Schlagwort-Archive: kontrast

schreibidee (348)

grautöne sind seit loriot eine farbe mit vielen nuancen. spannend werden aber viele geschichten, wenn man die grautöne beiseite lässt und nur dem schwarz-weiß-muster folgt. da gibt es gut und böse, freund und feind, leben und sterben, dazwischen scheint es keine aspekte zu geben. und wenn die gegensätzlichkeiten aufeinanderprallen, dann entstehen handlung, konflikt und spannung. darum eine schreibanregung zu „zebra-geschichten“ im schwarz-weiß-muster.

zum einstieg erhalten alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine tabelle, in die gegensatzpaare eingetragen werden sollen, die man mit „schwarz“ und „weiß“ assoziiert, also zum beispiel dunkel und hell oder untergang und auferstehung. die gegensatzpaare werden in der schreibgruppe kurz vorgestellt und die teilnehmerInnen notieren die für sich interessanten.

nun werden ein kurzer „schwarzer“ text und ein kurzer „weißer“ text verfasst, jeweils maximal eine seite lang. sie sollen keinen bezug zueinander haben. die texte werden in der schreibgruppe vorgetragen. dann werden ein schwarzer und ein weißer text verfasst, die bezug zueinander haben (wiederum jeweils maximal eine seite lang). die beiden texte werden vorgetragen, es findet keine feedbackrunde statt.

denn im anschluss soll ein längerer text entstehen. vorgabe für den text ist es, dass dem zebra-muster gefolgt wird. das bedeutet, in dem text bewegt sich der erste abschnitt auf der „schwarzen“ seite, der nächste abschnitt auf der „weißen“, dann wieder ein abschnitt auf der „schwarzen“ und so weiter. die abschnitte müssen nicht gegensatzpaare bedienen, sondern sollen nur von ihrer stimmung her einen klaren kontrast bilden. je nach zeitkontingent kann vorgegeben werden, wie oft der wechsel zwischen den stimmungen in der geschichte stattfinden soll. anschließend werden die texte vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt, in der unter anderem betrachtet wird, wie gut der kontrast beim hören spürbar wird.

zum abschluss können noch „schwarz-weiß“-elfchen zu gegensatzpaaren geschrieben und vorgetragen werden.

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schreibidee (330)

man kann wild essen oder auch wild schreiben, vor allen dingen bald in der weihnachtszeit. doch ebenso in den besinnlichen zeiten, lässt sich mild essen und mild schreiben. was besser gefällt lässt sich wahrscheinlich erst nach dem jeweiligen versuch sagen. darum eine schreibanregung „mild vs. wild“ für die nächste zeit.

man kann sich ein wenig an den „stilübungen“ von raymond queneau als einstieg orientieren. man nehme eine kurze knappe beschreibung einer alltäglichen begebenheit. diese erhalten die teilnehmerInnen der schreibgruppe als kopie. nun ist von der beschreibung eine milde version und eine wilde version zu verfassen. die texte werden im anschluss in der gruppe vorgelesen und man kann einen kleinen vergleich anstellen, wie die attribute „mild“ und „wild“ jeweils umgesetzt werden.

im anschluss werden keine vorgaben mehr gemacht. die teilnehmerInnen wählen für sich aus der letzten woche drei begebenheiten aus, die sie in einer ausführlichkeit von maximal einer halben seite möglichst neutral notieren. zu allen begebenheiten zusätzlich eine milde und eine wilde version notiert. eine der begebenheiten wird an andere teilnehmerInnen weitergegeben, die nun auch jeweils eine milde und eine wilde version dazu verfassen. die texte werden nicht vorgetragen, sondern dienen nur der fingerübung.

nun wird der anfang einer geschichte den teilnehmerInnen der schreibgruppe ausgeteilt. die fortsetzung der geschichte ist zu schreiben. dabei wiederum zwei varianten, mild und wild. eine variante wird nach dem schreiben ausgewählt und in der gruppe kurz vorgetragen, es findet keine feedbackrunde statt.

