Schlagwort-Archive: leben

„das hier ist wasser“ von david foster wallace – ein buchtipp

david foster wallace, ein genialer schriftsteller, der viel zu früh starb, hielt vor ein paar jahren eine rede zum collegeabschluss über das lernen, das denken und das leben. dabei zeigte er auf, was es heisst für das lebens zu lernen. vor allen dingen machte er die absolventInnen darauf aufmerksam, dass das lernen nach dem abschluss erst so richtig losgeht, wenn man die üblichen bahnen des alltags verlassen möchte. dieser text ist unter dem titel „das hier ist wasser – anstiftung zum denken“ als kleines büchlein erschienen und findet anscheinend reissenden absatz.

auf fünfundzwanzig großzügig bedruckten seiten schafft es wallace, die tragik des lebens, der wahrnehmung und des blickwinkels wunderbar darzustellen. andere kluge köpfe haben dies sicherlich schon viel differenzierter, durchdachter und drastischer formuliert. aber bei wallace blitzt ein schuss humor durch, der erst einmal unterhält und in zweiter linie die distanzierung von allen großen „wahrheiten“ untermauert. ein text der unzulänglichkeiten unserer sozialen konstruktionen entlarvt und dabei gleich eine alternative anbietet, die so einfach klingt und laut david foster wallace so anstrengend ist: die augen offen zu halten. nicht aufzuhören, den blickwinkel und die eigene position zu verändern, um auf eine große entdeckungsreise zu gehen.

ein text, der sich für jede lehranstalt und für jeden lernprozess eignet. ein text der gesellschaftskritik mit dem aufruf zur eigenen entscheidungsfreude vereint. das taschenbuch gibt den text zweisprachig wieder und kann somit auch im englisch-unterricht verwendet werden. er sei allen ans herz gelegt, die die meinung teilen, am leben lernen könnte ein abenteuer und gleichzeitig unglaublich nervig sein. das buch ist 2012 bei kiepenheuer & witsch in köln erschienen. ISBN 978-3-462-04418-8

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schreibidee (369)

das wort kommt ein wenig altbacken daher. gern wurde es im sexuellen kontext verwendet, doch schon bald erweiterte sich der begriff auf alle lebensbereiche – die „unschuld“. verbunden wird damit eine gewisse naivität, unbedarftheit und unerfahrenheit. dahinter steckt der gedanke, dass man ab einem gewissen alter ernüchtert auf die welt blickt. man kann darüber streiten, ob erwachsen sein mit enttäuschung einhergehen muss – eine recht asketische vorstellung. darum eine schreibanregung für „verlust-der-unschuld-geschichten“.

dies soll keine biografische schreibanregung sein, also werden beim einstieg in das thema auch keine persönlichen bezüge relevant. die schreibgruppenteilnehmerInnen notieren in kurzen stichworte, wobei man seine unschuld verlieren kann. was schleudert einen plötzlich in einen erweiterten bezug zur welt? die stichworte werden in der gruppe zusammengetragen und alle teilnehmerInnen wählen sich ein beispiel aus. darüber verfassen sie eine kleine geschichte (maximal zwei seiten lang), die anschließend vorgelesen wird. es findet keine feedbackrunde statt.

im nächsten schritt, geht es um die entzauberung der kindheit. denn in bezug auf das naive, unschuldige, wird gern die kindheit als ehemaliges paradies dargestellt. doch genauer betrachtet ist man als kind regeln und gegebenheiten ausgeliefert, die von den erwachsenen bestimmt werden. die unschuld zu verlieren bedeutet auch, mehr mitsprache über das eigene leben zu erhalten. alle schreibgruppenteilnehmerInnen werden eingeladen, einen kurzen text über die unangenehmen seiten des kindseins zu schreiben. die texte werden vorgetragen. es findet keine feedbackrunde statt, aber vielleicht eine kurze diskussion über die idealisierung von unschuld.

nun wird eine längere geschichte über jemanden geschrieben, der sich „schuldig“ gemacht hat. dies ist nicht im juristischen oder kriminellen sinn gemeint, sondern im alltäglichen. es gibt keine weitere vorgabe als die annahme, dass in der geschichte jemand seine „unschuld verliert“. ob sich etwas zum positiven oder negativen entwickelt, bleibt den schreibenden überlassen. anschließend werden die geschichten vorgelesen und es findet einen ausführliche feedbackrunde statt. dabei kann man den fokus darauf richten, wie schuld in der jeweiligen geschichte dargestellt wurde.

zum abschluss werden von allen teilnehmerInnen kurze emanzipatorische aufrufe verfasst: zehn punkte, wovon man sich nach seiner kindheit befreien sollte. also zehn punkte die einen weiteren verlust der unschuld bedeuten. die aufrufe werden in der gruppe vorgetragen (und im realen leben umgesetzt 😉 ).

liste (109) – fliegen

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um das „fliegen“.

