Schlagwort-Archive: lernen

wissenschaftliches schreiben und klischee

generationen von wissenschaftlerInnen, studentInnen und doktorandInnen tragen das klischee weiter, dass wissenschaftliches schreiben vor allen dingen eines sei: anstrengend! schaut man genau hin, dann löst sich auch dieses klischee auf, wie es andere klischees auch tun, wenn man sie genauer betrachtet. es ist nicht das wissenschaftliche schreiben, das anstrengend ist, es ist der kontext, der es so anstrengend macht. das eigentliche schreiben könnte als leicht im gegensatz zu literarischer arbeit gesehen werden, da viele stilistische und strukturelle vorgaben herrschen, die einem den weg des wissenschaftlichen schreibens vorzeichnen.

anstrengend macht das wissenschaftliche schreiben zum beispiel die aussage, dass wissenschaftliches schreiben anstrengend sei. geht jemand unbedarft daran, einen wissenschaftlichen text zu verfassen, dann melden sich schnell mahnende stimmen – seltener von außen, häufiger von innen. da ist der gedanke an die bewertung – es muss eine gute abschlussnote werden, die zukünftige existenz ist davon abhängig. es muss eine so saubere argumentation sein, damit möglichst kein widerspruch von außen aufkommen kann. es muss der hierarchische weg des wissenschaftslebens eingehalten werden – vorgesetzte sollten zitiert und in die betrachtungen einbezogen werden. es muss der richtige zeilenabstand, die richtige zitierweise, das korrekte forschungssetting mit angemessener auswertung, die zurückstellung von eigenen kommentaren und vorstellungen sein. und heute muss es vor allen dingen das korrekte einhalten der bearbeitungszeit und der geforderten seitenzahl sein.

dies alles sind aspekte, die das wissenschaftliche schreiben in ein korsett zwängen, das mit dem forschenden geist nicht mehr viel zu tun hat. es ist schule geworden, bis in die Weiterlesen

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„das hier ist wasser“ von david foster wallace – ein buchtipp

david foster wallace, ein genialer schriftsteller, der viel zu früh starb, hielt vor ein paar jahren eine rede zum collegeabschluss über das lernen, das denken und das leben. dabei zeigte er auf, was es heisst für das lebens zu lernen. vor allen dingen machte er die absolventInnen darauf aufmerksam, dass das lernen nach dem abschluss erst so richtig losgeht, wenn man die üblichen bahnen des alltags verlassen möchte. dieser text ist unter dem titel „das hier ist wasser – anstiftung zum denken“ als kleines büchlein erschienen und findet anscheinend reissenden absatz.

auf fünfundzwanzig großzügig bedruckten seiten schafft es wallace, die tragik des lebens, der wahrnehmung und des blickwinkels wunderbar darzustellen. andere kluge köpfe haben dies sicherlich schon viel differenzierter, durchdachter und drastischer formuliert. aber bei wallace blitzt ein schuss humor durch, der erst einmal unterhält und in zweiter linie die distanzierung von allen großen „wahrheiten“ untermauert. ein text der unzulänglichkeiten unserer sozialen konstruktionen entlarvt und dabei gleich eine alternative anbietet, die so einfach klingt und laut david foster wallace so anstrengend ist: die augen offen zu halten. nicht aufzuhören, den blickwinkel und die eigene position zu verändern, um auf eine große entdeckungsreise zu gehen.

ein text, der sich für jede lehranstalt und für jeden lernprozess eignet. ein text der gesellschaftskritik mit dem aufruf zur eigenen entscheidungsfreude vereint. das taschenbuch gibt den text zweisprachig wieder und kann somit auch im englisch-unterricht verwendet werden. er sei allen ans herz gelegt, die die meinung teilen, am leben lernen könnte ein abenteuer und gleichzeitig unglaublich nervig sein. das buch ist 2012 bei kiepenheuer & witsch in köln erschienen. ISBN 978-3-462-04418-8

schreibberatung und klischee

beratung bietet sich für die verwendung von klischees an. wer schon länger in beratungszusammenhängen arbeitet, bekommt teilweise ein gespür dafür, welche problemlage bei bestimmten berichten oder äußerungen vorliegen könnte. viele ausbildungen zu beraterInnen arbeiten mit den vorstellungen von verallgemeinerbaren sachlagen und den dazugehörigen lösungsmöglichkeiten. das startet schon bei behörden, die beratungen anbieten und endet in der psychologischen beratung. dies wird, wie wir es wahrscheinlich alle aus beratungssituationen kennen, den subjektiven anliegen oft nicht gerecht.

das grundproblem liegt in einem reduzierten menschenbild, das teilweise auf ein reiz-reaktions-schema zurückzuführen ist. alle beraterInnen machen im laufe der zeit die erfahrung, dass kein beratungsfall mit einem anderen vergleichbar ist. nur leider fehlt oft eine angemessene theorie im hintergrund. aus der kritischen psychologie kommend, erscheint es mir wichtig, dass ein subjektorientierter blickwinkel eingenommen wird. als beraterIn bin ich gefordert, die anliegen der klientInnen in ihrer persönlichen dimension ernst zu nehmen. das bedeutet, das ein stressor für die eine person gut zu verarbeiten ist und für die andere person sofort sehr bedrohliche ausmaße annehmen kann. ich kann dies nicht von außen feststellen oder festlegen, sondern nur durch nachfragen ein bild von der situation bekommen.

