Schlagwort-Archive: krankheit

schreibidee (367)

es gibt berufsgruppen, die nah am drama und am leben sind. manche leser haben dies in ihrem zivildienst oder in einem freiwilligen sozialen jahr erlebt. andere haben die berufe der kranken- oder altenpflege gewählt. dabei kommt man den patienten oder bewohnerInnen nicht nur körperlich nahe, sondern auch oft emotional. nicht selten geht es um leben und tod. darum heute eine schreibanregung zu „stationen-stories“.

es soll bei dieser schreibidee nicht um texte, wie den arztroman oder die krankenhausserie gehen, beides produkte, die zwar dramatisches aufgreifen, aber gleichzeitig mit romantisierendem und idealisierendem unterfüttert sind. dieses mal soll beim kreativen schreiben der realität nahe gekommen werden. darum gleich als einstieg die für manche sehr intime frage: wie möchten sie sterben? alle schreibgruppenteilnehmerInnen schreiben einen kurzen, maximal zweiseitigen text darüber, der nicht vorgelesen. wird.

man kann die durchführung der schreibgruppe mit einer lesung von bisher verfassten texten auf einer pflege- oder krankenstation verbinden, wenn sich so etwas organisieren lässt. dabei können eindrücke notiert werden. ist dies nicht gewünscht oder nicht möglich, kann man vesuchen sich in die situation pflegebedürftiger und erkrankter menschen zu versetzen. manche teilnehmerInnen mögen dies am eigenen leib verspürt haben. eine der unangenehmsten situationen für menschen ist der schmerz. zu schmerzen kann ich mich nicht verhalten, da ich ihnen nur teilweise ausweichen kann. darum sollen im zweiten schritt kurze geschichten über den schmerz geschrieben werden (maximal drei seiten). wie wird jemand diese situation erleben? was wird man tun, damit der schmerz vorüber geht? die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine kurze feedbackrunde statt.

der schwierigste abschnitt dieses schreibgruppentreffens besteht in einer längeren geschichte über einen menschen, kurz vor dem sterben oder schwer erkrankt. die medizinischen gründe und behandlungen sollten nur teilweise beachtung finden. der schwerpunkt der schreibidee liegt auf den gedanken und handlungen der menschen. es gibt zum beispiel das phänomen, dass die betroffenen oft emotional stabiler reagieren als die angehörigen. manche lassen ihr leben revue passieren, andere haben große todesangst und die nächsten empfinden gelassenheit, haben die tatsache akzeptiert. in dieser geschichte sollen auch die pflegerInnen und andere berufe eine rolle spielen. was passiert in einer extremen lebenssituation?

die texte werden in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine ausführliche feedbackrunde statt. in dieser feedbackrunde sollte vor allen dingen auch raum für die eigenen emotionen sein. krankheit und tod sind heute bei uns weiterhin sehr tabuisierte themen, obwohl jeder mensch irgendwann davon betroffen ist. hier kann die frage an die schreibenden gestellt werden, wie schwer oder leicht ihnen diese schreibübung fiel.

generell sind solche schreibübung im vorfeld anzukündigen, da es auch das gute recht gibt, bei diesen themen an einer schreibgruppe nicht teilzunehmen, wenn einem das zu intim oder zu bedrohlich ist. aber sie bergen zum beispiel auch die chance in sich, das kreative schreiben mit dem ersten formulieren einer patientenverfügung zu verknüpfen. denn vielleicht ergeben sich durch die schreibprozesse vorstellungen, wie man selbst mit solchen lebenssituationen umgehen möchte und wie man behandelt werden will. solche vorstellungen sind natürlich nicht vorzulesen, können jedoch, wenn gewünscht, diskutiert werden.

