Schlagwort-Archive: langsamkeit

versuch einer alternative zur steten beschleunigung des lebens

tom hodgkinson hat schon vor längerer zeit ein buch über die entschleunigung und das downshifting geschrieben. („anleitung zum müssiggang“) und eines über die möglichkeiten, sein leben zu verändern, sich nicht allen anforderungen von außen auszusetzen („die kunst, frei zu sein“ – siehe diesen link).

zeitgleich mit der „anleitung zum müßiggang“ initiierte er die auseinandersetzung mit fragen der entschleunigung. er rief mit anderen menschen zusammen die homepage „the idler“ ins leben. diese zeigt vor allen dingen praktische beispiele der „anderen“ lebensweise. wie konsequent sich dies umsetzen lässt, bleibt zu diskutieren. denn wenn zeit geld ist, dann ist freie zeit luxus. aber auf der homepage lohnt ein blick auf die link-seite mit vielen anregungen und diskussionen.

da inzwischen ein geschäft aus der entschleunigung geworden ist, muss man sich auf der homepage zwischen den ganzen angeboten etwas in die tiefen begeben, um die vielen diskurse und texte, die dort veröffentlicht wurden, zu finden. aber es lohnt sich. hodgkinson selber hat anscheinend seinen pfad der entschleunigung ein wenig verlassen, um aus den ideen viel praktisches zu machen. und doch bleibt das anliegen ein berechtigtes.

der links zur homepage: http://idler.co.uk

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schreibberatung und mut zur langsamkeit

wer in die schreibberatung kommt, steht meist unter zeitdruck. es muss etwas fertiggestellt, abgegeben oder konzipiert werden. wenn dann noch eigene hohe ansprüche oder erwartungen dazu kommen, dann steigt der stresspegel und das arbeiten fällt beständig schwerer. in diesen momenten müsste eigentlich die notbremse gezogen werden, um sich dem schreibprozess anders annähern zu können.

doch wie kann man vermitteln, dass es auch unter zeitdruck hilfreich sein kann, sich zeit zu nehmen, um schritt für schritt wieder in den schreibprozess einzusteigen? neben der vermittlung von schreibtechniken sollte aufgeschlüsselt werden, wie schreibende sich selber unter druck setzen. dies ist ein prozess, der eine gewisse zeit benötigt. denn man hatte gelernt, dass man an sich selber hohe ansprüche zu stellen hat. es geht darum zu erkennen, dass keine bestrafung und große sanktion erfolgt, wenn das endergebnis nicht ganz perfekt ist.

der lernprozess, nicht gleich mit dem schlimmsten zu rechnen, wenn das geschriebene nicht den eigenen ansprüchen genügt benötigt zeit. logisch können viele ratsuchende die grundsituation erfassen. sie sehen, dass sie durch die hohen erwartungen an sich selber eher zu gar keinem ergebnis kommen, dass sie sich selber im wege stehen. aber emotional ist ein veränderungsprozess schwer umzusetzen, ist es nicht leicht umzulernen.

beraterInnen können im laufe der zeit vermitteln, dass kleine schritte nacheinander überhaupt wieder in den schreibprozess führen, ja sogar ergebnisse hervorbringen. Weiterlesen

schreibidee (155)

kennen sie die situation, in der sie den ganzen tag terminen und fortbewegungsmitteln hinterher hetzen und am abend das gefühl haben, dass sie mit allem nicht mehr schritt halten können. oder sie lesen ein buch, von dem viele menschen berichten, es sei äußerst interessant, aber sie verstehen das buch nicht. oder sie haben sich gerade mit der neuen mode angefreundet, jedoch alle um sie herum tragen schon wieder ganz andere sachen. dann kann das gefühl aufkommen, zu langsam für diese welt zu sein. die schreibidee will diesem gefühl nachgehen und „zu-langsam-für-diese-welt-geschichten“ entstehen lassen.

als einstieg werden die teilnehmerInnen der schreibgruppe aufgefordert zwei situationen auf jeweils einer halben seite zu beschreiben, in denen sie meinen etwas verpasst zu haben. dann sollen noch zwei situationen beschrieben werden (auch wieder jeweils eine halbe seite) in der sie sich langsamer als die anderen vorkamen.

im anschluss wird eine seite zu den vorteilen der langsamkeit geschrieben. dabei sollten die schreibenden darauf achten, dass sie auch ihren schreibrhythmus verlangsamen. jedes wort wird gemalt. im hintergrund kann beruhigende, getragene musik gespielt werden. als letzte vorbereitung für den eigentlichen text wird ein cluster erstellt, dass sich auf die worte „zu langsam“ bezieht. die teilnehmerInnen schauen sich noch einmal in ruhe ihre ganzen vorarbeiten an und lassen die ideen in eine geschichte fließen. es wird genug zeit zur verfügung gestellt, die geschichte zu schreiben.

anschließend werden die geschichten vorgelesen. dabei sollen die schreibgruppenteilnehmerInnen darauf achten, langsam zu lesen. es gibt keine feedbackrunde, sondern es werden feedbackgeschichtchen geschrieben. die jeweils rechten nachbarInnen schreiben das feedback unter dem blickwinkel, woran die langsamkeit in der geschichte hindert, selbst wenn in der geschichte die langsamkeit positiv bewertet wird.