wenn ich diese vorgehensweise ernst nehme und ebenso die klientInnen in ihren aussagen ernst nehme, dann kann ich überhaupt nicht mehr mit verallgemeinerungen arbeiten. ich kann zwar formulieren: „vielen menschen an dieser problemsituation geholfen, dass sie …“, aber ich muss im gleichen atemzug die frage nachschieben: „scheint ihnen diese vorgehensweise oder handlungsmöglichkeit umsetzbar? und wenn die klientInnen zu erkennen geben, dass dem nicht der fall ist, dann sollte ich gemeinsam nach weiteren, anderen handlungsmöglichkeiten suchen.

das einzige verallgemeinerbare in solch einem beratungskontext, ist mein pool an schon vorhandenen lösungsvorschlägen, den ich mir im laufe der zeit angeeignet habe. doch die emotionalen dimensionen für die einzelne person, die mir gegenübersitzt, kann ich nicht abschätzen. so lösen sich sehr schnell alle klischees in luft auf. ich kann in der schreibberatung nicht im vorfeld formulieren, dass zum beispiel doktorandInnen diese und jene schreibkrisen haben, schülerInnen wiederum andere benennbare und studierende noch einmal unterschiedliche, aber „übliche“. die heikelste situation, die in einer (schreib)beratung entstehen kann, ist, dass die klientInnen sich in ihren anliegen nicht ernst genommen fühlen. dies geschieht leicht, wenn ich sie ständig in vergleich setze zu „diagnostischen“ kriterien, die mir einmal vermittelt wurden.

diagnostik kann für mich in schreibberatungen nur eine orientierungslinie sein, die ich jederzeit verwerfen kann. mir sollte bewusst sein, dass ich meine bisherigen erfahrungen zwar einbringen, aber sie auch jederzeit Weiterlesen

biografisches schreiben und klischee

eines der schwierigsten unterfangen ist es, sich selber einmal nach vorurteilen abzuklopfen. sie sind vermittelt, sie sind gelernt und sie haben eine funktion: menschen schneller bei der ersten kurzen begegnung einordnen zu können. als wir noch nicht kommunizieren konnten war dies überlebenswichtig: freund oder (fress)feind. doch heutzutage können wir uns in den meisten momenten kundig machen und das freund-feind-schema ist sowieso stark beeinflusst von moden, gesellschaften und politik. also verwenden wir klischees eigentlich nur, um uns die welt ein wenig einfacher zu machen.

der mensch ist so komplex und jeder mensch ist ein individuum mit ganz subjektiven ansichten und verhaltensweisen. um die welt übersichtlicher zu gestalten, sind die „…“ so und so. manchmal kann es sich bei einer solchen form der verallgemeinerung, tatsächlich um den kleinsten gemeinsamen nenner einer gruppe handeln. doch es braucht eigentlich nur einen menschen dieser gruppe, der aus dem schema herausfällt und unsere verallgemeinerung ist auch schon hinfällig. aber den schritt machen wir beim klischee nicht mehr. wir beharren auf unseren aussagen, um die anstrengung der begegnung mit fremden menschen, zu reduzieren. das klischee ist also ein ausdruck von bequemlichkeit.

wann waren wir in unserem leben also zu bequem, um uns mit den menschen, die uns begegnen, auseinanderzusetzen? wen haben wir damit verletzt? wann wurden wir mit klischees zu unserer eigenen person konfrontiert und wie haben wir darauf reagiert? was machten wir, als ein klischee uns gegenüber auch noch zutraf? haben wir uns in unserem leben die zeit genommen, andere menschen kennenzulernen? es gibt viele fragen für das biografische schreiben, die ein wenig unsere eigenen vorurteile oder die konfrontation mit vorurteilen gegenüber uns selber beleuchten können.

da wir aber gerade bei vorurteilen und klischees recht widerständig sind, sie aufzuheben und zu relativieren, könnten man, wenn man über seine eigene lebensgeschichte schreibt, andere menschen, die einem nahestehen, befragen, was sie glauben, welche klischees man Weiterlesen

selbstbefragung (178) – klischee

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „klischee“.

  • welches klischee ist in ihren augen gar keines? warum?
  • welchen klischees entsprechen sie? beschreiben sie.
  • welche klischees verbinden sie mit frauen?
  • welche klischees verbinden sie mit männern?
  • ihr lieblingsklischee?
  • klischees kann man auch als vorurteile bezeichnen – von wem haben sie klischees vermittelt bekommen?
  • was tun sie, um klischees zu vermeiden?
  • klischee kann „nachahmung“ bedeuten: wen würden sie gern nachahmen? warum?
  • welche menschen in ihrer nähe erfüllen überhaupt keine klischees?
  • welche klischees finden sie unsäglich? beschreiben sie.

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

schreibpädagogik und arbeit

schreibpädagogik ist nichts anderes, als der versuch, menschen über die verschiedensten wege zum schreibprozess anzuleiten. am umfassendsten kann man dies in einer schreibgruppen-arbeit verwirklichen. dabei wird man als schreibpädagoge zur anleitenden person der gruppe. und dies bedeutet, sich gedanken über die anleitung einer schreibgruppe machen zu müssen. denn auch in diesem arbeitsfeld gibt es sehr verschiedene vorstellungen von der praktischen umsetzung.

generell, wie bei allen anderen (lern)gruppen, kann man eine grobe vorplanung vornehmen, aber nie abschätzen, wie die einzelne gruppe sich zu den vorschlägen verhält. nun gibt es zwei möglichkeiten: stringent die eigenen vorgaben zu verfolgen und durchzusetzen (zum beispiel, wenn es sich um die umsetzung von lehrplänen handelt) oder dem eigentlichen gruppenprozess mehr gewicht zu geben und auf jede gruppe zugeschnitten das angebot zu verändern (mit der folge, dass die lernergebnisse einer gruppe sehr verschieden ausfallen).

