Schlagwort-Archive: liebe

biografisches schreiben und eifersucht

es gibt sie immer noch, die eifersuchtsdramen, die nicht gut enden. dabei haben studentInnenbewegung und sexuelle revolution versucht klar zu machen, dass das konstrukt der monogamen zweierbeziehung ein gesellschaftliches ist und wir mit allem viel lockerer umgehen sollten. doch irgendwo ist da der haken und es funktioniert oft nicht so richtig.

da gibt es diejenigen, die im hinterkopf die mahnung haben, dass eifersucht „besitzdenken“ ist und ein anderer mensch nicht besessen werden kann. also stimmen sie ihren partnerInnen zu, dass man eine offene beziehung lebt. und eine(r) von beiden leidet dabei meist wie ein hund. nur um die partnerInnen zu halten entschließt man sich zur offenheit, die nicht lebbar scheint. und da gibt es die, die von anfang nur nach der oder dem einen suchen, prinz und prinzessin, die für den rest des lebens alle bedürfnisse erfüllen. sie stürzen sich in eine fesselnde monogamie, die ihnen im laufe der zeit die luft abschnürt. aber sie würden immer nach außen vertreten, dass es keine andere zusammenlebensform geben kann. selber gehen sie inzwischen fremd, sind aber auf jede(n) eifersüchtig, die sich ihren partnerInnen nähern.

nein, natürlich gibt es noch ganz viele andere spielarten des zusammenlebens. und doch scheinen allzu große ideale jeweils zu verletzen. es geht immer wieder um vertrauen, um absprachen, um verletztes vertrauen und vor allen dingen um verlustangst. hier bietet das biografische schreiben die möglichkeit, schreibend genauer hinzuschauen. in welchen momenten war man unfair? in welchen momentan waren andere zu einem unfair? aus der distanz haben sich die dramen und inszenierungen meist ein wenig beruhigt und es fällt einem leichter, den eigenen anteil an den schwierigkeiten zu erkennen.

denn in einer eifersüchtigen situation selber, da regieren emotionen, die schwer über rationale argumentationen zu erreichen sind. hier herrscht die angst vor eine situationen oder einen menschen an andere zu verlieren. diese vorstellung ist unerträglich, sie löst den gedanken aus, „ohne“ ist das leben unvorstellbar. was für ein irrtum, Weiterlesen

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selbstbefragung (117) – eifersucht

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „eifersucht„.

  • auf wen sind sie momentan am eifersüchtigsten?
  • auf wen waren sie im laufe ihres lebens am eifersüchtigsten?
  • was machen sie, wenn sie eifersüchtig sind? beschreiben sie.
  • wer hatte anlass, auf sie eifersüchtig zu sein?
  • welche verhaltensweisen von partnerInnen oder freundInnen machen sie eifersüchtig? warum?
  • was meinen sie dazu, dass eifersucht nur besitzdenken sein soll?
  • welches waren die theaterreifsten szenen, die sie in ihren beziehungen erlebt haben?
  • sind die versöhnungen nach den szenen für sie angenehm oder unangenehm? warum?
  • kennen sie situationen, in denen sie nicht mehr wussten, was sie tun? welche?
  • mit wem würden sie sich heute gern versöhnen? warum tun sie es nicht?

wortklauberei (72)

„eifersucht“

auch eine form der sucht. also der wortstamm kann ein anderer sein. aber haben sie einmal richtige eifersucht erlebt. da entsteht ein tunnelblick, der in der wahrnehmung alle anderen anzeichen ausblendet. die vorstellung, die fantasie gewinnen über die realität macht und steigern sich in ein gefühltes bedrohungsszenario, ja in paranoia. ein verlust wird gefühlt und man möchte nicht loslassen.

im hintergrund wallt wut. diese mag berechtigt sein oder nicht. oft kommt eifersucht nicht von ungefähr, gibt es eindeutige anlässe. auslöser ist zu wenig zuwendung, die man gern hätte. die schwierigkeit bei dieser sucht nach eindeutigkeit und einmaligkeit liegt im unausgesprochenen. es wird nicht gesagt, „ich möchte dich bei mir haben“, sondern es wird getobt, kontrolliert und abgewertet. selbst wenn das gegenüber signalisiert, da war nichts, du bist einmalig, es gibt keine abwendung, ist das misstrauen größer.

