schreiben eine geschichte dazu. sollte der einstieg schwerfallen kann zu den begriffen ein cluster erstellt werden. die verwendung der begriffe muss sich nicht an den vorher erstellten lexikoneinträgen orientieren. es genügt sie ganz alltäglich zu verwenden. denn wer hat nicht schon einmal von fledermausmessern oder krokodilschüsseln geträumt? wozu die gegenstände dann verwendet werden erklären die geschichten, die nach dem schreiben vorgestellt werden. bis alle mit ihrem amselauto nach hause fahren.

schreibidee (116)

der würfel ist der einfachste zufallsgenerator, den es gibt. dies ist hilfreich beim spielen, aber ebenso bei orakeln oder eben in kreativen schreibzusammenhängen. denn der würfel kann zu schreibanregungen führen, die nicht vorhersagbar sind. und so entstehen dann in der folge „würfelgeschichten„, die niemand steuern kann.

mit dem würfel lassen sich in der schreibgruppe sehr verschiedene schreibanregungen durchspielen. die einfachste als einstieg in einen würfelabend wäre ein großes lexikon oder ein dicker roman. erst erwürfelt man sich eine dreistellige zahl, die die seitenzahl angibt, dann eine zweistellige zahl für die zeile oder den eintrag auf der seite von oben gezählt. nun kann man diesen begriff aus dem lexikon für einen ersten text aufgreifen. beim roman kann man den satz aus der zeile herausgreifen und als einstieg in eine geschichte nehmen.

in der folge lassen sich aber auch mit vier würfeln die buchstaben erwürfeln mit denen die zeile eines gedichts beginnen soll. die augenzahl wird einfach gezählt und der jeweilige buchstabe des alphabets genommen. dabei fallen aber „A, B, C, Y und Z“ raus.

es ergeben sich, einmal angefangen, viele kombinationsmöglichkeiten, um den einstieg in geschichten zu finden. so können alle schreibgruppenteilnehmerInnen nomen, adjektive, verben, pronomen, zeitangaben und orte auf zettel schreiben. man macht sechs losgruppen und würfelt, welche worte einen satz ergeben sollen oder eine schreibanregung. ebenso kann man sich durch das internet würfeln, indem man die zahlen in weiterführende klicks umsetzt und die homepage am schluss als anregung nimmt.

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kreatives schreiben und kombinationen

 

ein zeichen von kreativität ist es, dinge kombinieren zu können und einfach zu kombinieren, die eigentlich nicht kombiniert werden können. wie hier schon einmal beim „überraschungseffekt“ aufgezeigt, macht meist das unerwartete texte interessant. aber es geht nicht nur um die überraschung bei einer gewissen kombinationsfähigkeit. es geht darum, dinge miteinander verknüpfen zu können.

nehmen wir einmal die situation, dass ich zwei erlebnisse im alltag hatte, die ich mir als mögliche geschichtsideen notierte. nach einer gewissen zeit entsteht die idee, etwas über den alltag zu schreiben. beim kreativen schreiben fällt es dann nicht mehr schwer, verschiedene erlebnisse in einer geschichte zu vereinen. bei einer geschichte zum alltag mag das noch leicht fallen, da erlebnisse aneinandergereiht oder verschränkt werden können.

schwerer fällt es, wenn die zwei ideen eigentlich nichts miteinander zu tun haben. und doch ermöglichen es die kreativität und das kreative schreiben, dass absurde geschichten entstehen und gedacht werden dürfen. oder es besteht die möglichkeit, eine verknüpfung zu finden, die bis dahin nicht gedacht wurde, aber nichts mit absurdität zu tun hat, sondern realität nur anders abbildet.

diese fähigkeit zur kombination kann erlernt werden. Weiterlesen