um es einmal platt zu formulieren: die stringenz kostet weniger planungsaufwand dafür aber mehr durchsetzungsaufwand. die ausrichtung auf die gruppe kostet dafür mehr planungsaufwand, dafür ermöglicht sie aber individuelles lernen, das für die anleitung weniger energie benötigt. insgesamt benötigen aber beide vorgehensweisen die aktive auseinandersetzung mit den teilnehmenden durch die schreibpädagogInnen. dies ist arbeit. die wertigkeit sozialer und pädagogischer berufe ist in unserer gesellschaft nicht sehr hoch angesiedelt. es wird davon ausgegangen, dass kommunikation zwischen menschen keinen sehr hohen aufwand bedeutet.

die wissenschaft spricht da eine andere sprache. nimmt man einmal den dienstleistungssektor, dann hat man inzwischen festgestellt, dass ständige freundlichkeit und das eingehen auf die bedürfnisse der anderen, ungemein stresst. grund dafür ist, dass die eigenen emotionen in schach gehalten werden müssen, da sonst die gefahr, einen kunden zu verlieren, groß ist. auch die pädagogischen tätigkeiten verlangen Weiterlesen

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (14)

aber arbeit

„seit wann hat schreiben spass gemacht?“, wird manche/r denken, wenn die überschrift wenn er/sie die überschrift liest. schreiben wird von vielen menschen zu den kompetenzen gezählt, die notwendig sind, aber nicht freude oder lust auf mehr bereiten. gut, mails, chats, sms, twitter, briefe und postkarten, das sind sondersituationen für die einzelnen, die eher mit kommunikation, mit reden, mit gegenseitigem austausch zu tun haben. doch so für sich erst einmal, einfach zu schreiben, geschichten zu notieren, gedanken auszuformulieren, das machen die wenigsten.

schreiben muss für viele von uns in eine „sinnvolle“ aufgabe eingebunden sein. schreiben muss angefordert oder erwartet werden, muss einen effekt haben. dabei wird unterschätzt, dass schreiben für sich, aus einer kreativen laune heraus, sehr wohl einen effekt hat. hat man diesen effekt jedoch noch nie erfahren, dann ist es schwer von außen nachzuvollziehen, dass schreiben und spass überhaupt kein widerspruch sind.

der wichtigste grund, weshalb nicht zum stift oder zur tastatur gegriffen wird, der liegt in der zeitknappheit, die als führendes argument ins feld geführt wird. „ich habe gar keine zeit und nicht die ruhe, mich hinzusetzen, um zu schreiben.“ schon an zweiter stelle folgt die argumentation: „ich muss während meiner arbeit schon so viel lesen und schreiben, da habe ich in meiner freizeit keine lust mehr dazu.“

es macht keinen sinn, jemanden zum schreiben zu überreden, der keine lust dazu hat, der schreiben als einzig anstrengendes unterfangen ansieht. aber es macht lust, menschen dazu zu überreden, es einmal kurz auszuprobieren, wie es sich anfühlt, wenn man „kreativ“ schreibt. denn meist schon nach den ersten versuchen des schreibens für sich selbst kommen viele menschen auf den geschmack. es ist qualitativ für alle schreibenden etwas anderes, selbst eine geschichte, ein gedicht oder auch nur ein elfchen zu schöpfen, als einen Weiterlesen

kreatives schreiben und arbeit

beim kreativen schreiben kollidieren in den augen vieler zwei vorstellungen miteinander: „qualitativ hochwertiges“ schreiben sei arbeit und kreatives schreiben eher spaß an der freude. in unserer gesellschaft ist die definition von arbeit in den vorstellungen vieler menschen verknüpft mit unangenehmem, unausweichlichem und anstrengendem. es ist natürlich anstrengend, im sinne von den körper und kopf fordernd, wenn man am tag mehrere stunden schreibt. und doch kann das einhergehende gefühl der spaß am schöpferischen, am reflektieren und am diskurs sein.

darum bedeutet zum einen kreatives schreiben nicht automatisch die abwesenheit von arbeit. und arbeit bedeutet nicht automatisch die abwesenheit von kreativität, spaß und lernlust. man muss dazu die vorstellung vom kreativen schreiben immer wieder korrigieren. das kreative schreiben ist eher einer grundhaltung, eine herangehensweise. dabei steht im vordergrund, die zielvorgaben nicht zu eng zu fassen, sondern der entwicklung und dem prozess mehr raum zu geben. es können mit dem kreativen schreiben assoziations- und schreibtechniken verknüpft werden.

vergleicht man dies mit anderen kreativen tätigkeiten und berufen, dann ist das kreative schreiben eine wunderbare ergänzung oder auch die voraussetzung für berufliche schreibtätigkeiten. kreatives schreiben lässt sich also leicht in die kategorie arbeit aufnehmen, mal als schwerpunkt, mal als beiwerk. spannend wird es dann beim diskurs, wie hoch die qualität der ergebnisse sei. auch hierbei wird das kreative schreiben oft unterschätzt. denn wenn es die hintergrundtechnik für wissenschaftliche texte, für geschäftliche schreibarbeiten, für biografische tätigkeiten oder für pädagogische projekte ist, dann kann und darf die qualität der kreativen ergebnisse nicht zu schlecht sein. denn sonst wäre das kreative schreiben keine erleichterung der schreibarbeit, sondern nur ein schmückenden und verspieltes beiwerk

dem ist aber nicht so. auch wenn es nicht unbedingt ziel des lebens sein muss, dass ich bei der sicherung meines lebensunterhalts spaß habe, so kann spaß bei der arbeit ein angenehmer nebeneffekt sein. ich möchte hier nicht der vorstellung vorschub leisten, dass heutzutage arbeit eine durch und durch zufriedenstellende verquickung von privatem und geschäftlichem sein müsse. ich möchte eher behaupten, dass im rahmen der klar umrissenen arbeitszeit, der einzelne Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und verwandlung

menschen, die zuhause an einer schriftlichen wissenschaftlichen arbeit sitzen, verwandeln sich. sie verwandeln sich oft in menschen, die ein schlechtes gewissen haben. eigentlich sollten sie jetzt an ihrer arbeit sitzen, aber sie machen was anderes: sie telefonieren mit einem, gehen in die kneipe, ins kino oder zu irgendwelchen anderen events, sie lesen romane, sie machen großputz und sie wissen genau, dass sie eigentlich etwas anderes machen sollten.