und so kann man auf alles eifersüchtig sein: auf gute freunde, auf hobbys, auf gegenstände, auf tiere oder auf beschäftigungen. alles was einem die partnerInnen zeitlich entzieht, gedanklich abschweifen lässt, begrenzt den suchtstoff zuwendung. Weiterlesen

schreibidee (252)

neben der liebe gibt es noch ein phänomen, das schwer einzuordnen ist. der mensch ist fähig zu objekten und situationen eine enge beziehung aufzubauen. die lustbefriedigung ist ohne diese objekte oder situationen nicht vorstellbar. man braucht diese emotionale „brückentechnologie“, um lust und leidenschaft positiv erleben zu können. dies wird in der schreibanregung aufgegriffen, um „fetisch-geschichten“ zu schreiben.

alles kann zum fetisch gemacht werden. darum werden zum einstieg die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, sich einen ausgefallenen gegenstand oder ein alltägliches ereignis auszuwählen. so können zum beispiel eine zitronenpresse oder die hektik am fahrkartenautomat gewählt werden. nun sollen eine zweiseitige liebeserklärung oder ode an die gegenstände und ereignisse verfasst werden. diese werden anschließend vorgetragen.

in der folge wird eine geschichte geschrieben, in der das fetischobjekt eine zentrale rolle spielt. so kann es zum beispiel zu einer liebesgeschichte kommen, an deren rand bei jeder lustvollen begegnung der protagonistInnen die zitronenpresse dabei sein muss. vielleicht werden während der körperlichen begegnung zitronen ausgepresst oder auch nur über das objekt der begierde gestreichelt. auch hier sind der fantasie keine grenzen gesetzt. anschließend werden die geschichten vorgetragen und es gibt eine feedbackrunde.

da fetische erst einmal unproblematisch sind, aber doch für schwierigkeiten sorgen können, wenn sie zu außergewöhnlich sind, soll im anschluss noch eine kurze geschichte geschrieben werden, in der der fetisch zum stolperstein der beziehung wird. so finden sich zum beispiel seltsame rollenspielwünsche oder bekleidungswünsche wieder, die es den partnerInnen schwer machen, nähe gemeinsam zu erleben. diese geschichten werden zum abschluss vorgetragen.

was ist eine muse und was hat sie mit liebe zu tun?

musen sind mysterien, die schwer zu beschreiben sind und sehr subjektiv ihre wirkung entfalten. musen sind menschen, die künstlerisch tätige menschen in ihrem schaffensprozess animieren. doch wodurch sie die künstlerInnen zu ideen anregen, das ist beinahe unmöglich zu beschreiben. die verbindung zwischen künstlerInnen und ihren musen geht weiter als eine freundschaft.

in einer guten freundschaft tauscht man seine erlebnisse und stimmungen aus, man unterstützt sich gegenseitig und man gestaltet die freizeit gemeinsam. im laufe der zeit lernt man sich sehr gut kennen, weiß wie der oder die andere denkt und fühlt. mit einer muse muss einen keine freundschaft verbinden. es genügt eine schwingen auf der kreativen ebene. die muse muss anscheinend gar nicht viel tun, muss sich nicht mit der lebenssituation der kreativen auseinandersetzen. sie muss nur da sein und so sein, wie sie ist.

eine muse hat anscheinend eine ausstrahlung, die einen auf ideen bringt. natürlich transportiert sich die ausstrahlung auch über die kommunikation zwischen künstlerInnen und musen. man muss sich das vielleicht wie zwei menschen vorstellen, die einen gedanklichen faden ständig weiterspinnen, sich in den weiten der fantasie verlaufen und zum schluss an einem punkt rauskommen, den sie nicht für möglich gehalten hätten. die künstlerInnen setzen dieses erlebnis in ein werk um, die musen haben diese ambition meist nicht.