was ich meist im flug erledige:

meine liebsten flugziele:

meine häufigsten kritiken am fliegen:

meine heftigsten abstürze aus den höhen des lebens:

meine schönsten höhenflüge:

web 2.0 und störung

im internet oder netz lassen sich störungen leicht benennen: es konnte keine verbindung hergestellt werden oder es werden daten geklaut. im gegensatz zu den anderen im laufe der woche hier benannten störungen wird die störung im web 2.0 immer existentieller. viele menschen verbringen einen großen teil ihrer arbeitszeit in der einen oder anderen weise im internet. ob nun mit dauerkontakt durch das smartphone oder am computer im firmennetzwerk.

auch freizeit, beziehungen, freundschaften und familienleben verlagern sich immer öfter ins web 2.0. da wird gechattet, gemailt, sich in der cloud bewegt oder es werden flashmob-treffen organisiert. ganz abgesehen von den fernseh- oder radiosendern, die inzwischen den abruf des programms zeitverzögert zulassen. wenn man dann noch das handy als fotoapparat oder den pc als spielkonsole in online-rollenspielen nimmt, dann ist die freizeit eng mit dem web 2.0 verknüpft.

störungen im netz sind somit für die nutzerInnen inzwischen schwer auszuhalten. die geschäftliche wie auch die private kommunikation käme zu einem großen teil zum erliegen. wie aufgebracht die menschen reagieren kann abgelesen werden, wenn zeitweise handynetze ausgefallen sind oder die zugangsmöglichkeiten ins netz nicht funktionieren. und man möge es nicht unterschätzen, inzwischen werden auch viele logistische aktionen und dienstleistungen über das netz abgewickelt.

störungen sollten also möglicht vermieden werden. so betreiben etliche firmen ein internes und ein externes netz. im web 2.0 kann auf alternative server ausgewichen werden und selbst bei stromausfall springen teilweise ersatzaggregate an. denn die abhängigkeit ist so groß, dass inzwischen bücher gefragt sind, die darüber berichten, wie es sich anfühlt, wenn man für längere zeit das internet ruhen lässt, sich zurückzieht. abhängigkeiten sind immer sehr anfällig Weiterlesen

web 2.87 – det missionerande kopimistsamfundet

das in der ersten zeile ist schwedisch. denn schwedInnen haben eine kirche der „kopiererInnen“ gegründet. dies scheint der nächste schritt in der auseinandersetzung um das urheberrecht und des „copy & paste“ zu sein. die kirche ist inzwischen in schweden offiziell anerkannt. ob es sich dabei nur um eine strategie handelt oder darüber hinausgeht, muss man wahrscheinlich abwarten.

die kirchenvertreterInnen sind der meinung, dass die kopie ein ganz natürlicher prozess ist. in der natur werde ständig kopiert. ob bei der zellteilung, der reperaturmechanismen im körper und natürlich der vermehrung der dna. so sind wir alle eine kopie unserer eltern. neben der neukombination stellt wirklich jedes leben eine kopie dar. nur mutationen verändern das genom grundlegend.

natürlich gehen die kopimistInnen noch einen schritt weiter. sie sagen, dass sie das prinzip der kopie in ihrem ganzen leben vertreten, also auch bei kulturellen gütern. sollten sie angeklagt werden, würden sie sich auf das recht der freien glaubensausübung beziehen. inzwischen gibt es gruppen und kirchenvertreterInnen in vielen verschiedenen ländern. weitere infos bietet wikipedia unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Det_Missionerande_Kopimistsamfundet . auf dieser seite befindet sich auch der link zur schwedischen originalseite der kopimisten.

web 2.85 – the cowbird

diese homepage ist eine mischung aus blog, sammlung, texten und bildern. und sie kommt sehr ansprechend daher. „the cowbird“ ist eine seite für geschichtenerzählerInnen. für schreiberInnen, die über persönliches, erlebtes, erfahrenes oder auch ausgedachtes erzählen möchten. dafür, dass die seite noch nicht so wahnsinnig lang existiert, hat sich schon einiges eingefunden.

neben den geschichten ist vor allen dingen das layout sehr ansprechende. bilder treten bei den stories nicht in den hintergrund. sie nehmen ebenso viel raum ein, wie der text. daneben ist die homepage mehrfach verschränkt, verlinkt und durchsuchbar. das macht das leseerlebnis so labyrinthisch aber auch abwechslungsreich. also eine seite, die sich vielleicht in der nächsten zeit zu einer sehr vielfältigen homepage für storyteller entwickelt.

hier sollen geschichten erzählt werden, die das leben schreibt und die lang erhalten bleiben. man kann selber entscheiden, wie die story in erscheinung treten soll. alles ist vorbereitet, man kann es nutzen, wie man lustig ist. dafür muss man eine einladung anfordern. doch dann befindet man sich in gesellschaft mit anderen geschichtenerzählerInnen, die mehr als ihre tagesform berichten möchten. die seite ist zwar privat, gleichzeitig aber auch literarisch und erzählend. (lyrik wird hier ebenso platziert).