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liste (106) – gesundheit

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um die „gesundheit“.

die wichtigsten aspekte für mich zum thema „gesundheit“:

die schlimmsten krankheiten, die ich in meinem leben überwunden habe:

das brauche ich, um gesund werden zu können:

die unangenehmsten aspekt bei krankheiten:

diesen menschen möchte ich helfen, wieder gesund zu werden:

kreatives schreiben und schmerz

der schmerz ist ein seltsames wesen beim schreiben. es gibt den begriff schmerz und kaum synonyme, im thesaurus zum beispiel nur „leid“, „pein“ und „weh“. wer verwendet in seinen texten heute noch „pein“ und „weh“? auf der anderen seite ist der schmerz für uns menschen etwas sehr bestimmendes. es ist eine der wenigen situationen, denen wir durch ein handlung, wenn er mal da ist, nicht so schnell ausweichen können. bei dauerhaftem schmerz empfindet jeder mensch ohnmacht.

also wäre zu erwarten, dass beim kreativen schreiben viel über schmerz geschrieben würde, dass der schmerz einer der häufigsten inhaltsstoffe einer guten geschichte ist. doch wir weichen anscheinend dem schmerz auch in unseren texten aus. er kommt selten alleinstehend als tatsache vor. es ist der liebesschmerz, der herzschmerz, der trennungsschmerz, der zahnschmerz und dergleichen mehr. die literarische darstellung des schmerzes ist kompliziert. entweder man schildert die ohnmacht oder man gerät ins medizinische fahrwasser und beschreibt den schmerzverlauf, umschreibt, teils metaphorisch den „stechenden“ schmerz, der sich den rücken hinaufzieht …

es könnte eine schreibidee für das kreative schreiben sein, starke metaphern für den schmerz zu finden, vielleicht auch neue worte. was macht der schmerz mit uns, wo führt er uns hin, wie lässt er uns verrückt werden, da wir keinen ausweg aus der tortur finden? das kreative schreiben kann helfen, dem schmerz auf die schliche zu kommen. doch dazu müssten wir wahrscheinlich ein etwas anderes verhältnis zu unserem körper bekommen. denn wir leben in einer gesellschaft, die sich immer noch nicht von der vorstellung verabschieden kann, dass unser körper eine maschine sei. auch wenn es schon seit ein paar jahrzehnten den blick auf die psychosomatik gibt, wird sie immer als letztes herangezogen.

womit man beim schreiben wahrscheinlich vor der nächsten hürde steht. wir haben viele worte für den psychischen schmerz, der uns zugefügt wird, aber bei der behandlung machen wir gern einen rückzieher. die psyche wird noch viel stärker Weiterlesen

biografisches schreiben und schmerzen

körperliche schmerzen sind das fieseste, was ein mensch erleben kann. sie sind erst einmal ohne medizinische hilfe und ohne die konzentration auf andere dinge unausweichlich. sie lassen den menschen ohnmächtig seinen körper spüren. die folge von schmerzen sind handlungen, entweder, den schmerz zu unterdrücken oder die ursache für den schmerz zu suchen. jeder mensch erlebt im laufe seines lebens körperlichen schmerz (es müsste schon mit einem wunder zugehen, wenn jemand ein absolut schmerzfreies leben führen könnte – nur den muskelkater ordnen wir anders ein als die zahnschmerzen.)

erstellen sie doch einmal eine schmerzkurve ihres lebens. wenn sie das machen, haben sie gleich zwei effekte: sie bekommen einen stärkeren bezug zu ihrem körper und sie bekommen einen überblick über all die kleinen und großen gesundheitlichen schwierigkeiten, die sie im laufe ihres lebens erlebt haben. dann können sie neben die körperschmerz-kurve auch gleich noch eine kurve des psychischen schmerzes einzeichnen. wann ging es ihnen seelisch alles andere als gut. was schmerzte sie emotional am stärksten? wenn sie diese kurve in ihre lebensbetrachtungen mit einbeziehen, lassen sich vielleicht zusammenhänge herstellen.

wir leben mit dem phänomen, dass die psychischen schmerzen manchmal zu körperlichen schmerzen führen können und die körperlichen zu psychischen. wenn man das einmal im überblick sieht, dann kann man sich die frage stellen, wie groß dies eine rolle bei einem selber spielt? diese form der selbstbefragung kann einem hinweise im eigenen umgang mit schmerzen liefern. schreiben sie ihre ganz persönliche schmerzgeschichte. und begeben sie sich auf die gedankliche reise der schmerzbekämpfung.