doch auch diese verallgemeinerung trifft das verhältnis zwischen musen und den künstlerInnen nicht vollständig. manchmal mag es nur der körperliche ausdruck einer person sein, der einen zu ideen anregen kann, manchmal ist es der stimmfall oder auch nur der augenaufschlag. das besondere an einer muse ist, Weiterlesen

schreibpädagogik und liebe

so, wie menschliche beziehungen in der literatur und im kreativen schreiben eine große rolle spielen, so spielen sie natürlich auch im realen leben und damit auch in schreibgruppen eine große rolle. man mag darüber streiten, ob die auseinandersetzungen um beziehungen nicht überbewertet werden, aber sie finden statt.

ganz schlicht beginnt es bei den gruppendynamiken oft mit der bildung von klein- und untergruppen. menschen, die sich sympathisch scheinen, gruppieren sich umeinander, übernehmen gern gemeinsam aufgaben und lernen sich langsam kennen. natürlich bieten schreibgruppen einen zusätzlichen zugang: wenn menschen gemeinsam texte schreiben und diese sich gegenseitig vorstellen, geben sie eine ganze menge von sich preis, meist mehr als zum beispiel in einem sportverein.

das ist weder gut noch schlecht, es macht wahrscheinlich nur spaß, sich intensiv auszutauschen. doch diese teilhabe an den gedanken der anderen kann schnell sympathie verstärken oder auch ablehnung steigern. da ist es nicht verwunderlich, dass in kreativen zusammenhängen die gruppendynamiken teils eine verstärktere form annehmen. da ist es auch nicht verwunderlich, dass liebevolle gefühle raum finden und sich teilnehmerInnen ineinander verlieben können.

wenn dann noch geschichten über beziehungen geschrieben werden, dann kommt es beinahe schon gruppenabenden gleich, an denen „therapy“ oder „wahrheit oder pflicht“ gespielt werden. auch gruppenleitungen sind nicht gefeit davor, dass sie angeschwärmt werden oder selber gefallen an teilnehmerInnen finden. Weiterlesen

schreibberatung und liebe

nein, es soll hier nicht darum gehen, dass sich ratsuchende oder klientInnen in ihre beraterInnen oder therapeutInnen verlieben können. das kann vorkommen, wie in jedem anderen job auch. es macht vieles kompliziert und widerspricht teilweise dem berufsethos, doch es kann nur persönlich geklärt werden.

es soll hier um ein anderes phänomen gehen, das oft einhergeht mit anstrengenden situationen. wer kennt es nicht, dass in prüfungszeiten oder wenn der stress am größten ist, prompt alles zusammenkommt. das heisst, plötzlich wird in diesen momenten auch die beziehung zu anderen menschen zusätzlich thema. man muss eine abschlussarbeit verfassen und die existierende beziehung fängt an zu kriseln. oder man lernt ausgerechnet in diesem moment eine person kennen, die einen verwirrt.

zu erklären ist das phänomen schwer, man kann nur vermutungen darüber anstellen. so kann es damit zu tun haben, dass in sehr fordernden und konzentrierten situationen die emotionalen fühler und die persönlichen gefühle auf einem sensibleren niveau liegen. also kann es in der schreibberatung passieren, dass diese emotionalen ausnahmesituationen den schreibfluss und die schreibkrise beeinflussen.

nun kann man natürlich versuchen, die persönlichen gefühlslagen in der beratung auszuklammern, sich auf den schreibprozess zu konzentrieren. doch wenn man davon ausgeht, dass schreibschwierigkeiten beeinflusst werden von diversen lebenslagen und die schreibberatung diese einbeziehen sollte, um gemeinsam handlungsmöglichkeiten zu finden, dann müssen die beziehungskonstellationen auch thema sein dürfen.