also entwickeln menschen, die an einer wissenschaftlichen arbeit sitzen, ganz persönliche strategien, wie sie sich zum schreiben motivieren können. die einen suchen räume auf, in denen sie kaum etwas anderes machen können als schreiben. wieder andere stellen sich einen strikten zeitplan auf, um allen schreibverpflichtungen nachzukommen. wieder andere sind dabei sich persönliche aufpasserInnen im bekanntenkreis zu engagieren, um immer wieder zum schreiben angetrieben zu werden.

das unangenehme am wissenschaftlichen schreiben ist für viele, dass es nur einen abgabetermin, aber keine weitere struktur gibt. darum sind auch alle eben aufgezählte strategien, keine garantie dafür, dass es mit dem schreiben klappt. aber sie bewegen sich in eine richtige richtung: zu schauen, welche atmosphäre und welches umfeld man benötigt, um konzentriert schreiben zu können. manchmal genügt schon ein ruhiger raum oder überhaupt ein freier schreibtisch. dann vielleicht noch kleine mahlzeiten dazwischen, ein abgestelltes telefon, eine gesperrte mailfunktion und ein paar bewegungspausen dazwischen. aber vielleicht benötigt man auch musik oder zwischendurch gespräche mit anderen menschen, die auch an einer wissenschaftlichen arbeit sitzen. wichtig scheint nur, um sich nicht in einen panik-zombie zu verwandeln, sich einmal etwas zeit zu nehmen und darüber nachzudenken, welches für einen selber das beste schreibsetting ist.

man kann die frage eventuell schriftlich beantworten. man kann sich aufschreiben, möglichst ohne lang nachzudenken, was es braucht, damit man sich beim schreiben wohl fühlt. man kann es anderen erzählen und danach das gesagte Weiterlesen

schreibberatung und arbeit

die schreibberatung ist eine stete gratwanderung zwischen der vermittlung eines entspannteren schreibens und dem hinweis, dass schreiben auch immer arbeit bedeutet. menschen suchen die schreibberatung meist auf, da das schreiben für sie zur qual geworden ist oder überhaupt nicht funktioniert. hier ist es an den beraterInnen eine einfachere, direktere vorgehensweise beim schreiben zu vermitteln und den positiven lerneffekt auszulösen, dass schreiben nicht so anstrengend sein muss, wie man es sich bisher vorgestellt hat.

doch gleichzeitig steckt hinter dem flüssigen und entspannten schreiben doch wieder eine „anstrengung“, nämlich die regelmäßige übung, also in den augen vieler klientInnen eben doch arbeit. und damit ist es in vielen zusammenhängen noch nicht getan: im anschluss muss der entstandene text oft noch überarbeitet werden. der zeitaufwand für das überarbeiten ist nicht zu unterschätzen. darum sollte man in beratungen eine zweiteilung vornehmen.

schreiben ist wie rechnen oder lesen nicht frei von arbeit, aber die arbeit kann entspannter vollzogen werden, da der text oder die geschichte nicht von anfang an perfekt sein muss, sondern der einstieg ins schreiben ein spielerischerer ist. es wird also erst einmal „drauflos geschrieben“. der gedanke, jeden text noch einmal überarbeiten zu können, lässt einen beruhigter in den schreibprozess einsteigen. doch das überarbeiten kostet natürlich zeit. es wäre ein trugschluss, zu glauben, schreiben würde keine zeit kosten. und man kann auch nicht versprechen, dass am anfang, wenn man noch nicht viel übung hat, diese form des schreibens schneller geht.

man kann nur versprechen, dass das gefühl einer qual oder die inneren blockaden im laufe der zeit verloren gehen. es geht also erst einmal um die qualitativen aspekte des schreibprozesses. erst im im zweiten schritt, im laufe der zeit, reduziert sich dann auch der arbeitsaufwand. es fällt bei entspannterem schreiben leichter, für den text die richtigen worte zu finden. das bedeutet, dass nachbesserungen und überarbeitungen abnehmen. es bedeutet aber nicht, dass dies Weiterlesen

schreibberatung und verwandlung

ein teil der menschen, die schreibberatungen aufsuchen, erhoffen sich, dass die gute fee vor ihnen sitzen möge, die in zauberhafter geschwindigkeit alle schreibschwierigkeiten beseitigt. diese form der verwandlung kann die schreibberatung leider nicht bieten. (ähnliche hoffnungen gibt es auch bei psychologischen beratungen, da das bei „kalwass“ immer so schnell geht).

um es auf den punkt zu bringen: schreibberatungen können zu einer veränderung und verwandlung des schreibverhaltens und schreibprozesses führen. zeitangaben, wie schnell eine veränderung eintritt, kann niemand guten gewissens machen. schreibberaterInnen verfügen über keinen zauberstab, sondern können nur zusammen mit den klientInnen gemeinsam nach lösungsmöglichkeiten für schreibhemmungen oder -blockaden suchen. beraterInnen können für die jeweilige problematik schreibtechniken aufzeigen, die, wenn sie ausprobiert werden, einen effekt haben.

