Schlagwort-Archive: kopie

selbstbefragung (178) – klischee

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „klischee“.

  • welches klischee ist in ihren augen gar keines? warum?
  • welchen klischees entsprechen sie? beschreiben sie.
  • welche klischees verbinden sie mit frauen?
  • welche klischees verbinden sie mit männern?
  • ihr lieblingsklischee?
  • klischees kann man auch als vorurteile bezeichnen – von wem haben sie klischees vermittelt bekommen?
  • was tun sie, um klischees zu vermeiden?
  • klischee kann „nachahmung“ bedeuten: wen würden sie gern nachahmen? warum?
  • welche menschen in ihrer nähe erfüllen überhaupt keine klischees?
  • welche klischees finden sie unsäglich? beschreiben sie.

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

schreibidee (354)

da „copy & paste“ viele beiträge in diesem blog in letzter zeit dominierte, hier noch ein letztes mal das thema aufgreifen. in dem buch „uncreative writing“ von kenneth goldsmith wird der vorschlag gemacht, einmal dem kopieren von texten einen großen stellenwert zu geben. darum hier die schreibanregung für den ruhigen abend, die ruhigen tage: „kopieren-kopieren“.

diese idee lässt sich nur bedingt in schreibgruppen durchführen und ist kurz und knapp. goldsmith fordert seine studierenden auf, ganze texte oder sogar bücher von hand abzuschreiben oder zu tippen. (siehe http://gettinginsidejackkerouacshead.blogspot.de von simon morris, das abgetippte buch „on the road“).

also, wählen sie sich einen längeren, literarischen text aus und schreiben sie ihn ab. wenn sie das mit hilfe einer blog-software bewerkstelligen, dann wird das buch, der text vom ende zum anfang dargestellt.
beobachten sie sich als schreibende. achten sie darauf, was dies in ihnen auslöst. und notieren sie sich vielleicht ein paar gedanken. mehr ist nicht zu tun. als erweiterung könnte man im nächsten schritt einzelne abschnitte aus romanen und büchern abschreiben und neu miteinander kopiere. doch das eigentliche schreiben benötigt erst einmal sowieso einige zeit.

und wenn sie sich fragen, was sie da tun, dann schauen sie sich die begründung von kenneth goldsmith an: http://gettinginsidejackkerouacshead.blogspot.de/2008/06/project-proposal.html .

web 2.87 – det missionerande kopimistsamfundet

das in der ersten zeile ist schwedisch. denn schwedInnen haben eine kirche der „kopiererInnen“ gegründet. dies scheint der nächste schritt in der auseinandersetzung um das urheberrecht und des „copy & paste“ zu sein. die kirche ist inzwischen in schweden offiziell anerkannt. ob es sich dabei nur um eine strategie handelt oder darüber hinausgeht, muss man wahrscheinlich abwarten.

die kirchenvertreterInnen sind der meinung, dass die kopie ein ganz natürlicher prozess ist. in der natur werde ständig kopiert. ob bei der zellteilung, der reperaturmechanismen im körper und natürlich der vermehrung der dna. so sind wir alle eine kopie unserer eltern. neben der neukombination stellt wirklich jedes leben eine kopie dar. nur mutationen verändern das genom grundlegend.

natürlich gehen die kopimistInnen noch einen schritt weiter. sie sagen, dass sie das prinzip der kopie in ihrem ganzen leben vertreten, also auch bei kulturellen gütern. sollten sie angeklagt werden, würden sie sich auf das recht der freien glaubensausübung beziehen. inzwischen gibt es gruppen und kirchenvertreterInnen in vielen verschiedenen ländern. weitere infos bietet wikipedia unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Det_Missionerande_Kopimistsamfundet . auf dieser seite befindet sich auch der link zur schwedischen originalseite der kopimisten.

web 2.86 – in praise of copying

die frage, wer eigentlich was besitzt und wer wovon profitiert, geht in die nächste runde. in der digitalen welt werden von (kultur-)konzernen maßstäbe angelegt, die fragwürdig scheinen. kunst und kultur lebten immer von der kopie. sich künstlerische techniken anzueignen hatte von je her mit kopien zu tun. und wie die süddeutsche zeitung heute im feuilleton zum verdienst der künstlerInnen mitteilte: „urheber und verwerter (musik- und buchindustrie – anm.d. autors) haben mitnichten die gleichen interessen“.