so kann die schreibberatung, wenn das thema gefühle und liebe thematisiert wurden, schreibtechniken anbieten, die zum einen der klärung des gefühlschaoses zuträglich sein können, und die zum anderen schreiben trotz eines gefühlschaoses ermöglichen. Weiterlesen

web 2.0 und liebe

das web 2.0 verheisst die wahre liebe, das perfekte pendant zu einem selber. auf diese kurze aussage lassen sich die funktionsmechanismen einer (beinahe) globalisierten kommunikation reduzieren. wie schon in dem buch „das ende der liebe“ von sven hillenkamp aufgezeigt wird, suggeriert das internet ein unendliches angebot an potentiellen partnerInnen.

doch dies ist ein trugschluss, beschränkt sich das angebot doch auf die menschen, die einen netzzugang haben, die sich in soziale netzwerke einklinken und die darüber partnerInnen suchen. so wird sich die auswahl im absoluten idealfall auf die weltbevölkerung im beziehungsfähigen alter beschränken, wenn man nicht glaubt, dass in absehbarer zeit zusätzlich potentielle partnerInnen aus dem weltall teil der kommunikationsnetze werden.

und es folgen weitere einschränkungen: jeder mensch kann für sich prioritäten benennen, die potentielle partnerInnen erfüllen sollten. doch allein diese prioritäten gehen durch einen engen filter, den der virtuellen kommunikation. es ist nicht nachvollziehbar, wie weit die angaben in profilen der realität entsprechen, wie weit das aussehen dem digitalisierten bild entspricht und wie weit die schriftliche kommunikation ein spiegel des gegenübers ist.

also muss die versprochene möglichkeit, perfekte partnerInnen durch das netz finden zu können, abermals eingeschränkt werden: die eigentlich menschlichen komponenten kann das web 2.0 nicht abbilden. dazu zählen der körpergeruch, der klang der stimme, die ganz subjektive bewegung, die gelebten emotionen und vor allen dingen die nicht in worte zu fassende ausstrahlung. im computer strahlt nur ein abbild, das eventuell und maximal einen vorgeschmack Weiterlesen

selbstbefragung (92) – liebe (2)

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „liebe„.

  • können sie sich selbst lieben? begründen sie.
  • wie zeigen ihnen andere menschen, dass sie sie lieben?
  • was ist für sie beim lieben anstrengend?
  • was oder wen lieben sie gerade?
  • woran bemerken sie, dass sie lieben?
  • welche worte verwenden sie, wenn sie lieben? nennen sie beispiele.
  • macht ihnen liebe manchmal angst? warum?
  • fällt es ihnen leicht, schöne gefühle auszudrücken?
  • wann schwebten sie das letzte mal auf rosa wolken?
  • versuchen sie schöne gefühle festzuhalten? beschreiben sie.

eine weitere selbstbefragung zum thema liebe findet sich hier: https://schreibschrift.wordpress.com/2009/04/19/selbstbefragung-11-liebe/

biografisches schreiben und liebe (2)

vor beinahe drei jahren habe ich schon einmal über das biografische schreiben und die liebe geschrieben. dabei lag der schwerpunkt auf der außensicht, also, an wen richtete sich meine liebe und wie wirkte dies auf mich. dieses mal möchte ich den blick noch stärker nach innen richten. es gibt die aussage „nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben“. ein hoher anspruch, doch wie immer bei verallgemeinernden aussagen zu gefühlswelten, steckt ein körnchen wahrheit drin.

vielen menschen ist es unangenehm oder unmöglich, sich selbst gegenüber positive gefühle zu haben. man ist eher bereit kritiken und negative ereignisse ernst zu nehmen, als die positiven rückmeldungen, die einem von anderen gegeben werden. es fällt leichter anderen positive gefühle entgegen zu bringen, als sich selber. zu oft wird nach fehlern bei einem selber gesucht, als nach stärken oder positiven eigenschaften.

sicherlich gibt es die selbstüberschätzung, die sich in größenwahnsinnigen haltungen äußert. da treten menschen mit der haltung nach außen, sie wären so außergewöhnlich, dass ihnen niemand das wasser reichen kann. dies stösst der umwelt unangenehm auf. und kaum lernt man diese menschen kennen, stellt sich heraus, dass sie meist ganz „normale“ lebensgeschichten hinter sich haben, dass sie in der selbsteinschätzung übertreiben.