in deutschland wird die behandlung von körperlichen schmerzen immer noch stiefkindlich betrachtet. es hat sich in den letzten jahren zwar etwas gebessert, aber meist herrscht die auffassung vor, krankheit habe mit schmerzen einher zu gehen. dabei haben wir menschen medikamente entwickelt, die die meisten von uns in schmerzfreiheit leben lassen würden. doch die werden sehr zögerlich gegeben. es wird meist mit formen der abhängigkeit Weiterlesen

liste (82) – psyche

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um die „psyche“.

meine liebsten psychischen störungen:

die momente in meinem leben, die mich seelisch am meisten gebeutelt haben:

die momente in meinem leben, die mich seelisch am meisten gestärkt haben:

diese psychischen erkrankungen anderer haben mich hilflos gemacht:

meine besten strategien bei starken emotionalen belastungen:

biografisches schreiben und sucht

sucht wird in unserer gesellschaft sehr seltsam diskutiert. es gibt kaum eine störung und krankheit, die viele so hilflos macht. damit meine ich nicht die davon betroffenen, denn sie sind süchtig, also in gewisser weise hilflos. sondern ich meine das nähere umfeld. sucht führt oft zum fremdschämen. dies hat damit zu tun, dass in vielen köpfen weiterhin die vorstellung herrscht, dass die süchtigen sich nur ordentlich anstrengen müssten, um ihrem verlangen herr zu werden. die abhängigkeit wird als schwäche verbucht, als persönliches verschulden.

beim biografischen schreiben hat man die chance, einmal zu schauen, auf welche dinge man selber in seinem leben nicht verzichten konnte. was brauchte man auf gedeih und verderb und hat sich damit eventuell auch in schwierigkeiten gebracht? dabei kann man unterscheiden, welche süchte anerkannt sind und welche verurteilt werden. anerkannt ist zum beispiel der workaholic, der sein leben von der arbeit abhängig macht, auch die magersucht findet bis zu einem gewissen punkt anerkennung. andere süchte werden sofort verurteilt (weiterhin betrifft dies hauptsächlich die „harten“ drogen).

schauen sie doch mal in ihrer lebensgeschichte nach, was sie alles angestellt haben, um eine form der befriedigung zu finden, auf die sich nicht verzichten konnten. und war dann, nachdem das bedürfnis befriedigt war, ruhe oder folgte der nächste heftige wunsch? warum fiel es so schwer, den erfolg, die befriedigung zu genießen? was glauben sie, woher die einstellung kommt, dass es immer noch besser, noch toller, noch stärker, noch schneller oder noch befriedigender geht? woher kommt der empfundene mangel in ihrem leben?

ein anderer blickwinkel im biografischen schreiben kann es sein, sich zu fragen, wo im persönlichen umfeld süchte zu tage traten. wie hat man das erlebt? setzte fremdschämen ein oder eventuell sogar co-abhängigkeit? ab wann hat man oder hätte man grenzen ziehen sollen? meist ist der kontakt zu süchtigen jedeweder art ein schwieriger und zwiegespaltener. man erlebt die bedürftigkeit eines menschen, der einem nahe steht und möchte unterstützung geben. gleichzeitig weiß man meist sehr genau, dass man den bedürfnissen der anderen widersprechen sollte, da sie unangemessen geworden sind. Weiterlesen

selbstbefragung (43) – gesundheit

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „gesundheit„.

  • wann waren sie das letzte mal krank? beschreiben sie.
  • wie gesund fühlen sie sich?
  • ab wann sorgen sie sich um ihre gesundheit? beschreiben sie.
  • was tun sie alles für ihre gesundheit? weiss ihre krankenkasse davon?
  • wie wichtig ist ihnen gesundheit überhaupt?
  • wie anstrengend finden sie es, gesund zu bleiben in dieser kranken welt? begründen sie.
  • glauben sie, es gibt ein leben ohne krankheit? ist krankheit für sie wirklich so negativ? warum?
  • wie sieht es mit ihrer geistigen und psychischen gesundheit aus? was macht am meisten negativen stress?
  • fühlen sie sich zur gesundheit gezwungen? wer kontrolliert ihren zustand?
  • was ist für sie das schönste am gesund sein?

