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schreibgruppen selber gründen (04)

ort

bevor eine schreibgruppe gegründet werden kann, benötigt man eigentlich einen ort, an dem die gruppe sich treffen kann. dies bedeutet, dass man sich schon im vorfeld gedanken gemacht haben muss, wie viele teilnehmerInnen maximal dabei sein können, wie gut der treffpunkt erreichbar sein sollte und ob der gruppenraum gemietet werden soll und etwas kostet oder man versucht einen kostenlosen raum zur verfügung gestellt zu bekommen.

sie als organisatorIn und initiatorIn sollten sich dazu im vorfeld gedanken gemacht haben. als zweite variante können sie aber auch ein planungstreffen im hinterzimmer einer kneipe oder in einem cafe ins leben rufen und dieses dazu nutzen, gemeinsam einen ort auszuwählen. ganz gleich, wie sie sich entscheiden, ein paar kriterien sollte der ort erfüllen:

  • genug schreibfläche für die teilnehmerInnenzahl sollte vorhanden sein. dabei ist zu bedenken, dass manche schreibanregung auch noch platz für große blätter, utensilien und gegenstände benötigt.
  • die sitzgelegenheiten sollten bequem genug sein, um länger darauf sitzen zu können.
  • die beleuchtung in dem raum sollte hell genug sein, um gut schreiben und vorlesen zu können.
  • der raum sollte ein gute klima haben. das bedeutet, im winter kann man angenehm heizen und im sommer kann man lüften, ohne das gefühl zu haben, auf einer autobahn zu sitzen.
  • die lärmquellen in der umgebung sollten sich im rahmen halten. ein wenig lärm lenkt eine schreibgruppe meist nicht groß ab, aber dauerhafter lärm kann teilnehmerInnen am schreiben hindern.
  • finden die jeweiligen gruppentreffen länger als zwei stunden statt, sollte es möglichkeiten geben, kaffee und tee zu kochen.
  • saubere toiletten sollten vorhanden sein.
  • etwas zeitliche flexibilität sollte in dem raum möglich sein. wenn etwas noch nicht ganz abgeschlossen ist beim gruppentreffen, sollten nicht schon die nächsten raumnutzerInnen vor der tür stehen.
  • der zugang zu dem raum sollte leicht sein. sowohl an die schlüssel muss man leicht kommen als auch für alle teilnehmerInnen sollte der raum leicht zu finden sein.
  • eine tafel oder ein flipchart sollten in dem raum sein. je weniger material alle anschleppen müssen, umso besser.
  • die lage des schreibortes sollte zusätzlich die möglichkeit bieten, vor-ort ein paar interessante schreiborte finden zu können. eine belebte umgebung ist dafür ideal.

diese kriterien stellen den idealen gruppenraum für schreibgruppen dar. an manchen punkten muss man sicherlich abstriche machen. lassen sie ruhig die teilnehmerInnen der schreibgruppe den raum beurteilen. und falls sich herausstellt, dass der ort für die schreibgruppe doch nicht geeignet ist, begeben sie sich am besten mit allen teilnehmerInnen auf die suche nach einem besseren raum. sie sollten sich nicht allein die verantwortung für das gelingen der schreibgruppe aufbürden.

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schreibidee (247)

eine emission bekommen wir kaum reduziert. sie stresst uns, sie raubt uns den schlaf und sie durchdringt fenster und wände, ein wenig gedämpft, aber immer noch hörbar. natürlich schreibe ich hier vom lärm und von der lautstärke mit der masseinheit dezibel. doch wie kann man lautstärke in texte packen? dies soll in der folgenden schreibanregung zu „lauten texten“ geschehen.

zum einstieg geht es um das gehör. welche worte klingen laut? das ist eine seltsame frage, doch es gibt einen unterschied, ob ich zum beispiel das wort „lispeln“ laut vorlese oder das wort „baden“. „a“s und „o“s fördern wohl den lauten eindruck. es sollen worte in der schreibgruppe gesammelt werden, die gelesen und gesprochen den eindruck von mehr lautstärke hinterlassen.

aus diesen worten suchen sich die teilnehmerInnen jeweils zehn stück und verfassen mit ihnen eine geschichte. die „laut“malerischen geschichten werden kurz vorgelesen. anschließend sammelt die gruppe laute ereignisse. was macht so richtig krach? anschließend wählen sich die schreibenden ein ereignis aus, das sie auf zwei seiten ausführlich beschreiben. dabei sollten sie darauf achten, dass das gefühl der lautstärke beim vorlesen gut vermittelt wird. es gibt eine kurze feedbackrunde, die nur kurz beleuchtet, wie gut die lautstärke vermittelt wurde.

und nun wird mit hilfe der beiden vorbereitungsübungen eine laute geschichte geschrieben. wie dabei lautstärke dargestellt wird, bleibt den autorInnen überlassen. empfehlenswert scheint es, für die lauten stellen worte zu verwenden, die die lautstärke ausdrücken. die geschichten werden im anschluss vorgelesen. anschließend findet eine feedbackrunde statt.

