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kreatives schreiben und heldInnen

der heldenepos ist eine alte form des schreibens, beziehungsweise eigentlich erzählens. den helden umgibt meist ein hauch von tragik, aber auch übermenschliche kraft oder leidensfähigkeit. der held ist kein einfacher protagonist, er ist die person, an der sich alles kristallisiert, meist die gesamte geschichte aufgehängt ist. heute sind sowohl helden als auch heldinnen denkbar. mit dem verschwinden mancher patriarchalen strukturen, verschwand auch der ausschließlich starke und meist siegende held.

doch das hat dem bild der heldInnen keinen abbruch getan. die aktuellen comics und actionfilme basieren auf der vorstellung von heldInnen, die in eine situation geschubst werden, die sie selbst nie gewählt hätten. oft setzen sie erst dann ihre wahren kräfte frei, von denen sie vorher selber noch nicht wussten. sie wachsen über sie hinaus. natürlich ein heilsversprechen, das so selten menschen bewerkstelligen können. deshalb verpuffen im realen leben heldInnen meist schnell, denn wer möchte schon perfekt sein.

möchte man aber einmal eine geschichte eines perfekten, tragischen und doch so mitfühlenden menschen schreiben, dann wähle man die figur von held und heldin, dann schreibe man kleine und große epen, die sich nicht um reale situationen kümmern. wer nicht weiß, wie dies umgesetzt werden kann, schaue sich manchen hollywood-blockbuster an und orientiere sich an den hauptfiguren.

schon beim entwurf der protagonistInnen frage man sich, welche details zur person und zu ihren eigenschaften, erst im laufe der geschichte zu tage treten sollten. hier sollte man sich keine grenzen setzen. wie bei „x-men“ lassen sich selbst der körper und die sinne verändern. das wunderbare an heldenepen ist es, dass kein leser, keine leserin nachfragt, ob dies denn so sein kann. es wird akzeptiert, dass die realität anders aussieht. selbst das märchen mit seinem häufig moralischeren anspruch steckt in einem engeren korsett.

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schreibidee (136)

das tropische klima, die drückende hitze und die sich entladenden gewitter lassen die menschen ermatten. bald naht der sommerurlaub für viele (oder er hat schon begonnen) und mancher befindet sich in einem zustand der erschöpfung. erschöpfung kann etwas angenehmes habe, da sie auf vollbrachtes zurückblicken lässt, sie kann aber auch pure müdigkeit sein. bevor also alle den stift weglegen und keine lust mehr zum lesen haben, soll diese schreibanregung „geschichten der erschöpfung“ hervorbringen.

als einstieg dient in der schreibgruppe mal wieder der blick auf die eigenen lebenserfahrungen. die teilnehmerInnen werden aufgefordert, situationen aus ihrem leben zu notieren, nach denen sie sich sehr erschöpft fühlten. es sollten mindestens fünf begebenheiten notiert werden. dann sollte zu jeder situation notiert werden, ob es sich um eine angenehme oder unangenehme erschöpfung handelte. aus den beispielen werden zwei ausgewählt, je eine angenehme und eine unangenehme. die situationen, erlebnisse werden auf jeweils einer seite beschrieben. diese kurzen beschreibungen werden in der schreibgruppe vorgestellt.

nun wird sich von der eigenen erschöpfung abgewendet. es sind abermals beispiele der erschöpfung zu suchen, aber dieses mal welche, die anderen menschen widerfahren sind. situationen, in die man noch nicht selber geraten ist. es wird der vorgang von oben wiederholt, die einteilung in positiv und negativ und die beschreibung von zwei beispielen. diese werden auch vorgestellt in der schreibgruppe.

aus der palette von vorgestellten erschöpfungssituationen wählen sich alle teilnehmerInnen der gruppe je ein beispiel aus. dazu erstellen sie ein cluster mit dem begriff „erschöpfung“ in der mitte. aus diesem cluster heraus wird eine längere geschichte geschrieben. die geschichten werden in der gruppe vorgelesen. sollten dann noch nicht alle teilnehmerInnen der schreibgruppe erschöpft sein, kann ja noch gemeinsam durch den wald gejoggt werden 😉