Schlagwort-Archive: leise

nabelschau (46)

leis´ verschwindet elena. erst als kleine beiläufige meldung in den nachrichten, dann noch einmal einen tag später noch ein kleiner beitrag, in dem aber berichtet wurde, dass in den zuständigen ministerien niemand zu sprechen ist, es sei ja sommerpause. hier wird der misstrauische bürger hellhörig. da wird etwas abgeschafft, das gerade erst eingeführt wurde und keiner redet darüber.

oh doch, ein paar sagen, dass sie die entscheidung gut finden, und andere sagen, dass sie die entscheidung schlecht finden, da sie nun schon so viel geld dafür ausgegeben haben. worum es geht? um „elena“, das „elektronische entgeltnachweisverfahren“, eine gnadenlose daten-krake. abseits jeder kritik wurde das verfahren der datensammlung von arbeitnehmer-daten brachial eingeführt. und es gab zuhauf kritik im vorfeld, vor allen dingen den datenschutz betreffend. plötzlich sollten dinge gemeldet werden, die normalerweise nicht in staatlichen erfassungsdatenbanken verloren haben.

ja, man sollte sich freuen, dass es ein umdenken gibt, dass etwas rückgängig gemacht wird. man freut sich auch. und doch, es kommt so überraschend, niemand ahnte, dass es wieder abgeschafft wird. und vor allen dingen, niemand redet darüber, wer dafür verantwortlich ist und was das alles eigentlich gekostet hat. es will auch niemand etwas dazu sagen, woran es gescheitert ist. haben die arbeitgeber die daten einfach nicht übermittelt, also passiv widerstand geleistet, oder war absehbar, dass dieses verfahren vor gericht scheitern wird, wenn sich jemand zu einer klage durchringt?

faszinierend, dass diese dinge gern im sommer gemeldet werden, wenn ein teil der bürger das land verlassen hat, die ministerien leergefegt sind und eben keiner die fragen beantwortet. aber gut, zurück zu papier und stift. man kann nur hoffen, dass die anderen erfassungswütigen einrichtungen aus diesem fiasko eines lernen: vorher zu prüfen, wofür man eigentlich all diese daten haben möchte. und schon einmal festhalten, wer für solche entscheidungen verantwortlich ist. denn eltern haften für ihre kinder!

Werbeanzeigen

schreibidee (248)

die welt lärmt, besser geschrieben, der mensch überzieht die welt mit einem teppich aus lärm. etliche untersuchungen zeigen, dass die lärmemissionen stetig zunehmen, und gleichzeitig die stressreaktionen der menschen, indem sie körperliche beschwerden bekommen, auch anwachsen. manch einer ist schon vollständig abgestumpft für die leisen töne. darum widmet sich diese schreibanregung den „leisen geschichten„.

je nach altersgruppe der teilnehmerInnen der schreibgruppe kann man einen unterschiedlichen einstieg in die thematik wählen.
bei jüngeren schreibenden kann das spiel „stille post“ gewählt werden. ein satz wird in der runde der reihe nach zugeflüstert. meist kommt am schluss ein ganz andere satz an, als am anfang der ersten person zugeflüstert wurde. die „stille post“ wird in der schreibgruppe erst einmal nicht aufgelöst, sondern alle schreiben zu dem satz, wie sie ihn verstanden haben eine geschichte, die nicht länger als eine seite ist. dann werden in der gleichen reihenfolge wie geflüstert wurde, die geschichten vorgelesen.
bei älteren teilnehmerInnen kann man einen wortbeitrag, entweder aus dem radio oder aus einem hörbuch, sehr leise abspielen, so dass es schwer ist, alles zu verstehen. anschließen schreiben die schreibgruppenteilnehmerInnen auch eine einseitige geschichte zu dem gehörten. diese geschichten werden ebenso vorgelesen.

im nächsten schritt werden wörter und redewendungen, ja eigenschaften für leise texte gesammelt. wodurch zeichnet sich eine geschichte aus, die leise daher kommt. so wirkt zum beispiel eine handlung, die sich langsam und stetig entwickelt, ruhig und leise. es sind die kleinen gesten und ereignisse, die den text schleichend fortführen. natürlich spielt auch die wortwahl eine rolle.

nachdem die kriterien aufgelistet wurden, schreiben alle teilnehmerInnen eine längere „leise geschichte“. diese geschichten werden anschließend in einer ruhigen atmosphäre (hier fördert zum beispiel kerzenlicht die ruhe) vorgetragen. in der feedbackrunde wird vor allen dingen darauf eingeganen, wie leise und eventuell beruhigend der text gewirkt hat.

zum abschluss werden dann noch flüstergedichte verfasst. es gibt keine weitere vorgabe, als die tatsache, dass das gedicht beim vortragen geflüstert werden muss. welche formulierungen und worte, diesen flüsterton vielleicht unterstreichen oder verstärken, bleibt die entscheidung der schreibenden. für einen ruhigen ausklang werden dann alle gedichte der reihe nach vorgeflüstert ohne folgende feedbackrunde.