Schlagwort-Archive: kompliment

schreibberatung und schicksal

in der schreibberatung taucht das thema „schicksal“ gern durch eine hintertür auf. es nährt die fatalistische haltung, einfach nicht schreiben zu können. andere können das, aber die ratsuchenden sind nicht selten davon überzeugt, dass ihnen diese fähigkeit vergönnt ist. sie hätten keine ideen, sie könnten sich nicht ausdrücken, sie würden nur platte und langweilige texte verfassen.

da schimmern zwei vorstellungen durch, die man meist durch nachfragen eingrenzen kann: erstens die vorstellung, es gäbe eine angeborene kompetenz, schreiben zu können, ein talent, das nicht erlernbar wäre und einen zum scheitern verurteile. dabei werden stete vergleiche mit anderen angestellt und den anderen unterstellt, dass sie so zu sagen von geburt an „gut“ schreiben und formulieren können.

zweitens schimmert ein hoher und streng beachteter eigener anspruch durch, der kaum zu umgehen ist. jeder geschriebene satz, jeder verfasste text wird einer persönlichen bewertung unterzogen und meist für nicht tauglich gehalten. das leugnet, dass ein großer teil des schreibprozesses auch bei anderen menschen, das korrigieren und bearbeiten einnimmt. und es leugnet auch, dass am anfang, bei einem recht freien schreiben, dinge entstehen dürfen und können, die nicht gleich der große wurf, sondern einzig ausdruck der eigenen gedanken sind. dieser ausdruck hat einen wert an sich, den man nicht schmälern sollte.

es ist nicht ganz leicht, in einer beratung gegen diese schicksalshaften vorstellungen zu argumentieren. ein hoher anspruch ist auch so lang nicht problematisch, so lang es einen selber nicht unter leidensdruck setzt und das eigentliche schreiben verhindert. schreiben sollte nicht zur qual werden und nicht allen schreibenden winkt gleich der nobelpreis. es ist also in kleinen schritten zu lernen (und zu üben), Weiterlesen

Werbeanzeigen

schreibberatung und flucht

ich möchte hier nicht darüber schreiben, weshalb jemand die schreibberatung fluchtartig verlassen könnte, auch wenn mir manche gründe dazu einfallen. nein, es geht mir um die frage, welche rollen die kleinen oder großen fluchten bei schreibkrisen und schreibblockaden spielen. es geht um die momente, in denen einem so viel anderes einfällt, während man sich eigentlich an eine schreibaufgabe setzen sollte und diese abarbeiten müsste.

da werden fenster geputzt, es wird im internet gesurft, ganz dringend muss man lebensmittel kaufen, obwohl der kühlschrank voll ist, freunde werden angerufen, da man sich so lang nicht mehr gemeldet hatte, dann kommen ein paar einladungen, die man alle gern wahrnimmt, man muss auch die alten zeitungen mal aussortieren und noch vieles mehr. wenn man diese aufgaben nicht jetzt erledigen würde, dann würde man binnen kürzester zeit im chaos versinken. so jedenfalls ist gern die argumentation in der schreibberatung.

schlicht formuliert werden halbbewusst falsche prioritäten gesetzt und dadurch der druck zu lösung der schreibaufgabe ständig erhöht. die fluchten fühlen sich aber nicht gut an. im hinterkopf kreisen die gedanken, dass man eigentlich etwas anderes, wichtigeres machen müsste. und gleich fallen einem wieder 10 ausreden ein, warum nicht gerade jetzt. der gute rat von außen, macht es meist nicht besser. da wird aufgezeigt, dass es nun mal dinge im leben gibt, die man nicht so gern macht, aber wenn man sich nur ein bisschen zusammenreisst, dann klappt das schon. da werden horrorszenarien, die man meist schon selber im kopf hat, ausgemalt und druck erhöht sich beständig.

nebenher ist der mensch auch noch so geschickt, dass er sich mit anderen vergleicht und davon ausgeht, die schaffen das alle ganz leicht, nur man selber kriegt es wieder nicht auf die reihe. außerdem, was hat man schon schriftlich mitzuteilen. die eigenen schreibprodukte zeugen doch eher von schlechter qualität, das forschungsprojekt liefert keine brauchbaren ergebnisse, man hat einen fürchterliche schriftsprache und noch vieles mehr. bei solchen gedanken kann man ja nur die flucht ergreifen und hoffen, dass sich alles von selbst regelt.

der teufelskreis besteht darin, dass das prokrastinieren keinen spaß mehr macht. so lang es einem gut damit geht, spricht nichts gegen „aufschieberitis“. aber sobald man nur noch mit schlechtem gewissen und bauchgrimmen die flucht antritt, lohnt ein blick auf die eigenen denkmuster. die erste frage lautet: wie realistisch ist die eigene einschätzung? flüchtende schreiberInnen haben meist Weiterlesen

schreibidee (236)

besonders soft kommen flauschige produkte daher. dazu gehören zum beispiel die frottee-handtücher oder hochflorige teppiche. auch ein küken ist flauschig, ebenso wie die weichgespülte bettwäsche. der unterschied von flauschig zu weich besteht darin, dass das flauschige einen umhüllt, dass es dämpft und schützt, dass es sich nicht nur weich den vorgegebenen formen anpasst, sondern noch streicheleinheiten zurückgibt. nach „harten“ und „weichen“ texten ist es also in dieser schreibidee aufgabe, „flauschige texte“ zu verfassen.