neben dem erleben diverser effekte beim durchführen von schreibübungen spielt noch die emotionale und mentale reaktion auf den effekt eine große rolle. wenn ich realisiere, dass ich wieder ins schreiben komme, dann sollte dies auch positiv verbucht und nicht abgewertet werden. doch darauf haben schreibberaterInnen erst einmal keinen einfluss. dies hat viel mit dem subjektiven erleben der einzelnen zu tun. und so sind auch die reaktionen auf veränderungen im schreibverhalten individuell und klientIn zu klientIn verschieden.

so geht eine verwandlung des schreibverhaltens auch mit einer verwandlung der einstellung zum schreibverhalten einher. doch das ist oft leichter gesagt als getan. denn jahre- oder jahrzehntelang gelernte selbstabwertung des geschriebenen oder des schreibens, muss erst wieder verlernt werden.
ein beispiel: jemand kommt in eine schreibberatung, bespricht mit dem berater die aktuellen schreibschwierigkeiten, bekommt ein paar ihm bis dahin unbekannte schreibtechniken an die hand und probiert sie anschließend zuhause aus. plötzlich klappt es, ganz gleich zu welcher tageszeit und in welchem moment, zu schreiben. nun könnte man meinen, der klient freue sich über diese veränderung, erlebe sie als positiven effekt und bleibe dran, arbeite weiter an einer veränderung. doch nein, zur nächsten beratung teilt der klient dem berater mit, dass die vorgeschlagenen schreibtechniken nichts für ihn seien, da nur oberflächliche Weiterlesen

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (12)

alles aufräumen

dieser beitrag ist nun der übergang zu den selbstverursachten abgewöhnungsstrategien. sie hängen natürlich mit den bisher gemachten erfahrungen in bezug auf das schreiben und den schreibprozess zusammen. sie stehen nicht für sich allein im raum und entspringen einer persönlichen laune. „alles aufräumen“ ist eine vorgehensweise, um den einstieg ins schreiben zu umgehen, zu verhindern und teilweise selbst zu boykottieren. daher wird das vorgehen selten positiv erlebt, sondern eher als belastung, die man nicht abstellen kann.

doch erst einmal eine typisierung: es gibt zwei arbeitstypen unter den menschen: die einen, die früh mit einer aufgabe anfangen, sie für sich strukturieren und planen und das ziel konsequent verfolgen. und dann gibt es den arbeitstypen, der die besten und effektivsten ergebnisse erreicht, wenn er auf den letzten drücker handelt und arbeitet. zwischen den beiden polen von arbeitstypen gibt es viele unterschiedliche varianten an arbeitsstrategien. doch die meisten menschen tendieren in eine der beiden richtungen.

beide arbeitstypen kommen am ziel an, beide liefern die geforderte arbeit ab und beide haben die gleiche zeit zur verfügung. es gibt also qualitativ im ergebnis keinen unterschied. und ganz wichtig, es gibt auch keinen bewertung, welche arbeitsweise besser oder schlechter ist. allein die emotionale befindlichkeit kann für den einzelnen menschen ein kriterium sein. wann wird der arbeitsprozess (schreibprozess) oder der einstieg in den arbeitsprozess (einstieg in den schreibprozess) quälend und unangenehm? dann sollte man einen blick darauf werfen, welche form des arbeitens man bevorzugt. denn: weiß man, wie man am liebsten arbeitet, bekommt man auch kein schlechtes gewissen oder zweifel, ob das alles so richtig ist, wie man das gerade handhabt.

womit ich beim „aufräumen“ bin: wenn ich weiß, dass ich am effektivsten arbeite, wenn ich auf den letzten drücker arbeite, dann muss ich mir in der zeit vorher keine ausreden überlegen, warum ich nicht schon am schreibtisch sitze und schreibe. also kann ich es sein lassen mit den ausweichhandlungen, wie das aufräumen der wohnung. weiß ich aber, dass ich eine klare struktur brauche, dann kann ich mir einen zeitplan erstellen, der für mich bindend wird. in diesen plan kann ich schon meine ausweichhandlungen einbauen, wenn ich weiß, dass ich eine unangenehme aufgabe vor mir habe. ich gebe mir pro tag zum beispiel zwei stunden zeit, die wohnung aufzuräumen. ist dies erledigt, setze ich mich entspannter ans schreiben und verurteile mich nicht für meine ausweichhandlungen.

man gewöhnt sich das schreiben eher dadurch ab, dass man der meinung ist, ausweichhandlungen seien sehr verwerflich. dabei kennt beinahe jeder mensch die situation, plötzlich fenster zu putzen, obwohl eine hausarbeit geschrieben werden sollte. geben sie den ausweichhandlungen und ihren arbeitsweisen genug raum und zeit, und vieles wird Weiterlesen

25 schriftliche gedankenpakete zum umgang mit dem computer

mein computer und ich“ – wie sich in diskussionen und befragungen zeigt, baut der mensch eine außergewöhnliche bindung zu seinem digitalen schreibwerkzeug auf. ja, man könnte sie persönlich nennen. viel seltener wird dies bei bleistiften oder füllern gemacht, niemand sagt, „mein kugelschreiber und ich“. darum schien es mir sinnvoll, ein wenig genauer hinter die mechanismen der digitalen und virtuellen welt zu blicken.