zu finden ist die homepage unter http://cowbird.com .

schreibidee (336)

was ist die midlife-krise anderes, als das gewahr werden, dass man die eigentlichen ziele und seine ganz persönlichen lustfaktoren aus den augen verloren hat. das ruder soll herumgerissen werden, denn man wird älter und vieles blieb bis dahin unerfüllt. wahrscheinlich tun die hormone ihr übriges, dass man glaubt, dieses gefühl könne nicht auch schon mit zwanzig oder noch mit achtzig jahren aufkommen. man kann immer wieder den blick auf die eigene „lebensliste“ werfen. darum dieses mal eine schreibanregung zu „lebenslisten-texten“.

als einstieg können diverse selbstbefragungs-, assoziations- oder listenübungen angeboten werden. ziel aller übungen ist es, dass die schreibgruppenteilnehmerInnen am schluss eine ganz individuelle liste vor sich liegen haben, auf der die zehn punkte vermerkt sind, die sie in ihrem leben noch machen wollen oder die für sie in zukunft am wesentlichsten sind. diese listen werden nicht vorgestellt aber in eine reihenfolge gebracht: oben steht der allerwichtigste gedanken und bei den folgenden nimmt der grad der notwendigkeit ab.

nun werden zu jedem punkt auf der liste von den schreibenden begründungen von maximal 10 zeilen länge notiert. auch diese persönlichen gedanken werden nicht veröffentlicht. sind die begründungen geschrieben (vielleicht jeweils auf eine karteikarte), kann die liste noch einmal überblickt und eventuell spontan umgestellt werden. dann wird zum spitzenreiter der liste eine handlungsanweisung geschrieben. was muss getan werden, damit dieser wesentliche aspekt im eigenen leben umgesetzt wird? die handlungsanweisung sollte nicht länger als eine seite sein. zuhause können auch zu den anderen punkten handlungsanweisungen notiert werden.

aber in der schreibgruppe wird nun eine geschichte zum obersten listenplatz geschrieben. diese kann nur das eigen lebensthema aufgreifen, sie kann aber auch biografische züge tragen, das ist den schreibgruppenteilnehmerInnen überlassen. sie sollten aber darauf hingewiesen werden, dass der text später in der gruppe vorgelesen werden soll. wenn notwendig kann vorher ein cluster zum thema erstellt werden. anschließend werden die geschichten in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde mit keiner speziellen fragestellung statt.

zum abschluss der schreibgruppe wird von allen teilnehmerInnen noch eine liste mit den zehn momentan überflüssigsten und am meisten energie raubenden aspekten ihres lebens notiert. auch hier kann der vorschlag gemacht werden, doch für jeden aspekt zuhause eine handlungsanweisung zu schreiben, wie man ihn aus seinem leben verbannen kann.

alle schreibideen aus diesem blog finden sich gebündelt hier: http://schreibideen.schreibboutique.de .

Wo die Seele aufblüht – Warum ein Garten glücklich macht – ein Buch

Lebensgeschichten aus dem Garten
oder: Das Credo der Nacktschnecke

Man kann selbstverständlich ohne Garten gut leben. Man kann sich aber auch in der Garten-Guerilla-Bewegung tummeln oder man findet einen Garten – und plötzlich ist alles anders!
Doris Bewernitz ist in Berlin Gartenbesitzerin geworden, mit Leib und Seele stürzt sie sich auf ein kleines überschaubares Stück Natur und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sie erzählt Lebensgeschichten aus diesem Garten und lädt uns ein zum Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen. Seien es die Geduld der Regenwürmer, die Namen der Rosen oder das Credo der Nacktschnecke – es gibt viel Sinnbildliches in der Natur, wir müssen nur hinschauen. Und eintauchen in Rosenduft und Blütenmeer oder schwelgen in Kirschen und Kürbis. Dabei erfahren wir, warum ein Kompost bei Liebeskummer hilft, wofür eine Kohlmeise einen Hund braucht, wie man mit einer Höhle zum Mond fliegt, und wie sich die Essenz des Sommers in kalte Wintertage retten lässt.
Gärten sind Lehrmeister für ein glückliches Leben.
Ein Buch für Gartenfreunde, das uns durch das gesamte Gartenjahr begleitet!

Kreuz Verlag Freiburg, ISBN: 978-3-451-61000-4

Die Autorin: Doris Bewernitz, geb. 1960 in Mecklenburg, lebt die meiste Zeit des Jahres in ihrem Garten in Berlin. Sie arbeitete u.a. als Krankenschwester, Gerichtsprotokollantin, Sozialpädagogin, Dozentin und Gestalttherapeutin. Seit 1995 schreibt und veröffentlicht sie Erzählungen, Lyrik, Satiren und Reportagen.