doch es gibt haltungen abseits der extreme, die dem menschen einfach nur gut tun können. zu viele glauben, sie wären gleich größenwahnsinnig, wenn sie nur mal formulieren, dass sie sich selbst mögen, dass sie gut finden, was sie getan haben, dass sie ein gefallen an dem umgang mit sich selber haben. auch hier muss ich natürlich mit den verallgemeinerungen vorsichtig sein, Weiterlesen

kreatives schreiben und liebe (2)

seltsam, dass ich bis heute nicht zu diesem thema geschrieben habe, sind doch die beziehungsgeflechte grundlage vieler geschichten und texte. wahrscheinlich liegt es daran, dass die liebe meist eine sehr persönliche vorstellung ist, die schwer verallgemeinert werden kann. klar, es gibt sie, die schnulzen und romantischen schmachtfetzen, die meist wenig mit der realität vieler menschen zu tun haben, denn sie bieten oft ein happy-end. hier wird eine verheissung transportiert, die eher zur satire neigt, denn ein abbild des lebens ist.

und doch kann sich das kreative schreiben natürlich der liebe annähern. man nehme nur die riesige auswahl an kosewörtern, die grundlagen unzähliger geschichten oder gedichte sein können. ein wenig langweilig für kreatives sind die heutigen formen des kennenlernens durch internet und speed-dating geworden. verklemmtere gesellschaften bieten hier für das schreiben viel mehr spielraum. wo strenge regeln des zusammenseins gelten, werden fantasievolle wege gesucht, den spontanen gefühlen und zuneigungen ausdruck zu verleihen. auch darüber könnten unzählige geschichten verfasst werden.

und seitdem es paarberatungsstellen oder beziehungscoaching gibt, wurde auch das mysterium des dauerhaften zusammenlebens analysiert, katalogisiert und seziert. texte von der „großen liebe“, dem ewigen versprechen und der liebe auf den ersten blick wirken in diesen momenten meist kitschig und altbacken. aber das macht eigentlich nichts. seltsamerweise binden solche geschichten selbst den hatgesottendsten coolen. es gibt da beim menschen anscheinend ein gefühlsregister, das er nie so richtig im griff haben kann, wenn er auch noch so sehr versucht, kontrolle darüber zu erlangen. Weiterlesen

liste (34) – liebe

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um die „liebe„.

das ist vor allen dingen liebe für mich:

die drei menschen, die ich am meisten liebe:

die drei menschen, die mich am meisten lieben:

was ich sonst, außer menschen, noch sehr liebe:

meine liebe zeige ich am liebsten so:

wortklauberei (57)

„wahre liebe kribbelt nicht. sie brutzelt.“

in der kälte des winters erinnert sich manch einer gern an die kuscheligen, zwar etwas verqualmten, aber dann doch ganz amüsanten grillabende. und wenn man sich daran erinnert, dann erinnert man sich vielleicht auch an den tollen werbespruch von edeka, der im internet kursierte: wahre liebe kribbelt nicht. sie brutzelt. dieser spruch sollte die leserInnen dazu animieren, ihr grillgut bei edeka zu kaufen.

oh je, was liebe alles so machen muss. sie verstört, sie quält, sie lockt, sie entflammt und noch vieles mehr. dass sie kribbelt war mir dann doch neu. also gut, die flugzeuge im bauch, die kann man als kribbeln interpretieren und dies wiederum könnte mit liebe zu tun haben. aber wenn mein fuss kribbelt, dann ist er nur eingeschlafen, aber nicht unbedingt ein zeichen von liebe. ansonsten kribbeln vor allen dingen noch eingeschlafene hände und arme, der kopf kann kribbeln, wenn man zur zeit keine mütze auf hat, und die füsse, wenn sie wieder auftauen. aber wo kribbelt liebe?