wortklauberei (40)

„gesundheitskasse“

verdrehte welt könnte man zur entwicklung auf dem sektor der krankheitbehandlungsindustrie sagen. denn dort, wo krankheit eine rolle spielt, wird nur noch von gesundheit gesprochen. das fängt bei der gesundheitsministerin an und endet eben bei der gesundheitskasse. dabei ist der begriff der „gesundheit“ ein schwieriger. ab wann ist denn ein mensch gesund? wer definiert die jeweils subjektive befindlichkeit, wer sagt welche verhaltensweise eine problematische ist?
hier kommt die „kasse“ ins spiel. es wird gezahlt oder ausgezahlt, also geld in verbindung gebracht mit gesundheit oder besser geschrieben, eigentlich mit krankheit. alle anwendungen, die geld kosten, deuten auf krankheit hin, so jedenfalls eine der hauptargumentationen im hintergrund der definition von „gesundheit“. denn man könnte auch formulieren, dass ein mensch, der sich den irdischen genüssen jeglicher art verschrieben hat, eventuell früher erkrankt als ein mensch, der sportliche askese übt. der genießer würde aber seinen lebensstil als sehr angenehm beschreiben und sich in diesem moment also gesund fühlen.

bekommt er in diesem moment geld von der „gesundheitskasse“ oder, wie es im moment schon gehandhabt wird, wenn er nicht regelmäßig an kursen oder lauftreffen teilnimmt, werden im die bonusrückzahlungen verwehrt. soll heißen, der gesunde hat in die kasse einzuzahlen, hat sich zu schämen, ob seines laxen umgangs mit seinem eigenen körper, der der gesellschaft dienen sollte. und somit wird die „gesundheitskasse“ zum gesellschaftlichen maßstab, denn es gibt keine kranken mehr. es gibt nur noch menschen, die sich bemühen, gesund zu sein. warum man dazu dann aber noch eine kasse oder eine ministerin braucht verschwindet hinter den begriffen. schön ist es aber, dass wir uns alle so bemühen 😆

biografisches schreiben und körperkult

lebensbedingungen haben einfluss auf moden, aber auch auf den umgang mit dem eigenen körper. je nachdem, wie sich gesellschaften entwickeln, entwickelt sich auch der umgang mit dem eigenen körper. „gesundheit“ ist inzwischen zu einem regelrechten industriezweig geworden, der den bürger versorgt, hegt und pflegt. dazu gehören die fitnessgruppen, die sportstudios oder die wellness-farmen.

doch wie geht der einzelne mensch nun mit seinem körper um? haben sich die gesellschaftlichen normen schon im eigenen bewusstsein verankert? fragen, die im zusammenhang mit der eigenen biografie oder lebensgeschichte eine große rolle spielen können. gibt es zum beispiel im laufe des lebens körperliche einschränkungen, die einen zwingen, seine gesamten verhaltensweisen zu verändern? hier spielt nicht nur der blick auf die eigene körperliche verfassung eine rolle, sondern auch die frage, inwieweit man sich generell wohl fühlte oder fühlt in seinem körper.

um sich diesem thema anzunähern, kann man zum beispiel eine liste erstellen, was einem am eigenen körper gefällt und was nicht. vielleicht kann man auch notieren, was anderen am eigenen körper gefällt und was nicht. und dann wäre zu betrachten, wann man welche körperlichen einschränkungen erfahren hat. wann fühlte man sich den körperlichen reaktionen aufgrund von krankheiten ohnmächtig ausgeliefert und wie fühlte sich das an? vor allen dingen stellt sich die frage wie groß der einfluss der körperlichen verfasstheit auf die eigene lebensgeschichte ist.

was für eine musik hätte beethoven zum beispiel geschrieben, wenn er nicht im laufe der zeit taub geworden wäre? oder wie gestaltet man sein leben, wenn die bewegung stark eingeschränkt ist? muss man die grenzen seines körpers erfahren oder steigert man sich gern in kleine störungen hinein?
denn eines ist sicher, viele menschen gehen nicht sehr gut mit sich selber um. der mittelweg zwischen zu viel oder zu wenig aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen körper wird selten beschritten.

selbstbefragung (08) – krankheit

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „krankheit„.