zum abschluss findet dann eine längere schreibübung statt. dieses mal wird nur das thema oder die überschrift vorgegeben. die schreibenden können selbst wählen, ob sie für eine geschichte noch assoziationstechniken anwenden wollen, oder ob sie gleich eine geschichte dazu verfassen möchten. es ist nicht notwendig, eine neutrale version zu schreiben. ziel sind zwei versionen ein und derselben geschichte: die milde und die wilde variante. dies sollte sich nicht nur in der wortwahl widerspiegeln, sondern kann auch einfluss auf die gesamte handlung neben. am ende des treffens werden jeweils beide geschichten hintereinander vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt. beim feedback werden vor allen dingen die kontraste zwischen mild und wild und die angewendeten schreibstile betrachtet.

schreibidee (209)

neben ämtern (siehe vorheriges post) hat der mensch eine zweite möglichkeit, das chaotische leben in den griff zu bekommen: er kann seine zweifel und unklarheiten in klare wertungen fassen. da gibt es dann nur noch schwarz und weiß, heiss und kalt, gut und böse. schon scheint die welt viel einfacher, wenn man die ganzen grau- und zwischentöne weglässt. am besten eine skala zum ankreuzen, eine statistik zur orientierung und die welt in zwei seiten einer medaille aufspalten. diese schreibanregung soll zu „spaltungstexten“ animieren, damit die welt ein wenig einfacher wird.

als einstieg erhalten die schreibgruppenteilnehmerInnen eine kleine tabelle mit entweder tagesaktuellen ereignissen oder mit beschreibungen von handlungen. alle kreuzen nun, ohne lange zu überlegen, an, ob sie das beschriebene gut oder böse finden. dann greifen sie sich ein beispiel heraus und schreiben einen jeweils einseitigen text. einmal unter einem guten blickwinkel und einmal unter einem bösen sollen die ereignisse beschrieben werden. anders formuliert: wie würde ein optimist das geschehnis sehen und wie ein pessimist?

nun werden am flipchart begebenheiten und ereignisse gesammelt, die man sowohl gut als auch böse empfinden kann, die uneindeutig in ihren beweggründen oder in ihren auswirkungen sind. die teilnehmerInnen der schreibgruppe wählen sich ein beispiel aus. anschließend wird eine längere geschichte geschrieben, die am anfang auf das ereignis zuführt und sich dann wie bei einer weggabelung aufspaltet. an diesem punkt wird die papierseite durch einen strich in der mitte aufgeteilt. auf der linken seite wird der gute fortgang der ereignisse verfasst, auf der rechten seite der schlechte. am schluss werden die handlungsstränge wieder zu einem gemeinsamen schluss zusammengeführt.

beide textvarianten werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und es wird feedback gegeben. wenn man am computer schreibt, kann auch die eine spalte auf weißem hintergrund geschrieben werden und die andere auf schwarzem. dies verstärkt in ausgedruckter form den kontrast der beiden varianten. eine ähnliche form des schreibens verwendete karl kraus häufiger in seiner zeitschrift „die fackel“. so stellte er gern zwei varianten eines zeitungsartikels, einer rezension oder verschiedener artikel zum gleichen thema nebeneinander.

schreibidee (208)

im englischen ist leidenschaft damit gemeint, im deutschen auch heftigkeit und energie, gemeint ist die „passion“. wie das bei leidenschaft so ist, liegen freud und leid sehr eng beeinander. doch die passion geht noch einen schritt weiter, sie ist ausdruck eines extrems. hier kann von heftiger freude und heftigem leid gesprochen werden. nicht ohne grund wird das leben von jesus oder christus auch in eine „passionsgeschichte“ gefasst. die heutige schreibanregung bewegt sich auf solch eine geschichte zu.