Link zum Buch:
http://www.kreuzverlag.de/presse/pressemitteilungen/neuerscheinungen/neuerscheinungen_d_html?k_beitrag=3255176&k_tnr=61000&titel=Wo%20die%20Seele%20aufbl%FCht

wortklauberei (81)

„krümelschutz“

heutzutage kann man sich vor beinahe allem schützen, wenn man der werbung glauben mag. ob es viren, gewalttaten, unpässlichkeiten oder witterungsfolgen sind, man kauft den passenden schutz, mietet die richtige utensilie oder versichert sich gegen die negativen folgen von ereignissen. doch das leben folgt nicht immer unseren vorstellungen von sicherheit. es kommt überraschend und unerwartet daher, wirft alle schutzmechanismen über den haufen und löst veränderungen aus.

eine der großen bedrohungen für ältere menschen liegt in der unzulänglichen haftcreme für die dritten zähne. jedem kann es passieren, dass die eigenen zähne nicht mehr halten, nicht mehr das tun, was sie versprechen. also wird ein künstliches gebiss hergestellt und eingesetzt. das sollte halten und möglichst nicht kenntlich sein. doch leider haftet es nicht immer so, wie gewünscht. das liegt auch daran, dass sich die kieferknochen im alter beständig verändern und der kiefer kleiner wird. eigentlich ein natürlicher lauf der dinge, aber mensch vesucht dies zu verhindern, eben mit superstarker haftcreme.

die zweite bedrohung besteht darin, dass sich kleine essensreste unter die dritten schieben und das kauen unangenehm machen. dafür soll es jetzt einen „krümelschutz“ geben. denn der gemeine krümel, der sich alle ritzen, hohlräume und falten sucht, um sich dort niederzulassen, ist kaum in schach zu halten. wer einmal in seinem leben im bett gefrühstückt hat, kann ein lied davon singen. schön, dass man inzwischen anscheinend mit einer creme die dritten zähne so weit rundum-versiegeln kann, dass kein krümel der welt sich mehr einnisten kann.

ich warte in der folge auf die creme für das frühstücken im bett, für die computertastatur, die sofaritzen und die groben dielen im wohnungsflur, die mich vor den fiesen krümeln bewahren. vielleicht sollten wir unser ganzes leben beschichten, damit alles von ihm abperlt, das ihm in die quere kommen könnte. da wäre dann der krümelschutz für das künstliche gebiss nur ein symbol für die ängstlichkeit der menschheit 😉

selbstbefragung (104) – vielfalt

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „vielfalt„.

  • in welchen zusammenhängen oder bei was kann sie vielfalt berauschen? beschreiben sie.
  • wo wünschen sie sich mehr vielfalt? begründen sie.
  • was erscheint ihnen sehr einfältig?
  • wie vielfältig ist ihr allgemeinwissen? beschreiben sie.
  • wie finden sie sich bei den vielfältigen informationen auf dieser welt zurecht?
  • wann wird ihnen die vielfalt zu viel?
  • wonach entscheiden sie in einem großen supermarkt was sie aus dem vielfältigen angebot kaufen?
  • in welchen bereichen möchten sie sich in der vielfalt besser auskennen und mehr darüber lernen?
  • was würden sie gern vervielfältigen und allen menschen in die hand drücken?
  • was sollte einmalig bleiben? warum?

„drei dinge meines lebens“ – ein ausstellungstipp

ich war bis jetzt nicht in der ausstellung in berlin-neukölln, aber die idee ist eine schöne, die sich auch im biografischen schreiben wunderbar umsetzen lässt. das „museum neukölln“ ( http://www.museum-neukoelln.de ) hat menschen aufgefordert, drei dinge oder gegenstände, die einem im eigenen leben sehr wichtig waren und sind herauszusuchen und zur verfügung zu stellen. anschließend wurden die menschen befragt, welche bedeutung die dinge für sie haben und warum dies so ist. aus den dingen und interviews ist eine kleine ausstellung entstanden, die bis ende dezember besucht werden kann.

diese ausstellung aber auch die idee können eine anregung sein, so etwas einmal entweder für sich auszuprobieren oder in schreibgruppen anzuwenden. es ist wahrscheinlich nicht ganz leicht nur drei dinge auszuwählen, die einem wirklich, wirklich wichtig sind und das eigene leben wiederspiegeln. spannend wird es dann vor allen dingen bei der begründung. warum hat man dieses wandgemälde gewählt und nicht den kochlöffel, mit dem man beständig die leckersten essen für freunde und partnerInnen gekocht hat? warum stammen die gewählten drei dinge alle aus einer zeit, die schon lange vorbei ist und nichts hat bezug zur gegenwart? diese oder andere fragen können sich aus der suche nach den drei dingen meines des lebens ergeben.