  • konnten sie im lauf der jahre eine persönliche beziehung zu ihrem arzt oder ihrer ärztin aufbauen, da sie sie so oft aufsuchen? warum?
  • was löst es in ihnen aus, wenn gute freunde von ihrer krankheit erzählen?
  • leiden sie, wenn sie krank sind?
  • wie gehen sie damit um, dass schmerzen erst einmal unausweichlich sind?
  • der krankenstand ist in deutschland auf extrem niedrigem niveau. haben sie eine erklärung dafür bei dem stress, der überall herrscht?
  • „machen“ sie auch mal krank? warum nicht?
  • machen sie die „gesundheitsreformen“ auch krank? begründen sie.
  • welches war oder ist bis jetzt ihre unangenehmste krankheit?
  • denken sie bei krankheit viel an den tod?
  • wenn sie wieder gesund sind, führen sie ihr leben so weiter, wie sie es vorher gemacht haben? warum?

biografisches schreiben und erkrankungen

 

beinahe jeder mensch kennt im laufe seines lebens das gefühl der ohnmacht, einer körperlichen erkrankung ausgeliefert zu sein. da viele bestrebt sind, ihr leben selbst zu bestimmen und im griff zu haben, sind krankheiten ein moment, in dem man gewahr wird, dass dies nicht immer funktioniert. schon die zur zeit durch die lande ziehende grippewelle wirft viele für einige tage auf sich zurück.

abseits der kleinen erkältungen, gibt es sehr viele erkrankungen, die das gesamte lebenskonzept durcheinanderbringen können. so zwingt einen die so genannte „zuckererkrankung“ sein essensverhalten zu verändern, chronische erkrankungen können zur einschränkung der bewegungsfreiheit führen, der herzinfarkt kann eine warnung sein, sein gesamtes lebenskonzept zu überdenken.

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schnickschnack (40)

dass der mensch macht, was machbar ist, ist keine neue erkenntnis nach der erfindung der atombombe oder den geklonten schafen. so verwundert es nicht, dass inzwischen das internet angebote bereithält und darüber der vertrieb organisiert wird, die sehr fragwürdig erscheinen. eines der abschreckenden beispiele einer fortschreitenden beliebigkeit, die der ethischen debatte einfach davoneilt ist auf der seite http://www.23andme.com zu finden. unter dem motto „genetics just got personal“ besteht hier die möglichkeit, sein genom testen zu lassen. die zahl „23“ spielt auf die zahl der chromosomen an, die jeder mensch doppelt in sich trägt. für 399 dollar kann man sich in die seite einloggen und eine probe einschicken, die auf genetische störungen untersucht werden kann. so werden bestimmte abschnitte auf den genen untersucht, die einen hinweis auf die disposition für bestimmte krankheiten anzeigen können. dass die erforschung dieser abschnitte bis heute noch nicht eindeutig ist und eine disposition nicht unbedingt bedeutet, dass die krankheit jemals auftreten muss fällt bei dem angebot  ein wenig hinunter. so finden sich die dispositionen für bestimmte krebsarten oder den herzinfarkt im angebot. wer sich einloggen darf in das angebot der homepage, der kann auch den blog mit den neuesten erkenntnissen über weitere genabschnitte und dispositionen aufrufen. und er wird persönlich benachrichtigt, welche zusätzliche krankheitsgefahr sein vormals untersuchtes genom noch aufweist. da wird die bedeutung einer mail eine ganz andere. die wöchentliche hiobsbotschaft als newsletter, was ich noch alles habe. interessant wäre die untersuchung, was die ergebnisse bei den menschen auslösen. ob sie ihre wohnung nicht mehr verlassen? zumindest ein tolles schnäppchen für alle hypochonder, die die bestätigung erhalten werden, dass irgendetwas mit ihnen nicht stimmt. die zeit wird für 399 dollar nicht mehr langweilig. vielleicht das beste beispiel dafür, die diskussion über die weitere gentechnologie noch einmal von vorne zu beginnen. will ich es wissen? und sollte es jemand anderes wissen? 😈

biografisches schreiben und laster

 

alle menschen tragen mit sich kleiner oder größere verwerflichkeiten herum, denen abzuschwören meist sehr schwer fällt. eingedenk der tatsache, dass alle über diese verwerflichkeiten verfügen könnte man sagen, es macht gar keinen sinn, sie genauer zu betrachten und welche rolle sollten sie beim niederschreiben der eigenen lebensgeschichte spielen?