zum abschluss wird das genre gewechselt. denn es wird ein lautes gedicht verfasst. das gedicht darf später ruhig geschrien und gebrüllt werden. aber auch hier sollten die worte die grundlage für einen ausdrucksstarken vortrag bilden. wie wäre es mit einem geschrienen liebesgedicht, das von den angebeteten nicht überhört werden kann? die gruppenleitung sollte darauf achten, dass die räume für das gruppentreffen einen lautstarken vortrag erlauben.

schreibidee (207)

lass es raus, lass es einfach raus. wenn das nur so einfach wäre. wir menschen haben gelernt, uns im sozialen umgang zusammenzureissen. je mehr unsere gesellschaft zu einer dienstleistungsgesellschaft mutiert, um so stärker wird uns ein zwangslächeln abverlangt. dabei gibt es in jedem leben genug situationen, in denen man aus der haut fahren könnte. gut, es ist sinnvoll, nicht alles auszuagieren. aber manchmal würde es einfach gut tun, für sich alles rauszuschreien. in dieser schreibanregung soll es zumindest schriftlich möglich sein. es werden „schrei-texte“ verfasst.

als einstieg werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, ein alltagserlebnis aus der letzten zeit, das sie am liebsten aus der haut fahren ließ, in einen einseitigen text fließen zu lassen. die texte werden kurz in der runde vorgetragen. anschließend notieren alle teilnehmerInnen für sich, welche bewältigungsstrategien sie für sich verwenden, um ihre wut, ihre anspannung abzubauen oder in den griff zu bekommen. diese strategien bewerten sie dann als „positiv“ oder „negativ“.

um dem schreien näher zu kommen, notieren nun alle in einer liste zehn personen, die sie gern anschreien wollen. die teilnehmerInnen wählen dann aus, bei wem ihnen das schreien am wichtigsten erscheint. und nun wird ein text verfasst, der schon im geschriebenen das schreien ausdrückt. was möchten sie der ausgewählten person lautstark und unreglementiert an den kopf werfen. es wird ein schrei-text geschrieben. dabei darf es ruhig einmal ungerecht und unvernünftig zu gehen. es geht nicht um die berechtigung des protests oder um alternative lösungsmöglichkeiten.

wenn sich die teilnehmerInnen anschließend trauen und die passenden räumlichkeiten vorhanden sind, dann werden die texte der schreibgruppe schreiend vorgetragen. um die angemessene lautstärke zu schaffen, können im vorfeld stimm- und sprechübungen durchgeführt werden, die ein wenig lockern. mit möglichst großer stimmgewalt werden die texte der gruppe entgegen geschleudert. in der feedbackrunde sollte betrachtet werden, ob der text der lautstärke angemessen ist.

wenn noch zeit vorhanden ist, kann im anschluss ein beruhigungstext geschrieben werden, der die gefühle nach dem dampf ablassen beschreibt. wie zeigt sich die erleichterung? auch diese texte werden kurz in der schreibgruppe vorgetragen, um ein versöhnliches ende zu finden. solche schreibanregungen sollten nur in schreibgruppen umgesetzt werden, die schon recht vertraut miteinander sind, sonst könnte das schreien schnell als bedrohlich empfunden werden.

nabelschau (34)

WARUM BRÜLLT IHR MICH EIGENTLICH IMMER AN??!! ist ihnen das auch aufgefallen: wenn im fernsehen werbeeinblendungen kommen, wird der ton automatisch lauter. die werbung wird lauter gesendet als die vorherigen und danach folgenden beiträge. schon dies hat wohl den sinn, dass man die botschaft auch noch auf dem klo vernimmt. aber nicht genug damit, in letzter zeit häufen sich die werbespots, die von den sprecherInnen nur noch gebrüllt werden. das lässt viele rückschlüsse zu:

  • die anbieter des produkts sind so verzweifelt, dass sie nur noch marktschreierisch ihre ware loswerden.
  • kundenbefragungen haben ergeben, dass der masochismus auf dem vormarsch ist und in anlehnung an die erotikwerbung „ruf an!“ und peitschenknallen, wird einem das produkt um die ohren gehauen, damit man unterwürfig kauft.
  • die hauptkundengruppe besteht aus techno-fans, die alle inzwischen schwerhörig sind und eine laute form der kommunikation bevorzugen.
  • irgendwer hat den begriff „guerilla marketing“ falsch verstanden, und meint, mit einer knarre am kopf ist der kunde besser zu überzeugen.
  • die produktbeschreibung ist kaum mehr steigerungsfähig. nach „mega“, „turbo“, „ultra“ und dergleichen mehr, fehlen einem die worte. nur die lautstärke setzt noch eins drauf.
  • alle produzentInnen von werbespots kommen aus hamburg und ihre agentur befindet sich in der nähe des fischmarkts. beim brainstorming für neue spots beeinflusst das soziale umfeld.

mir jedenfalls geht euer gebrüll auf den keks. ein grund euer produkt nicht zu kaufen. mir werden keine vorzüge mehr angeboten, mir wird nichts mehr mit humorvollem augenzwinkern nahegelegt, ich werde nur noch genötigt. dauerlichthupen lösen beim angehupten autofahrer eine trotzreaktion aus, jetzt extra langsam zu fahren. abseits der ausufernden werbezeit noch ein grund, schnell das programm zu wechseln.