doch nicht genug damit, die wahre liebe wird auch noch in die pfanne gehauen. sie wird zum brutzeln verdonnert. wahrscheinlich wird sie dann knusprig, schmeckt nach rauch und kohle, das fett (bei der liebe handelt es sich dabei wahrscheinlich um schmalz) tropft in die glut. die liebe zischt, sie schmurgelt vor sich hin, wird braun und zäh wie schuhsohlen. ein schelm, wer dabei an menschenfresser und schlachtfeste denkt. ja eigentlich ist die liebe ja ein einziges schlachtfest und danach gibt es metzelsuppe.

erst jetzt, während ich diese zeilen schreibe, erklärt sich mir der braten, der in die röhre geschoben wird. seltsam, wie fleisches- und herzenlüste an der metzgertheke ihre metaphern finden. der mensch ist eben ein allesfresser. für vegetarier wedelt da nur die palme.

schreibidee (180)

ist die freiheit stark beschränkt, dann kommt meist die norm zum tragen. soll heißen, es wird vorgegeben, was, wie zu gestalten ist, wie handlungen aus zu sehen haben. das kann sicherheit vermitteln, denn man weiß, was man hat. es kann aber auch als große einschränkung erfahren werden. beide erfahrungen dürfen bei dieser schreibidee eine rolle spielen. es geht um „texte der normierung„, die verfasst und betrachtet werden sollen.

als einstieg wird in der schreibgruppe von den teilnehmerInnen gesammelt, welche formen der normierung bekannt sind. dabei können die din-maßstäbe benannt werden, die mode, formen des qualitätsmanagements, die handelsklassen und vieles mehr. man erinnere sich an die euro-gurke und die euro-banane. im anschluss wird ein kurzes beispiel für eine din-verordnung vorgelesen. nun wählen sich die teilnehmerInnen einen gegenstand aus, für den sie einen „normierungs-text“ verfassen. die texte werden ohne feedback gegenseitig vorgetragen.

als nächstes wählen sich alle jeweils einen gegenstand oder eine angelegenheit, die eigentlich nicht normiert werden können (zum beispiel gefühle, zufällige ereignisse, …). beim kreativen schreiben sollen die vorstellungen vom schwer fassbaren überwunden werden und einfach eine norm erstellt werden. die entstandenen texte werden nicht vorgetragen, bilden sie doch nur eine fingerübung für den folgenden text.

denn als nächstes werden alle schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert eine din-verordnung für „liebe“ zu verfassen. wie diese verordnung ausfällt bleibt allen überlassen. es kann zum beispiel zwischen der din 01 und der din 08/15 liebe unterschieden werden. es kann aber auch in der din-norm klar ausformuliert werden, wie liebe generell zu gestalten und zu leben ist. ja, es können sogar kontrollinstrumenten für das einhalten der din-norm erfunden werden. diese texte der normierung von liebe werden im anschluss in der schreibgruppe vorgestellt und es wird ein feedback gegeben.

selbstbefragung (36) – freundschaft

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „freundschaft„.

  • wie wichtig sind ihnen freundschaften? erklären sie.
  • wer sind ihre besten freunde? warum?
  • welche rolle spielt liebe für sie bei freundschaften? wie zeigt sich dies?
  • mit wem wären sie gern befreundet, sind es aber nicht? was bräuchte es, damit eine freundschaft entstehen könnte?
  • wann fühlen sie sich in freundschaften aufgehoben?
  • wann gehen bei ihnen freundschaften zu bruch? was muss geschehen? wo liegen für sie die grenzen der freundschaft?
  • was akzeptieren sie bei freunden, das sie bei anderen menschen nicht akzeptieren? warum?
  • kann man sich auf sie verlassen, wenn man mit ihnen befreundet ist? nennen sie beispiele.
  • verstehen sich ihre besten freundInnen mit ihren partnerInnen? beschreiben sie.
  • was tun sie zur pflege von freundschaften? was erwarten sie von ihren freundInnen?