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„krankheit als metapher – aids und seine metaphern“ – ein buchtipp

die beiden in dem buch versammelten texte sind schon älter. doch sie haben nicht an bedeutung verloren. hauptaussage beider texte ist es, dass bestimmte krankheiten gesellschaftlich gern dafür verwendet werden, charakterzuschreibungen vorzunehmen. so wie freud schon vor langer zeit die hysterie als charakteristische störung der bürgelichen gesellschaft damaliger zeit ausmachte, so werden auch heute noch, bestimmte körperliche störungen, schnell mit psychologischen deutungen überfrachtet.

susan sontag, schriftstellerin und journalistin, die häufig einen außergewöhnlichen blick auf gesellschaftliche phänomene warf, zeigt in den texten vor allen dingen am krebs und an aids auf, wie die gesellschaft, die erkrankten zusätzlich für ihre erkrankung verantwortlich macht. so wird krebs von vielen als ein ausdruck eines zu introvertierten lebens ausgemacht. wer krebs bekommt, hat zu viel in sich hineingefressen, hat sich immer zusammengerissen. in erster linie wurde aber der, der krebs bekommt, umweltgiften ausgesetzt oder das wachstum seiner zellen veränderte sich, so dass es zu wucherungen kommen kann. krebsgeschwüre werden aber auch auf gesellschaftliche prozesse übertragen, die härteste konsequenzen fordern. gerade in faschistoiden gesellschaften ist das krebsgeschwür metapher für entwicklungen, die beseitigt werden müssen. aids wiederum hat viel mit sexuellem verhalten zu tun, weshalb es auch dem moralischen tadel an die seite gestellt wird.

das buch „krankheit als metapher- aids und seine metaphern“ zeigt sehr aufschlussreich, wie sprache zur psychologisierung der gesellschaft und krankheit zur reglementierung unbeliebten verhaltens genutzt wird. und es zeigt, dass nur bestimmte krankheiten mit bedeutungen überfrachtet werden. das buch ist im fischer taschenbuch-verlag in frankfurt am main 2003 erschienen. ISBN 3-596-16243-2

blog zu hiv

es gibt den versuch eine infektion mit hiv in einem blog zu protokollieren. ein sicherlich nicht ganz einfaches unterfangen, da sich die beschäftigung mit erkrankungen oder infektionen im internet immer im laufe der zeit etwas recht persönliches bekommt.

dabei kann sich aber noch eine ganz andere schwierigkeit ergeben. man wird immer wieder an den körperlichen zustand erinnert, auch wenn sich gerade einmal die situation stabilisiert hat und bei hiv die viruslast unter die nachweisgrenze gefallen ist. aus der tätigkeit in einer beratungsstelle zu hiv ist mir die aussage positiver bekannt, dass sie eigentlich ein ganz normales leben führen könnten, wenn sie die medikamenten-einnahme in der kombinationstherapie nicht jeden tag daran erinnern würde, dass da etwas sei.

auf der anderen seite ist dies aber bei blutdrucksenkenden mitteln auch nichts anderes. hier spielt sicherlich bei hiv noch mit, dass das unangenehme eigentlich an der übertragungsmöglichkeit durch sex liegt. also die koppelung von etwas sehr angenehmem mit unangenehmem. um so mutiger und aufklärerischer ist es, eine eigene hiv-infektion im internet darzustellen. ist diese infektion doch auch immer noch stigmatisiert. zu finden ist der blog unter: http://posithiv.wordpress.com/

kreatives schreiben und krankheiten

 

es gibt eine menge erkrankungen, die das ganze eigene lebenskonzept durcheinanderbringen können. für viele chronisch erkrankte menschen ergibt sich daraus anfänglich das problem, sich und das eigene leben neu strukturieren zu müssen. es kann ein gefühl von ohnmacht oder hilflosigkeit entstehen (das muss natürlich nicht passieren).