und dann lässt sich darüber schreiben. die dinge können beschrieben werden, in die beschreibung kann die eigene lebensgeschichte einfließen. sie können teil einer langen geschichte werden, in der die ereignisse und bedeutungen der dinge nachvollzogen werden. oder man verwendet die dinge ganz anders in geschichten, lässt den persönlichen bezug weg. man kann alle teilnehmerInnen einer schreibgruppe auffordern, jeweils drei dinge des eigenen lebens mitzubringen und alle dürfen anschließend zehn minuten frei über diese dinge erzählen. vieles lässt sich aus bedeutungsvollen (alltags-)gegenständen machen, das die eigene lebensgeschichte wiedergibt. das museum neukölln bietet eine interessante vorlage dafür.

schreibidee (231)

wer führt nicht gern ein leben, in dem wirklich was los ist? manch einer freut sich über einen alltag, der abwechslungsreich, spannend und lebhaft ist. dabei sind einige dinge das eigentliche salz in der suppe. abermals kann hier nicht verallgemeinert werden. für jeden mensch schmeckt anderes salzig. darum dreht sich diese schreibanregung um „salzige geschichten„.

als einstieg gibt es verschiedene salz“typen“ zur auswahl darüber zu schreiben. es werden glaubersalz, streusalz, meersalz, jodiertes salt und dergleichen mehr zur auswahl gestellt. alle schreibgruppenteilnehmerInnen wählen sich einen salztyp aus und schreiben eine kurze geschichte von maximal zwei seiten dazu. die geschichten werden vorgelesen. es gibt keine feedbackrunde.

anschließend bewegt sich diese schreibanregung in die richtung des biografischen schreibens. die schreibenden notieren für sich ereignisse ihres lebens, die für sie das salz in der suppe darstellen. sie erstellen eine kurze liste und beschreiben die ereignisse jeweils mit einer viertel seite. es kann sich dabei um alltägliche begebenheiten oder auch um einmalige situationen handeln, die das persönliche leben lebhaft machen. diese listen werden nicht vorgestellt.

anschließend wird das ereignis ausgewählt, das einen heute noch am meisten beschäftigt und vielleicht die größte freude macht. dazu wird eine längere geschichte geschrieben (es muss sich dabei um keinen biografischen text handeln, die teilnehmerInnen können ihrer fantasie freien lauf lassen). die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es gibt ein feedbackrunde.

zum schluss greifen wir noch einmal tief in das salztöpfchen. denn nun wird noch eine kurze geschichte verfasst, die von der versalzenen suppe handelt. denn zu viel salz in der suppe kann den geschmack zum kippen bringen. also sollte noch ein text, der nicht mehr als zwei seiten umfassen sollte. was geschieht, wenn ein essen versalzen ist? warum wurde es versalzen? wie sieht ein versalzenes leben aus? auch hier gibt es wieder viel raum für kreative einfälle. die texte werden ohne feedback in der gruppe vorgetragen.

kreatives schreiben und saftig

das leben ist bunt. darüber lässt sich vortrefflich schreiben. gern werden die worte gepflegt und geordnet gewählt, wird mit metaphern ein bild gezeichnet und eine story erzählt. doch das leben ist mehr. es ist kraftvoll, manchmal direkt und deftig. aber in diesem zusammenhang ist ein großteil der schreibenden sehr zurückhaltend. die worte werden weiterhin umgänglich verwendet. selten gehen schreibende „in die vollen“. warum eigentlich?

unsere sprache bietet gute möglichkeiten auch das zu formulieren, was vor kraft aus allen nähten platzt. menschen begeben sich gern zwischendurch in rauschhafte zustände, sie werden laut und direkt. aber beim schreiben gilt großteils ein konsens, der dies nicht mit entsprechenden worten abbildet. nur beim sex wird direkter formuliert. aber was schreibt man, wenn sich jemand einfach nur im wohlfühlen baden soll, sich seine wünsche und träume erfüllen und er der meinung, die welt gehöre ihm oder ihr?

klar, viele geschichen leben von der tragik und dramatik, schönes funktioniert teilweise nicht so gut und positives denken ist opium fürs volk, angesichts all der schlechtigkeiten. „schön“ wird es meist nur in den schmonzetten, in denen der sonnenuntergang am meeresstrand auf das glückliche paar scheint oder über die blühende wiese im frühling auf der alm gewandelt wird und die vöglein von den waldrändern zwitschern. dabei wäre es lohnenswert sich literarisch oder schriftlich einmal in ein kneipe zu begeben, wo sich die leute alkoholgeschwängert den mund fusselig reden, kein ende finden, sich die welt erklären und im gemeinsamen schwelgen.

auch in diesen situationen ereignen sich geschichten. oder jemand erfüllt sich nach jahrzehnten den traum seines / ihres lebens. und es klappt. hier braucht es eine umschreibung, die die dimension des erfüllens auch erfasst. da darf nicht nur von glück gesprochen werden, da ist das überschwemmt werden mit positiven gefühlen zu beschreiben. aber das fällt schwerer als die umschreibung, wenn der traum scheitert, wenn alles wieder vernichtet wird.

also, wie sieht das leben, die geschichte aus, wenn sie saftig sind? es wird geschwelgt, geschwärmt, es pulsiert, es tropft aus jeder pore, es blüht, es knallt einem entgegen, es trägt einen, es baut auf, es ergänzt, schmatzt, prall gefüllt öffnet sich der kelch, es ist fettig, süß und macht satt. es blickt einen aus großen augen mit offenem mund an, schreit, tobt und tanzt ekstatisch, es perlt, flüstert und schwimmt oben wie fettaugen, es pulsiert, stampft und atmet rhythmisch, es brüllt vor freude und verliert sich in wollüstigen. das kreative schreiben darf zwischendurch den höhepunkt des saftigen lebens beschreiben, zum beispiel um den kontrast zu den abgründen zu erhöhen oder auch nur eine seite der medaille zu beschreiben.

selbstbefragung (88) – saftig

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „saftiges„.