was macht der computer mit uns und was machen wir mit dem computer? wer steckt eigentlich hinter den digitalen weiten des internet und welche ziele werden verfolgt? warum ist das netz so wie es ist und warum kostet der computer so viel zeit wie wir zu seiner bedienung benötigen? und vor allen dingen, was machen wir jetzt mit dem ganzen angebot?

so entstand die rubrik „mein computer und ich – eine umgangslehre“, die hiermit erst einmal beendet werden soll. sicherlich werden sich beständig neue aspekte des digitalen lebens offenbaren. dann wird es auch eine fortsetzung der gedankenpäckchen geben. doch nun seien sie hier erst einmal gebündelt präsentiert – zum begriffe anklicken und nachlesen:

bedeutung

werkzeug

gesellschaft

technische neuerungen

software

open source

takt

schreiben

emotionen

kaufzwang

copy & paste

automatismen

internet

politik

ökologie

lernen und lehren

fehler

soziale gerechtigkeit

lust

geschwindigkeit

denken

aufmerksamkeit

anleitung

netzwerk

entwicklungen und schluss

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (11)

zu wenig zeit

dem schreiben wird zu wenig zeit gegeben. betrachtet man sich unsere schulischen und hochschulischen ausbildungen, dann fällt eines auf: für mathematik, den damit verbundenen kaufmännischen, statistischen und methodologischen vorgehensweisen gibt es in allen ausbildungsgängen genug raum. doch für das schreiben, dem zweiten standbein unseres arbeitslebens und einer der grundlagen unserer kommunikation, wird vergleichsweise sehr wenig zeit zur verfügung gestellt.

es ist nicht nachvollziehbar, weshalb beim schreiben davon ausgegangen wird, dass es keine notwendigkeit des weiteren lernens gibt. besonders auffällig ist dies zum beispiel in den hochschulen, der wissenschaft und der forschung. studiengrundlage in beinahe allen fächern ist die statistik. doch kaum ein fach kommt auf die idee, das wissenschaftliche schreiben und recherchieren ebenso auf den plan zu setzen. hierzu würde gehören, wie man die angemessene literatur finden, wie man sinnvoll exzerpiert, wie man ansprechende präsentationen erstellt oder wie man abschlussarbeiten, forschungsberichte und hausarbeiten verständlich und schlüssig verfasst.

meist taucht die frage des schreibens für die lernenden erst dann auf, wenn es eigentlich zu spät ist. es wird sehr plötzlich und möglichst schnell versucht, sich die notwendigen weiteren schreibkompetenzen anzueignen. lehrende oder arbeitgeber wiederum sind entsetzt, was sie für texte von den lernenden erhalten. doch kaum jemand fordert bei uns, dass auch in fortführenden ausbildungen die weiterentwicklung des schreibens betrieben werden sollte. und wie geschrieben, im mathematisch-statistisch-kaufmännischen bereich ist es eine selbstverständlichkeit.

ich kann nur darüber spekulieren, weshalb dies so ist. eventuell liegt es daran, dass auch lehrende nie gelernt haben, dass schreiben gelernt werden kann. auch sie unterlagen der vorstellung „entweder man kann es oder man kann es nicht“. diese schlechte tradition geben leider viele weiter. machen sie doch einmal die probe aufs exempel und fragen sie ihre lehrenden nach hinweisen zum schreibstil. am besten fragen sie drei personen – und sie werden fünf antworten erhalten.

beim schreiben setzen viele voraus, dass der lernprozess mit der ausbildung an der schule ein für allemal abgeschlossen ist, und der rest nur noch feinheiten sind, die man sich selbst Weiterlesen

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (10)

absurder anspruch

selten wird der anspruch an die schreibenden offen gezeigt oder ausgesprochen. es handelt sich dabei eher um ein unterschwelliges gären, das sich bei den schreibenden verfestigt. im gegensatz zur angloamerikanischen welt, ist europa und insbesondere deutschland den gedanken von der elite, der exzellenz und dem genie verhaftet. kreatives, literarisches und wissenschaftliches schreiben werden nicht in die kategorie „erlernbar“ angesiedelt, sondern unter begabung und talent.

das senkt das engagement des vermittelns von unbeschwertem schreiben und erhöht die frustration bei den schreibenden. denn die urteile, ob etwas gelungen oder nicht gelungen ist, werden auch auch von den schreibenden unter „ich kann einfach nicht schreiben“ abgelegt. dieser entscheidung wird auch nicht gegen gesteuert. eigentlich wäre hier eine ähnliche aussage, wie beuys sie für die kunst mit dem satz „jeder ist ein künstler“ getroffen hat, notwendig: jede/r kann schreiben.

nun kommen aber beinahe alle menschen irgendwann in die situation, dass sie eine schriftliche arbeit, eine ausarbeitung oder einen vortrag abliefern müssen. im hintergrund formulieren viele für sich: das muss jetzt der außergewöhnlich wurf werden, damit ich auch die entsprechenden bewertungen erhalte. und in dieser haltung nähern sie sich dem schreiben. der anspruch an sich selbst ist nicht mehr abwertung (ich kann nicht schreiben), sondern hohe erwartung (ich muss etwas perfektes schreiben).

es wird aus den augen verloren, dass alle einmal klein angefangen haben. es wird ebenso aus den augen verloren, dass man erst einmal einfach drauflos schreiben kann, um alles später zu überarbeiten. schon der erste satz muss unter diesem absurden anspruch der perfekte satz werden. die belastung des anspruchs an sich selbst (der eben noch nicht einmal von außen formuliert wird) führt viele menschen in eine schreibkrise. qual an jedem satz von anfang an zu feilen, bis er perfekt sitzt, verleidet jeden weiteren schreibversuch oder überhaupt eine unverkrampftes schreiben.