und der kunde hat dann auch noch einmal ganz andere interessen. es mag juristisch einwandfrei sein, doch logisch ist es nicht: ich kaufe eine ware und darf mit ihr nicht machen, was ich möchte. das wäre, wie wenn ich die gurke für den gurkensalat schäle und die schale als beweis, dass ich den salat gegessen habe, wieder zurückbringen müsste. und der gastronomie-verband verlangt von mir eine abgabe, wenn ich andere zum essen einlade. vielleicht sollten künstlerInnen immer öfter einen „hofladen“ aufmachen.

letztendlich landet man bei der diskussion immer wieder an zwei punkten: was ist uns kultur wert? und wie geht man mit kopien um?. was geschieht zum beispiel mit menschen, die einen nachgemalten rembrandt oder van gogh in ihrer wohnung haben?

lange vorrede, kurzer sinn: der blog von marcus boon versammelt beispiele des multimedialen copy & paste auf seiner homepage. gleichzeitig lädt er dazu ein, seine wissenschaftliche arbeit „in praise of copying“ herunterzuladen. vielleicht sollte man sich erst einmal mit dem prinzip des kopierens auseinandersetzen, bevor man moralische und strafrechtliche urteile fällt. mehr unter: http://inpraiseofcopying.wordpress.com .

„reality hunger“ von david shields – ein buchtipp

wie dieses buch beschreiben? für mich war es eines dieser bücher, das man zufällig beim buchhändler entdeckt, das man anfängt zu lesen und das man nicht mehr weglegen kann. denn es regt zum denken an. man unterbricht sein lesen immer wieder, um sich eigene gedanken zum gelesenen zu machen. und dabei geht es um solch unspektakuläre themen, wie biografisches schreiben, fiktionale und nicht-fiktionale literatur, um das abbilden von wirklichkeit, um den subjektiven anteil der autorInnen beim schreiben und um das kopieren in der kunst.

das buch setzt sich beinahe ausschließlich aus zitaten zusammen, die der autor „remixed“ hat. und wie er es in seinem werk beschrieben hat, ergibt sich ein ganz neues mosaik, das eine eigene aussage transportiert. das buch ist ein provokation. david shields nennt es selber „reality hunger – ein manifest„. ein manifest für eine neue schreibe in der heutigen zeit, in der seiner ansicht nach, fiktionale romane eigentlich nicht mehr geschrieben und gelesen werden können oder wie ein zitat bescheinigt „plots sind was für tote„.

die zukunft liegt im neu kombinieren, im mixen, im plagiieren und kopieren, so wie es die musik, aber nicht nur sie, sondern eigentlich jede kunstrichtung, schon immer vorgemacht haben. die neue mediale welt erleichtert diesen prozess zusehends und ermöglicht es immer mehr menschen, ihre eigenen wahrheiten und darstellungen zu veröffentlichen. das wirbelt die kunstwelt durcheinander. die verteidigungskämpfe der alten medialen gepflogenheiten versuchen das abgrenzende kunstverständnis aufrecht zu erhalten. doch die welt ist schon längst weiter.

so wird sich nach shields auch die literatur verändern. wir dürsten nach wahrheiten und wirklichkeiten, die keine sind. können sie auch nicht sein, wenn man dem zitat eines zitates glaubt: „man verfälscht die wahrheit, wenn man schreibt. man kann nicht so tun, als würde man versuchen, zur wörtlichen wahrheit zu gelangen. und wenn man sich diesen mangel eingesteht, besteht der einzige trost darin, dass man zur dichterischen wahrheit zu gelangen sucht, die sich allein durch erfindung, imagination und stilisierung erreichen lässt. ich strebe nach authentizität; an ihr ist nichts wirklich.

und so wollte shields die verwendeten zitate in seinem mosaik nicht kennzeichnen, aber der verlag bestand aus rechtlichen gründen darauf. denn der autor hat etwas neues geschaffen, etwas, dass das schreiben neu definieren könnte. spannend und lesenswert. „wenn wir unsicher sind, sind wir am leben„.
das buch ist 2011 bei c.h.beck in münchen erschienen. ISBN 978-3-406-61361-6