  • welchen saft mögen sie am liebsten? warum?
  • wann erscheint ihnen ihr leben besonders saftig? beschreiben sie.
  • welche deftige tat möchten sie in ihrem leben noch vollbringen? wann?
  • was tun sie, wenn sie voller energie sind und vor kraft strotzen?
  • ab wann werden für sie texte und bücher vulgär? erklären sie.
  • in welchen lebenssituationen reissen sie sich zu sehr zusammen, würden sie gern direkter sein?
  • wenn sie alle möglichkeiten der welt hätten, womit würden sie sich als erstes berauschen (hier sind keine drogen gemeint)?
  • was bringt sie in ekstase? beschreiben sie.
  • was frisst ihre energie und wie wehren sie sich dagegen?
  • welche menschen im umfeld führen ein saftiges leben?

wortklauberei (65)

„lebensqualität“

ein seltsamer begriff, der schwer zu fassen ist. was ist lebensqualität? es ist ein aktueller zustand, den nur ich für mich benennen kann. ich weiß, wann die qualität meines lebens für mich angenehm ist und wann sie nachlässt. doch in diese entscheidung fließen so viele komponenten ein, dass ich meist zu gar keinem klaren ergebnis kommen kann.

verwendet wird der begriff aber gern in kombination mit „gut“ und „schlecht„, wie wenn es einen vergleichbaren maßstab für lebensqualität geben könnte. so wurde vor kurzem für einen vortrag mit dem titel „gute lebensqualität – auch mit knochenmetastasen“ geworben. wenn lebensqualität ein ausschließlich subjektiver begriff ist, dann kann ich „gute“ lebensqualität mit allem erleben: mit knochenmetastasen, mit verkehrslärm, mit frühstück oder mit gummibärchen. es kommt definitiv auf den kontext an. denn als vergleich für die lebensqualität wird die ein zustand in der vergangenheit oder ein zustand in der fantasie herangezogen.

diese beiden zustände (oder diese drei, diese vier …) werden miteinander verglichen. da wird lebensqualität ein kriterium für den abgleich in der form von stiftung warentest. da gibt es plötzlich städte mit der höchsten lebensqualität (was ist eigentlich hohe lebensqualität?), da gibt es den versuch, die lebensqualität zu steigern. und wer wird testsieger? der mensch, der von sich sagt, „ich habe eine sehr gute lebensqualität“. warum sie überhaupt quantifizieren und vergleichen? weil es ein weiterer versuch ist, das befinden der mensch zu verallgemeinern und vergleichbar zu machen. es wäre ja schlimm, wenn zwei menschen an ein und demselben ort sehr unterschiedliche lebensqualitäten er-leben.

eine armada von lebensratgebern bauen auf gesellschaftlich anerkannte vorstellungen von lebensqualität auf. das unkomplizierte, sexuell ausgiebige, vielfältige, bunte und wohlhabende leben als konsens in der vergleichsskala. tja, ein traum, der viele veränderungswünsche hervorruft, eine verheissung, die zum ständigen arbeiten an sich selber auffordert. wie wäre es mit der schlichten frage: „wie fühlst du dich?“. und sollte mehr betrachtet werden, kann man noch fragen: „wie würdest du dich gern fühlen? was bräuchtest du dazu?“. und dann kann gemeinsam nach handlungsmöglichkeiten gesucht werden. denn woher soll ich wissen, was anderen „gut“ tut.

kreatives schreiben und körper

der körper ist eine galaxie des kreativen schreibens. seine wunderbare koppelung von fleischlichkeit, emotionen und sinnen bietet viele anknüpfungspunkte für geschichten. das fängt beim thema nummer eins an: dem sex. sex kann von der körperlichkeit nicht abgekoppelt werden, auch wenn in vielen literarischen werken die sexualität in den hintergrund verbannt wird oder der asexualität gehuldigt wird. ob allein, zu zweit oder zu vielen, die begegnung mit körpern kann lust verursachen.