das „creative writing“ oder auch die lockeren abwandlungen des wissenschaftlichen schreibens in der angloamerikanischen welt befördern eben kein niedriges niveau, sondern eine gelassenere herangehensweise. wenn ich weiß, dass es einen stete entwicklung meines schreibens geben kann, und wenn ich weiß, dass ich mich dem schreiben auch spielerisch und interessengeleitet nähern kann, dann senkt sich die schwelle des eigenen anspruchs enorm. und dies bedeutet nicht, dass man in der niveaulosigkeit verharrt, sondern es bedeutet, dass man mehr energie und arbeit in das überarbeiten steckt, dass man stück für stück an einen text herangeht.

aber viel leichter in diesem zusammenhang fällt der einstieg in das verfassen der texte. und diese leichtigkeit ermöglicht viel kreativere, intuitivere und außergewöhnlichere gedanken. hier wird eigentlich erst der raum für kreatives, literarisches oder wissenschaftliches schreiben gegeben. feststellen kann man dies als leserInnen: angloamerikanische fachtexte strahlen oft eine viel entspanntere Weiterlesen

Bald ist Bewerbungsschluss beim Masterstudiengang Biografisches und Kreatives Schreiben an der ASH Berlin

Bewerbungsschluss: 01. September 2012

An der Alice Salomon Hochschule Berlin startet im Oktober 2012 zum siebten Mal der Masterstudiengang „Biografisches und Kreatives Schreiben“ (M.A.). „Mit Methoden der Biografiearbeit und des Kreativen Schreibens die eigene Arbeit zu bereichern oder aus dem Arbeitsalltag auszubrechen und etwas Anderes zu machen, motiviert viele unserer Studierenden für den Masterstudiengang“, so Prof. Dr. Ingrid Kollak, wissenschaftliche Leiterin des Studiengangs.

Vier Präsenzwochenenden pro Semester werden mit Methoden des E-Learning kombiniert. Neben den beiden Studienbereichen Kreatives Schreiben mit Textimpulsen aus Lyrik und Prosa und Biografisches Schreiben mit authentischen und künstlerisch-ästhetischen Reflexionen über Lebensphasen und Lebenskrisen werden schreibpädagogische Fähigkeiten vermittelt und praktisch erprobt. Neu hinzugekommen ist im letzten Jahr der Bereich des Wissenschaftlichen Schreibens. In diesem Modul werden Grundlagen für das Schreibcoaching an Hochschulen oder in anderen wissenschaftlichen Zusammenhängen vermittelt. Untersuchungen über die Wirkung Kreativen Schreibens und die Arbeit in Schreibgruppen können im Rahmen der Masterarbeit angelegt werden.

Das Studium umfasst 5 Semester und kostet 1.090,- Euro pro Semester 1-4 und 500,- Euro im fünften Semester. Bewerbungen können bis zum 1. September 2012 eingereicht werden. Weitere Informationen unter: http://www.ash-berlin.eu/studienangebot/weiterbildende-masterstudiengaenge/biografisches-und-kreatives-schreiben/willkommen/

wissenschaftliches schreiben und unsicherheit

von außen betrachtet scheint es, wie wenn das wissenschaftliche schreiben unglaublich viele sicherheiten bieten würde. angefangen beim layout, beim aufbau eines wissenschaftlichen textes bis zu den zitierweisen und dem literaturverzeichnis existieren absprachen und regelungen. das eigentliche forschungssetting und der untersuchungsaufbau wiederum werden vorab mit zuständigen personen geklärt und abgesprochen. also scheint kaum platz für unsicherheiten zu existieren.

doch weit gefehlt, denn auch in forschung und wissenschaft menschelt es. in dem moment, in dem eine betreuung durch andere personen notwendig ist, kann sich alles wieder ändern. so eindeutig, wie es oft vermittelt wird, sind die strukturen einer wissenschaftlichen arbeit gar nicht. nehmen sie zehn wissenschaftlerInnen und berfragen sie sie, wie groß der persönliche anteil sein darf, wie stark sich jemand mit seiner meinung in einer wissenschaftlichen arbeit positionieren darf. sie werden mit großer wahrscheinlichkeit zehn verschiedene antworten bekommen – von der haltung, dass nur im diskussionsteil ein minimaler anteil an persönlichen statements der autorInnen auftauchen kann bis zur haltung, dass jederzeit persönliche statements abgegeben werden dürfen, wenn sie nur klar gekennzeichnet sind.

auch die kennzeichnung von zitaten wird verschieden gehandhabt, vor allen dingen bei internetverweisen, die auswertung von (statistischen) daten sowieso, ebenso wie die notwendigkeit von grundlagenliteratur. eigentlich spricht nichts gegen unterschiedliche arbeitsweisen in wissenschaft und forschung, wenn nicht parallel ständig vermittelt würde, es gäbe einen wissenschaftlichen konsens, eine klare struktur. dem ist nicht so und dem wird es auch nicht sein. die vergleichbarkeit von wissenschaftlichen arbeiten (vor allen dingen, wenn es darum geht, zu bewertungen und benotungen Weiterlesen

web 2.92 – ph.d. in creative writing

für das schreiben gibt es zwei grundregeln, die hilfreich sein können. regel 1: schreiben, schreiben und nochmals schreiben. regel 2: schauen, wie andere schreiben. was haben sie für erfahrungen gemacht, wie haben sie ihren weg zum schreiben gefunden?
auch wenn jeder seinen eigenen individuellen prozess durchläuft, wie zum (literarischen) schreiben gefunden, spricht nichts gegen das lernen von anderen. in allen berufsgruppen sind ausbildungen damit verbunden, techniken und experimente, untersuchen und vorgehensweisen von vorgängerInnen nachzuvollziehen, die effekte zu reflektieren. warum also nicht auch beim schreiben.