zum einstieg erstellen die schreibgruppenteilnehmerInnen zwei listen. zum einen fünf dinge, die ihnen momentan größte freude, und fünf dinge, die ihnen größtes leid verursachen würden. danach werden am flipchart situationen oder ereignisse aufgelistet, die beides bedeuten können: freud und leid. es passen zum beispiel einfach begriffe wie liebe, tod oder mut in diesen zusammenhang. alle drei verbindet, dass man sie zwiespältig erleben kann. die trauer über den tod eines geliebten menschen kann gleichzeitig gekoppelt sein mit der freude, dass er nach langem leid endlich einschlafen konnte. oder großer mut, der aber eine katastrophe nach sich zieht.

aus einem begriff soll eine zwiespältige geschichte verfasst werden. dabei darf von den schreibenden tief in die emotionale kiste gegriffen werden. das bedeutet, die dramatik der geschehnisse soll auf die spitze geschrieben werden. denn wer sich genau umschaut wird feststellen, dass uns die bücher fesseln, die große emotionen, dramatik und passion darstellen. man nehme nur „harry potter“, der vor allen dingen von dem zwiespalt zwischen gut und böse lebt und vor allen dingen von den zwei seiten einer medaille in einzelnen protagonisten.

die entstandenen geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen, aber es wird kein feedback gegeben. nach dem vortrag werden die geschichten nämlich an andere schreibgruppenteilnehmerInnen weiter gereicht. diese überarbeiten die geschichte noch einmal, fügen ihre noch mehr dramatik hinzu. entweder durch das steigern des formulierten zwiespalts der gefühle oder durch eine zweite passions-situation, also das hinzufügen einer weiteren dramatik.

diese geschichten werden nun abermals in der gruppe vorgetragen. anschließend wird im feedback diskutiert, wie stark die dramatik der passionsgeschichte wirkt und wo sie noch verstärkt werden könnte. ziel möge es sein, dass die zuhörerInnen vor spannung beinahe zerreissen.

schreibidee (196)

bei „momo“ von michael ende gab es die grauen männer, die einem die zeit stahlen. elefanten sind grau ebenso wie alle mäuse, mancher mensch ist grau-sam und das grau-en kann wie grau-pelschauer über einen kommen. der graue anzug soll geschägtigkeit signalisieren, wie der graupapagei, der ein sprachlicher virtuose ist. zeit, durch diese schreibidee „graue geschichten“ entstehen zu lassen.

eine der hervorstechenden eigenschaften von grau ist es, dass es, wenn es die einzige farbe ist, tristesse ausstrahlt, doch kommt nur ein kräftiger farbtupfer hinzu, es diesen noch verstärkt. als einstieg kann dieses mal in der schreibgruppe entweder gemalt werden: eine graue landschaft, in die zum schluss ein knalliges element eingefügt wird. oder es werden am flipchart zeichen der tristesse gesammelt und auf einem weiteren blatt begriffe oder situationen, die diese tristesse aufbrechen können.

dann werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, eine triste orts- oder situationbeschreibung zu verfassen. diese beschreibungen werden in der gruppe vorgetragen und von allen teilnehmerInnen gibt es rückmeldungen, wie die situation oder der ort noch trister wirken können. anschließend ist die beschreibung in eine geschichte einzubinden, in der eine einzelne person oder handlung diese tristesse aufbricht. die geschichten werden ohne feedback vorgelesen.

zu nächsten übung soll ein material anregen, das das sinnbild einer grauen welt ist, beton. die schreibgruppe wird aufgefordert jeweils ein cluster zum begriff beton zu erstellen. daraus sollen längere geschichten entstehen, in denen beton eine wichtige rolle spielt. anschließend wird zum abschluss der beton „gesprengt“. nun sollen geschichten geschrieben werden, die die vorherige situation vollkommen verändern. dies kann eine fortsetzung des vorherigen textes sein oder auch eine umgeschriebene variante. die beiden ergebnisse werden nacheinander vorgetragen.