kreative worte für die lust zu finden ist schon eine lust an sich. womit der übergang zu den sinnen geschaffen wäre. lust setzt sich aus reaktionen auf berührungen, wahrnehmungen und gedanken zusammen. der körper bietet alle instrumente dafür. man kann aber auch einen schritt zurückgehen und schriftlich einen blick auf die wahrnehmung werfen. was melden mir meine sinne? geschichten, die beschreiben, wie einem die haare zu berge stehen, wie ein anblick übelkeit oder freude hervorruft oder wie eine berührung zarte gefühle weckt, all dies ist unser körper in worte gefasst.

doch nicht nur sinne und wahrnehmungen können einen spannenden hintergrund von kreativ geschriebenem abgeben. allein die einzelnen körperteile bieten stoff zum schreiben. schreiben sie einfach mal eine geschichte über eine hand. was macht sie so den lieben langen tag? wie funktioniert sie? was möchte ich momentan „begreifen“? die haut als kosmos diverser lebewesen, als schutzschild oder wässrige hülle einer welt. die linke große fusszehe als widerstandsnest gegen unversehrte socken. die kopfhaut als beet für ungerichteten haarwuchs oder aber ausgetrocknete wüste bei der glatze.

und dann noch der blick auf das ganze ensemble. junge körper, alte körper, zeichen der veränderung, orte der verletzung. der körper ist der ort unseres daseins und wir sind nicht vorstellbar ohne unseren körper. wie wirkt alles in allem? als strich in der landschaft oder als knutschkugel, ebenmäßig oder ungelenk? Weiterlesen

schreibidee (210)

in den science fiction spielt die technik eine große rolle. es werden raumschiffe erfunden, neue technische möglichkeiten oder roboter mit herz. in anderen romanen und geschichten hat die technik selten einen herausragende rolle. gut, vielleicht das telefon oder das auto, das liegen bleibt, die mikrowelle, um das essen warm zu machen. aber so eine echte hauptrolle, davon träumen die geräte um uns herum. darum mögen die ergebnisse dieser schreibanregung „technik-geschichten“ sein.

als einstieg schreiben alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine einseitige liebeserklärung an ihr bevorzugtes technisches gerät zuhause. um was es sich dabei handelt, spielt keine rolle. die texte werden vorgetragen und die geräte am flipchart gesammelt. anschließend werden noch mehr geräte am flipchart aufgelistet, die im eigenen lebensumfeld zu finden sind.

alle teilnehmerInnen wählen sich ein gerät aus, um sich danach vorzustellen, dieses gerät hätte ein herz und könnte denken oder wäre ein ganzer kosmos von kleinen helfern, die in dem gerät wirken. es wird ein cluster zu dem lebewesen neben einem erstellt. und es wird eine längere geschichte über die abläufe innerhalb des gerätes erstellt. wenn zum beispiel die sklaven, die im pürrierstab die zahnräder drehen müssen in streik treten und dann durch einen kurzschluss stromschläge bekommen, um ihre arbeit weiter zu verrichten, dabei aber sterben und das gerät nicht mehr funktioniert. es ist unglaublich, welche dramen neben uns in der wohnung stattfinden 😉 die geschichten werden vorgetragen und somit ein kosmos im haushalt eröffnet. anschließend wird ein feedback von der schreibgruppe gegeben.

als abschluss wählen sich die teilnehmerInnen der schreibgruppe ein weiteres gerät aus, das sie beleben wollen. die zwei geräte, die sie nun für sich ausgesucht haben, lernen sich kennen. der dialog zwischen den beiden, wie sie in kontakt miteinander kommen, sollte aufgeschrieben und anschließend mit verteilten rollen in der schreibgruppe vorgetragen werden. denn die technik lebt!

nabelschau (35)

fallobst – streuobst – kernobst. das leben ist ein großer fruchtkorb. und wenn man sich ein wenig mühe gibt, kann ein leckerer obstsalat daraus werden. es ist jedoch zu unterscheiden, zwischen den früchten, die angedadscht und gammelig sind und den früchten, die reif und süß in aller pracht genuss versprechen.

im leben gelten andere regeln als auf der obstwiese.

  • fallobst, das bei ernten gern verschmäht und den wespen überlassen wird, ist im alltag nicht selten ein übersehener leckerbissen. es fiel auf die seite, fiel in dem ganzen wirrwarr runter und blieb liegen. aber eines tages fällt es einem in die hände. man betrachtet es, streicht die kleinen dellen glatt und kann sich an der verspäteten ernte genüsslich tun.
  • streuobst(wiesen) erinnern sprachlich zuerst an die streubombe oder das aktuell knappe streusalz, ist aber meist viel leckerer. ob nun aufgesammelt für schnäpse, most und ebbelwoi oder eben als kunterbunte mischung verschiedener baumsorten, die sich auf einer wiese verteilen, streuobst(wiesen) stehen für lowtech-pflanzenbau. oft finden sich darunter alte, nicht mehr gezüchtete pflanzensorten. im leben sind sie die fantasien und ideen, die ungerichtet plötzlich irgendwo auf den gedankenwiesen stehen und nur abgeerntet werden müssen.
  • das kernobst wiederum gehört zu den rosengewächsen. auch wenn die blüten unscheinbarer sind, die früchte haben es in sich. beim verspeisen stösst man auf den kern der (gedanken)frucht. es muss nicht immer nur ein kern sein, häufig sind es viele, sich pudelwohl nebeneinander gruppierende kern, die man nicht einfach schlucken sollte. sie wollen gesammelt, in die erde gebracht und gegossen werden. im laufe der zeit wachsen sie zu prächtigen bäumen heran.