zum einstieg bekommen alle teilnehmerInnen ein frotteeläppchen (z.b. einen waschlappen) und sollen dazu einen kleinen text verfassen, eine ode an das frottee. diese oden werden im anschluss vorgetragen. die lappen dürfen behalten werden, eine feedbackrunde gibt es nicht. da sich flauschiges nicht nur durch seine weichheit auszeichnet, sondern auch dadurch, dass aus wenig viel gemacht wird, ist als vorarbeit eine kurz-kurz-geschichte in drei sätzen zu verfassen.

diese kurz-kurz-geschichte wird nicht vorgetragen, sondern an andere schreibgruppenteilnehmerInnen weitergegeben. nun sind alle aufgefordert aus der ihnen vorliegenden 3-sätzigen geschichte eine drei-seitige story zu machen. und ganz wichtig: eine „schöne“ story. das soll heißen, damit es richtig flauschig wird, sollten die kleinen dramen in der kurz-kurz-geschichte und die handlungen in ein die leserInnen umschmeichelndes licht gerückt werden.

auch hier wieder der hinweis, dass es nicht um kitsch geht. es geht darum, eine sprache zu finden, die die positiven, angenehmen ereignisse in den vordergrund rückt. kennen sie das, wenn es zwar ein happyend im film gibt, dieses aber nicht ausgekostet wird, sondern gleich der abspann kommt. die entspannung wird gekürzt. in den flauschigen texten sollte sich dies anders sein. anschließend werden die kurz-kurz-geschichten und die flauschigen texte vorgetragen. in der feedbackrunde wird betrachtet, wie weit man sich von der story umschmeichelt fühlt.

zum abschluss sollen sich gegenseitig noch streicheleinheiten durch texte gegeben werden. per los finden jeweils zwei teilnehmerInnen der schreibgruppe zueinander. diese schreiben sich gegenseitig einen text voller komplimente. diese komplimente sollten nicht überzogen, auch nicht gelogen, sondern auf den in der gruppe gezeigten verhaltensweisen basieren. die texte werden sich danach vor der gruppe gegenseitig vorgelesen. das ist wahrscheinlich gar nicht so leicht. es fällt oft viel leichter sich vor anderen gegenseitig zu kritisieren, aber nicht, sich komplimente zu geben und diese dann auch noch auszuhalten, ohne sie zu relativieren. doch verbales kuscheln sollte nicht unterschätzt werden.

selbsterkenntnis und ehrlichkeit

der mensch ist ganz gut, wenn es um das ausblenden und verdrängen eigener schwächen geht. dies ist eine form des selbstschutzes, da beständige selbstkritik sehr zermürbend sein kann und es einem beinahe unmöglich macht, selbstbewusst zu sein. man kann immer noch einen schritt besser sein, etwas noch perfekter hinbekommen, sich noch genauer kennen. gerade in der heutigen gesellschaft, in der eher kritik geäußert, denn lob ausgesprochen wird, mäkeln die menschen gern viel an sich selbst herum.

ich würde aber klar zwischen mäkeln und ehrlich sich selbst gegenüber sein unterscheiden. doch wie kann man sich selbst mit seinen ganzen schwächen erkennen und annehmen? ab wann sollte man wirklich etwas an der eigenen person, am eigenen verhalten ändern? wahrscheinlich muss man bei adam und eva anfangen und erkennen, dass jeder mensch an sich einen hohen wert hat. dass es über dem wert des mensch seins eigentlich keinen höheren gibt. diesen wert kann einem niemand nehmen, so sehr auch versucht werden sollte, abzuqualifizieren. das klingt ganz hübsch, doch die realität sieht oft anders aus. menschen lassen sich einschüchtern, verunsichern und versuchen sich den anforderungen von außen anzupassen. wir bemühen uns alle. dabei verlieren wir uns oft genug selber aus den augen und vergessen wie wertvoll wir erst einmal uns und dann anderen sein sollten.

um den eigenen wert zu erkennen, sollte ich mich erst einmal schonungslos anschauen. schonungslos meint in dieser hinsicht beide richtungen, nämlich in positiver wie negativer richtung. dazu kann es hilfreich sein, einmal die eigenen positiven und negativen eigenschaften zu notieren. nun wäre zu jeder eigenschaft zu schauen, woher die bewertungen kommen. sind es eigene oder sind sie von außen an einen herangetragen worden. bei den von anderen nahegelegten positiven und negativen eigenschaften wäre dann zu schauen, wieweit man sie wirklich teilt. haben die anderen recht mit ihren urteilen. wichtig in diesem zusammenhang ist die frage, wer die urteile ausgesprochen hat. es ist erstaunlich, wie gern menschen vor allen dingen negativen wertungen über sie selber von menschen übernehmen, die ihnen überhaupt nicht nahestehen. hier wäre eine gewichtung vorzunehmen. was sagen mir gute freunde über mich und was sagen andere über mich? guten freunden ist sicherlich ein vorzug zu geben, da sie einen besser kennen und häufig auch die positiven seiten wahrnehmen.

hat man länger keine rückmeldung von freunden bekommen, kann man sie ja einmal einholen. Weiterlesen

komplimente und lächeln

meine kollegin sandra hat mir den link zu diesem film auf „youtube“ geschickt. ein kurzfilm von etwa 16 minuten, der zeigt, was wir eigentlich alle wissen und empfinden aber so wenig leben.

dass komplimente und ein lächeln das zusammenleben der menschen verändern können. das bedeutet nicht, dass alles schön ist, wenn nur genug positiv gedacht wird. es heißt nur, dass sich im alltag eigentlich alle bemühen, doch dabei manchmal die kleinen freundlichkeiten der kommunikation vergessen.

nicht ohne augenzwinkern greift der film dieses thema auf. zu finden ist er unter: http://de.youtube.com/watch?v=Cbk980jV7Ao . und dann die nächsten tage nur noch komplimente verteilen, damit auch bei ihnen die menschen schlange stehen 😀