für alle interessierten hat kelcey parker den wunderbaren blog „ph.d. in creative writing“ ins leben gerufen. (ph.d. ist laut wikipedia „in englischsprachigen Ländern der wissenschaftliche Doktorgrad in fast allen Fächern und der höchste Abschluss des Postgraduiertenstudiums. In diesen Ländern ist der Ph.D.-Abschluss in aller Regel mit der Berechtigung verbunden, an einer Universität zu lehren“). kelcey parker ist also hochschullehrerin für creative writing.

in ihrem englischsprachigen blog hat sie vor einiger zeit die rubrik „how to become a writer“ ins leben gerufen. dazu werden schriftstellerInnen und schreiblehrerInnen fünf fragen gestellt:

  1. Why did you want to become a writer?
  2. How did you go about becoming a writer?
  3. Who helped you along the way, and how?
  4. Can you tell me about a writer or artist whose biography inspires you?
  5. What would you say in a short letter to an aspiring writer?

die antworten sind vielfältig, spannend und anregend. über zwanzig professionelle haben bis jetzt ihre schreibbiografien und -tipps offengelegt. eine anregung für alle interessierte. gebündelt findet man die äußerungen hier: http://phdincreativewriting.wordpress.com/how-to-be-a-writer/ .

doch auch sonst lohnt sich ein blick in den blog: http://phdincreativewriting.wordpress.com . viel spaß beim lesen und schreiben.

web 2.0 und zufall

zufällig eine tolle homepage finden ist ungefähr so schön, wie beim stöbern im buchladen das buch zu kaufen, das gerade perfekt zur aktuellen befindlichkeit passt. „toll“ bedeutet natürlich, eine durch und durch subjektive bewertung zu zu lassen. im vergleich zum buchladen ist der pool an zufälligkeiten im netz x-fach höher. so wie man sich zwischen den bücherregalen treiben lassen kann, so kann man durch das netz surfen. der feine unterschied: beinahe alle webseiten ermöglichen sofortiges lesen und sich in den seiten vertiefen.

wenn man dann noch die zufälle anderer surferInnen mitgeteilt bekommt, entsteht langsam eine sammlung lesenwerter texte, die beständig erweitert und ausgebaut werden. es ist wie das lernen von einem zentralthema aus, das sich langsam verästelt und ausbreitet und einen im laufe der zeit an orten landen lässt, die man nie im fokus hatte. der zufall gibt ein gefühl für die reichhaltigkeit des in der digitalen welt angebotenen. daraus kann man eine wunderbare freizeitbeschäftigung machen.

einmal die woche gebe man sich ein zeitlimit und surfe auf gut glück. keine großen suchbewegung über diverse suchmaschinen, keinen empfehlungen folgen, einfach durchklicken. der long-tail-effekt des internets bietet nischen und entdeckungen, die man nicht für möglich hielt. der effekt wird dadurch vervielfacht, dass sich viele menschen gleichzeitig auf den weg machen, spannendes zu finden, dies im netz wieder streuen und somit der querverweis eine größere bedeutung als die literaturkritik bei büchern bekommt. die chance, etwas zufällig aufzuschnappen, macht das surfen so interessant und so verführerisch.

darum die empfehlung, ein zeitlimit zu wählen. die möglichkeit, sich in der vielfalt zu verlieren und alles nur noch zu streifen ist groß. auch das kann lust (auf mehr) hervorrufen, jedoch irgendwann Weiterlesen

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (08)

kleinliche korrektur

schreiben kann auch menschen, die sich in der rechtschreibung und grammatik nicht so gut auskennen, viel spaß machen. leider verschwindet die freude am schreiben sehr schnell, wenn das augenmerk mehr auf die fehlerkorrektur gelenkt wird, denn auf den inhalt der texte. natürlich kann ein text anstrengend sein, wenn die schreibfehler den inhalt enorm verändern und der lesefluss vollständig unterbrochen wird. doch dies ist selten der fall. wir menschen sind erstaunlicherweise fähig, nur andeutungen von worten und aussagen trotzdem zu entschlüsseln und aufgrund unserer leseerfahrungen zu ergänzen.

also könnte man sich getrost dem inhalt zuwenden und die geschichten, aussagen oder ereignisse genießen. doch da sind wieder einmal das „lernziel“ oder die „vergleichsvorgaben“ vor. teilweise wird beim schreiben von aufsätzen, von stories oder von abschlussarbeiten vor allen dingen der rotstift der fehlerkorrektur gezückt. auch das wäre noch nicht so tragisch, wenn in der endbewertung eines textes vor allen dingen der inhalt beurteilt werden würde. aber es kommt immer noch zu oft vor, dass die fehlerkorrektur in den vordergrund gedrängt wird.

dies führt zum beispiel bei menschen mit schreibschwächen (legasthenie etc.) oder bei menschen, die deutsch als fremdsprache erleben, schnell zu frustrationen. da hat sich jemand eine tolle, fantasievolle geschichte ausgedacht und niedergeschrieben und dann wird der inhalt kaum beachtet. und selbst wenn jemand rechtschreibung und grammatik ganz gut beherrscht, so kann es doch jedem passieren, dass man dinge übersieht. selbst nach dreimaligem korrekturlesen können noch fehler auftauchen.

ich möchte hier nicht generell gegen die fehlerkorrektur argumentieren. die kann und soll stattfinden, auch um beim schreiben stetig etwas dazu zu lernen. aber sie muss nicht im vordergrund stehen. spaß man schreiben macht sicherlich nicht Weiterlesen