„das ende der liebe“ von sven hillenkamp – ein buchtipp

der untertitel des buches gibt einen hinweis auf die problematik, die der text von sven hillenkamp aufgreift. „das ende der liebe – gefühle im zeitalter unendlicher freiheit„. unendlich bedeutet, ich habe alle möglichkeiten, die ich mir nur vorstellen kann. die schwierigkeit für den menschen besteht darin, dass dies einen verlust von kontrolle oder halt bedeuten kann. natürlich wünschen wir uns alle die freiheit. die freiheit über jede lebenssituation verfügen und daraufhin entscheiden zu können.

aber gleichzeitig kann es uns immer schwerer fallen, wählen zu können. für was entscheide ich mich denn, wenn ich ein unendliches angebot vor mir habe. abgesehen von der tatsache, dass es wirkliche freiheit in den heutigen gesellschaften nicht gibt, etwas, das auch hillenkamp sieht, gaukeln aber vor allen dingen die digitalen medien, gaukelt die digitale revolution vor, einen ganz neuen freiheitsgrad auch im sozialen kontakt zu erleben. man sehe sich nur die portale der partnersuche und sexuellen kontakte an. die auswahl an potentiellen partnerInnen ist unüberschaubar. es wird versucht durch suchkriterien die möglichkeiten einzuschränken. na ja, und was suchen wir dann? den idealen menschen, das perfekte, das, was wir schon immer wollten.

ab diesem moment entsteht für uns eine vorstellung von einem menschen, der all unsere sehnsüchte und bedürfnisse stillt, mit dem der sex einmalig ist, der zu keinen komplikationen und schwierigkeiten führt, bei dem wir keine angst haben müssen, dass er uns einmal verlassen könnte. doch genau diese gefahr nimmt eigentlich zu. denn das wissen um eine beinahe unendliches angebot an potentiellen partnerInnen, lässt uns ahnen, dass es noch eine passendere person geben könnte. gleichzeitig sind wir bemüht, perfekt für die interessentInnen zu wirken, die auf uns zukommen. wohl wissend, dass es jemand besseren als uns geben könnte. laut hillenkamp kann in diesem moment die vorgegaukelte freiheit und unendlichkeit in einen terror der wahlmöglichkeiten umschlagen.

ein spannendes gedankenspiel auf die soziale interaktion von menschen angewendet. das buch beleuchtet die schwierigkeiten der kommunikation, die ausdifferenzierung der szenen und vorstellungen, eben damit auch das ende der liebe, die ein soziales konstrukt ist und wahrscheinlich von einem anderen ersetzt werden wird. schon der stil des buches bindet einen, da eine klare, „laute“ und provozierende sprache zum nachdenken und inneren diskurs anregt. mancher gedanke erschreckt und zertrümmert die romantisierenden träume. ein buch, das ernüchtern kann, gleichzeitig aber aufschreckt und den widerstand in einem herausfordert. wirklich lesenswert, da selten die digitalisierung des zusammenlebens so schonungslos seziert wird. das buch ist 2009 bei klett-cotta erschienen. ISBN 978-3-608-94608-6

web 2.41 – lebensfreude50.de

befragungen und statistiken zeigen, dass die älteren generationen in deutschland inzwischen aufholen was dauer und häufigkeit der nutzung des internets bedeutet. viele haben nie in der schule informatik als unterrichtsfach gehabt, mussten in ihrem beruf wenig mit dem computer arbeiten und hielten im privatleben kontakte über das telefon oder briefe.

inzwischen müssen auch die 50plus-generationen an ihren arbeitstellen den computer als standardwerkzeug verwenden, haben sich als erstes das handy als kommunikationsmittel angeeignet und sind längst auf dem vormarsch das internet zu erobern. denn selbst in der rente lassen sich inzwischen reisen leichter über das web buchen und planen. die berührungsängste mit moderner technologie werden abgelegt.

so wie heute viele junge menschen meinen, ältere hätten keine ahnung vom internet, so wurde auch lang geglaubt, dass das interesse an beziehungen, freundschaften und sex ab einem gewissen alter keine rolle mehr spielt. man war mit einem menschen verheiratet, wenn der nicht mehr existierte, dann endete die zweisamkeit für immer. ein großer trugschluss, man kann sich auch mit neunzig noch hals über kopf verlieben. und inzwischen gibt es auch flyer zu einem internetangebot für die 50plus-generation. unter http://www.lebensfreude50.de findet sich „internet für junggebliebene„. oder wie der anbieter formuliert: „verabreden ohne junges gemüse„. hier liegt die zukunft des internets, da die bevölkerungsstatistik zeigt, der markt wächst. die digitale kontakt- und partnerbörse bietet alles was solche angebote bieten sollten.

selbstbefragung (11) – liebe

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „liebe„.