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die homepage von sandra schadek

sandra schadek hat für ihre schlichte aber eindrückliche homepage auch den grimme-online-award erhalten. die seite ist der versuch eine krankheit zu verstehen und zu verkraften. sandra schadek leidet unter amyotropher lateralsklerose (als), einer unheilbaren krankheit, die im lauf der zeit zum tode führt.

doch hier wird das verarbeiten des eigenen schicksal genutzt, um einen eigenen umgang mit der krankheit zu finden. dabei kommen die berichte ungeschminkt daher, kleine texte zum momentanen leben. und der versuch anderen lebensmut zu machen.

wenn sich der gesundheitszustand verschlechtert, kann nicht immer auf die homepage neues gebracht werden. bewundernswert ist vor allen dingen die kraft, die in den texten steckt. es geht eben nicht um mitleid, sondern um möglichkeiten. gerade auch für angehörige, die sich unter erschwerten verhältnissen ebenso zurechtfinden müssen, kann die seite sehr hilfreich sein.

die seite ist zu finden unter: http://www.sandraschadek.de/

kreatives schreiben und emotionen

 

in texte, die im rahmen des kreativen schreibens entstanden sind, fließen eigene gefühle ein. meist in unreflektierter form. aber das kreative schreiben kann auch dazu genutzt werden, sich auf bestimmte emotionen zu konzentrieren. das hat den vorteil, dass in die kreativität bewusst eigene befindlichkeiten einfließen.

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„erinnerungsbücher“ für sogenannte „aids-waisen“

in der neuen ausgabe von „geo“ erscheint eine reportage über das schreiben von erinnerungsbüchern (memory-books) von hiv-positiven eltern für ihre kinder in afrika (http://www.geo.de). mit diesen büchern versuchen die eltern ihren kindern die geschichte der eigenen familie, eine erinnerung an ihre eltern und traditionen zu vermitteln.

die bücher werden sehr verschieden gestaltet, auch die inhalte sind unterschiedlich und individuell. das schreiben der erinnerungsbücher wird von verschiedenen hilfsorganisationen organisiert und schreibgruppen werden dazu angeleitet. wie bei uns auch, werden in afrika familiengeschichten und traditionen eigentlich mündlich überliefert, oft nicht niedergeschrieben. da die eltern leider oft sterben, während die kinder noch sehr klein sind, gehen dies überlieferungen ganzer generationen verloren. um wenigstens ein paar erinnerungen zu erhalten, werden diese bücher geschrieben.

es ist sicher eine möglichkeit für die eltern sich auch noch einmal mit ihrer erkrankung auseinanderzusetzen. auf der anderen seite ist diese form des verfassens der lebensgeschichte auch der entsetzlichen tatsache geschuldet, dass die medizinische versorgung der hiv-positiven in afrika weiterhin schlecht ist. die welt schaut zu, wie ganze generationen eines kontinents verschwinden.

mehr informationen zu den memory-books und ein reader zum anleiten einer erinnerungsbücher-schreibgruppe findet sich hier (in englisch): http://www.healthlink.org.uk/projects/hiv/imp.html

porträt einer tagebuchschreiberin – ein filmtipp

ein vorteil ist es, je beliebter das internet wird und umso besser die technischen möglichkeiten sind, desto leichter lassen sich verpasste sendungen nachholen. so kam am 15ten april in der sendereihe „37 grad“ des zdf der film „das mädchen mit den neun perücken„. sie handelt von der niederländischen schriftstellerin sophie van der stap, die jung an krebs erkrankte, die krankheit überwand und über die zeit ein tagebuch verfasste, das sie veröffentlichte.

da das zdf inzwischen viele filme ins netz stellt, kann der film auf dem computer angesehen werden. einfach auf diesen link hier klicken und auf der seite den link zur mediathek anklicken. alles weitere findet sich dort. und noch viel mehr infos. hier zeigt sich, dass schreiben oft auch einen therapeutischen effekt haben kann. der tipp stammt von karin, danke dafür.