Schlagwort-Archive: lange texte

web 2.0 und lange texte

immer wieder kommt die diskussion auf, ob im web 2.0 lange texte angebracht sind. die zeichenreglementierung von twitter und sms reduziert meldungen und texte auf ein minimum. an die kurz-kurz-meldungen gewöhnt, empören sich manche menschen im netz über längere berichte. damit einher geht seit jahren die entwicklung in zeitungen und zeitschriften, reportagen oder artikel zu begrenzen. dies war erst einmal nicht der aufmerksamkeitsspanne der leserInnen geschuldet, sondern es war den kosten und bezahlungen der journalistInnen geschuldet, die nach zeilen bezahlt wurden.

da wurden die bilder größer, die überschriften nahmen mehr platz ein und der zeilenabstand wuchs beim relaunch an. das internet verstärkte mit seinen übertragungsgeschwindigkeiten und seinen überblicksstrukturen den hang zur kurzversion. ob es gewöhnung ist oder das so genannte „aufmerksamkeitsdefizitsyndrom“, das anscheinend um sich greift, das internet verkürzt die geduld, ein thema ausführlicher zu betrachten. dem motto „zeit ist geld“ folgend wird an allen ecken und enden suggeriert, dass in der kürze die würze liege.

das steht meiner ansicht nach im widerspruch zu einer immer komplexeren welt, die ausführliche analysen, intensive diskurse und in die tiefe gehende untersuchungen benötigt, um sie überhaupt verstehen zu können. die schnell-schnell-haltung verstärkt die gesellschaftlichen schwierigkeiten, da viele lösungsvorschläge nur noch „just-in-time“ gemacht werden und wenig fruchten. es würde verwundern, wenn es in dieser welt der steten nachbesserungen nicht eine gegenbewegung geben. denn das internet bietet nicht nur geschwindigkeit, es bietet auch preiswerten (schreib)platz. seit dem html-code und den blogs benötigt text nicht mehr viel speicherkapazität.

und so widmete sich die süddeutsche zeitung dieser gegenbewegung in einem artikel und macht auf diverse seiten im internet aufmerksam, die es sich zur aufgabe gemacht haben, längeren texten genug raum zu geben. auch auf dem zeitschriftenmarkt gibt es schon seit einiger zeit eine gegenbewegung, die wieder auf ausführliche lektüre baut. da man sowieso nicht alles, was geschrieben wird, lesen kann, ist es eher eine frage der auswahl. die kann jede(r) für sich treffen. hier der artikel der sz: http://www.sueddeutsche.de/medien/medien-im-digitalen-zeitalter-journalismus-extralang-1.1135014 .

Werbeanzeigen

kreatives schreiben und zeitmanagement

workshops, fortbildungen und bücher sollen heute allen helfen, den umgang mit den 24 stunden, die einem pro tag zur verfügung stehen, effektiv und richtig zu gestalten. das zauberwort lautet „zeitmanagement“. selten wird hinterfragt, weshalb so etwas überhaupt notwendig wird. sind die menschen früher gedankenloser mit ihrer zeit umgegangen? sicherlich nicht, aber sie hatten klarere strukturen. der tag war durch die festen arbeitszeiten unterteilt, der rest nannte sich „frei“zeit. davon kann heute in vielen berufen nicht mehr die rede sein. die flexibilisierung der arbeitszeiten und -verhältnisse hat erst so etwas wie zeitmanagement notwendig gemacht.

dies bedeutet jedoch, dass der einzelne unter vorgegebenen gesellschaftlichen und kapitalistischen bedingungen, sein zeitkontingent zu managen hat. dabei kann er aber wenig an den bedingungen ändern. und je schwieriger die trennung von arbeits- und freizeit fällt, desto schwerer wird auch die kontinuierliche verfolgung eines hobbys. kreatives schreiben lebt aber auch von seiner regelmäßigen verwirklichung. ich habe hier schon öfter die möglichkeiten der kurzen und schnellen schreibübungen und schreibeinstiege gezeigt. doch wie soll man nun die dabei entstandenen ideen in ausführlicher schreibprozesse überführen? wie lässt sich dies in das eigene zeitmanagement einpassen?

so fürchterlich das klingen mag, aber um selbstdisziplin kommt der mensch in solchen momenten nicht herum. selbstdisziplin erscheint ein widerspruch zum spielerischen schreiben zu sein, das eben nicht auf leistung ausgerichtet ist. meiner ansicht nach hat man zwei möglichkeiten der selbstdisziplin: Weiterlesen

es kommt nicht auf die grösse an

und dann noch ein frisches statement zur frage der länge von texten. wiederholungen zu den zwei vorhergehenden sind nicht ausgeschlossen, aber es das thema bewegt anscheinend die welt 😉

gepostet am 07.03.2010

diese aussage wird gern bei nutznießerInnen und trägerInnen des kleinen und kurzen gewählt. es formuliert entweder die bescheidenheit, die zurückhaltung oder das erstaunen (auch über etwas sehr großes, langes). beim schreiben und explizit kreativen schreiben lässt sich dieser satz auch anwenden. aber vielen fällt es schwer, gelassenheit ob der länge oder kürze zu wahren. das zeigt sich zumindest an der großen nachfrage nach den posts „kurze vs. lange texte„.

es lässt sich vermuten, dass die leserInnen gern eine regel, einen hinweis auf die richtigkeit ihrer vermutung, ihrer position hätten, was denn nun besser sei: ein kurzer oder ein langer text. ich bleibe dabei: es kommt nicht auf die größe an. es kommt auf den gehalt und mein interesse an. gibt es ein thema, das mich sehr interessiert, das mir viel spaß macht, dann finde ich es prima, wenn es dazu einen langen, ausführlichen, großen text gibt. ebenso kann mich aber auch ein kurzer, knapper, jedoch sehr prägnanter text erfreuen.

klar schreiben lässt sich: interessiert ein thema nicht so, langweilt es gar, dann können lange texte zur quälerei werden. ebenso in dem moment, in dem die wortwahl der schreibenden nicht nachvollzogen werden kann, etwas unverständlich ist.

die gesellschaft sendet uneindeutige signale. auf der einen seite beschleunigt sie ihre kommunikation, wird immer unruhiger und aufgeregter, streut ihre sozialen kontakte wie rollsplitt um sich. auf der anderen seite, erscheinen regelrechte wälzer auf dem buchmarkt, entstehen lange spielfilme und wird so viel gelesen, geschrieben und gehört wie selten zuvor.

und doch, ein trend lässt sich ausmachen: bei langen texten wird häufiger angemerkt, dass sie ja so lang seien, im gegensatz zu kurzen texten. nun kann es sein, dass die ungeduldigen sich schneller zu wort melden, statistisch lässt sich das nicht erfassen. es kann auch sein, dass die langtextler einfach nicht ans twittern machen und dort niemand vermerkt, dass dies doch alles nicht sehr aussagekräftig sei, da maximal ein gedanke in 140 zeichen passt. wahrscheinlich lässt sich der konflikt zwischen langen und kurzen texten nicht lösen.

einzig eines lässt sich vermerken: überflüssige füllwörter und umschreibungen können vermieden werden (wenn ich auch aus eigener erfahrung zugeben muss, es fällt sehr schwer, kann doch alles so blumig sein 😉 ). über den rest sollte man sich nicht so viele gedanken machen, sondern der eigenen lust folgen, denn die signalisiert: subjektiv kommt es auf die größe an, es ist nur nicht entschieden ob groß oder klein. 😀