  • haben sie schon einmal so geliebt, dass sie regelrecht körperliche schmerzen spürten? wenn ja, beschreiben sie. wenn nein, spekulieren sie.
  • sind liebe und sex bei ihnen untrennbar miteinander verbunden? warum?
  • wie oft haben sie in ihrem leben wirklich geliebt? berichten sie.
  • das gegenteil von liebe sei nicht hass, sondern gleichgültigkeit. stimmt das?
  • ist eifersucht für sie besitzdenken? begründen sie.
  • ist die aussage „ich liebe dich“ für sie der anfang vom ende oder ein anfang? wie reagieren sie?
  • was schreiben sie in liebesbriefe? schreiben sie überhaupt liebesbriefe? warum nicht?
  • hilft liebe der menschheit?
  • was denken sie über die aussage: liebe ist ein bürgerliches konstrukt?
  • wen lieben sie zur zeit? erzählen sie doch mal.

selbstbefragung (10) – melancholie

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „melancholie„, die konsequente folge auf das glück vom letzten mal. lese gerade ein sehr schönes buch über die melancholie in der „grinse“-gesellschaft. demnächst mehr darüber hier.

  • können sie in glücklichen zeiten auch traurig sein?
  • wie oft haben sie depressive verstimmungen? warum so selten oder so oft?
  • was halten sie von der aussage: man muss sich einfach zusammenreissen und seine gefühle nicht so vor sich hertragen?
  • was verstehen sie unter „in gefühlen schwelgen“?
  • würden sie sich als „romantische kuh“ bezeichnen? glauben sie wirklich an die verheissungen dieser haltung?
  • welche melancholischen schriftstellerInnen mögen sie?
  • ertappen sie sich öfter dabei, dass sie das glück festhalten wollen?
  • in welchen momenten werden sie besonders traurig?
  • wie reagieren sie auf menschen, die immer gut drauf sind (weiß der geier auf was)?
  • sind für sie liebe und melancholie unzertrennlich verbunden? warum?
  • wie melancholiefreundlich ist ihre umwelt (freundInnen, partnerInnen, verwandschaft…)?

wortklauberei (30)

„zwei leben. eine liebe. sheba“

früher stürzte sich die werbebranche noch auf nackte tatsachen und erotische anspielungen, da sie dem motto „sex sells“ folgten. heute hat sich dies gewandelt, die gesellschaft kehrt zu den alten werten zurück. „liebe“ steht hoch im kurs, denn liebe hüllt einen in einen kokon aus zuversicht und vertrauen ein. und steht kein liebender mensch zur verfügung, dann muss eben das haustier herhalten. in der wortklauberei fand schon einmal die liebe zu hunden aus der „cesar“-werbung platz. auch sie argumentierte für das produkt mit liebe.

ein weiteres sehr beliebtes haustier sind katze oder kater. so verwundert es nicht, dass auch „sheba“ mit der großen liebe des lebens wirbt. „zwei leben. eine liebe.“ kann man nun auch missverstehen. denn katzen sind, wie allgemein bekannt sein dürfte, nicht ganz so unterwürfig wie der hund. sie bestimmen selbstständig wann sie zuwendung wollen und wann nicht. so kann der werbespruch eben auch bedeuten, da gibt es zwei wesen, aber die liebe ist einseitig, nämlich mensch liebt katze. katze ist da pragmatischer und holt sich ihr futter ab.

das wäre natürlich enttäuschend für den menschen. Weiterlesen