trägt man alle früchte zusammen, schneidet sie klein, süsst sie mit honig und wartet ein wenig ab, dann bekommt man seinen eigenen unvergesslichen fruchtsalat, der meist nicht nur einem selber mundet, sondern andere zum mitessen anregen kann.

viele menschen vergessen, ihr obst zu ernten. sie sehnen sich nach exotischen früchten, die sie schwerlich vor ihrer tür finden. sie begeben sich auf große reisen, während unter ihren bäumen und auf ihren wiesen das obst vor sich hin fault. dabei hätten sie so gute salate machen können.

schreibidee (205)

wir bewegen uns hier in der digitalen welt. diese welt nimmt immer mehr (zeit)raum in unserem leben ein. darum ist es schon beinahe ein muss, ohne das gebiet der science fictions zu betreten, sich dem technischen und gesellschaftlichen wandel schriftlich zu näher. diese schreibanregung dreht sich also um „geschichten aus dem digitalen leben„.

als einstieg könnte man zum beispiel listen heranziehen: „ich mag an dir, lieber computer, …“ und „ich mochte nie an dir, computer, …“. die schreibgruppenteilnehmerInnen tragen in die listen so viele statements ein, wie sie wollen. anschließend schreiben sie einen brief an ihren computer. es sollte ein beziehungsbrief werden, der versucht konflikte zu klären und komplimente zu machen. diese briefe werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen.

in der folge wird am flipchart gesammelt, wo in unserem leben inzwischen digitale techniken eingesetzt werden. also, anders formuliert, welche geräte und abläufe werden von chips gesteuert. die bandbreite ist wahrscheinlich unendlich, aber es geht darum eine möglichst große bandbreite, auch an abstrusen dingen, zu sammeln. denn im anschluss solle eine geschichte geschrieben werden, was geschieht, wenn mal „der saft“ für die digitale welt schlagartig ausgeht. hierfür können sich die schreibgruppenteilnehmerInnen teilbereiche der gesammelten beispiele auswählen.

als gegenstück wird eine geschichte geschrieben, wie viele schöne digitale dinge in zukunft unser leben beeinflussen werden und erleichtern. natürlich kann auch hierfür ein teilaspekt ausgewählt werden. dabei können ohne wissenschaftlichen und technischen anspruch geräte erfunden werden. beide geschichten werden im anschluss nacheinander vorgetragen und es wird feedback gegeben. zum abschluss wird eine kurze abstimmung durchgeführt. die frage lautet: wird unser leben durch die digitalen veränderungen angenehmer? wenn lust besteht, kann noch diskutiert werden.

biografisches schreiben und kontrolle

das leben ist kein kindergeburtstag. darum geht es vielen menschen nicht um freude, ausgelassenheit oder spontanität, sondern darum, das leben zu bewältigen. es wurde ihnen gegeben, um etwas zu schaffen, etwas daraus zu machen. eine gewaltige anstrengung steckt hinter dieser vorstellung, und sie geht mit einer gehörigen portion selbstkontrolle einher. die scheint auch notwendig, um möglichst viele unwägbarkeiten abzuwenden und seine „ruhe zu haben“.

will man das so? es spricht erst einmal nichts dagegen. vergessen wird häufig dabei die große kraft, die aufgewendet werden muss, um den fluß des lebens unter kontrolle zu halten. da flirrt, schwirrt, mutiert und vermehrt es sich um einen herum, man selber versucht dagegen zu halten. beim biografischen schreiben kann man den blick darauf werfen, wie weit man doch eher zum kindergeburtstag tendierte oder zur schützenden sofaecke. mit welchen unkontrollierbaren situationen, sowohl positiver als auch negativer richtung, war man im laufe seines lebens konfrontiert? hat sich daraus etwas entwickelt?

aber auch fragen, wie weit man überhaupt versuchte, auf seinen lebensplan einfluss zu nehmen, und wie gut dies klappte, könnte man stellen. es gibt ja generell die widerstreitende vorstellung, dass das meiste schicksalsgelenkt oder selbstverantwortlich geschieht. heutzutage kommt dann noch der genetische aspekt in manchen vorstellungen dazu, der irgendwie zwischen schicksal und verantwortung changiert dazu. also, was haben wir mit hilfe der kontrolle aus unserem leben gemacht?

und noch ein weiterer aspekt ist für das notieren der eigenen lebensgeschichte interessant: basierte vieles auf selbstkontrolle oder unterlag man einer strengen fremdkontrolle von außen? Weiterlesen